Hallo!
Mit dem Unglück bei der diesjährigen Loveparade ist jedenfalls ein Kapitel
der bundesdeutschen Spaßgesellschaft beendet worden...
Wohl kaum oder bestenfalls ein nebensächliches Unterkapitel. Es scheint, als bedürfe der Mensch der Betäubung, um die innere Leere zu überdecken in einer Welt, die ohne metaphysische Grundlage, das heißt ohne Verbindung zu einer transzendenten Wirklichkeit ist, in der das Jenseits einfach geleugnet wird und das Leben mit dem Tode endet, sowie auch die Zeit bis dahin ohne Sinn scheint.
=> Gott ist tot. Und wir haben ihn (in uns!) getötet. Nun ist alles sinnlos, denn die Körperlichkeit ist ohne übersinnliches Zentrum zum Selbstzweck geworden.
Das wäre für einen normal empfindenden Menschen schlechterdings unerträglich. Daher die Betäubung: Der Weg nach oben ist durch den Rationalismus verschüttet worden und alles, was einem darüber hinaus noch einfällt, ist eine Reizung der Sinne.
Mit dem Fall einer solchen nihilistischen Veranstaltung wird der Trieb nur genötigt, sich ein anderes Ventil zu suchen. Nach kurzem Innehalten wird es allenfalls mit neuen Festivitäten noch stärker weitergehen, weil durch solche Unfälle die Frage nach dem Sinn des Ganzen die vom heutigen Weltbild nicht beantwortet werden kann für einen Augenblick wieder aufgeworfen wird.
Das wird so gehen, bis es kracht, denn je näher die Katastrophe rückt, desto mehr wird auch der aller Stumpfeste in einer Ecke seines Unterbewußtseins spüren, daß die Schlinge sich allmählich enger zieht, daß die Gefahr wächst und er ganz auf sich zurückgeworfen ohne Heil ist, ohne etwas, daß ihm die Sache erträglicher macht. Man lacht sich wahrlich zu Tode, wobei es weniger eine spaßige als eine hysterische Lache ist.
BBouvier hat vor Jahren mal eine dazu passende Passage aus Tolstois "Krieg und Frieden" ins Forum gestellt, die ich kürzlich erst wieder gefunden habe:
"Der Feind [Napoleon] kam immer näher
an Moskau heran; die Auffassung der Moskauer
über ihre Lage wurde aber keineswegs ernster,
sondern im Gegenteil nur noch leichtsinniger, so wie
das immer bei Menschen der Fall ist,
die eine große Gefahr heranziehen sehen.
Bei der Annäherung einer Gefahr sprechen in der Seele des
Menschen immer zwei Stimmen gleich stark:
Die eine mahnt verständig, der Mensch solle das eigentliche
Wesen der Gefahr erwägen und Mittel zur Rettung ersinnen;
die andere sagt noch verständiger,
es sei schwer und quälend, an die Gefahr zu denken,
da es ja doch nicht in der Macht
des Menschen stehe, alles vorauszusehen
und sich vor dem allgemeinen Lauf der Dinge zu retten,
und es sei deshalb besser,
sich von dem Schweren abzuwenden,
solange es noch nicht da sei, und lieber
an Angenehmes zu denken.
Ist der Mensch einsam, so hört er meist auf die erste Stimme,
in Gesellschaft hört er dagegen auf die zweite.
So war es auch jetzt mit den Einwohnern Moskaus.
Schon lange hatte man in Moskau
kein so lustiges Leben geführt,
wie in diesem Jahr."
Gruß
Taurec
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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“