"Planetenfeuer" - Max Haushofer 1899 (Schauungen & Prophezeiungen)

HJH, Montag, 06.12.2010, 02:38 vor 5640 Tagen (4524 Aufrufe)

1899 hat der Autor und Nationalökonom Max Haushofer den Zukunftsroman "Planetenfeuer" veröffentlicht. Zwei Planeten stoßen zusammen, die Erde rast auf das Trümmelfeld zu. 1999, der technische Fortschritt ist weit gediehen...wartet der Münchner, bis ihm die Gesteinsbrocken davon auf den Kopf fallen...

Haushofer beschrieb weiter "kleine, geräuschlose Maschinen" im späten 20. Jahrhundert, "eine Art von Rollschuhen". Haushofer beschrieb kirchliches Sektenwesen in den USA. Er analysierte seine Zeit, verschob diese in die Zukunft.

Haushofer spielte kulturelle Gesellschaften, ihren Aufstieg, ihren Niedergang durch.

"Planetenfeuer" liest sich wie eine Ahnung. "Dass jemand eine Vision entwickelt für die Menschheit als Ganzes und nicht nur in Legislaturperioden denkt oder bis zum nächsten Update..." so beschreibt Haushofers Wiederentdecker Martin Otter den literarischen Wert des Romans.

Haushofers Sohn Karl hatte enge Verbindungen zu Rudolf Heß. Max` Enkel Albrecht wurde wegen Kontakte in der Zeit des Nazi-Widerstandes hingerichtet.

.-.-.-.

Aber das wissen ja die Experten hier.

Hörspielfassung auf Bayern 2, 11.12, 15 Uhr 15.

Kommentierte Neuauflage des Romans Mitte Januar 2011.

Gruß

HJH

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"Planetenfeuer"

BBouvier, Montag, 06.12.2010, 03:02 vor 5640 Tagen @ HJH (3768 Aufrufe)

Danke, HJH!

Inhaltsangabe:
=>
"Max Haushofers einziger Roman Planetenfeuer,
1899 erstmals und einmalig erschienen,
entwirft München im Jahr 1999:
In Deutschland hat sich der Staatssozialismus seit 100 Jahren bewährt.

Das Land blüht, die Gesellschaft ist hoch entwickelt.
Die Großindustrie ist zum Teil verstaatlicht,
die Hälfte der Bevölkerung besteht aus Staatsdienern und Pensionisten.

Phantastische Erfindungen machen allen das Leben leichter.
Die elektrische Flugbahn hat das Reisen pfeilschnell gemacht,
in der Stadt bewegen sich die Menschen auf Rollschuhen fort.
Pantoskope, glänzende Scheiben aus schwarzem Glas,
sind das Medium, mit dem die Menschen
weltweit in Ton und Bild miteinander kommunizieren.

Brillen, die direkt mit dem Gehirn verbunden werden,
lassen Blinde wieder sehen.
Das Gedankenlesen ist zur erlernbaren Kunst geworden.
Eine geheime Gesellschaft von Wissenschaftlern
bringt Tote wieder zum Sprechen.
Trotz des allgemeinen Wohlstands herrscht in allen Bevölkerungsschichten
eine nervöse Stimmung.
Die Menschen berauschen sich mit legalen narkotischen Mitteln
und sind von einer grauenhaften Krankheit bedroht,
bei der sie sich, von umherirrenden Elektrobündeln infiziert,
auf offener Straße zu Tode lachen.

Die Nachricht einer drohenden Katastrophe
versetzt die Welt in endgültige Aufruhr:
Zwei ferne Planeten sind zusammen gestossen
und haben ein riesiges Trümmerfeld im All hinterlassen.

Die Erde rast unaufhaltsam auf dieses Planetenfeuer zu.
Der Weltuntergang droht.

In dieser Endzeitstimmung treffen in München
die Freunde Georg Santen und Heinz Ruthardt
auf die Freundinnen Ethel Tank und Ortrud von Haag.
Sie verbringen die letzten Wochen vor dem Untergang
mit gemeinsamen Ausflügen und Diskussionen
über die Vor- und Nachteile der modernen Zeiten, in denen sie leben."

Bemerkenswert!

Gruss,
BB

--
- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."

Marginale, aber bemerkenswerte Analogie

RichardS, Montag, 06.12.2010, 11:17 vor 5639 Tagen @ BBouvier (3574 Aufrufe)

und sind von einer grauenhaften Krankheit bedroht,
bei der sie sich, von umherirrenden Elektrobündeln infiziert,
auf offener Straße zu Tode lachen.

Moin,

Carl Amery (geboren 1922, gestorben 2005) schrieb 1975 den Roman „Der Untergang der Stadt Passau".

Zu diesem Roman aus „Wikipedia":

• Der Untergang der Stadt Passau (1975): Im Vorwort nennt Amery den Roman eine „Fingerübung“, zu deren Ausarbeitung ihn der Roman A Canticle for Leibowitz (deutsch: Lobgesang auf Leibowitz) des amerikanischen SF-Autors Walter M. Miller inspiriert habe. Dementsprechend erscheint der Roman in der SF-Reihe des Heyne-Verlags und wird zu Amerys größtem Bucherfolg. Zum Inhalt: Nach der durch eine Seuche ausgelösten globalen Katastrophe kristallisieren sich zwei Gruppen heraus – die eine Gruppe versucht einen Wiederaufbau der Zivilisation (inklusive Elektrizität, Bürokratie und Schickeria), die andere geht zurück zu den Wurzeln der Subsistenzwirtschaft und etabliert eine Kultur auf etwa dem Niveau der Bronzezeit. Der Roman erzählt die Geschichte des sich notwendig ergebenden kulturellen Konflikts.

Die Seuche selber – also der eigentliche Beginn der Katastrophe, die zum Zusammenbruch der Zivilisation führt – ist in Amerys Roman kein Thema, selbst ihre tödlichen Folgen werden im Roman nur lapidar und quasi als kleines Vorspiel in einer einzigen Szene erwähnt. Doch an die erinnerte ich mich, als ich jetzt den von BB eingstellten Kommentar zu Haushofers Roman las. Entweder Zufall oder Amery kannte Haushofers Roman (?) (denn an die dritte Möglichkeit, dass die Analogie mehr als bloßer Zufall oder eine ‚Ideenanleihe’ durch Amery sein könnte, will ich eigentlich nicht glauben) – jedenfalls scheint auch bei Amery die Folge der Seuche zu sein, dass sich die Menschen „auf offener Straße zu Tode lachen“. Ich zitiere die einzige Szene im Roman, in der Plünderer bzw. Verfolger einer Frau offenkundige Opfer der Seuche sind:

„Als sie aus der Zelle trat, sah sie schräg über der leeren Straße drei junge Männer, die ein Schaufenster einschlugen und Whiskyflaschen herausholten. Einer wandte sich um, sah sie und rief den anderen etwas zu. Die drei lachten unbändig und kamen im Laufschritt über die Straße. Sie rannte zu ihrem Auto, sie erreichte es, aber sie ließ zu rasch an, der Motor streikte. Sie schrie schon, während der erste, der das Auto schon fast erreicht hatte, stehenblieb und, immer lauter lachend, in die Knie sank. Die beiden anderen bremsten abrupt, heulten vor Angst und rannten mit doppelter Geschwindigkeit in eine Seitenstraße.“

HJH, danke fürs Aufmerksammachen. Da ich nächstes Wochenende in Bayern bin, werde ich mir die Sendung auf BR2 anhören können.
Amerys Roman hat nichts mit Planetenzusammenstößen zu tun. Im Hinblick auf das (Über)Leben nach dem Zusammenbruch der bisherigen Ordnung und die Logik, Strategie und Kämpfe rivalisierender Gruppen ist er aber sehr lesenswert.
Und jenes „zu Tode lachen“ fiel mir auf – ist ja als Symptom einer tödlichen Seuche nicht unbedingt nahe liegend, selbst für ein (visionäres) Schriftstellerhirn nicht.

Gruß
Richard

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"Zufälle" gibt´s !....

BBouvier, Montag, 06.12.2010, 13:43 vor 5639 Tagen @ RichardS (3627 Aufrufe)

Danke, RichardS!

Die diffuse Vermutung, präcognitive Elemente seien
in beiden Fällen durchaus vorhanden, scheint nicht abwegig.

Erinnert sei an den Roman "Titan" Robertsons, der 1898
den Untergang der Titanic 14 Jahre darauf, fast seherisch
vorwegnahm:
=>
"Schriftsteller sagt den Untergang der ,,Titanic" voraus

Im Jahre 1898 fährt ein schwimmender Palast in Southampton
zu seiner Jungfernreise aus.
Es ist das größte, großartigste Passagierschiff,
das Menschen je gebaut haben. Die Fahrgäste,
alles wohlhabende Leute, genießen auf der Fahrt nach Amerika den Luxus,
den es zu bieten hat.
Aber das Schiff kommt nie am Ziel an:
Sein Rumpf wird von einem Eisberg aufgerissen;
es sinkt, und viele Menschen finden den Tod.
Dieses Passagierschiff gibt es nur in einem Roman;
es entstammt der Phantasie eines Schriftstellers
namens Morgan Robertson.
Dieser gab seinem erfundenen Schiff den Namen "Titan",
und der Titel seines Buches lautet ,,Futility" (Nichtigkeit).
Der Roman wie auch die Nichtigkeit menschlichen Planens und Handelns
wurden entsetzliche Wirklichkeit.
14 Jahre später, am 10. April 1912, lief tatsächlich ein Luxusschiff
von Southampton zu seiner Jungfernfahrt aus.
Die meisten Passagiere gehörten wohlhabenden Kreisen an.
In der Nacht zum 15. April rammte das Schiff einen Eisberg
und sank; und wie in Robertsons Roman fanden viele Menschen den Tod,
denn es gab nicht genug Rettungsboote.
Die Zahl der Opfer betrug 1517.
Das Schiff war der englische Schnelldampfer "Titanic".

..... Nicht nur die Ähnlichkeit der Namen machte die "Titan"
in Robertsons Roman fast zu einem Schwesterschiff der "Titanic";
beide hatten auch ungefähr die gleiche Größe,
erreichten die gleiche Geschwindigkeit und konnten gleichermaßen
etwa 3000 Passagiere befördern.
Beide galten als unsinkbar;
und beide sanken etwa an derselben Stelle im Nordatlantik.

Aber damit nicht genug der seltsamen Zufälle.
Der berühmte Londoner Verleger und Publizist William T. Stead
veröffentlichte 1892 eine Serie von Kurzgeschichten.
Darunter war eine, die sich später als unheimliche Voraussage
des Titanic-Unglücks herausstellte. Stead war Spiritist -
und gehörte zu denen, die beim Untergang der "Titanic" ums Leben kamen.
Warnende Erinnerung - Stead hatte sich durch seine eigene Geschichte,
deren vorausschauender Charakter ihm vielleicht selbst nicht bewußt war,
nicht davon abhalten lassen, an der Fahrt der ,,Titanic" teilzunehmen."

Gruss,
BB

--
- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."

"zu Tode lachen" = Spaßgesellschaft?

Rico, Montag, 06.12.2010, 20:17 vor 5639 Tagen @ RichardS (3593 Aufrufe)

Bei dem Motiv des "zu Tode Lachens" kam mir unweigerlich die Assoziation zu der heutigen Spaßgesellschaft, die die drängendsten Probleme unserer Zeit lieber ignoriert, indem sie sich betäubt und ablenkt, anstatt ihnen ins Auge zu sehen und zu versuchen, das Ruder noch herumzureißen. Es ist interessant, dass dieses Motiv in beiden Erzählungen auftaucht.
Mit dem Unglück bei der diesjährigen Loveparade ist jedenfalls ein Kapitel der bundesdeutschen Spaßgesellschaft beendet worden...

Gruß
Rico

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Ende der Spaßgesellschaft?

Taurec ⌂, München, Dienstag, 07.12.2010, 00:20 vor 5639 Tagen @ Rico (3528 Aufrufe)

Hallo!

Mit dem Unglück bei der diesjährigen Loveparade ist jedenfalls ein Kapitel
der bundesdeutschen Spaßgesellschaft beendet worden...

Wohl kaum oder bestenfalls ein nebensächliches Unterkapitel. Es scheint, als bedürfe der Mensch der Betäubung, um die innere Leere zu überdecken in einer Welt, die ohne metaphysische Grundlage, das heißt ohne Verbindung zu einer transzendenten Wirklichkeit ist, in der das Jenseits einfach geleugnet wird und das Leben mit dem Tode endet, sowie auch die Zeit bis dahin ohne Sinn scheint.
=> Gott ist tot. Und wir haben ihn (in uns!) getötet. Nun ist alles sinnlos, denn die Körperlichkeit ist ohne übersinnliches Zentrum zum Selbstzweck geworden.
Das wäre für einen normal empfindenden Menschen schlechterdings unerträglich. Daher die Betäubung: Der Weg nach oben ist durch den Rationalismus verschüttet worden und alles, was einem darüber hinaus noch einfällt, ist eine Reizung der Sinne.

Mit dem Fall einer solchen nihilistischen Veranstaltung wird der Trieb nur genötigt, sich ein anderes Ventil zu suchen. Nach kurzem Innehalten wird es allenfalls mit neuen Festivitäten noch stärker weitergehen, weil durch solche Unfälle die Frage nach dem Sinn des Ganzen – die vom heutigen Weltbild nicht beantwortet werden kann – für einen Augenblick wieder aufgeworfen wird.

Das wird so gehen, bis es kracht, denn je näher die Katastrophe rückt, desto mehr wird auch der aller Stumpfeste in einer Ecke seines Unterbewußtseins spüren, daß die Schlinge sich allmählich enger zieht, daß die Gefahr wächst und er ganz auf sich zurückgeworfen ohne Heil ist, ohne etwas, daß ihm die Sache erträglicher macht. Man lacht sich wahrlich zu Tode, wobei es weniger eine spaßige als eine hysterische Lache ist.

BBouvier hat vor Jahren mal eine dazu passende Passage aus Tolstois "Krieg und Frieden" ins Forum gestellt, die ich kürzlich erst wieder gefunden habe:

"Der Feind [Napoleon] kam immer näher
an Moskau heran; die Auffassung der Moskauer
über ihre Lage wurde aber keineswegs ernster,
sondern im Gegenteil nur noch leichtsinniger, so wie
das immer bei Menschen der Fall ist,
die eine große Gefahr heranziehen sehen.

Bei der Annäherung einer Gefahr sprechen in der Seele des
Menschen immer zwei Stimmen gleich stark:
Die eine mahnt verständig, der Mensch solle das eigentliche
Wesen der Gefahr erwägen und Mittel zur Rettung ersinnen;
die andere sagt noch verständiger,
es sei schwer und quälend, an die Gefahr zu denken,
da es ja doch nicht in der Macht
des Menschen stehe, alles vorauszusehen
und sich vor dem allgemeinen Lauf der Dinge zu retten,
und es sei deshalb besser,
sich von dem Schweren abzuwenden,
solange es noch nicht da sei, und lieber
an Angenehmes zu denken.

Ist der Mensch einsam, so hört er meist auf die erste Stimme,
in Gesellschaft hört er dagegen auf die zweite.

So war es auch jetzt mit den Einwohnern Moskaus.
Schon lange hatte man in Moskau
kein so lustiges Leben geführt,
wie in diesem Jahr."

Gruß
Taurec

--
„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“

Hörspiel angehört

Joe, Samstag, 01.01.2010, 15:40 vor 5613 Tagen @ HJH (2764 Aufrufe)

Habe mir das Hörspiel angetan:

http://www.br-online.de/bayern2/hoerspiel-und-medienkunst/pool-max-haushofer-planetenfeuer-ID1291132376379.xml

Teilweise gute einzelne Treffer, aber es ist doch mehr Siencefiction als echte Schauungen. Es bringt nichts einzelne Passagen aus dem Zusammenhang zu reißen, da z.B. im Hörspiel das zum Tode lachen nur eine neue, seuchenartige Krankheit ist und nichts mit Spassgesellschaft oder sonstwas zu tun hat.
Es gibt einen europaweiten Feiertag für 50 Jahre Frieden, Brillen die den Blinden das Sehen ermöglichen, die Möglichkeit des Gedankenlesens, die Abschaffung der Plutokratie (z.B. durch Verstaatlichung zu grosser Unternehmen),.....

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