XXI. Jahrgang Januar 1928. 7. Heft
Eindrücke von Hellsehern
über Deutschlands Zukunft
Am 13. Oktober 1927 hielt ich wegen politischer Gesichte mit
Frau Jordan in deren Wohnung Berlin-Friedenau, Gutsmuthsstraße 8,
eine Sitzung ab. Außer uns waren noch anwesend der Handleser
und Schriftsteller Ißberner-Haldane, die Handleserin Frau P., der
Schriftsteller Behrend und seine Sekretärin.
Frau Jordan sagte:
Mitte bis Ende der dreißiger Jahre sehe ich Verwicklungen
zwischen Rußland und Polen. Rußland erleidet zunächst eine Schlappe.
Wir gehen mit Rußland zusammen. Wie Polen empor geschoben ist,
so sinkt es in sich zusammen.
Ich sehe, daß in England die rote Flut ein sicheres Bett gewinnt,
daß dort sich alles anders gestaltet, als man vermutet. Auch sehe ich
Verwicklungen mit Irland, wo Wirren und Aufstände entstehen.
In der neuen Welt sehe ich Wirren und Kriege, letztere sind
freilich mehr kriegerische Episoden. Denn von einem großen, richtigen
Kriege nehme ich nichts wahr.
Von Frankreich möchte ich sagen, daß sich dieses Land noch
mehr aufspielt als bisher, aber mehr durch Geschrei als durch Taten.
In politischen Kreisen sehe ich dort mehrere Todesfälle. Ein Führender
tritt vom Schauplatz ab, durch Todesfall oder freiwillig.
Ich sehe Streiks oder Unruhen; Berlin bleibt aber von diesen
Tumulten ziemlich verschont.
Eisenbahnunglücke, Explosionen und Bergwerksunfälle gehen
hin und her.
Der April und der August nächsten Jahres bringen uns
große Überraschungen. Was es ist, sehe ich nicht. Ich sehe Regierungsänderungen.
In der Freimaurerei sehe ich jüdische Einflüsse, besonders in England
und Frankreich. In einem Ort, dessen Name mit N anfängt,
knüpft eine Großloge die Verbindungsfäden nach allen Seiten. Ich
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vermute, daß der Ort Nancy ist. Es ist kein Haupt-, sondern ein
Nebenort.
Im nächsten Jahre sehe ich eine völlige Umstellung der Regierung.
Die rote Flut sehe ich nicht groß. Die Regierung sehe ich im nächsten
Jahre nicht rot. Rechts und Links werden sich die Waage halten.
Das gilt auch von den Wahlen. Aber im nächsten Jahre wird die
Grippe größere Ausdehnung annehmen und besonders den Kopf befallen.
Auch Kinderseuchen sehe ich. Ich vermute, daß es sich um
spinale Kinderlähmungen handelt. Im nächsten Jahre wird es überhaupt
viele Krankheiten geben.
Auch Erdbeben werden im nächsten Jahre Europa heimsuchen,
sogar das Rheinland.
In Frankreich kommt gleichfalls ein Wechsel. Ich sehe sich um
Poincaré eine große Wolke bilden, die sich schon seit Jahren um ihn
zusammenzieht. Die französische Besatzung in Deutschland hat das
eine Gute, daß sie bessere Beziehungen zwischen Frankreich und
Deutschland knüpft. Die französischen Soldaten, welche in Deutschland
waren, glauben nicht mehr an das Schauermärchen vom deutschen
Barbarentum. Die Hetze der französischen Zeitungen wird in
Zukunft weniger wirken als bisher. Teilweise hängt das auch mit
dem Steigen der roten Flut zusammen. Die französischen Soldaten
sind durch kommunistische Beeinflussungen internationaler geworden.
Wenn in Frankreich die Katholiken nicht wären, herrschte dort bereits
die Revolution. Frankreich ist durch den Kommunismus unterminiert."
Mehr und mehr war Frau Jordan in Schlafzustand gekommen
und sprach das Folgende im Tiefschlaf. Sie sprach so schnell, daß
ich vielfach nur dem Sinne nach und nicht wörtlich zu stenographieren
vermochte. So konnte ich in meiner Niederschrift den Reim, in dem
die folgende Rede fast regelmäßig gesprochen wurde, nur vereinzelt
wiedergeben.
Sobald in Italien die starke Hand nicht mehr lenkt, wird sein
Volk das, was es gewesen ist, das Bettelvolk. Ob Mussolini seine
Entlassung einreicht oder getötet wird, weiß ich nicht. Ich sehe ihn
aber in eine schwarze Wolke eingehüllt. Er braucht nicht ermordet
zu werden, aber Krankheit kann ihn fassen. Ich kann den Schleier
nicht ganz und gar lüften, ich sehe aber, daß es in absehbarer Zeit
so weit ist, daß, was er mit starker Hand hat aufgebaut, alles wie Eis
vor der Sonne taut.
Ich seh vom Vatikan die Pfaffen (oder Feinde?) siegen, seh alle
sich wieder ihrem Einfluß schmiegen, seh dann allmähliches Niedergehn.
Wenn ich richte meine Blicke zu Polens Auen, erfaßt mich heimliches
Grauen. Tücke, Falschheit und Mord, das alles sehe ich dort.
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Alles wird vom Wurme zernagt. Viele Köche verderben dort den
Brei. Frankreich nimmt Polen in seine Hut, hat seine Gesandten hier
und dort, sucht Vorteile zu finden, indem die beiden sich verbünden.
Dann seh ich, daß drüben in der Neuen Welt das Urteil über
Deutschland ganz anders ausfällt als bisher. Nicht mehr seh ich
den Einfluß so wie bisher. Allmählich wird es tagen. Doch glaubt
nicht daran, daß der Sternenmann (der Nord-Amerikaner, wegen des
Sternenbanners so genannt) Euch so sehr liebt. Nur seh ich, daß
das Gold, was er euch gibt, tüchtige Rente gibt. Immer wieder macht
der Krämer sich gesund. Ich sehe nach Japan und China hin. Zwar
seh ich, wie durch der Elemente Macht dort viel Unheil ins Land
gebracht, doch wehe Amerika! Ich seh, wie die gelben Fluten schon
lange hinüberquellen. Sind jetzt auch geglättet die Wellen, so glaubt
nicht, daß der Frieden Euch dauernd beschieden.
Ich seh Indien vom Geiste durchloht, seh, wie in Indien, das
lange matt und tot am Boden gelegen, starke Hände sich regen. Ich
seh, wie aufgeräumt wird mit dem Kastengeist, ein Reformator dem
Lande Glück verheißt.
Weiterhin seh ich einen Mann, einen Christuskopf, doch muß
ich gestehn, was man ihn unterschiebt, kann ich nicht sehn. Er hat
wohl viel Sympathien für sich. Die Thrazierin (?) hinter ihm seh ich,
das sie bedacht nur ist, eine Stütze zu bekommen, auf der sie steigt,
durch die sie alles erreicht. Das, was ich schon vor Jahren gesehen,
bleibt bestehen: eine Spaltung, große Ereignisse in der Religion. Ich
sehe, wie alles wird: wie vor 2000 Jahren ,wird das Hosianna ertönen
und ebenso das Kreuzige ihn!" Gib Acht, höher steigt seine
Macht. Gleichsam unter seinen Bann hält alle dieser Mann. Das
Ende ich noch nicht so ganz sehe. Eine Weile noch gehts in die
Höhe; doch dann kommt ein tiefer Fall.
Ich seh die Elemente langsam kommen zum Schweigen, doch
seh ich noch manchen Gipfel sich neigen, seh noch manches Zusammenbre-
chen. Ich seh auch, es wird sich rächen, was hier geschürt
wird. Ich seh die rote Flut, ich seh sie anschwellen, sehe steigen ihre
Wellen. Doch seh ich gleich einer Mauer von Granit, daß es doch
nicht die Besten, die Echtesten des Volkes zieht. Sehe einen Widerprall.
Beide messen ihre Kraft: Nimmer die rote Flut es schafft, daß
sie alles darnieder wirft. Ich seh, daß Rechts und Links sich die
Waage halten. Ich sehe immer wieder: es wird sich gestalten, daß
der monarchische Gedanke kommt hoch.
Ich sehe große Erfindungen, Neuerungen am Schiff der Lüfte,
sehe, wie Flettner durch rotierende Bewegungen eine Erfindung macht,
doch kann ich nicht ganz verstehen, kann in die Konstruktion nicht
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recht eingehen; seh aber, daß man versucht, den gefährlichen Stoff
zu verdrängen. Ich sehe, daß man aus der Luft etwas in komprimierte
Form wird bringen. Dies wird erreicht, durch eine innerlich rotierende
Kraft.
Ich seh viel mit giftigen Gasen experimentieren, doch zum Ergebnis
darf es nimmer führen. Kommt es wirklich so weit, seh ich
eine mächtige Hand eingreifen. Ich seh den Meister vom Stuhl,
nimmer wird er es dulden. Nun kann ich nicht weitersehen, kann
nicht verstehen, was man mir zeigt.
Krieg seh ich nimmer in der weiten Welt, nur Plänkeleien, gar
mancher fällt. Mancher wird dem Tode zur Beute, der Anfang ist
bei den Heißblütigen schon heute. Immer wieder ist ein Glühen
unter der Aschen, jeder sucht das größte Stück vom Fell des Bären
zu erhaschen."
Frau Jordan erwachte aus dem Tiefschlaf und kam langsam
wieder zu sich.
Unter den von mir seit 1923 in dieser Zeitschrift veröffentlichten
politischen Gesichten waren die der Frau Jordan bisher am verläßlichsten.
Solche Gesichte sind erfahrungsgemäß für den Seher am
schwierigsten, da es sich um Allgemeingeschehen handelt, zu welchem
dem Seher zumeist die persönliche Verbindung fehlt. Darum treffen
politische Prophezeiungen so selten ein. 'Wer das Hellsehen nur
von politischen Voraussagen kennt, könnte deshalb leicht zu einer
Ablehnung alles Hellsehens kommen. Es ist infolgedessen seit langem
meine Absicht gewesen, die politischen Gesichte durch persönliche
zu ergänzen, weil nur durch diese jene richtig beurteilt werden können.
Wer viel mit Sehern Umgang hat, wird die Richtigkeit ihres persönlichen
Sehens häufig mit solchen Einzelheiten bestätigt finden, daß
an der Gabe des Hellsehen für ihn kein Zweifel bestehen kann.
XXIII. Jahrgang.I Dezember 1929. 6. Heft
Eindrücke von Hellsehern über
Deutschlands Zukunft.
Ich lasse nun neue Voraussagen folgen, zunächst solche der
Frau Jordan, und zwar vom 5. Oktober 1929:
Stresemanns Tod ist gut für Deutschland. Stresemann hat
zwar nach bestem Gewissen gehandelt, aber sein Handeln war
falsch. Was Stresemanns Schaukelpolitik verdorben hat, wird seinem
Nachfolger zur Warnung dienen. Dieser wird Stresemanns
Fehler vermeiden.
An Hindenburg ist der Tod wiederholt nahe vorbeigegangen.
Aber Hindenburg wird von einer höheren Macht gehalten, weil der
rechte Mann noch nicht da ist, der ihn ersetzen könnte. Zur rechten
Führung ist Hindenburg freilich auch nicht geeignet, da er zu weich
ist. Er .wird einmal verlöschen wie eine Kerze, die ausgeblasen
wird. Aber er hat noch Zeit.
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Severing wird noch einmal eine Rolle spielen, Braun nicht.
Freilich schlimm wird diese Linksregierung nicht werden. Wenn
Sozialdemokraten regieren, holen sie ihre Regierungsweisheit meist
von rechts. Die Roten kommen bei uns nicht wieder hoch. Die
Fehde zwischen Rechts und Links wird zwar noch fortdauern, aber
daß sie mit den Waffen ausgetragen wird, glaube ich nicht. Die
jetzigen Zustände dauern bis etwa 1935, von 1935 an wird die
politische Lage sich bessern. Der furchtbare Steuerdruck wird von
uns genommen werden.
Wir brauchen eine eiserne Faust. Die wird kommen! Wenn wir
bessere Diplomaten wären, würden wir die Hand Amerikas ergreifen.
Denn dort ist die Stimmung deutschfreundlicher geworden.
Die Räumung des besetzten Gebietes wird noch viel Staub
aufwirbeln. Aber mögen sich die Franzosen betragen, als wollten
sie uns den Kopf abreißen, der Gedanke, daß wir keine Barbaren
sind, wird bei ihnen allmählich sich durchsetzen. Er wird genährt
von denen, die im besetzten Gebiet deutsche Art kennen lernten.
Die gemäßigten Roten Frankreichs reichen sich mit unsern gemäßigten
Roten die Hand.
In Frankreich wird die rote Flut immer mehr steigen. Poincare
ist erledigt, sein Prestige ist verloren. Es kriselt zwischen Frankreich
und Polen. England würde von Frankreich weit abrücken,
wenn es nicht Frankreich brauchte. Indien wird nochmal Englands
Unglück sein, das muß ich immer wieder sagen. Das wird
Ende der dreißiger Jahre sein. In Mexiko sehe ich viele Wirren.
Daß wir noch Geduld mit Polen haben, bewundere ich. Die
Polen graben sich ihr eigenes Grab. Das wird Ende der dreißiger
Jahre sein. Zuerst werden die Konflikte mit Rußland kommen. Die
werden für Polen zunächst günstig ablaufen. Es wird sein, daß wir
Mit Rußland zusammenstehen. Die Polen bekommen von beiden
Seiten mit Wucher ihre Sünden heimgezahlt. Polen wird wieder
aufgeteilt werden. Ich sehe, daß wir unsere verlorenen Ostprovinzen
wieder bekommen. In Danzig, das unter Polen leidet, häuft
sich solcher Brennstoff an, daß es frei wird, sobald eine Macht wie
Rußland gegen Polen vorgeht.
Einen Teil unserer Kolonien erhalten wir auch wieder.
In Rußland kommt ein Zar,, etwa 1935/6. Rußland ist die erste
von den Republiken, die wieder Monarchie wird. Die Ostseestaaten
fallen teilweise wieder an Rußland zurück. In Rußland
wird das Judentum großen Schaden erleiden, sobald der Bauer
dort erwacht.
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Für diesen Winter soll man sich mit Kartoffeln und Kohlen
eindecken, beides wird knapp.
Bei den Sklarek-Untersuchungen wird nur ein kleiner Teil ans
Licht gebracht und bestraft, das meiste wird vertuscht.
Ich muß wiederholen, was ich schon öfter sagte: am Luftschiff
kommen noch große Verbesserungen, und durch die Luftschiffe
wird man am Nordpol noch allerlei überraschende Entdeckungen
machen.
1930 werden in Deutschland verschiedene Erfindungen gemacht,
z. B. eine Abtötung von Schädlingen auf elektrischem Wege, durch
trockene Hitze, die sogar in Mauern eindringt; eine Art Dynamomaschine
wird dabei verwendet. Sogar die Keime der Schädlinge
werden vernichtet".
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Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. (Karl Valentin)