Gustav Mayrink - Der Golem (Schauungen & Prophezeiungen)

HJH, Mittwoch, 24.08.2011, 01:27 (vor 5544 Tagen) (1773 Aufrufe)

...es geht nämlich eine alte Sage, daß dort oben in der Alchemistengasse ein Haus steht, das nur bei Nebel sichtbar wird, und auch da bloß "Sonntagskindern". Man nennt es die "Mauer zur letzten Laterne".

Wer bei Tag hinaufgeht, sieht dort unten nur einen großen, grauen Stein. Dahinter stürzt es jäh ab in die Tiefe in den Hirschgraben...Unter dem Stein, heißt es, ruht ein riesiger Schatz, und er soll von dem Orden der "Asiatischen Brüder", die angeblich Prag gegründet haben, als Grundstein für ein Haus gelegt worden sein, das dereinst am Ende der Tage ein Mensch bewohnen wird - besser gesagt ein Hermaphrodit - ein Geschöpf, das sich aus Mann und Weib zusammensetzt. Und der wird das Bild eines Hasen im Wappen tragen..., bis die Zeit gekommen ist, heißt es, hält Methusalem in eigener Person Wache an dem Ort, damit Satan nicht den Stein beflattert und einen Sohn mit ihm zeugt: den sogenannten Armilos. - Sogar wie er aussehen würde, weiß man...das heißt, die alten Rabbiner wissen es. Wenn er auf die Welt käme: Haare aus Gold würde er haben, rückwärts zum Schopf gebunden, dann: zwei Scheitel, sichelförmige Augen und Arme bis herunter zu den Füßen."

Aus: Gustav Meyrink (Meyer) - Der Golem (um 1913-15)

Daneben schildert "Meyrink" Gesichte die ihn von Selbstleugnung entfernen, da er "den Grauen" da schon gegenübertrat.

OKdSZ - HJH


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