Hallo Ricaro,
Grundüberlegungen zur Zeit sind ein spannendes Thema, besonders im Zusammenhang mit Präkognition.
Die Naturgesetze, so wie sie in Formeln gepresst sind, kennen keine Zeitrichtung: Ein Gewicht an einem Seil saust nach unten und verrichtet Arbeit an einem Generator, der am Stromnetz hängt. Der Formel ist es aber egal, dass bei umgekehrter Zeitrichtung der Generator genau so gut als Motor laufen könnte und dabei das Gewicht am Seil hochzieht. Was in den Naturgesetzen der Zeit eine Richtung gibt, ist die Thermodynamik, genau genommen der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik, der sinngemäß lautet: Die Welt entwickelt sich von der Ordnung zur Unordnung. Und wenn mal was in einem System ordentlicher wird ("Ich räume das Wohnzimmer auf"), dann ist es mit Energieeinsatz verbunden (wie wahr!), der wiederum außerhalb des betrachteten Systems für umso mehr Unordnung sorgt (für den Energieeinsatz wird Biomasse verstoffwechselt, und damit aus energiereicher komplexer Stärke energiearmes popeliges Kohlendioxid und Wasser erzeugt = mehr Unordnung auf molekularer Ebene).
Das beschreibt also ganz klar eine kausale Zeitrichtung. In der klassischen Physik.
Die Quantenphysik bringt jetzt die von deinem Link beschriebenen interessanten Effekte, z.B.: Ein Schwall Elektronen, auf den Doppelspalt geschossen, bildet dahinter ein Interferenzmuster, als ob es sich um ein großes Wellenphänomen handelt. EINZELNE Elektronen, nacheinander und wirklich einzeln auf den Doppelspalt geschossen, bilden mit der Zeit genau das gleiche (!) Interferenzmuster, ganz so, als ob EIN Elektron durch BEIDE Spalte gleichzeitig fliegt und mit sich selbst interferiert. Und das tatsächlich nur, wenn man sich das Endprodukt ansieht. Misst man dagegen, durch welchen Spalt ein Elektron nun fliegt, und das Elektron für Elektron einzeln, erhält man hinter dem Doppelspalt tatsächlich ein völlig anderes Interferenzmuster, nämlich so, als ob jemand Krümelchen für Krümelchen durch einen der Spalte geschleudert hätte, ganz ohne Wellengedöns. WOW. Jetzt könnte man sagen: Die Messung vor dem Doppelspaltsystem hat das Elektron beeinflusst, so dass es anders durch den Doppelspaltaufbau fliegt als ohne die Messung. Aber: Selbst wenn man hinter dem Doppelspalt misst, durch welchen Spalt das Elektron jetzt geflogen ist, erhält man das Krümelchen-Wurfmuster. Beobachtet man dagegen nicht, gibt es ein Wellen-Interferenzmuster.
In der aktuellen Quantenphysik sagt man deshalb: Das Elektron "weiß" schon vor seinem Flug durch die Doppelspaltanordnung, dass es dahinter gemessen wird, und es verhält sich entsprechend anders, als wenn es ungemessen durch die Doppelspaltanordnung fliegt.
Achtung: Hier wird in ganz offizieller Physik Präkognition auf Quantenebene postuliert, auch wenn sie im Widerspruch zur Relativitätstheorie steht!
Es ist aber völlig unklar, wie dieser Präkognitionsmechanismus funktionieren soll. Ebenso wie es unklar ist, wie Instantes Tunneln funktionieren soll (ein Signal hat bei Versuchen in Köln, Prof. Nimtz, tatsächlich Strecken von mehreren Dezimetern "übersprungen", so als ob sie nicht da wären (quantenphysikalische Wurmlöcher?). Oder Quantenverschränkung (Quanten werden an einem Ort miteinander "verschränkt", beschrieben ist das nur mathematisch, aber nicht anschaulich erklärt), dann werden sie getrennt (beim Experiment in Wien waren etliche hundert Meter dazwischen), und wenn man dann mit dem einen Quant Unfug treibt, zappelt das andere gleichzeitig und auf die große Entfernung ebenso herum.
Es gibt also Effekte, die zeigen, dass physikalische Wirkungen Raum und Zeit überspringen können, jedenfalls auf Quantenebene. Die Quantenphysik liefert diese Voraussagen, die Experimentalphysik liefert die Bestätigung, und die Relativitätstheorie liefert mit dem mathematisch möglichen "Wurmloch" sogar eine Option, wie das funktionieren kann.
Soweit die Naturwissenschaft.
Viele von uns steuern die Erkenntnis bei, dass Gedanken, Ideen, Gefühle, Bilder, über Raum und/oder Zeit übermittelt werden. Jeder Neurologe, jeder mit Informationsübertragung befasste Elektrotechniker wird sagen: Selbst WENN auf Quantenebene einzelne Quantenzustände Raum und/oder Zeit überbrücken können, kann daraus noch lange keine komplexe Datenübertragung von Gehirn zu Gehirn werden. Soweit die Theorie. Ich sagen: Praxis geht vor, es scheint doch zu gehen!
Bleiben wir aber bei der Naturwissenschaft: Wenn man Daten funkt, hat man immer das Problem der Bandbreite. Viele Informationen kann man entweder über einen langen Zeitraum langsam oder über einen kurzen Zeitraum schnell übermitteln. Wir wissen: präkognitive Erlebnisse dauern selten lange. Es kommt also auf die Schnelle der Datenübermittlung an. Die Naturwissenschaft weiß: Schnelle Datenübertragung ist mit hohem Aufwand verbunden - hohe Bandbreite = hohe Mindestsendeleistung, wenn noch jemand was verstehen soll. Das ist sowohl Erkenntnis aus Erfahrung, als auch sauber theoretisch mathematisch hergeleitet.
Für uns heißt das: Wenn wir Informationen aus großer räumlicher oder zeitlicher Entfernung bekommen, und die Verbindung steht erfahrungsgemäß nur kurz, dann ist es entweder eine mit wenig Aufwand gesendete, wenig informative Übertragung, oder eine mit hohem Aufwand gesendete Übertragung mit vielen Informationen.
Jetzt bringe ich die Statistik mit ins Spiel: In der Quantenphysik und Thermodynamik gibt es für die Eigenschaften von Systemen (z.B. wie viele Moleküle sind wie schnell bei einer bestimmten Temperatur in einem Liter Luft, oder wie groß sind die Brocken, die nach der Kernspaltung übrig bleiben, oder wie viele Photonen mit einer bestimmten Wellenlänge werden von einem Schwarzen Körper mit einer bestimmten Temperatur abgestrahlt) gewisse statistische Verteilungen.
Ich behaupte: Unser Gehirn kaspert bei einer bestimmten Temperatur und einer bestimmten Rate von chemischer Aktivität herum, und erzeugt so irgendeine typische statistische Verteilung von Quantenereignissen. Wenn auf Quantenebene jetzt (anerkannterweise!) bestimmte Effekte Raum und Zeit überbrücken können, gibt es passend zu der statistischen Verteilung der Quantenereignisse eine gewisse statistische Verteilung der Raum-/Zeitüberbrückungen. Das ist Mathematik und Physik.
WENN also unser Gehirn grundsätzlich in der Lage ist, Informationen über Raum und/oder Zeit zu übermitteln, dann gibt es ein Spektrum das aussagt, wie wahrscheinlich eine Übermittlung über eine gewisse räumliche oder zeitliche Distanz ist, bzw. wie wahrscheinlich diese für eine bestimmte Informationsmenge ist. Scheiße, klingt das abstrakt! Konkret: Wenig Info über kleine Strecke und kurze Zeit = sehr wahrscheinlich, wenig Info über kleine Strecke und große Zeit = weniger wahrscheinlich, viel Info über große Strecke und große Zeit = unwahrscheinlich, aber möglich.
Heißt: Wenn ich Karten auf dem Rechner spiele, vor dem Klick das Gefühl habe "passt, jawoll, klick da drauf", und ich erziele mit vielen solcher Gefühle eine viel höhere Punktzahl, als wenn ich nicht einen solchen Fluss von intuitiven Eindrücken habe, dann ist das wahrscheinlicher, als wenn einer präkognitive Eindrücke aus den nächsten Tagen oder Wochen oder von weit entfernten Freunden hat. Das wiederum ist wahrscheinlicher, als wenn einer präkognitive Eindrücke von Fremden irgendwo auf der Welt in ferner Zukunft hat.
Kommen wir nochmal auf den Aspekt, wie wahrscheinlich bei gegebenem zeitlichen und räumlichen Abstand ein mehr oder weniger intensiver Informationsfluss ist: Schnell fließende Information sollte den üblichen Gesetzen der Natur nach weniger wahrscheinlich sein als langsam fließende. Das heißt: Minutenlange detailgetreue 1:1-Filme mit Ton und Emotion sind weniger wahrscheinlich als sekundenlange, verfälschte Informationsflüsse.
Kommen wir hier zur Informatik, Thema Datenkomprimierung: Wenn ich nur für kurze Zeit langsam Daten übertragen kann, kann ich entweder wenig übertragen (das dürfte bei Präkognition oft passieren und dabei oft so uninteressant sein, dass es vergessen, nicht wahrgenommen oder nicht ernstgenommen wird), oder es wird durch Codierung und Komprimierung viel übertragen, wobei Fehler und Unklarheiten unvermeidlich sind. So ist z.B. ein Bitmap-Bild glasklar, braucht aber riesigen Speicherplatz, das gleiche Bild in jpg-Format enthält weniger Information, man erkennt aber gut was gezeigt wird, und eine Textdatei, in der das Wesentliche des Bildes beschrieben wird, braucht am wenigsten Info, ist aber extrem interpretationsbedürftig. Heißt für Präkognition: Wenn man nicht das Glück hat, den Film glasklar in 3D mit Ton, Geruch und Emotion gesendet zu bekommen, erhält man vielleicht nur die Textdatei mit der Beschreibung aus der Zukunft, und unser armes jetziges Hirn muss daraus irgendein Bild oder eine Film basteln.
Es ist viel wahrscheinlicher, die "Textdatei" übermittelt zu bekommen, als den glasklaren Film. Es ist viel wahrscheinlicher, kurze Sequenzen aus naher Zukunft zu bekommen, als lange Sequenzen aus ferner Zukunft. Es dürfte auch wahrscheinlcher sein, Infos aus räumlicher Nähe zu bekommen als aus großer Ferne. So erklärt sich vielleicht das Spektrum von mehr oder weniger klaren, mehr oder weniger übereinstimmenden, mehr oder weniger weit reichenden Schauungen.
So erklären sich vielleicht auch die "phantasievollen Extrapolierungen": Die tatsächlich gesendeten Informationen aus der Zukunft sind so unklar, dass unser gegenwärtiges Bewusstsein die Lücken irgendwie füllen muss, und das tut jeder Schauende anders, jeweils gemäß seiner eigenen Lebenserfahrung, seinen eigenen Bildern im Kopf.
Die spannende Aufgabe ist dann wohl: Die glasklaren Filme erkennen, die phantasievollen Extrapolierungen interpretieren, um ein gutes Gesamtbild der Schauungen zu bekommen.
Oder - ich liege total daneben und fasele irre. Hier bitte ich um Meinungen!
Schöne Grüße
Nickela
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Et ess wie et ess, et kütt wie et kütt onn et hat noch emmer jot jang.