Hallo zusammen,
jetzt muss ich doch noch einen draufsetzen: Es geht um die grundsätzliche Frage, ob nur das, was tatsächlich geschehen wird, auch Schauungen auslösen kann.
Die Relativitätstheorie beschreibt mathematisch die Möglichkeit, dass sich im Raum ein "Wurmloch" bildet, und wenn es das auch in der Praxis gibt, kann man sehr schnell Informationen und (wenn es groß genug ist) Dinge über große Entfernungen transportieren - und durch die Zeit. Ich beschreibe erstmal, wie ein Wurmloch in der Praxis aussehen und wirken würde (Gedankenexperiment!):
In einem Labor wird ein Wurmloch erzeugt, dessen Ein- und Ausgang jeweils in einem Türrahmen liegen und irgendwie auch an diesem befestigt sind. An beiden Türrahmen hängen Uhren, die absolut gleich gehen. Man stelle sich vor, die Türen stehen sich im Abstand von ein paar Metern gegenüber. Von links kommt jetzt ein Laborassistent und steckt die Hand durch den linken Türrahmen. Sofort, und ohne dass sich zwischen den Türen etwas tut, kommt seine Hand ein paar Meter weiter aus dem rechten Türrahmen heraus. Sein staunender Kollege tritt jetzt an den linken Türrahmen und will seinen Kollegen durch den Rahmen betrachten. Er sieht aber nicht seinen Kollegen, sondern sich selbst von hinten. Er steckt seine Hand durch den Türrahmen hindurch, und sie taucht hinter ihm im anderen Türrahmen auf. Der Professor, der ein paar Meter entfernt steht, sieht also seine beiden Mitarbeiter am linken Türrahmen, die ihre Arme hineinstecken, und aus dem rechten Türrahmen schauen zwei Arme heraus und winken. Er geht zum rechten Türrahmen und beglückwunscht beide. Der zweite Assistenz erlaubt sich einen Scherz, lässt die Hand seines Chefs nach dem Schütteln nicht los und zieht kräftig. Der Professor stolpert in den rechten Türrahmen hinein, und kommt sofort aus dem linken wieder hinaus.
So sieht ein Wurmloch aus. Bis jetzt noch völlig ohne Zeitreise.
Die beiden Assistenten nehmen jetzt einen der Rahmen und tragen ihn zu einem Raumschiff. Das Schiff mit dem Türrahmen und dem einen Ende des Wurmlochs beschleunigt auf sehr große Geschwindigkeit und entfernt sich von der Erde. Nach einer Stunde stellt der Raumschiffpilot fest, dass er das Klopapier vergessen hat, macht einen Schritt durch den Türrahmen und holt sich auf der Toilette des Labors auf der Erde (wo der andere Türrahmen steht) ein paar Rollen ab. Mit einem Schritt durch den Türrahmen ist er wieder in seinem Raumschiff.
Dann leitet er das Bremsmanöver ein. Während das Schiff bremst, erklärt er durch das Wurmloch zwischen den beiden Türrahmen einer Schulklasse, die im Labor steht, die Relativitätstheorie: Nichts kann schneller werden als das Licht, und wenn ein Genie wie Einstein lange genug darüber nachdenkt, kann er beweisen (und Experimente bestätigen das in der Praxis!), dass deshalb in einem bewegten Objekt die Zeit langsamer vergeht als in einem unbewegten. Egal, in welche Richtung die Bewegung verläuft.
Irgendwann kommt das Schiff zum Stillstand und beschleunigt jetzt wieder Richtung Erde. Auf halbem Rückweg beginnt das Bremsen wieder, und irgendwann landet das Schiff beim Labor mit dem auf der Erde zurückggebliebenen Türrahmen. Die Laborassistenten tragen die Tür vom Raumschiff zu ihrem Gegenstück. Dann lesen sie die Uhren ab: Durch den schnellen Flug zeigt die Uhr an dem Türrahmen, der auf dem Raumschiff war, 11.55 Uhr an, während die Uhr am anderen Türrahmen 12.00 Uhr anzeigt.
Dann geht der eine Assistent zum Türrahmen, für den es 12.00 Uhr ist, und steckt seine Hand hinein. Statt dass jetzt sofort seine Hand am anderen Türrahmen wieder herauskommt und winkt, dauert es fünf Minuten, nämlich bis es für den schnell gereisten Türrahmen 12.00 Uhr ist, bis die Hand erscheint. Erstaunlich, aber noch nicht paradox: Beide Türen wurden zur gleichen Zeit über das Wurmloch miteinander verbunden. Und genau das tut das Wurmloch immer noch, auch wenn einer der Türrahmen in der Zwischenzeit eine kleine schnelle Reise gemacht und für ihn dabei die Zeit langsamer vergangen ist. Was man um 12.00 Uhr in das eine Ende des Wurmlochs reinsteckt, kommt um 12.00 Uhr am anderen Ende wieder heraus.
Jetzt steckt der zweite Assistent seine Hand durch den schnell gereisten Türrahmen, dessen Uhr 12.01 Uhr anzeigt. Seine Hand kommt also um 12.01 Uhr aus dem anderen Türrahmen wieder heraus. Es ist im Labor, und damit am anderen Türrahmen aber schon 5 Minuten später, nämlich 12.06 Uhr! Die Hand hätte also schon vor 5 Minuten aus dem anderen Rahmen winken müssen!
Hat sie das? Im Idealfall ja. Dann hat vor 5 Minuten die Hand aus dem anderen Türrahmen gewinkt, weil JETZT der Assistenz seinen Arm durch den schnell gereisten Türrahmen steckt! Was aber, wenn sie nicht gewinkt hat? Bekommt jetzt der Assistent Angst, dass sein Arm irgendwie weg sein könnte, wenn er ihn wieder aus dem Wurmloch zieht, und steckt ihn deshalb gar nicht erst hinein? Dann wäre das kausal immer noch sinnvoll. Was aber, wenn er mutig ist, seine Hand ins Wurmloch steckt, auch wenn tatsächlich seine Hand vor fünf Minuten gar nicht aus dem Wurmloch herausgewinkt hat? Wo ist seine Hand jetzt? Er sieht sie ja noch, klar und deutlich, er spürt sie, das Blut fließt durch die Arterien hinein und kommt durch die Venen wieder zurück! Er zieht seinen Arm aus dem Wurmloch, er weiß, dass er irgendwo in einem Labor, das genau so aussieht, wie das wo er jetzt steht, gewunken hat. Aber WAR nicht das Labor, in dem er jetzt steht!
Plötzlich hört er aus dem anderen Türrahmen Gelächter und dann verlegenes Kichern. Er hört die Stimme seines Kollegen "Herr Professor! Kommen sie mal her!" rufen, obwohl sein Kollege still neben ihm steht und ihn verwundert ansieht. Der Professer geht zum anderen Türrahmen hin, eine Hand erscheint, der Professor nimmt sie ganz verdutzt, und - ein Ruck - er wird durch den Türrahmen gezogen und ist weg! Die beiden Assitenten bekommen einen Riesenschreck, fallen in Ohnmacht, und fünf Minuten später, dem Zeitpunkt an dem sie sich den Scherz eigentlich erlauben müssten, den sie eben miterlebt haben, können sie weder lachen noch kichern, sondern bekommen vom Sani gerade die Beine hochgehoben, damit sie wach werden.
Wer hat sich dann den Scherz mit dem Chef erlaubt???
Niemand, nichts, auch kein Naturgesetz kann jemanden an dem schnellgereisten Türrahmen zwingen, irgendetwas zu tun oder zu unterlassen, nur weil man es am daheimgebliebenen Türrahmen vor fünf Minuten gesehen hat! Man stelle sich vor, was passiert, wenn beide Assitenten beschließen, durch das Wurmloch Tennis zu spielen...
Und hier sind wir am großen Knackpunkt: Wenn es die Verbindung von der Zukunft in die Vergangenheit hinein gibt und man etwas hindurchschicken kann, sei es seinen Arm, oder einen Funkspruch, oder eine Schauung, dann kann es logisch gar nicht anders sein, als dass das Entstehen einer alternativen Zukunft MÖGLICH ist.
Möglich und streng genommen sogar zwingend. Aber da sehen sich Schauuende in der Regel ja mit dem Effekt konfrontiert, dass eben das nicht passiert. Allermeistens.
Ein echtes Dilemma.
Gruß
Nickela
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Et ess wie et ess, et kütt wie et kütt onn et hat noch emmer jot jang.