Guten Tag!
Zuerst möchte ich hier alle freundlich grüßen, die sich hier aus ehrlichem Interesse tummeln, und ganz besonders jenen danken, die dem Thema Präkognition dergestalt gedient haben, indem sie mit wissenschaftlichem Anspruch Pionierarbeit geleistet haben oder den Mut besaßen, Fremde an ihren persönlichen Schauungen oder auch unsicheren Eindrücken teilhaben zu lassen.
Ich bin seit Geburt des Forums interessierter, stiller Mitleser und war in diesem Themenbereich vorher nirgends anders aktiv; doch verfolgte ich die meisten Diskussionen hier schon länger aus der Perspektive eines Teilnehmenden.
Auch wenn es manches Mal zu bedauerlichen Irritationen geführt haben mag, so sprach mir die hier vorherrschende konservative, antidegenerative Grundausrichtung aus voller Seele.
Besonders in Zusammenhang mit metaphysischen Angelegenheiten empfinde ich diese als gleichsam ungewöhnlich und bemerkenswert wie auch erleichternd, da ich mich beinahe täglich als Gegenpol zum opportunistischen Zeitgeist abmühe.
Ich bin Familienvater, Mitte dreißig, und derzeit in einer Phase meines Lebens in der Verantwortung schon mal zermürbend sein kann. Die letzten Jahre meines Lebens waren von Heimsuchungen gepflastert, die mir kurz vorher noch unvorstellbar schienen. Letztendlich bin ich froh, durch die Rosskur weiter gereift zu sein, doch fühle ich durch diese Härten noch
größere Diskrepanz zu jenen, die seit eh und je mit hedonistischem Tunnelblick im lauen Lüftchen ihres Geistes in einer Nußschale arglos durch seichte Gewässer Richtung Wasserfall schippern, und dabei sich selbst als unbekannter Galeonsfigur hinterherfahren.
Um endlich zum Wesentlichen zu kommen:
Zwar komme ich aus dem Land der Spökenkieker, doch bin ich weder mit einer Sehergabe gesegnet bzw. geschlagen, noch könnte ich als weiterer Bibliothekar hilfreich sein.
Meine Stärke ist lediglich, das Phänomen der Präkognition damals selbstständig gegen Widerrede und allgemeine Lehrmeinung als wahrhaftig für mich erkannt zu haben, und einen kritischen, widerstanderprobten Geist mit viel Interesse an dieser Thematik zu haben.
In meiner Pubertät hatte ich oft die Erfahrung, daß ich Sinneseindrücke wiederholt als sehr vertraut erlebte. Der Allgemeinheit ist so etwas als Déjà-vu längst bekannt gewesen.
Und so lauschte ich der Erklärungsmodelle, bis ich beinahe davon überzeugt war.
(Heute denke ich, daß damit eine Vielzahl von Phänomenen unzulässig zusammengefaßt wird.)
Doch dann hatte ich ein Schlüsselerlebnis:
Während des Schulunterrichts (vermutlich 7. Klasse) bückte ich mich nach meiner rechts neben dem Tisch stehenden Schultasche, und war voller Erstaunen wie vom Blitz getroffen:
Während mein Lehrer sprach, kannte ich seine Worte, die Sprachmelodie und die Akzentuierungen im Voraus.
Ich könnte mich heute noch dafür strafen, daß ich nicht meinem Tischnachbarn das vorher ins Ohr geflüstert habe.
Besonders dieser Lehrer war ein Geysir der Floskeln; da war der halbe Unterricht berechenbar. Aber diese Situation war regelrecht magisch.
Auch heute beim Schreiben überkommen mich Zweifel, da ich darum weiß, daß mein Gehirn derzeit womöglich eine wichtige Entwicklung durchgemacht hat.
Aber das war nichts was einfach nur der Erfahrung widersprach, oder etwas was ich mir mit
meinem jungen, ungeübten Geist nicht erklären konnte. Das war etwas Neues.
Ich kann mich noch an zwei ähnliche, aber nicht gleichartige Begebenheiten erinnern,
die ich nicht so hoch einstufen möchte:
(Hierzu muß ich voranschicken, daß ich in Mathematik immer äußerst schlecht war, aber ich ansonsten nicht jemand war, der regelmäßig den Unterricht gestört hat.)
In ebendieser Zeit im Mathematikunterricht, riß mich mein Mathelehrer jäh aus meinem Gespräch mit meinem Tischnachbarn, und konfrontierte mich plötzlich mit der Frage nach dem Ergebnis dieser langen Gleichung die dort an der Tafel stand.
Es war ein Blick, und mit völlig unbekannter Selbstsicherheit gab ich ihm sein gewünschtes Ergebnis lakonisch innerhalb von einer Sekunde. Ich glaube, wir waren beide gleichermaßen erstaunt.
Zu dieser Zeit war ich auch noch etwas arglos, was die Antipathie meiner Lehrer gegen mich bewirken könnte, zumal ich trotz wiederholter Erfahrung an Willkür und Mißbrauch noch nicht so recht glauben wolle.
So hieß es einst plötzlich, meine Versetzung stünde auf der Kippe, und spontan könne ich dem
in einer Befragung entgegenwirken.
Das traf mich damals wie ein Blitz, und allein ich wußte, daß ich im Unterricht über die Wirtschaftspolitik
Ludwig Erhards wohl gar nicht mehr zugehört habe. Ich war geliefert.
Im peinlichen Verhör wußte ich aus heiterem Himmel alles.
Es ist zugegebenermaßen wenig spektakulär und überzeugend was mich damals selbst davon überzeugt hat, daß Zugriff auf Wissensquellen möglich ist, die einem unter normalen Umständen nicht zugänglich sind, aber für mich waren das Schlüsselerlebnisse.
Falls es nicht einfach nur an der Gehirnentwicklung im jugendlichen Alter liegt, was ich
in meinem konkreten Fall nicht ausschließen möchte - ganz im Gegenteil - so ist das
Ergebnis doch dasselbe:
Ich habe für mich ein Phänomen erkannt, daß im modernen Weltbild keinen Platz findet, und behalte trotz aller tatsächlichen Überzeugung doch eine große Portion Skepsis für alles künftige Gelesene oder Gehörte bereit.
Nebenbei bin ich zu der kaum begründbaren Überzeugung gelangt, daß sich Geschehnisse aus der Metaphysik regelrecht intelligent dem Zugriff der Wissenschaften erwehren, und sich regelrecht schlitzohrig dem allgemein auf unwürdige Weise geprägten Tagesbewußtsein
des Menschen entziehen.
Ich habe fast schon ein Schlechtes Gewissen, da ich hier nichts weiter beizutragen vermag, als Altbekanntes mit meinem dilettantischen Halbwissen zu unterstützen.
Aber ich bin dennoch im Innersten überzeugt davon, daß unsere Weiterentwicklung als Mensch ebendort beginnen muß - beim Unbelegbaren, beim Flüchtigen.
Um noch einer Sache vorzugreifen: Bei allem Respekt vor den Angehörigen der Religionen dieser Welt kann ich denen bis auf den Kaffeesatz nichts abgewinnen.
Der Grundtenor klingt in meinen Ohren gut und richtig - nur ob jemand Erpresso, Latte Marciano oder Kofi Togo predigt, ist mir gleich.
Manche Sorte ist doch ungenießbar. Da vergeht sogar das ursprüngliche Grün.
Ich hoffe, daß Ihr mich als künftig eher zurückhaltenden Schreiber ohne wahre Kenntnisse außerhalb des hier und jetzt doch willkommenheißen könnt.
Falls dem so ist, kann ich nicht mehr als drei alte Geschichten aufbieten - doch würde ich diese trotzdem gerne äußern, falls genehm.
Mit bestem Gruße
Fenrizwolf