Mickeymaus-Realitätsvorgaukelei (Schauungen & Prophezeiungen)

Baldur, Freitag, 05.07.2013, 20:13 vor 4863 Tagen (2249 Aufrufe)
bearbeitet von Baldur, Freitag, 05.07.2013, 20:19

Hallo, zusammen,

nachfolgendes hat nicht unbedingt etwas mit Schauungen zu tun, sondern generell mit Zukunftserwartungen als Ableitung aus der vermeintlichen Realität.

Gemäss US=Hollywood-Propaganda sind von angeblichen Helden verübte Massaker und Verwüstungen stets folgenlos, natürlich immer hilfreich, alle freuen sich. Kollateralschäden interessieren nicht.

Alle Bösewichte sind letztlich dumm, und unfähig, und verlieren immer. Die Helden sind oft Randansässige der Gesellschaft, also alkoholabhängig und/oder gescheitert, pleite und ungebildet.

Trotzdem nehmen sie es problemlos mit Experten auf ihrem Gebiet auf, und schlagen diese obendrein. Beispiel: Independence-Day als ein besonders dümmliches Beispiel. Oder Kriegsfilme.

Ein Held erschiesst auch locker 10-20 oder mehr Gegner alleine, während er selbst kugelsicher ist. Denn die anderen sind eben krass unfähig, langsam, lebensuntauglich.
Physikalische Unmöglichkeiten sind nicht nur bei James-Bond Alltag. Und der Zuschauer kaufts ab, im wörtlichen Sinne. Das Bild der Wirklichkeit wird manipuliert, verfestigt sich.

So glaubt die Mehrheit zu wissen, dass brennende Autos immer explodieren, dass von Projektilen getroffene Leute meterweit umgerissen werden, dass das Geld sicher ist, und die Rente auch, und dass die Guten die Guten sind, und die Bösen die Schurken. Im Geschichtsbuch steht, wie es wirklich war. Mampf gibt es 24 Stunden lang in der Tankstelle, oder dort, wo die Karikatur von zwei gelben Busen auf einem weissen Pfahl klebt. Und bei Aldi und so.

Es wurde die Vorstellung eingepflanzt, dass alle anderen sowieso besser sind als wir, und dass wir nur dann zu den Gewinnern zählen, wenn wir deren Spiel mitspielen. Ihre Sprache sprechen, Key account, Outplacement, Recruitment. Arbeitnehmer werden nicht mehr eingestellt, sondern rekrutiert wie ehemals Landsknechte. An der Börse, beim Konsum auf Kredit, in der Verschuldung müssen wir dabei sein. Erfindungen können nur von Konzernen kommen, Einzelkämpfer sind chancenlos und werden nie etwas schaffen.
Nur die etabilierten Wissenschaftler wissen etwas. Alle anderen sind doof. Können es bleiben lassen. Werden scheitern. Bekommen ohnehin keinen Kredit, der Grosskonzern aber immer.

Verlautbarungen sind immer echt. Und wahr. Und richtig. So, wie die Nachrichten. Und medizinische Studien.

Die Lebenserinnerung aller Unter-Siebziger bestätigt, dass es immer nur nach oben geht, und alle Krisen immer wieder abgefangen wurden, um auf noch höhere Niveaus zu klettern. Wirklich eng wurde es nie. Das Leben wird immer besser und besser.

Falls man mal mit einem Mahner gesprochen hat, weiss man daher, er hatte Unrecht. Immer. Der Strom kommt seit Jahrzehnten zuverlässigst aus der Steckdose, und das Wasser aus der Wand. Und die Knete aus dem Automaten oder vom Amt.

Kriminalität wird gar nicht oder nur halbherzigst geahndet, mancherorts gar noch öffentlich gefördert. Notwehr wird zumindest in der BRD oder Grossbritannien nicht zugelassen, weil faktisch durch Gesetze verunmöglicht. Opfer sind Täter. Täter sind Opfer. Raider heisst jetzt Twix. Der grosse Bruder ist real, und Freigeister werden schon in der Schule von der Gesinnungswächter-Leererschaft fertiggemacht und zurechtgestutzt. Wer nicht glauben will, muss fühlen.

Aufbauend auf diesen Ausgangsdaten ist die Vorstellung, es könne zu einem plötzlichen Umschwung dieser fixen Gegebenheiten wodurch auch immer kommen, eine unerwartete Fortsetzung, die in der Vorstellung der breiten Masse nicht vorkommen kann.

Selbstdenken und Selbsthandeln wurde konsequent aberzogen und ausgeredet. Es ist chic, dumm zu sein. Und es macht auch nichts aus. Dann werden vorher die Noten abgeschafft.

In der Wirtschaft hat sich der Grossbetrieb durchgesetzt, der gleichermassen einen bestimmten Mitarbeitertypus fordert, der ein dem Staat vergleichbares, hierarchisches System pflegt. Einzelkämpfer passen da nicht rein. Kleinbetriebe auch nicht, Und auch keine Selbständigen. Wer so ist, hat am Arbeitsmarkt keine Chance mehr. Ist sozial geächtet. Man ist nicht mehr Untergebener eines Vorgesetzten, sondern *berichtet* an XYZ.
Es zählt nur Zielerreichung, die wege dorthin interessieren nicht. Fairness ist dumm und wird sanktioniert.

Leute, die Jahrzehnte in dieser Umgebung geprägt werden, können sich nicht vorstellen, dass es problemlos auch ganz anders laufen kann. So, wie Jahrtausende lang vorher. Die Natur kennt keine Errungenschaften, keinen Ernteertrag aufgrund von Wetten, und auch kein exponentielles Wachstum über lange Zeit.

Ca. 70% aller Menschen sind hypnotisch sehr leicht beeinflussbar, und nochmal 15 % relativ gut. Dass dies funktioniert, zeigt die Werbebranche mit ihrem Erfolg.

Und dann kommt jemand daher und sagt, Leute, wacht auf, was ihr zu sehen glaubt, ist nicht der Normalzustand der Realität ?

Höhnisches Gelächter ist programmiert.

Bis jetzt lachten sie auch völlig zurecht......vielleicht sind wir ja in der Neuen Welt (Ordnung ?) angelangt, in der Milch und Honig fliessen und die Gebratenen zum Fenster reinfliegen....weil es so am Wahlplakat steht.

Das einzige Erwachen, dass irgendetwas nicht stimmen könnte, kommt bei plötzlicher Arbeitslosigkeit und Jobsuche auf....oder, wenn irgendein Automatismus mal frühmorgens nicht mehr geht Einfach so. Und keiner kommt, um das wieder anzustellen.

Bisher kam immer jemand....weil es dessen Job und Interesse ist, sein Auskommen damit zu fristen, dass alles läuft. Dieses Eigeninteresse wird den Laden enorm lange am Laufen halten, auch unter noch so schwierigen Umständen.

Die Kunstwelt lässt sich noch lange aufrecht erhalten, so lange es genug Energie und Versorgung gibt.
Das sind die Achillesfersen des Systems. Für Energie werden halt mal ölreiche Staaten überfallen. Fossile Energie gibt es weltweit sicher noch für viele Jahrzehnte.
Aber wo will man nötigenfalls Bauern überfallen und deren Kartoffeln wegnehmen ? Ackerflächen schwinden, die Bevölkerung wächst unaufhörlich.

Vielleicht sind Konserven doch keine schlechte Idee.....rein rational gesehen....

beste Grüsse vom Baldur

Ich fühle genau so

Fenrizwolf, Samstag, 06.07.2013, 08:28 vor 4863 Tagen @ Baldur (1915 Aufrufe)

Hallo Baldur,

die Fragen die Du stellst, stelle ich mir auch. Die Zweifel die Du aufzeigst, hege ich schon lange.
Und das Bewußtsein darüber, von einem übermächtigen, sich verselbständigenden System,
wie von den Klauen eines Adlers ummantelt zu sein, teile ich vollkommen.

Siegessicher thront die Bestie über Dir, verdunkelt Dir mit mächtigen Schwingen den Himmel.
Der Kassandra-Komplex ist Dir so alltäglich, daß sich selbst aus rein rationalen Themen
mit vertrauten Personen kein Gespräch mehr füllen läßt,
weil sie Dich für einen unverbesserlichen Pessimisten halten, der Du im Herzen gar nicht bist.
Je dringlicher Dein Ruf - desto dichter die Gehörgänge.
Das sind die Zeichen dieser Zeit - wie ich sie erfahre.

Du bist nicht allein.

Ob es das Weltmodell war, das mir meine Eltern und Großeltern besten Gewissens mitgegeben haben, oder das was man mir in der Schule wie einen Schwedentrunk
in den Leib pressen wollte - es regte sich in mir immer ein Widerstand der auf totales
Unverständnis stieß.

Das war weit mehr als nur die pubertätsübliche Rebellion gegen das Regelwerk der Tonangebenden.
Die Suppe, in der ich schwimme, hat eine eher klumpige Konsistenz und hat als Hauptzutaten
Enttäuschung, Wut, Entrüstung und Trauer.
Fast jeden Tag klebt mir das wie fremdes Exkrement unter den Schuhsohlen - begleitet mich
bei jedem Schritt.

Ich hatte den Widerwillen stets in mir, als eher stiller Charakter. Es ist meine Natur.
Und die ist so total inkompatibel zu dem, was uns derzeit als Ideal vorgegeben ist.
Es ist teilweise, als spräche man eine fremde Sprache seinen Nächsten gegenüber.

Das Anderssein - nein nicht elitär - macht Dich angreifbar. Das nutzen niedere Menschen
weidlich aus. Du bist dann unverstanden und wirkst unheimlich.
Gerade wegen Deines ansonsten milden, stillen Wesens - einem Schizoiden gleich,
wird Dir jede Gefühlsregung als boshaft, unberechenbar oder gemeingefährlich ausgelegt,
obwohl gerade Deine Kritiker diese Wesenszüge zeigen, während Du sie bremst.
Deine Äußerungen gelten als pessimistisch, spielverderbend, antik, unmodern, nationalistisch
oder weltfremd, während alle lieber ihren Fußpilz anbeten, anstatt sich ihrer selbst zu stellen.

Ich habe jetzt drei Jahre hinter mir, die mir noch mal so richtig das Fell über die Ohren gezogen haben.
Nenne das Depression (im Sinne von Gemütskrankheit), aber Freude zu Leid verhält sich
gerade 1:100.
Ich nenne es Herausforderung. Und ich bin keineswegs pessimistisch, obwohl es seitdem
schien, als hätte sich die ganze Welt gegen mich verschworen.

Daß so viel Unheil über mich kommt, wenn auch teilweise ("nur") in passiver Form, hätte
ich mir sonst nur im Zusammenhang mit Kriegswirren vorstellen können.
Und, ja, meine Balken biegen sich - ich leide. Meine Kräfte verschleißen.
Und wenn dann Hilfe kam, war sie egoistisch beflügelt.
Christen kamen um mich zu bekehren. Was ich erlebte, waren teilweise sehr spirituelle Menschen, die aber meiner Meinung nach auch nicht alle Christbaumkugeln dort haben sollten, wo sie sein sollten.
Ein "Gottesdienst" war eher so etwas wie ein Reichsparteitag auf LSD, und mein unfreiwilliger
Exkurs in die griechische Orthodoxie zeigt mir einmal mehr, daß Leute, die mit Wasser kochen, doch bitte auch was genießbares kredenzen sollten, bevor man sich mit Ekel abwendet.

Diese Dienstboten Gottes kann ich ebenso wie meinen geglaubten besten Freund nun dem Kompost verantworten.
Aber die Komplexität der Dinge erfordert von mir totale Funktionalität und Perfektion.
Da ärgert sich natürlich der junge, selbstgeglaubte Gott, wenn ich mal einfach nur krank
bin, oder ganz unberechenbar auf seine Konventionen scheiße.
Ich hingegen erachte nun diesen Fettsack aller Denkblockaden als überteuertes dekadentes Ungetüm voller krankhafter Triebe.

Ich habe mir für meine kleine Fläche hier am Berghang ein paar kleine Obstbäumchen angeschafft.
Mit denen werde ich es ebenso halten: krankhaft himmelwärts treibende Triebe werden von mir beizeiten rücksichtslos abgeschnitten.

Bei allen Bemühungen habe ich es nicht geschafft, in meiner praeapokalyptischen Zeit
völlig reines Gewissens zu sein.
Aber mein Gebäude der Ideale steht - still und unbeugsam, vom Winde unberührt.
Da kann auch noch der ein oder andere Gott vom Himmel fallen, oder der ein oder andere
"beste Freund", derer ich naturgegebenermaßen wenige hatte, sich als Waidloch entpuppen.

Mich überrascht viel mehr die Kurzsichtigkeit dieser Menschen.
Kaum bietet sich bei Siegfried nach dem Duschen im Blutbad mal eine Schwachstelle,
sind die Blutsauger rasch zur Stelle, und geizen nicht mit Ignoranz, gespieltem Mitleid und
Selbstherrlichkeit im Maße von Kleinkindern.
So wie Fliegen von Exkrementen angezogen werden, oder sterbende Bäume von Parasiten
befallen werden, so masturbieren schwache Geister auf dem Leid der Weiterentwickelten.

Allein die wackere Tapferkeit dieses liebevollen Systems der vollkommenen Menschenverachtung hat Fürsorge dafür getragen, daß leibhaftigen Verbrechern keine Strafe
blüte. Noch viel mehr: Der Abschaum dieser Zeit weiß dieses widerwärtige System für seine Zwecke schamlos auszunutzen, und wird dazu teilweise noch fürstlich entlohnt.
Das trifft nicht nur auf Bankster zu, sondern auch auf Ungetüme, die beabsichtigen, Kinder zu rauben.

Doch ab und zu trifft eine einzelne Seele mal auf ein paar Kulturbereicherer, die nichts
anderes im Sinn haben, als einem widerspenstigen Autochthonen ohne vorzeigbarem Grund
Fingergelenke zu zerstören, auf daß er sie fürderhin nicht mehr so hart in die Fresse
schlagen kann.

Doofe Natur. Ich hätte die Mädchenschreie in meiner Nachbarschaft ebenso wie die
Drogendealer ignorieren sollen.
Ich konnte ja nicht wissen, daß "Teenager"-Verwemsen russischer Volkssport ist, und
jegliche Kritik daran mit Mafiamethoden sanktioniert wird.

Nach dieser Foltergeschichte fing der Spaß aber erst an für mich.
Erst da ging es so richtig los, als sich der Abschaum vor meiner
Rache sicher wähnte.

Ich komme gar nicht mehr zum sortierten, zu nahe kommen die
Granaten des täglichen Lebens. Ich bin es satt.
Aber ich werde bald auch mal wieder gut schlafen, und mich
aus meinem Bett erheben.
Und dann? Ich habe standgehalten.
Aber können diese feindseligen Kräfte auch mit Gegendruck umgehen?

Sollte da noch mal so ein Brathänchen auf meiner Brust thronen,
haue ich dem ebenfalls beizeiten emotionslos den Kopf ab.

ich fühle...

remi, Samstag, 06.07.2013, 12:55 vor 4862 Tagen @ Fenrizwolf (1726 Aufrufe)

Hallo ihr zwei Philosophen,
ich habe vor vielen Monden ähnliche Gedanken gehabt. Ich weiß, dass sie für die Seele nicht gut sind. "Lebe den heutigen Tag, eine klare Seele lebt im Heute"
Jeder muss sich nur für seine Taten und Gedanken verantworten. Das GANZGROSSE wird komme, weil es kommen muss. Aber unser Anteil am Gelingen oder Mißlingen ist ziemlich klein. Ich denke jedenfalls so. Und jetzt gehe ich ins Freibad und pflege Körper und Geist.
LG
remi

Antwort

offtopic, Sonntag, 07.07.2013, 01:36 vor 4862 Tagen @ Fenrizwolf (1627 Aufrufe)

Du nennst es warten,
ein Warten im Nichts.

Es geht um das Sein,
das, wie kann es sein,

völlig anders ist,
als das, was Du bist.

"Ich habe jetzt drei Jahre hinter mir, die mir noch mal so richtig das Fell über die Ohren gezogen haben.
Nenne das Depression (im Sinne von Gemütskrankheit), aber Freude zu Leid verhält sich
gerade 1:100.
Ich nenne es Herausforderung. Und ich bin keineswegs pessimistisch, obwohl es seitdem
schien, als hätte sich die ganze Welt gegen mich verschworen."

Dem ist aber nicht so, mein Freund.

Liebe Grüsse

OT

...

Fenrizwolf, Sonntag, 07.07.2013, 10:01 vor 4862 Tagen @ offtopic (1506 Aufrufe)

Vielen Dank!

ich habe mich da oben doch ziemlich pathetisch ausgetobt.
So wichtig kann ich kleines Licht gar nicht sein, daß ich einer
besonderen Behandlung unterzogen würde.

Es ist auch meinem Lebensabschnitt geschuldet, daß ich gerade
nun Überforderung erfahre.
Jetzt stehe ich biologisch im Mittelpunkt des Geschehens, und die
Umgebung gestaltet sich immer komplizierter.

So kleine Geschehnisse sind alle Banalitäten. Doch in der Summe
stellen sie die Welt dar. Und da hat jeder nur eine.
Und meine eigene kleine Welt ist sicher noch durch meinen Einfluß
im positiven Sinne wandelbar.

Und wenn ich mal zur Ruhe komme, wachsen da viel reifere Gedanken
als noch vor ein paar Jahren.
Die Sorgen, die ich mir mache, entstammen natürlich auch meinen Defiziten.
Aber wenn ich mich so im Kontext mit allem drum herum betrachte,
bin ich eigentlich nicht der Kandidat für eine besondere Lektion in Sachen Demut.
Ich würde vermutlich gar nicht hier schreiben, wenn meine Hybris
so ausgeprägt wäre, wie bei den meisten Leuten.

Als ein Grundübel unserer Zeit sehe ich vor allen Dingen die Komplexität
aller unumgehbaren Angelegenheiten und die Abhängigkeit der wichtigsten Grundlagen von einander.
Das schwächste Glied in der Kette, an der alles hängt, ist dann entweder
aus Vertrauen geschmiedet, oder aus Zwang.

Ich habe lange Zeit die armen Bauern bemitleidet, die hier demonstrativ ihre Milch in
die Kanalisation geleitet haben.
Später erfuhr ich dann, wie die Politik seit den 70er Jahren mit Subventionen aus Gehöften monströse Agrarunternehmen schuf - samt Butterbergen und Wachstumszwang für alle anderen.
Und so grotesk es klingen mag: selbst die körperlichen Dimensionen der beispielhaften
Landwirte sind ihren gigantischen Agrarmaschinen fast ebenbürtig.

Es ist ja nicht so, daß ich die Vorzüge der Moderne gänzlich verschmähen würde,
aber mir ist seit Ende der Neunzigerjahre klar, daß alles sein natürliches Ende finden muß.
Damals sprach man von Spaßgesellschaft und Politikverdrossenheit, was nichts anderes war
als die schon recht späten Konsequenzen einer gigantischen Fehlentwicklung und Dekadenz.

Ich schätze, daß mindestens 80 % der Menschen seelisch so weit unterentwickelt sind,
daß man, wenn man sie geschickt verleitet, jede böse Sache mit ihnen anstellen kann.
Es ist ja längst nicht so, daß alles schlecht ist, und man sich sein Leben nicht doch
irgendwie sinnvoll gestalten könnte, aber es wird alles immer wilder, und die paar
Konterbewegungen verlaufen wie kleine Wellen in einem sich aufbrausendem Tsunami.

Vermutlich waren die Zeiten niemals wirklich schön, aber heutzutage kommt man gar nicht
mehr zur Ruhe.
Wer kennt noch den Geruch von frisch geschnittenem Gras, oder bemerkt, daß sogar der Schall je nach Witterung anders kommt?

"Erkenntnisse" sind heute Echos akademischer Auftragsarbeiten; nicht mehr sensorischer oder gedanklicher Natur.

Für meine Behauptung, daß Bier aus grünen Flaschen unangenehm schmeckt, wurde ich immer ausgelacht. Und einige lachen vermutlich noch heute.

Auch wenn mir das Anklagen gerade so leicht von der Hand geht, muß ich aber sagen, daß ich grundsätzlich gutmütiger geworden bin.
Ich erkenne meine eigene Unvollkommenheit in anderen wieder, und kann auch anderen Freude gönnen, wenn ich selbst keine habe. :)

Irgendwie gewinne ich den Eindruck, daß ich einst rückblickend denken werde, daß mein persönliches Ringen und Winden auch schneller und schmerzfreier von Statten hätte gehen können.
Aber Reife kann man sich nicht von den Bäumen pflücken, sondern stellt einen Prozeß dar.

man kommt als Original, und geht als Kopie

Baldur, Sonntag, 07.07.2013, 15:44 vor 4861 Tagen @ Fenrizwolf (1583 Aufrufe)

Hallo, Fenrizwolf,

man kann sich nur bis zu einem bestimmten Masse verbiegen, ohne, dass es kracht im Gestell.
Wir alle kommen als Originale auf die Welt, und werden mit zunehmender Zeit immer mehr gleichgemacht, zu willigen Klonen geformt, die in das jeweilige System passen müssen.
Im Hamsterlad werkeln.

Wer sich nicht umformen lassen möchte, bleibt besser so individuell, wie er geboren wurde, und sucht nach den wenigen verbliebenen Möglichkeiten, eine für ihn passende Lücke zu finden, einen Rückzugsraum. Das kann auch im Ausland sein.

Ich sehe das öfters am Beispiel der lieben Bank-Funktionäre, die schon im Anzug auf die Welt gekommen sein müssen, und ganz offensichtlich von einem anderen Stern stammen, und einen anderen Planeten bewohnen. Das ist eine Parallelwelt. Äusserst einträglich, aber es wäre eine Qual für mich, mich dort einfügen zu müssen.

Da bleibe ich lieber ausserhalb, so, wie ein Obdachloser, der lieber unter der Brücke schläft, als im Obdachlosenasyl.

Würde man versuchen, mitzuschwimmen unter einer aufgesetzten Maske, würde man in Bälde krank. Ob nun ausgebrannt, oder depressiv, oder organisch kaputt.

Die grösste Errungenschaft aus meiner Sicht ist, so wenig wie möglich von dem tun zu müssen, was man nicht will.

Für Einzelgänger wird es immer schwerer, einen Platz zu finden, aber noch lange nicht unmöglich!

Beste Grüsse vom Baldur

hypnotisch? beeinflussbar!

Liv, Samstag, 06.07.2013, 21:31 vor 4862 Tagen @ Baldur (1824 Aufrufe)

Hallo Baldur,
erst mal vielen Dank für den Beitrag und natürlich funktioniert das, hat aber mit Hypnose nix zu tun, das ist nur wiederholte Wiederholung, inzwischen (aber nicht erst seit gestern) mit System bzw. organisiert: Die klopfen denen das ins Hirn rein, bis sie nicht mehr in der Lage sind, schwarz und weiss zu unterscheiden bzw. es ist noch viel perverser: Sie sind dann die Oberschlauen und "wissen", dass es nur "schwarz/weiss" (je nachdem wie reingeklopft) sein kann und wer was anderes sagt, der ist (und das wissen sie als allererstes :)) im Irrtum. An dieser Stelle kommt Psychologie ins Spiel, denn hier ne Kehrtwendung zu machen, ist ein Akt der Balance (bzw. Courage) und da sagt man auf dem Gebiet der heutigen Besatzer meiner Heimat dann lieber (rein aus Bequemlichkeit, stimmts, Ulrich :)?): Nee, nee, sowas kommt nich in die Tüte

@ Liv

Ulrich ⌂, München-Pasing, Sonntag, 07.07.2013, 01:06 vor 4862 Tagen @ Liv (1555 Aufrufe)

Hallo Liv,

...und da sagt man auf dem Gebiet der heutigen Besatzer meiner Heimat dann lieber (rein aus Bequemlichkeit, stimmts, Ulrich :)?): Nee, nee, sowas kommt nich in die Tüte

weiß ich nicht, ob das stimmt.
Wusste ja nicht einmal, daß Deine Heimat besetzt ist :rotfl:

Aber ich bin sicher, daß Du sicher bist, daß Du Dich nicht irrst. Deshalb wird wohl Alles genau so sein, wie Du meinst.
Bin mir nicht sicher, ob ich mir eine eigene Meinung sollte, was meine Bequemlichkeit stört, oder ob ich mich Deiner Sicht der Welt anschließen sollte - aus Bequemlichkeit.

Nee nee, Du machst es Dir einfach.

Gruß in die Besatzungszone,
Ulrich

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