Hallo!
Es ist bei genauer Betrachtung eine sehr schöne Beschreibung der heutigen Zeit.
Das ist so, weil die Prophezeiung mit ziemlicher Sicherheit eine Fälschung aus ebendieser heutigen Zeit ist. (Davon abgesehen gibt es doch weitaus tiefgründigere Beschreibungen unserer Zeit, die einem wirklich etwas bringen.)
Kurz zusammengefaßt, was alles an der Sache falsch ist (Literaturgrundlage: Johannes von Jerusalem – Das Buch der Prophezeiungen. München 1995):
- Angeblich entdeckt von einem "M. Galvieski", russischer Professor, von dem es außerhalb des Buches über Johannes von Jerusalem kein einziges Lebenszeichen gibt.
- Es wird immer wieder auf anonyme Autoren, Gelehrte, Eingeweihte und ähnliches verwiesen, ohne daß je einer namentlich genannt oder ein Beleg für ihre Aussagen erbracht werden würde. Faktisch ist vor 1994 nirgendwo in der Literatur ein Hinweis auf einen Johannes von Jerusalem oder die Prophezeiung zu finden.
- Der unbekannte Autor druckt als Beweis für die Existenz des Manuskripts weder eine Seite daraus ab, noch zitiert er Sätze im (logischerweise) lateinischen Originallaut. In dem Buch findet sich nur die völlig nichtssagende Fotographie eines beliebigen mittelalterlichen Kodex, der keine äußerlichen Kennzeichen aufweist, die auf den Inhalt schließen ließen.
- Es wird behauptet, "Johannes von Jerusalem" sei einer der acht Kreuzritter gewesen, die den Templerorden gründeten. Tatsächlich sind die Namen aller dieser acht Ritter bekannt:
- Hugo de Payens
- Gottfried de Saint-Omer
- André de Montbart
- Payens de Montdidier
- Archambaud de Saint-Amand
- Geoffroy Bisol
- Rosal
- Godefroy
=> Kein Johannes! Damit zerbröselt seine ganze Lebensgeschichte.
- Als Quelle für den Lebenslauf des Johannes wird ein Manuskript aus dem 14. Jahrhundert genannt, das (der nichtexistente) Galvieski im Kloster von Sagorsk, rund siebzig Kilometer nordöstlich Moskaus, gefunden haben soll. Darin sei in zwanzig Zeilen das Leben des Johannes zusammengefaßt. Als ältere Bestätigung wird eine unbekannte Anzahl Manuskripte der Mönche von Vezélay angeführt, in denen Johannes bis zum 14. Jahrhundert regelmäßig erwähnt werde. Für die Existenz all dieser Schriften gibt es aber keinen Nachweis.
- Angeblich soll Johannes sieben Exemplare seiner Prophezeiungen angefertigt haben, von denen bis auf eins (an anderer Stelle ist von dreien die Rede) alle verschollen sind. Obwohl er sich überhaupt auf keine verläßliche, nachvollziehbare Quelle stützen kann, sieht sich der Autor des Johannes in der Lage, den Verbleib sämtlicher dieser Exemplare nachzuvollziehen!
- Eines soll über Bernhard von Clairvaux, der mit Hugo von Payens in Verbindung stand, nach Rom in die vatikanischen Archive gelangt sein. Laut Aussagen "hoher geistlicher" (namentlich natürlich nicht genannt) wird das Manuskript jedem Papst vorgelegt. Eine völlig unbewiesene Behauptung!
- Das zweite Exemplar soll ins Kloster von Vézelay gelangt sein, wo es nach einigen Jahrzehnten verschwand.
- Das dritte gelangte in die Hände der Legisten, von denen es 1307 als zentraler Beweis beim Prozeß gegen den Templerorden verwendet worden sein soll. In den historischen Überlieferungen über den Templerprozeß ist darüber jedoch kein Wort zu finden. Es wird aber noch abenteuerlicher: Eben dieses Exemplar soll später Nostradamus von Katharina von Medici geschenkt bekommen und ihm als Vorlage (!) für seine Centurien gedient haben. Völlig übersieht der Nostradamus' offenbar unkundige Autor, daß sein Machwerk viel kürzer ist als die Centurien und tatsächlich nur unsere Zeit beschreibt.
Wie die Medici in dessen Besitz gekommen sein soll, wird nicht erklärt. Sicher ist sich der Autor hingegen, daß Nostradamus durch das Plagiat göttlichen Zorn heraufbeschwor. Sein Sohn „Michel Nostradamus, der Jüngere“ habe die Stadt Pouzin angezündet und sei von der Bevölkerung gelyncht worden. Offensichtlich wußte der Autor nicht, daß Nostradamus gar keinen Sohn namens Michel hatte.
- Ein Exemplar soll durch einen orientalischen Weisen nach Fernost gekommen sein (da gingen dem Fälscher wohl die Ideen aus).
- Eines soll sich in byzantinischen Archiven befunden haben, von wo es nach Johannes' Willen in Hände eines griechischen Mönches gelangte, der es auf irgendeinem Berge verbarg. In geheimnisvollen Formulierungen fabuliert der Autor frei heraus über weitere Schriften des Johannes, die sich vielleicht auf dem Berge Athos befinden könnten. Alles natürlich ohne Beleg.
- Ein weiteres byzantinisches Exemplar soll nach Sagorsk gelangt sein, wo es 1918 von den Bolschewisten vernichtet wurde.
- Das letzte Exemplar soll von den Russen in Hitlers Führerbunker beschlagnahmt und in KGB-Archiven, vornehmlich in dem Moskauer Gefängnis Lubjanka, aufbewahrt worden sein. Darin soll sich ein deutscher Zusatz der Nazis befinden, die Prophezeiung wäre 1941 in Warschau in einer jüdischen Bibliothek gefunden worden. Der Autor ist sich sicher, daß Hitler mehrmals mit seinen Getreuen über die Prophezeiung sprach und ihr Eintreten verhindern wollte (unbewiesene Behauptungen!).
=> Die obligatorischen Nazis mit ihrem okkulten Hintergrund, auf den die Geschichte der Dritten Reiches und des zweiten Weltkrieges aufs billigste verengt wird. Hitler wollte die Prophezeiung verhindern! Jetzt sind wir vollends bei Indiana Jones und der Suche nach dem heiligen Gral und der Bundeslade angelangt.
Nicht übersehen werden sollte überdies, daß die vermeintliche Prophezeiung des Johannes doch über die Zukunft nur sehr nebulöse, nichtssagende Aussagen enthält, nichts jedenfalls, das man sich nicht mit oberflächlicher Kenntnis der Prophezeiungen und ihrer gängigen Motive selbst denken könnte. Der Fokus liegt hauptsächlich auf einer Beschreibung unserer Gegenwart! Es ist also nicht vornehmlich eine Prophezeiung über unsere Zukunft, sondern vielmehr ein Text, der leichtgläubige Leser durch Gegenwartsbezüge beeindrucken soll.
Gruß
Taurec
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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“