Der Lübecker Seher Albert Oldag (Schauungen & Prophezeiungen)

Asgard, Ulm, Montag, 28.04.2014, 18:48 (vor 4567 Tagen) (3744 Aufrufe)

Liebe Forenmitglieder,

in DeGards "Armageddon" wird auf Seite 62 ein Lübecker Seher namens Albert Oldag zitiert:
"Ich sehe einen Umsturz in Russland, und ich sehe Russlands Untergang. Das ist der Augenblick der deutschen Wiedervereinigung. Ich sehe Deutschland in seinen alten Grenzen. Doch Zeit und Stunde? Das weiß ich nicht. Aber alles wird friedlich abgehen ..."
Als Quelle wird Ray Noland "Die siebte Offenbarung", S. 212 angegeben, das Buch bezieht sich auf die Lübecker Nachrichten vom 4.11.1962.

Das wirkt auf den ersten Blick erstmal wie ein erstaunlicher Treffer: Zusammenbruch der Sowjetunion, zeitgleich deutsche Wiedervereinigung und alles bereits 1962 dokumentiert. Auf den zweiten Blick habe ich jedoch auch kurz über ein Geschehen nach dem russischen Feldzug nachgedacht: Es wird vom Untergang Russlands gesprochen - das war 1991 nicht der Fall. Zudem sieht er Deutschland "in seinen alten Grenzen". Dafür reicht aus der damaligen Sichtweise eine Vereinigung mit der DDR eigentlich nicht aus, da die Ostgebiete (Schlesien, Ostpreußen) nicht berücksichtigt sind. Allerdings nennt er explizit einen "friedlichen" Prozess, was nicht zum russischen Feldzug passen will. Zudem wurden die Begriffe "Russland" und "Sowjetunion" ja ohnehin weitgehend synonym gebraucht. Daher bin ich geneigt doch eher von der Variante 1989-1991 auszugehen.

Wie auch immer: Die Aussage ist sehr interessant. Daraufhin habe ich versucht im Internet etwas über Alber Oldag zu finden. Ein Seher mit solcher Qualität müsste Spuren hinterlassen haben. Allerdings lässt soch kaum etwas finden.
Ein Beitrag im alten Prophezeiungsforum ohne weitere Infos: http://el-abba.org/forumex-proph/messages06/66640.htm und ein Beitrag aus dem Zukunftsforum, in dem nur die Stelle von DeGard zitiert ist: http://el-abba.org/forumex-proph/messages06/66640.htm

Dann allerdings stieß ich auf die "ZB Illustrierte":
"Die ZB-Illustrierte wurde als das große Aufklärungsorgan des Bundesluftschutzverbandes (BLSV) nach den Weisungen des Bundesministerium des Inneren geschaffen und erschien in einem Umfang von 24 Seiten zunächst monatlich, dann vierzehntägig in einer Auflage von 100.000 Exemplaren."
Alle Ausagaben können als PDF beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe abgerufen werden: http://www.bbk.bund.de/DE/Service/Fachinformationsstelle/DigitalisierteMedien/BS-1956-2006/ZB%20Illustrierte.html

In der Ausgabe 4 von 1956 findet sich ein Artikel über Albert Oldag unter der Überschrift "Der Seher von Lübeck". Aus dem Artikel geht hervor, dass Oldag ein christlicher Mensch war, von Beruf Kunstmaler und Kunsthändler, wohnhaft im Haus Untertrave 9 in Lübeck. Er erzählte vielen Personen von seinen Schauungen, um vor bestimmten Ereignissen zu warnen. Diese wurden jedoch in der Regel nicht ernst genommen. Seine erste Vision hatte er 1902 und hat selbst alles schriftlich in einem "grünen Buch" festgehalten. Gleichzeitig wird deutlich, dass er nicht alle Gesichte offenlegt: "Es gibt doch noch Geheimnisse, die ich einstweilen verborgen halten muss vor dem profanen Auge".
Oldag sagte angeblich das Hitlerattentat im Bürgerbräu-Keller und den Luftangriff auf Lübeck 1942 voraus. Wegen der Attentatsvorhersage soll er von der Gestapo vernommen worden sein und sogar bei Goebbels vorgesprochen haben.

Zu den Aussagen für die Zukunft berichtet der Artikel:
Über die nähere Zukunft des geteilten Deutschlands befragt gibt der Seher von Lübeck nur verschwommene Andeutung:

"Viele Deutsche Soldaten stehen bald bereit"
"Deutschland wird bald wieder in seinen alten Grenzen zu friedvoller Mitarbeit am Aufbau der Welt erstehen"
"Im Osten stehen dunkle Wolken, die sich zunächst im eigenen Land entladen, mit Auswirkungen ringsherum"
"Es drohen uns Gefahren. Wir alle müssen jederzeit wachsam sein, müssen einander helfen und jegliche Angst von innen her auflösen. Dann wird nicht nur viel Leben gewonnen, sondern auch unsere innere und äußere Freiheit gesichert sein."

Die von DeGard zitierte Aussage zu Russland findet sich dort nicht, evtl. nur angedeutet die "dunklen Wolken" im Osten. Diese könnten jedoch auf den Zusammenbruch der DDR deuten, der dann auf die anderen Länder übergeschwappt ist. Schließlich wurde Oldag auf die "nähere Zukunft des geteilten Deutschland" angesprochen. Daher dürfte sich "im eigenen Land" auf die DDR beziehen.

Der letzte Abschnitt ("es drohen uns Gefahren", "wir malle müssen wachsam sein") deutet darauf hin, dass Oldag weitere gravierende Ereignisse mit negativem Charakter gesehen hat. Interessant wäre nun natürlich der Artikel aus den Lübecker Nachrichten vom 4.11.1962. Alte Ausgaben der Zeitung bekommt man im Stadtarchiv in Lübeck. Allerdings komme ich dort auf die Schnelle nicht hin. Haben wir hier Forenmitglieder aus dem Norden?

Darüber hinaus tut sich ein großes Forschungsfeld auf. Es existieren in Lübeck und Umgebung bestimmt noch Personen, die Oldag oder seine Aussagen kannten. Interessant wäre auch die Frage nach möglichen Nachkommen - evtl. ließe sich ein Einblick ins "grüne Buch" gewinnen?
Aufgrund folgenden Eintrags dürfte er zumindest verheiratet gewesen sein: http://www.stadtarchiv-luebeck.findbuch.net/perma_arid-3730-bekurz-30372e322d3134-vnum-15807.html

Grüße
Asgard


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