Hallo, Magra!
Wir haben da nur eine Aussage Irlmaiers, die von einem Zeitzeugen vor ein paar Jahren erst mitgeteilt wurde.
"Die Russen schieben mit ihren Panzern auf der Autobahn westlich Passau Fluchtfahrzeuge aus dem Weg und fahren großer Geschwindigkeit Richtung Rhein."
"Nach drei bis vier Tagen [wohl nach Kriegsbeginn] setzt der Westwind ein und westliche Flugzeuge werfen zwischen Salzburg und Ostsee in einem Streifen soviel 'gelben Staub' ab, daß es darunter finster wird. In Wien überlebt niemand."
Der zweite Satz steht allerding als eigenständiges Zitat da. Es ist also nicht klar, nach welchem Ereignis der Strich gelegt wird. Der Kriegsbeginn ist aber am wahrscheinlichsten.
Kann jemand, der mit "Gärtner" gesprochen hat eine Aussage dazu machen?
Westlich des Striches ist die Gefahr, getroffen zu werden gering. Im Osten sollte man nicht sein.
Wie gefährdet man an seinem Wohnort ist, hängt auch davon ab, wo der Strich letztendlich gelegt wird.
Da sagt Irlmaier:
"Ich sehe die Erde wie eine Kugel vor mir, auf der nun die weißen Tauben heranfliegen, eine sehr große Zahl vom Sand herauf. Und dann regnet es einen gelben Staub in einer Linie. Die Goldene Stadt wird vernichtet, da fangt es an. Wie ein gelber Strich geht es hinauf bis zu der Stadt in der Bucht." (Adlmaier-Fassung)
Man kann also mal vorsichtig eine Line von Salzburg über Prag (goldene Stadt) bis zur Ostsee ziehen und sie zur Sicherheit auch nach Süden über die Alpen bis zur Adria verlängern.
Es heißt ja vom Waldviertler, die Russen stießen über Kärnten nach Italien vor. Da machte es durchaus Sinn, diesen Weg ebenfalls abzuschneiden. Dann kann man eine ziemlich gerade Linie von Venedig über Prag bis in die Nähe von Danzig ziehen (kann auch ein Bogen sein, aber ob es nun Stettin oder Danzig ist, macht kaum einen Unterschied), die bei entsprechender Breite auch Salzburg berührt.
Ich vermute auch, daß es kein richtiger Strich ist, sondern nur eine streifenförmige Zone, innerhalb welcher der Kampfstoff an wichtigen Stellen eingesetzt wird, wobei militärisch uninteressante Gebiete, wie Gebirge, See- und Moorlandschaften ausgespart werden. Das spart nämlich erhebliche Mengen dieses Kampfstoffes. Diese wurde hier schon einmal als unrealistisch in den Raum gestellt, weil es für ein so großes Gebiet gigantische Mengen bräuchte.
Bei Adlmaier heißt es, der Strich fange bei der goldenen Stadt an. Das ist im Grunde ein Widerspruch zu der anderen Aussage Irlmaiers und außerdem militärisch unsinnig. Vermutlich hat hier Adlmaier geschlampt oder Irlmaier sich falsch ausgedrückt oder geirrt (weil beispielsweise nahe Prag tatsächlich eine Lücke im Strich endet). Allerdings müßte er zu dem Zeitpunkt noch keine Schau über Salzburg gehabt oder sie schlicht vergessen haben.
Daß in Wien niemand überlebt, würde ich auch vorsichtig behandeln.
Im Lindelied (für das wir aber keine valide Quelle haben) heißt es zum Kriegsende (bzw. Polsprungnähe):
"Nimmt die Erde plötzlich andern Lauf,
Steigt ein neuer Hoffnungsstern herauf?
'Alles ist verloren!' hier's noch klingt,
'Alles ist gerettet', Wien schon singt."
Da müßen logischerweise noch Leute leben (falls die Aussage echt ist). Außerdem gibt es von Wüstenrufer eine Schau, wo er nach dem Krieg mit dem Zug über Wien reist und dort einen Zwischenaufenthalt macht. Dort lebten ebenfalls Menschen.
Es ist auch möglich, daß vom Zeitzeugen hinzugemogelt wurde, in Wien überlebe niemand.
Daran sieht man aber mal, daß bei Irlmaieraussagen bei weitem nicht alles rund läuft.
Gruß
Taurec
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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“