Hallo Hinterbänkler,
du und wir alle werden nur so viel über die Zukunft erfahren, wie unser Wissen darum keinen Einfluss auf selbige hat. Das ist die erste Regel, so wie ich sie kenne. Und niemand wird daran herum biegen können. Auch die Seherin nicht, sei sie authentisch oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Die zweite Regel ist, dass wenn wir etwas aus der Zukunft erfahren was die Zukunft verändern könnte, dann bekommen wir es nur verschlüsselt. Und zwar so verschlüsselt, dass wir es erst entschlüsseln können, wenn es keinen Einfluss mehr auf die Zukunft hat.
Die dritte Regel ist, dass nicht wir darüber entscheiden was wir erfahren möchten oder zu erflehen versuchen, sondern wer-oder-was-auch-immer entscheidet das. Wir können nur unsere Ohren aufsperren um vielleicht etwas zu erhaschen.
Warum ist das so?
Weil eine Zukunft die wir bereits kennen keinen Nährwert hat. Das wäre wie ein Experiment, dessen Ergebnis bereits bekannt ist. Das ergibt keinen Sinn. Und je geringer der Sinn und Nährwert ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit dass es geschieht.
So habe ich es für mich verstanden. Ob es so wirklich so ist, kann ich nicht beweisen.
Darum, aus den oben besagten Gründen möchte ich bezweifeln, dass die Seherin einfach mal so nachfragen gehen kann. Das kann sie nicht mal dann, wenn sie monatelang um Antwort flehend auf dem Boden rum kriecht und Kuhmist verspeißt.
Was ich der Frau zugestehe, ist ein feiner Sensus für die Geschehnisse und die Fähigkeit, sie einigermaßen den Charakteren entsprechend in die Zukunft zu interpolieren.
Und nein, ich halte sie nicht für authentisch. Ich halte sie für jemanden, der (psychologisch ausgedrückt) in deutlich zu großen Schuhen herum läuft.
Im übrigen ist Riga eine Hafenstadt mit Anschluss an die hohe See. Dazu noch nahe an Russland. Da braucht man nun wirklich kein Seher mehr zu sein um vorher zu sehen, was damit im falle eines Krieges passieren wird.
Gruß
steffomio