Pfeil und Bogen II (Allgemeines und Bogen) (Freie Themen)

Wizard, Berne, Samstag, 08.08.2009, 06:42 vor 6017 Tagen (8732 Aufrufe)

Moin Leute

Da sich hier so wenig tut, und das Thema Pfeil und Bogen nun schon gut ein Jahr zurück liegt, leier ich das mal wieder an.

In einer der "Bogenbau-Bibeln" steht ein netter Spruch, den man einen alten Indianer zurechnet. Selbiger soll in etwa gesagt haben: "Einen Bogen kann (fast) jeder Depp aus (fast) jedem Knüppel bauen. Gute Pfeile herzustellen ist eine Kunst." Ich weis natürlich nicht, ob der Spruch tatsächlich von einem Indianer stammt, aber stimmen tut er ... zumindest teilweise.

In beiden Fällen (Bogen und Pfeile) liegt das Problem der Herstellung kaum im technischen Können oder geeignetem Werkzeug. Jeder, der über zwei gesunde Hände verfügt, nicht gerade blind ist und intelligent genug ist, sich alleine anzuziehen, kann das einigermaßen hinbekommen. Man muss es halt nur wollen.

Sowohl für den Bogen, als auch für die Pfeile benötigt man möglichst zähelastisches Holz. Die oft so viel gerühmte "Weide" ist trotz vielfacher Bekundung von "Fachleuten" (Wir haben als Kinder immer tolle Bögen aus Weide gebaut ...) denkbar ungeeignet. Nicht, das es rein gar nicht ginge ... Die Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit lässt halt nur stark zu wünschen übrig.

Grund:
Weide ist nicht zähelastisch genug, sondern leicht biegsam (weshalb man daraus ja auch gut Körbe flechten kann). Zähelastisch bedeutet, das sich das Holz gut biegt und dann möglichst schnell wieder in seine Ausgangsposition zurück springt. Weide lässt sich gut biegen, keine Frage. Nur mit dem Zurückspringen ist es nicht sonderlich weit her.

Das für unsere Breiten idealste Baumaterial dürfte Haselnuss sein. Sowohl um mal eben zu sehen, ob man es kann, als auch ernsthaft und insbesondere im Survivalfall. Kennt fast jeder, kommt überall vor, gut und einfach zu bearbeiten, sowohl für Bogen, als auch für Pfeile bestens geeignet und -> Einigermaßen gut behandelt (Auswahl, Trocknung, Bearbeitung etc.) nur mit roher Gewalt kaputt zu bekommen.

http://www.baumkunde.de/baumdetails.php?baumID=0070

Für die Herstellung eines (Survival) Bogens gibt es mehrere Möglichkeiten.

• Die einfachste ist ein möglichst gerader Trieb von geeigneter Dicke (am dicken Ende zwischen 2,5 und 3,5 cm) und Länge (etwa "mannslang"). Vorsichtig schälen (nur die Rinde ab, nicht das Holz verletzen), trocknen (Möglichst komplett duchtrocknen lassen, was ein paar Tage bis Wochen dauert!) lassen und mit einer Sehne versehen. Fertig! Das dünnere Ende ist oben und die Bogenform ist dann natürlich unsymmetrisch.

• In Ermangelung von geeigneten Trieben, kann man auch einen Bogen aus mehreren dünnen Trieben herstellen.
http://www.youtube.com/watch?v=Izuo-45rVNs
Anders als in dem Video, sollte man die Triebe ebenfalls schälen und trocknen lassen.

Beide Formen sind zwar nicht gerade das Non plus Ultra, aber sie funktionieren. Es wird zwar nicht ausreichen für einen Elch, aber Karnickel, Enten und ähnliches dürften (im Survivalfall) davon nicht begeistert sein. Die Haltbarkeit ist auch nicht für die Ewigkeit gedacht. Aber es dürfte Ausreichen um sich mit Futter zu versorgen, bis man was besseres gebaut hat.

Für einen besseren Bogen gibt es weitere Möglichkeiten, diese z.B.:

Sie beginnt wie beim Ersten oben, nämlich mit einem geeigneten, gerade Trieb. Selbiger ist dieses mal nur etwas Dicker. Die Dicke sollte hier am dicken Ende zwischen 3 und 5 cm liegen. Die Länge wie gehabt, etwa "mannslang". Die Trocknung (wenn möglich beide Enden "versiegeln") erfolgt hier möglichst mit Rinde und dauert je nach Witterung und Dicke mehrere Monate (etwa 6 bis 8). Es geht natürlich auch ohne Rinde (hier noch mehr darauf aufpassen, das man nicht das Holz beschädigt) geht es erheblich schneller. Mit Rinde wird meiner Erfahrung nach, das Holz aber besser. Keine Ahnung, warum das so ist. Eventuell verbleiben wegen der Rinde irgendwelche ätherischen Öle im Holz und kristallisieren beim Trocknen aus. Ist das Holz trocken und frei von Rinde, geht es los mit dem bauen. zunächst legt man den Griffbereich (Mitte) fest. hat man nichts zum Messen, genügt es "abzugreifen". Ist die Mitte festgelegt und markiert, legt man den Griffbereich fest. So richtig ideal und fachlich richtig, wäre 1/3 oberhalb der Mitte und 2/3 unterhalb (überm Daumen). Einfacher und genau so gut, geht es symmetrisch. Also 4 Fingerbreit ober- und unterhalb der Mitte. Alle drei Markierungen sollten rund um den zukünftigen Bogen laufen. Aber nicht etwa mit einem Messer einschneiden, sondern mit irgendwas vorsichtig (ohne Beschädigung) anzeichnen. Ist dieser enorm schwierige Teil erledigt, besieht man sich den Bogen von allen Seiten. Das Teil ist ja nicht "schnurgerade", sondern hat bestimmt irgendwo leichte Wellen und Biegungen. Sinn der Übung ist es, festzulegen was beim zukünftigen Bogen mal Bauch (dem Schützen zugewandt) und Rücken (vom Schützen weg) werden soll. Die Bauchseite markiert man dann mit einem Längsstrich durch den Griffbereich (bei der Gelegenheit gleich anzeichnen wo oben ist). Zur Kontrolle kann man (sollte man) noch mal mit einer langen, dünnen Schnur nachschauen. Selbige wird von einem zum anderen Ende gespannt und sollte an beiden Enden genau über dem Markkanal stehen. Im Idealfall liegt sie dann auch genau über der vorher im Griffbereich angebrachten Markierung. Zumindest sollte sie annähernd dort liegen.

... Und jetzt geht es los mit dem Bauen:

Zunächst geht es an den oberen Wurfarm (das dünnere Ende). Ganz am Ende sollte die Breite so etwa 1 bis 1,5 cm betragen. Ist das nicht der Fall, trägt man beidseitig vorsichtig Material ab bis es passt. Die Gleichmäßigkeit kontrolliert man über den Markkanal. Selbiger sollte hinterher in der Mitte sein. Der Abtrag geht am genauesten mit Schaben (darauf achten, das es nicht nur gleichmäßig, sondern auch möglichst parallel ist). Zu Übungszwecken tut es ein billiges Küchenmesser oder ein Stück Cutterklinge. Im Survivalfall jeder andere geeignete scharfkantige Gegenstand (Stein, Glasscherbe etc.). Ist das Ende auf Breite, sorgt man (ebenfalls durch Schaben) dafür, das der Wurfarm von de Spitze bis zum Griff einigermaßen gleichmäßig breiter wird. Dabei nicht versuchen irgendwelche Wellen zu begradigen. Einfach nur beidseitig Material abtragen bis es (optisch) passt.

Ist man beim Griff angekommen und zufrieden, mach man das Gleiche beim unteren Wurfarm. Dieses mal allerdings umgekehrt und nicht mit Augenmaß. Also braucht man zunächst irgendwas um einigermaßen sicher eine Breite abgreifen zu können. Zu Übungszwecken darf es ruhig ein Messschieber sein. Im Survivalfall muss man sich was aus Zweigen und Schnur basteln. Als erstes greift man die breite der oberen Griffmarkierung ab und testet die Untere. Selbige sollte geringfügig breiter sein. Mittels Schaben auf beiden Seiten bringt man sie auf die gleiche Breite. Dann oberhalb der oberen Griffmarkierung 4 fingerbreit (oder 5 cm) abmessen, rundum markieren, abgreifen. 4 fingerbreit unterhalb der unteren Griffmarkierung rundum markieren und die Stelle durch Schaben auf die oben abgegriffene Breite (gleichmäßig) bringen. Den Vorgang wiederholt man, bis man am unteren Ende angekommen ist, und der Bogen in der Breite symmetrisch ist.

Fast das gleiche Spiel nun mit der Dicke des Bogens. Der unterschied zur Breite besteht darin, das NUR (!!) auf der Bauchseite Material abgetragen wird und das man nicht am Ende beginnt. Am Griff beginnend trägt man in langen Zügen zur Spitze hin Material ab. Wer hat, nimmt ein Messer oder Speichenhobel (Schabhobel). Wer nicht, der Schabt. Von der oberen Griffmarkierung zur Nächsten (oder etwas drüber hinaus) erfolgt der Abtrag ziemlich rapide in einem mehr oder weniger starken Bogen (bis ein paar mm vor dem Markkanal). Ab da dann gleichmäßig bis zur Spitze. Auch hier den vorhandenen Wellen folgen. Ziel ist es, das der obere Wurfarm anfängt sich wie gewünscht zu biegen. Die Biegung sollte kein Kreis sondern eine Ellipse sein. Zwei handbreit vom Ende bleibt es etwas steifer. Man behält also nicht einen möglichst gleichmäßigen Materialabtrag im Auge, sondern versucht eine gleichmäßige Biegung (durch Kontrolle) zu erreichen. Und man sollte nicht zu viel Material wegnehmen. Gerade so viel, das die Biegung passt. Wegnehmen kann und muss man später immer noch was. Ankleben ist nicht möglich.

Ist der obere Wurfarm zufriedenstellend, macht man das Gleiche mit dem Unteren. Man kann hier, wie bei der Breite, die Maße vom Oberen abgreifen und übertragen. Muss man aber nicht. Wichtig ist, das auch hier die Biegung einigermaßen passt. Nun hat’s schon fast Ähnlichkeit mit einem Bogen :-D

... Und nun kommt der Schwere Teil:

Man braucht dafür vierfünf Dinge:
• ein gutes Augenmaß
• eine provisorische Bogensehne (etwas Länger als der Bogen)
• ein paar Meter Schnur
• etwas, wo man den Bogen sicher horizontal aufhängen kann
• und Geduld

Zunächst bringt man am Bogen provisorische Sehnenkerben an. Selbige befinden sich am äußersten Ende der Wurfarme und sie werden nur an den Seiten eingeschnitten (nicht zu tief). Die provisorische Sehne anbringen und den Bogen aufhängen. Die Schnur in Sehnenmitte anbringen, nach unten laufen lassen, dort durch eine Umlenkung und dann vom Bogen weg. Nun stellt man sich ans Ende der Schnur und zieht vorsichtig daran. Der Sinn des Ganzen ist es, aus ein paar Metern Abstand zu sehen, wie die Wurfarme arbeiten. Selbiges werden sie nicht gleichmäßig tun, aber genau das sollen sie. Das Soll erreicht man, in dem man genau beobachtet, wo das nicht der Fall ist, und trägt dann genau dort vorsichtig etwas Material am Bogenbauch ab. Ist das Material abgetragen, den Bogen wieder aufhängen, 20 bis 50 mal die Wurfarme wippen lassen und erneut genau beobachten. Den Vorgang wiederholt man, bis die Wurfarme möglichst exakt gleichmäßig eine (halbe) Ellipse ergeben (die Enden bleiben etwas steifer). Mit jedem Arbeitsgang lässt sich der bogen dann auch etwas weiter ausziehen und man muss zwischendurch die provisorische Sehne kürzen. Im Idealfall hat man die Gleichmäßigkeit erreicht, bevor man den vollen Auszug (beim Wunschzuggewicht) erreicht hat. In gleicher Weise arbeitet man sich dann an den vollen Auszug mir dem gewünschten Zuggewicht heran.

Nun noch die richtigen Sehnenkerben anbringen und die anderen abschneiden oder die provisorischen in richtige verwandeln. Auch hier gilt: Die Sehnenkerben verlaufen nur seitlich, allenfalls noch etwas zum Bogenbauch hin. Nienicht auf dem Bogenrücken! Es sei denn, man klebt dort vorher was auf, wo man die rein macht. Anschließend den Bogen noch bisserl schleifen, alle eventuellen Kanten vorsichtig etwas runden und den Bogen mit irgendwas Wetterfest machen (Lack, Öl, Fett). Danach wenn gewünscht, noch was um den Griff wickeln. Sehne anfertigen, fertig.

Hier noch eine schöne Anleitung, wie es noch geht:

http://www.youtube.com/watch?v=U2N1cT1tKmM&feature=channel

Ist allerdings ziemlich lang und in mehreren Teilen. Dafür zeigt es, das gesunde Hände und Willen reichen.

Zum Abschluss noch ein schönes Video über Pfeile. Genauer gesagt über deren Flug. Man sieht deutlich, warum Pfeile immer mindestens zum Bogen, besser noch auch zum Schützen passen sollten. Gegen Ende zerbricht ein Pfeil, weil er garantiert nicht gepasst hatte.

http://www.youtube.com/watch?v=WzWrcpzuAp8

MfG

Wizard

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Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

Pfeil und Bogen II (Pfeile)

Wizard, Berne, Freitag, 14.08.2009, 09:27 vor 6011 Tagen @ Wizard (9249 Aufrufe)

Moin Leute

Im vorherigen Text ging es ja um Allgemeines und Bogen, dieses mal erkläre ich die Sache mit den Pfeilen.

Zur Erinnerung:
In einer der "Bogenbau-Bibeln" steht ein netter Spruch, den man einen alten Indianer zurechnet. Selbiger soll in etwa gesagt haben: "Einen Bogen kann (fast) jeder Depp aus (fast) jedem Knüppel bauen. Gute Pfeile herzustellen ist eine Kunst." Ich weis natürlich nicht, ob der Spruch tatsächlich von einem Indianer stammt, aber stimmen tut er ... zumindest teilweise.

Wie beim Bogen, so kann man auch Pfeile auf verschiedene Arten und aus verschiedenen Hölzern herstellen. Für uns dürfte jedoch der Survivalaspekt im Vordergrund stehen. Also möglichst schnell und einfach herzustellen und den Zweck erfüllend.

Was ist das Schwere an der Pfeilherstellung?

Pfeile haben eine so bezeichnete Spine. Das hat nichts mit Spinnen oder spinnen zu tun, sondern meint die Biegesteifigkeit. Selbige muss, wie schon an anderen Stellen beschrieben, mindestens zum Bogen, besser noch zum Bogen und Schützen passen. Den Meisten dürfte ja der Bogenschuss des Odysseus bekannt sein (wenn nicht, sucht selber im Netz danach ;-) ). Selbiger war nur möglich, weil Odysseus nicht nur ein hervorragender Schütze war, der seinen Bogen genau kannte, sondern weil eben seine Pfeile genau auf seinen Bogen und ihn abgestimmt waren.

Wie in diesen Videos zu sehen ist, ...

http://www.youtube.com/watch?v=WzWrcpzuAp8

http://www.youtube.com/watch?v=aNI9BG87qcI&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=SuHW8InB5tk&feature=related

... fliegen die Pfeile nicht gerade vom Bogen weg, sondern "schwabbeln" so komisch herum. Dieses "herumschwabbeln" nennt man "Archers Paradox" und kommt von der Masseträgheit. Das hintere Ende beschleunigt schneller als das Vordere, der Pfeil wird quasi gestaucht und wo eine Stauchung nicht mehr möglich ist, gebogen. Natürlich könnte man die Pfeile so steif wählen oder machen, das da nichts mehr herumschwabbelt. Aber das macht wenig Sinn.

Bei modernen Bögen mit Schussfenster (diese Auskerbung wo der Pfeil aufliegt) können und müssen die Pfeile steifer sein. Durch diesen Ausschnitt liegt der Pfeil gerader auf dem Bogen (von der Sehne zum Ziel). Je dichter der Ausschnitt an der Bogenmitte liegt, um so steifer kann man die Pfeile wählen.

Bei traditionellen Bögen, insbesondere wenn sie unter Survivalbedingungen gebaut werden, gibt es kein Schussfenster. Allenfalls eine Pfeilanlage /-auflage. Hier können die Pfeile also gar nicht geradeaus zum Ziel zeigen oder fliegen. Je dicker der Griff ist, um so weiter zeigen sie vom Ziel weg. Sicher, man könnte mit sehr steifen Pfeilen so weit neben das Ziel halten, das der Pfeil dann doch irgendwie dort landet. Dazu muss man das dann aber auch noch bei den unterschiedlichen Entfernungen zum Ziel mit einberechnen. Viel einfacher ist es da, die Spine zur Hilfe zu nehmen, und den Pfeil einfach um den Bogengriff "herum springen" zu lassen. Das machen sie dann bei allen Entfernungen gleich und man muss nichts mit einberechnen.

Wie kommt man nun zu einer passenden Spine?

Die wissenschaftlichen Methode:
Zunächst ermittelt man mittels eines Messpfeils (ein überlanger und dicker Pfeil ohne Spitze und Federn, dafür aber mit einer Maßeinteilung) die eigene Auszugslänge. Anschließend ermittelt man mittels der festgestellten Auszugslänge und einer Zugwaage, wie viel "Gewicht" (lib) der Bogen beim eigenen Auszug tatsächlich hat. Danach ermittelt man mittels der festgestellten Werte, einer Rechenformel, eines Taschenrechners und Schreibzeug einen Spinewert. Mittels eines Spinetesters (Ein Gerät mit Messzeiger, auf das der Pfeil aufgelegt und mit einem Gewicht versehen wird.) ermittelt man dann die Spine der einzelnen Pfeilschäfte, versieht jene dann mit einer Spitze und Federn und schießt probehalber. Danach flucht man dann, weil es nicht passt, da diese Methode nicht das Spitzengewicht und die Eigenheiten vom Bogen und erst Recht nicht vom Schützen berücksichtigt. Anschließend experimentiert man dann mit Pfeilen (im Rohschafttest*) die ein paar lib über und unter dem ermittelten Wert liegen, bis es passt.

Die steinzeitliche Survivalmethode:
Man stellt einfach eine ganze Reihe von Pfeilschäften her, die eine "Universallänge" (so rund 5 cm länger als für den größten Schützen mindestens nötig) haben und versieht sie gleich mit Nock und Spitze. Anschließend führt jeder Schütze mit seinem Bogen mit den Pfeilen einen Rohschafttest* durch und behält jene, die ihm passen. Danach werden die Pfeile befiedert und mit Kennzeichnungen versehen, so das jeder Schütze seine Pfeile erkennen kann. Übriggeblieben Pfeile lagert man ein, dafür wird sich früher oder später ein anderer Bogen / Schütze finden.

*Rohschafttest:
Fertige, aber unbefiederte Pfeile auf ein etwa 5 bis 10 m entferntes Ziel schießen (Große Fläche, kleines Ziel oder zumindest etwas größeres hinter dem Ziel. Das spart überflüssige Pfeilsuche.). Passende Pfeile landen auch ohne Federn recht genau und dicht zusammen im Ziel. Befiedert fliegen sie dann noch besser.

Achtung! Rohschafttest nicht mit zwei- oder mehrschneidigen Jagdspitzen durchführen. Die Dinger wirken ohne Federn wie ein Frontspoiler und lassen die Pfeile alles mögliche machen, nur nicht im Ziel landen. Entweder erst mit Scheibenspitzen mit gleichem Gewicht testen, oder vor dem Test befiedern. Bei uns hat jeder für diesen Zweck (und natürlich zum Üben) ein Tütchen mit 25 Schraubspitzen für Holzpfeile (11/32) im Gepäck. Kostet nicht die Welt und nimmt kaum Platz weg.

Pfeilmaterialien:

Wie eingangs schon erwähnt, kann man Pfeile aus verschiedenen Materialien herstellen. Aus survivaltechnischer Sicht kommen für uns, vier hauptsächlich in Frage. Zwei davon ergeben sehr leichte und schnelle Pfeile. Schnell und leicht bedeutet aber auch weniger Durchschlagskraft. Sie sind folglich für größeres Wild weniger gut geeignet und als "Kriegspfeil" allenfalls für Schüsse, die einen möglichen Gegner nur verletzen sollen.

Forsythie und Pfeifenstrauch:
http://www.baumkunde.de/baumdetails.php?baumID=0271
http://www.baumkunde.de/baumdetails.php?baumID=0351

Beide sind innen mehr oder weniger hohl und somit sehr leicht. Trotzdem ergeben sie gute Pfeile, da sie nicht leicht brechen. Die Verarbeitung ist bei beiden in etwa gleich.

Hier: https://schauungen.de/forum2/index.php?id=24

ist ein solcher Pfeil zu sehen und beschrieben. allerdings hat sich im Text ein kleiner Fehler eingeschlichen. Der Hauptschaft ist nicht Hartriegel, sondern Pfeifenstrauch.

Hasel und Hartriegel:
http://www.baumkunde.de/baumdetails.php?baumID=0070
http://www.baumkunde.de/baumdetails.php?baumID=0189
(Beim Hartriegel gibt es verschiedene Sorten, die gezeigte dürfte am leichtesten zu erkennen sein und die besseren Pfeile ergeben außerdem wurde sie nachweislich schon in der Steinzeit verwendet.)

Die Verarbeitung ist bei beiden in etwa gleich, wobei es bei Hasel etwas einfacher / leichter ist. Hasel ist zudem verbreiteter und kommt, einmal gefunden, dort meist in Massen vor. Hartriegel ist dafür etwas härter.

Pfeilherstellung:

Ganz wichtig!
"Ein Pfeil fliegt wie der Vogel scheißt" (Spruch vom Raben bei FC)
Gemeint ist damit, dass das Ende, welches beim Pfeil mal zur Wurzel gezeigt hat, dann vorne ist. Das Material ist dort älter, also somit geringfügig dichter und schwerer.

Forsythie und Pfeifenstrauch:
Einjährige, möglichst gerade Triebe ohne Verzweigungen erheblich länger als benötigt abschneiden (Rosenschere wenn vorhanden). Blätter entfernen und mit Rinde je nach Witterung 7 bis 14 Tage trocknen lassen. Zwischendurch dabei immer mal wieder vorsichtig richten. Danach schälen (dabei möglichst nicht das Holz beschädigen) und weitere 7 bis 14 Tage trocknen lassen (ebenfalls mit gelegentlichem Richten). Anschließend mittels einer kleinen Flamme die letzten Biegungen punktuell rundherum vorsichtig erhitzen (das Holz darf sich verfärben, aber nicht verbrennen) und im heißen Zustand richten. Achtung, nicht versuchen alles in einem Rutsch zu begradigen. Besser in mehreren Etappen, wenn nötig auch über mehrere Tage verteilt. Sind alle Schäfte weitgehend gerade, sie als Ganzes erhitzen bis sie leicht Farbe bekommen (nennt man Tempern). Gegebenen Falls hier dann noch mal begradigen. Mehrere Wochen zum entgültigen durchtrocknen liegen lassen (gegebenen Falls zwischendurch mit Hitze nachhelfen wenn sie nicht gerade bleiben). Sind sie trocken und gerade, legt man sie zum ablängen nebeneinander und verschiebt sie dabei soweit gegeneinander, dass die dünnen und dicken Enden jeweils alle in etwa gleich dick sind. Die gewünschte Länge anzeichnen und abschneiden. Nach ein wenig Überschleifen und einer Oberflächenbehandlung sind die Rohschäfte fertig. Für Nock und Spitze gibt es zwei Möglichkeiten:

• Schaftdorn um sie in das hohle Innenleben einzukleben

• Auffüllen
Für die Nock klebt man einfach ein passendes Stückchen Holz von etwa 1 cm Länge bündig ein, und sägt dann die Nockkerbe ein. Bei der Spitze geht es ähnlich, oder man fertigt einen Vorschaft an.

Der an anderer Stelle gezeigte Pfeil hat beides. Die Nock aus Knochen wurde mittels Schaftdorn eingefügt und die Spitze sitzt auf bzw. in einem Vorschaft. Die an verschiedenen Stellen dort zu sehenden Garnwicklungen dienen nicht der Zierde (nur die verschiedenen Farben sind Zierde). Sie dienen der Sicherheit. An Spitze, Vorschaft und Nock der Bruchsicherheit und bei den Federn dem Ablösen. Ein Bruch bzw. abgelöste Federn sind nicht nur ärgerlich, sondern auch nicht ungefährlich. Bei den Federn ist die vordere (zur spitze hin) Wicklung besonders wichtig. Da wir bei Benutzung eines "Primitivbogens" als Pfeilauflage die eigene Hand benutzen und dieses in der Regel ohne Handschuhmachen, wird sich ein eventuell leicht hochstehender Federkiel mit ziemlicher Sicherheit an dieser Stelle in die Hand bohren und zwar ziemlich tief. Die Grannen wirken dabei wie kleine Wiederhaken, was ein einfaches Herausziehen unmöglich macht. Das darf man sich dann herausschneiden (lassen).

Alle angebrachten Wicklungen sollten vor dem Schießen (egal ob ganz fertig, oder Rohschafttest) mittels Lack oder Klebstoff gesichert werden. Ist das geschehen, sind die Pfeile fertig.

Hasel und Hartriegel:
Die Herstellung ist bei beiden annähernd gleich. Da Hartriegel härter ist, ist es hier etwas mühsamer. Insbesondere unter Survivalbedingungen. Da ich nicht nur wegen der leichteren Beschaffbarkeit vorziehe, beschränke ich mich auf die Erklärung dessen Herstellung.

Im Survivalfall, wenn es schnell gehen muss:
Geeigneten Trieb suchen, abschneiden, Rinde entfernen, begradigen, trocknen lassen (in ganz eiligen Fällen auch mit Hilfe von Feuer), auf Länge schneiden, Nock, Spitze und Federn dran, fertig.

Für gute Pfeile, die ihre Zeit brauchen:
Geeignete, mehrjährige Triebe (möglichst) ohne Ästchen suchen und abschneiden. Sie sollten nicht nur länger (gute 20 cm länger) als benötigt sein, sondern auch knapp doppelt so dick )am dünnen Ende). Nicht nur, weil wir Material zum herumschnitzen brauchen, sondern auch, weil das Holz beim Trocknen schrumpft und das können dann schon mal ein oder mehr mm im Durchmesser sein. Zum Abschneiden ist hier schon ein recht scharfes Messer nötig, oder besser noch eine kleine (Klapp)Säge. Mit Rinde, aber ohne Blätter lässt man sie nun 2 bis 6 Monate trocknen und "reifen", wobei man sie dabei gelegentlich richtet. Nach der Phase sollten sie schon so gerade wie möglich sein.

Haben sie lange genug herumgelegen, untersucht man zunächst beide Enden. Sie sollten möglichst gerade (ebene Schnittfläche) sein und keine Risse haben. Gegebenen Falls nachhelfen, in dem man was Abschneidet. Bei der Gelegenheit gleich vorne sicher kennzeichnen. Also z.B. die Stirnfläche farblich markieren. Ist das erledigt, geht es ans Schälen und anschließend ans Schnitzen. Wer hat, nimmt dafür ein scharfes Messer oder besser noch einen Minihobel. Wer nicht hat, muss sich mit anderem Behelfen. Zur Not tut es auch eine Glasscherbe, ein scharfkantiger Stein, ein scharfkantiges Stück Blech oder sonst was, mit dem man schabend arbeiten kann. Gearbeitet wird gleichmäßig rundherum, vom dünnen Ende zum Dicken. Der Markkanal sollte hierbei möglichst in der Mitte bleiben. Am Ende sollten sie so rund wie möglich, schnurgerade, ohne Unebenheiten, von gewünschter, einheitlicher Dicke und glatt sein. Deshalb auch vorher die Kennzeichnung, wo vorne ist. Das sieht man ohne Selbige jetzt nämlich nicht mehr.

Ist man mit der Arbeit zufrieden, schneidet man die Nock ein. Sie sollte etwa 5 mm tief, mittig und genau gerade zur Spitze sein. Klappt es mal nicht so gut, macht nichts. Noch sind die Schäfte ja lang genug und man kann die missglückte Nock abschneiden und eine neue machen. Sind an allen Schäften die Nocks fertig, bringt man alle Schäfte auf die gewünschte, einheitliche Länge. Danach werden die Spitzen angebracht, was je nach verwendeter Spitze unterschiedlich zu bewerkstelligen ist. Hier ist Vorsicht geboten, denn einen Fehler kann man sich hier nicht mehr leisten. Absägen und neu machen ist nicht mehr. Es sei denn, es sollen Kinderpfeile werden.

Anschließend erfolgt das Wickeln und je nach Spitze der Rohschafttest und / oder das Befiedern. Befiederung wieder wickeln und fertig.

Befiederung:

Als Befiederung eignen sich fast alle Federn. Man kann fertige Federn in diversen Färbungen und Formen kaufen (meist Truthahn), oder sich welche suchen. Im Survivalfall dürfte das Suchen angesagt sein. Besonders geeignet unter den zu findenden Federn sind: Gänse, Storch, Enten, Tauben und Krähen (andere mögen auch noch gut sein, habe ich aber noch nicht getestet). Ganz wichtig ist hierbei, das man an einem Pfeil nur jeweils die Federn von der gleichen Flügelseite verwendet. Das ist enorm wichtig für die Flugeigenschaften des Pfeils. Kann man nicht gleich auf Anhieb an der Form sehen, von welcher Seite er ist (oder ist sich nicht sicher), so hilft ein genauerer Blick. Federn haben eine stumpfe (matte) und eine glatte (glänzende) Seite. Ebenfalls zu beachten ist, das bei den verschiedenen Federn der Winkel der Grannen nicht der Gleiche ist. Hier sollte man ebenfalls so wählen, das bei allen drei Federn pro Pfeil der Winkel annähernd gleich ist.

Gefundene Federn (oder welche die man sich vom Geflügelzüchter beschafft hat) sollte man zunächst waschen. Dieses natürlich vorsichtig von Hand mit warmen Wasser. Wenn vorhanden mit etwas Geschirrspülmittel, Schampon oder noch besser mit Antiungezieferschampon für Haustiere. Gefundene Federn sind nicht nur schmutzig und mehr oder weniger fettig, sondern beherbergen öfter auch Haarlinge und ähnliches, was dann gerne an den Federn herumfrisst. Längere Zeit Einfrieren hilft gegen Ungeziefer auch. Sind sie sauber und wieder trocken, kann man sie nach Flügelseite sortiert in einem geeigneten Behälter lagern. Bei gekauften Federn entfällt das in der Regel, da selbige nicht nur gewaschen und gefärbt verkauft werden, sondern auch sortiert.

Die nächsten Schritte entfallen bei gekauften Federn (meistens) ebenfalls.

Um sie an die Pfeile zu bekommen, muss man zunächst vorsichtig die Kiele spalten. In der Regel ist nur eine Seite der Feder verwendbar. Da der Kiel trotz spalten in der Regel zu dick ist, muss man ihn vorsichtig so dünn wie möglich schleifen. Dieses geht am Besten, wenn man die Feder hierzu zwischen zwei Bleche oder ähnlichem einklemmt. Nicht so fest, das die Grannen zerquetscht werden, aber fest genug, das sie nicht herumrutschen. Meistens, besonders bei großen Vögeln, ist der Kiel nicht nur zu dick, sondern auch zu breit. Den Überstand schleift man am besten im gleichen Arbeitsgang mit ab. Im Idealfall verbleibt vom Kiel dann nur noch ein 1 bis 1,5 mm breiter, flexibler Streifen mit den Grannen dran.

Bei manchen Vogelarten lassen sich die Grannen mit einem geeignet breiten Streifen Kiel einfach abreißen.

Die so vorbereiteten Federn schneidet man nun auf die gewünschte Länge. Wer hat, kann die Federn nun auch mittels einer Stanze (kaufen oder selber bauen) in die gewünschte Form stanzen. Hat man nicht, so muss man schneiden oder brennen. Beides geht (besonders im Survivalfall) besser, wenn die Federn am Pfeil sind. Idealerweise hat die Feder an beiden Enden ein paar mm Kiel ohne Grannen, das erleichtert das Aufkleben und Wickeln. Um sie anzubringen, markiert man zunächst die Lage der "Leitfeder" (jene, welche im rechten Winkel zur Nock / Bogensehne steht). Der Abstand zur Nock sollte mindestens so groß sein, das man dort noch bequem den Pfeil greifen und einnocken kann, aber nicht mehr als 10 cm betragen. Den Pfeil so platzieren, das man gut arbeiten kann und er sich möglichst wenig bewegt. Also irgendwie einklemmen oder von jemandem festhalten lassen. Den Kiel mit Kleber bestreichen (wenn vorhanden Sekundenkleber oder ähnliches, im Survivalfall Baumharz oder Hautleim), gerade an der Markierung ansetzen, festhalten und den Rest gerade und straff auf den Pfeil setzen und festhalten bis der Kleber angezogen hat. Fertig. Den Pfeil wegstellen bis der Kleber trocken / ausgehärtet ist und in der Zeit die nächsten Pfeile machen. Die beiden restlichen Federn in der gleichen Weise nach Augenmaß bei jeweils (etwa) 120° anbringen.

Sind alle Federn dran und der Kleber trocken, geht es an das Wickeln. Das kann man wie beim Abgebildeten Pfeil von unten nach Oben durchgehend machen, oder nur unten und oben. Bei durchgehender Wicklung ist zu beachten, das die Grannen nicht nur einen Winkel vom Kiel weg haben, sondern auch einen seitlichen. Die Wickelrichtung sollte dem seitlichen Winkel entsprechend verlaufen, sonst spreizen sich die Granen ab.

Wer ein Befiederungsgerät hat, ist fein raus. Das erleichtert die Sache nicht nur, sondern macht sie auch genauer und (je nach Übung) schneller.

Steht kein Kleber zur Verfügung, kann man die Federn auch nur mit der (den) Wicklung(en) befestigen. Das geht, je nach Geschick, sogar recht sicher. Ist aber erheblich mehr Fummelei.

Ist man mit dem Wickeln fertig, die Wicklung mit Lack oder Kleber sichern, fertig.

MfG

Wizard

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Anfänger-Fragen

peaci, Montag, 14.09.2009, 08:23 vor 5980 Tagen @ Wizard (7342 Aufrufe)

Hallo Wizard,

vielen dank für deine beiden wertvollen (weil stark komprinierten) beiträge über pfeil und bogen!

mal so 'ne ganz dumme anfänger-frage:
ich bin ja eigentlich rechtshändig aufgewachsen...
erledige also fast alles mit der rechten hand.
eben solche survival-befähigenden dinge wie:
- kaffetasse heben
- ec-karte zücken
- computer-maus antreiben

möchte mir nun einen bogen zulegen.
kann man sagen, dass ein rechtshänder dann immer einen "rechtshänder-bogen" braucht? oder gibt es jede menge ausnahmen?

beste grüße
peaci

Hände / Augen

Wizard, Berne, Montag, 14.09.2009, 21:37 vor 5979 Tagen @ peaci (7477 Aufrufe)

Moin Peaci

vielen dank für deine beiden wertvollen (weil stark komprinierten)
beiträge über pfeil und bogen!

Da nicht für.

möchte mir nun einen bogen zulegen.
kann man sagen, dass ein rechtshänder dann immer einen
"rechtshänder-bogen" braucht? oder gibt es jede menge ausnahmen?

Nein, kann man nicht so pauschal sagen.

Zuvor eine kleine Anmerkung:
Die Bezeichnung Rechtshandbogen / Linkshandbogen erscheint auf den ersten Blick irreführend, da ein RH mit der linken Hand gehalten wird und umgekehrt. Hat aber schon seine Richtigkeit. Siehe hier auch Gewehrschützen. Die betätigen ja auch den Abzug mit rechts und halten das Gewehr mit links.

Laut Meinung der meisten professionellen Bogenschützen (meist aus dem FITA-Bereich) sollte sich ein Bogenschütze bei der Auswahl seines Bogens nach seinen Augen richten. Man ist nämlich nicht nur rechts- oder linkshändig, sondern auch rechts- oder linksäugig. So kann es passieren, das jemand zwar rechtshändig, aber linksäugig ist (oder umgekehrt). In solchen Fällen soll sich der Bogenschütze daran gewöhnen, mit der anderen Hand zu schießen.

Meine Meinung dazu: Drauf geschissen!

Sowas mag vielleicht bei Bogenschützen Sinn machen, die mit allerlei Geraffel wie z.B. Stabilisatoren und Zielhilfen am Bogen herumhantieren. Traditionell und aus Survivalsicht nicht von Belang, da dort sowas nicht verwendet wird. Bei den Einen aus Traditionsbewusstsein und bei den Anderen weil überflüssiger Ballast (und im Survivalfall gar nicht herstellbar).

http://www.dsb.de/media/aktuelles/Bilder/DSB-Schuetzen/Weihe__Andrea_hinten_WM_Bogen_2007_klein.jpg

http://www.bs-nuertingen.de/Berichte/03vmfita/Bogen.jpg

Man beachte die Ausleger und stelle sich vor, damit durchs Gestrüpp zu kriechen.

Es ist meiner Meinung nach einfacher, den Bogen so in die Hand zu nehmen, das es sich gut anfühlt und damit das "zielen"* zu üben, als sich die Handhabung mit der "falschen" Hand anzugewöhnen.

*Gezielt wird da im eigentlichen Sinne nicht, weshalb man das ja auch instinktives Schießen nennt. Man blickt nur auf das zu treffende Ziel (nicht irgendwie am Pfeil lang, über die Pfeilspitze oder sonst was), zieht und lässt den Pfeil fliegen. Das "Zielen" ist so ziemlich das Gleiche, als wenn man einen Stein wirft oder Dart spielt. Durch die Übung wird unterbewusst abgespeichert, wie das Ziel zu treffen ist und dann automatisch abgerufen. Hört sich erst kompliziert und irgendwie nach Zen an. Ist aber recht leicht. Braucht nur Übung. Ganz zu Anfang sollte man sich aber nicht mal auf das Ziel konzentrieren, sondern den Bewegungsablauf üben. Hierzu etwa 5 m vor ein möglichst großes "Ziel" stellen und so lange darauf schießen, bis man den Bewegungsablauf im Schlaf beherrscht. Die Pfeile fangen dann schon ganz von selber an, auf kleiner Fläche im Ziel zu landen. Dann kann man anfangen kleinere Ziele auf das große Ziel zu pappen. Anfangen würde ich mit einem A4 Blatt und dann kleiner werdend bis Bierdeckel. Zwischendurch fängt man dann auch an, die Entfernung zu ändern. Bitte keine festen Metermarkierungen, die gibt es im Ernstfall auch nicht. "Jagdistanz" liegt so zwischen 5 und 30 m. Also diesen Bereich vorzugsweise üben.

MfG

Wizard

--
Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

...dann doch der gang zum verein.

peaci, Dienstag, 15.09.2009, 07:39 vor 5979 Tagen @ Wizard (7331 Aufrufe)

hab dank, Wizard!

(ja, du darfst meinen dank ruhig annehmen. er kommt von herzen.) ;-)

so werde ich nun doch mal zu einem bogenschützen-verein gehen und mir die grundlegenden dinge zeigen lassen.
anders macht es wohl keinen sinn. hoffentlich bestehen die nicht gleich auf eine mitgliedschaft (bin kein vereinsmeier).

beste grüße
peaci

Moin Peaci

vielen dank für deine beiden wertvollen (weil stark komprinierten)
beiträge über pfeil und bogen!


Da nicht für.

möchte mir nun einen bogen zulegen.
kann man sagen, dass ein rechtshänder dann immer einen
"rechtshänder-bogen" braucht? oder gibt es jede menge ausnahmen?


Nein, kann man nicht so pauschal sagen.

Zuvor eine kleine Anmerkung:
Die Bezeichnung Rechtshandbogen / Linkshandbogen erscheint auf den ersten
Blick irreführend, da ein RH mit der linken Hand gehalten wird und
umgekehrt. Hat aber schon seine Richtigkeit. Siehe hier auch
Gewehrschützen. Die betätigen ja auch den Abzug mit rechts und halten das
Gewehr mit links.

Laut Meinung der meisten professionellen Bogenschützen (meist aus dem
FITA-Bereich) sollte sich ein Bogenschütze bei der Auswahl seines Bogens
nach seinen Augen richten. Man ist nämlich nicht nur rechts- oder
linkshändig, sondern auch rechts- oder linksäugig. So kann es passieren,
das jemand zwar rechtshändig, aber linksäugig ist (oder umgekehrt). In
solchen Fällen soll sich der Bogenschütze daran gewöhnen, mit der anderen
Hand zu schießen.

Meine Meinung dazu: Drauf geschissen!

Sowas mag vielleicht bei Bogenschützen Sinn machen, die mit allerlei
Geraffel wie z.B. Stabilisatoren und Zielhilfen am Bogen herumhantieren.
Traditionell und aus Survivalsicht nicht von Belang, da dort sowas nicht
verwendet wird. Bei den Einen aus Traditionsbewusstsein und bei den
Anderen weil überflüssiger Ballast (und im Survivalfall gar nicht
herstellbar).

http://www.dsb.de/media/aktuelles/Bilder/DSB-Schuetzen/Weihe__Andrea_hinten_WM_Bogen_2007_klein.jpg

http://www.bs-nuertingen.de/Berichte/03vmfita/Bogen.jpg

Man beachte die Ausleger und stelle sich vor, damit durchs Gestrüpp zu
kriechen.

Es ist meiner Meinung nach einfacher, den Bogen so in die Hand zu nehmen,
das es sich gut anfühlt und damit das "zielen"* zu üben, als sich die
Handhabung mit der "falschen" Hand anzugewöhnen.

*Gezielt wird da im eigentlichen Sinne nicht, weshalb man das ja auch
instinktives Schießen nennt. Man blickt nur auf das zu treffende Ziel
(nicht irgendwie am Pfeil lang, über die Pfeilspitze oder sonst was),
zieht und lässt den Pfeil fliegen. Das "Zielen" ist so ziemlich das
Gleiche, als wenn man einen Stein wirft oder Dart spielt. Durch die Übung
wird unterbewusst abgespeichert, wie das Ziel zu treffen ist und dann
automatisch abgerufen. Hört sich erst kompliziert und irgendwie nach Zen
an. Ist aber recht leicht. Braucht nur Übung. Ganz zu Anfang sollte man
sich aber nicht mal auf das Ziel konzentrieren, sondern den
Bewegungsablauf üben. Hierzu etwa 5 m vor ein möglichst großes "Ziel"
stellen und so lange darauf schießen, bis man den Bewegungsablauf im
Schlaf beherrscht. Die Pfeile fangen dann schon ganz von selber an, auf
kleiner Fläche im Ziel zu landen. Dann kann man anfangen kleinere Ziele
auf das große Ziel zu pappen. Anfangen würde ich mit einem A4 Blatt und
dann kleiner werdend bis Bierdeckel. Zwischendurch fängt man dann auch an,
die Entfernung zu ändern. Bitte keine festen Metermarkierungen, die gibt es
im Ernstfall auch nicht. "Jagdistanz" liegt so zwischen 5 und 30 m. Also
diesen Bereich vorzugsweise üben.

MfG

Wizard

Verein

Wizard, Berne, Dienstag, 15.09.2009, 21:53 vor 5978 Tagen @ peaci (7259 Aufrufe)

Moin Peaci

so werde ich nun doch mal zu einem bogenschützen-verein gehen und mir die
grundlegenden dinge zeigen lassen.
anders macht es wohl keinen sinn. hoffentlich bestehen die nicht gleich
auf eine mitgliedschaft (bin kein vereinsmeier).

Wenn möglich, such dir einen Verein, wo man traditionell und instinktiv schießt. Wo wohnst du denn? Ich meine, wenn’s nicht zu weit weg ist, kann ich es dir zeigen. Oder du schaust dich bei http://www.fletchers-corner.de/ um (bzw. fragst nach). Da findet sich bestimmt einen in deiner Nähe, der traditionell und instinktiv schießt.

Sich bei Youtube umschauen und sich die Videos ganz genau anschauen, ist auch hilfreich.

Die hier zeigt z.B. sehr schön die Körperhaltungen:
http://www.youtube.com/watch?v=7i1N25n4qck&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=NehWQ_yDj1I&feature=related

MfG

Wizard

--
Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

traditionell und instinktiv - was es alles gibt...

peaci, Mittwoch, 16.09.2009, 13:02 vor 5977 Tagen @ Wizard (7338 Aufrufe)

Danke Wizard!

Wenn möglich, such dir einen Verein, wo man traditionell und instinktiv
schießt.

das sind die tipps, die ein solches forum erst so richtig wertvoll machen.
wie wäre ich ohne hilfe darauf gekommen, nach traditionellem und instinktiven schiessen ausschau zu halten.

Wo wohnst du denn? Ich meine, wenn’s nicht zu weit weg ist, kann
ich es dir zeigen. Oder du schaust dich bei
http://www.fletchers-corner.de/ um (bzw. fragst nach). Da findet sich
bestimmt einen in deiner Nähe, der traditionell und instinktiv schießt.

ich komme aus dem unterfränkischen. werde mich mal in der fletchers-corner umsehen.

Sich bei Youtube umschauen und sich die Videos ganz genau anschauen, ist
auch hilfreich.

Die hier zeigt z.B. sehr schön die Körperhaltungen:
http://www.youtube.com/watch?v=7i1N25n4qck&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=NehWQ_yDj1I&feature=related

der erste link führt scheinbar zu einem, der irgendwo in franken weilt. aus dem hintergrund sind (wohl ober-)fränkische stimmen zu vernehmen,

danke wizard.
peaci

Arten des Bogenschießens

Wizard, Berne, Mittwoch, 16.09.2009, 23:19 vor 5977 Tagen @ peaci (7438 Aufrufe)

Moin Peaci

das sind die tipps, die ein solches forum erst so richtig wertvoll
machen.
wie wäre ich ohne hilfe darauf gekommen, nach traditionellem und
instinktiven schiessen ausschau zu halten.

Gelle, so war das auch mal im ZF angedacht und gewesen (was Survival allgemein anbelangt) ...

Bei FC ist das übrigens immer noch so. Da allerdings rein auf das Thema Bogen und Co bezogen.

ich komme aus dem unterfränkischen.

Da kam ich auch mal her, lang lang ist’s her ...
(Hofheim, um genau zu sein. Kindheit aber in Königsberg/Bayern verbracht.)

werde mich mal in der fletchers-corner umsehen.

Ja, mach das. Wenn man da angemeldet ist, kann man sogar direkt danach fragen.

der erste link führt scheinbar zu einem, der irgendwo in franken weilt.
aus dem hintergrund sind (wohl ober-)fränkische stimmen zu vernehmen,

Gut Möglich. Könnte sogar sein, das es einer von FC ist.

So, nun mal grob umrissen zu den verschiedenen Arten des Bogenschießens:

Unterscheiden kann man nach Art, wie man auszieht (greift), nach Schießstiel und nach Technik.

Nach Griff:

• Der Kinder oder Anfängergriff, auch Klemmgriff genannt.
Der auf der Sehne eingenockte Pfeil wird zwischen dem gekrümmten Zeigefinger und Daumen eingeklemmt. Man zieht also am Pfeil und nicht an der Sehne. Funktioniert nur bei schwächeren Bögen. Ab einer gewissen Zugkraft flutscht der Pfeil weg, ob man will oder nicht.

• Daumenring
Die in Asien gebräuchliche Methode. Auf dem Daumen steckt ein Ringähnliches Gebilde und die Sehne wird mit dem Daumen gezogen.

• Mediterran
Die Sehne wird mit drei (bei manchen auch nur mit zwei) Fingern gezogen. In der Regel liegen dabei Mittel- und Ringfinger unterhalb vom Pfeil und der Zeigefinger oberhalb (benutze ich z.B. bei Bögen ab 40 lib). Manche (meist FITA's) haben auch alle drei Finger unterhalb vom Pfeil. Bei zwei Fingern (meist Mittel- und Ringfinger) liegen diese meist unterhalb des Pfeils (benutze ich bei Bögen unterhalb von 40 lib).

• Release
Hierbei handelt es sich um eine mechanische Lösehilfe, welche meistens von Compoundschützen (die hochtechnischen "Radlerbögen") benutzt wird. Ein kleines Gerät, welches mit einer Schlaufe am Handgelenk gesichert und mit drei oder vier Fingern gehalten wird. Vorne hat das Gerät eine art auslösbare Zange, in die die Sehne eingehängt wird. Will man den Schuss lösen, betätigt man den Mechanismus und die Sehne wird freigegeben.

Nach Schießstiel:

• FITA
Bezeichnet im eigentlichen Sinne das olympische Bogenschießen nach festen Regeln und mit allerlei Zubehör. Von der Art her, rechne ich aber auch die technisch hochgerüsteten Compoundbögen dazu.

• Traditionell / Instinkt / Blank
Hierunter fallen alle Bögen die "blank" geschossen werden. Also Bögen ohne Zubehör. Das können genau so selbstgeschnitzte Holzbögen aus einem Stück sein, wie gekaufte Bögen die eigentlich für FITA gedacht sind, wo man aber das Zubehör weg lässt. Unsere SilverCups sind z.B. solche. Die ganzen asiatischen und türkischen Bögen gehören auch dazu. Eben alle Bögen ohne zusätzliche Anbauteile. Mancher rechnet sogar Compoundbögen ohne alles dazu, weil die dann ja auch ohne Zielhilfen geschossen werden.

Nach Technik:
Das jetzt alles aufzulisten würde glatt ein Buch füllen. Deshalb nur ein paar Sachen als Beispiel:

• Asiatischer Reiterbogen mit Daumenring oder mediterran, zu Fuß oder tatsächlich vom Pferd aus. Mit festem oder fliegendem Anker(punkt).

• Einfacher Holzbogen blank mit festem oder fliegendem Anker(punkt).

• FITA-Bogen mit allem Drum und Dran, mit oder ohne Release.
FITA-Bogen mit ohne Stabilisatoren, aber mit Zielhilfe, mit oder ohne Release.
FITA-Bogen mit ohne Stabilisatoren, aber mit Zielhilfe und Release.
FITA-Bogen blank mit festem oder fliegendem Anker(punkt).
FITA-Bogen ...

• Compoundbogen ... siehe FITA

Aus survivaltechnischer Sicht sollte man einen Bogen auswählen, der nicht zu teuer (da schmerzt ein eventueller Verlust nicht so) aber robust ist. Einen dreifachen Vorteil haben zerlegbare Recurvebögen.

• Ein Recurvebogen ist kürzer als ein Langbogen

• Handlicher Transport

• Nachkaufbare Wurfarme.
Nicht weil mal einer abbrechen könnte, sondern viel mehr weil man dann mit schwächeren Wurfarmen anfangen kann und wenn man dran gewöhnt ist, auf stärkere umsteigen kann. Jagdtechnisch kann man dann sogar den Bogen auf das Wild abstimmen. Hat man es nur auf Niederwild abgesehen, so kann man mit einem Bogen zwischen 28 und 36 lib losziehen. Für alles was größer als ein Schaf ist, sollten es dann schon mindestens 40 oder besser 44 lib sein. In manchen Ländern, wo es derzeit erlaubt ist, sind sogar 45 lib Minimum vorgeschrieben.

Aus survivaltechnischer Sicht sollte man auf überflüssiges Zubehör gleich von Anfang an verzichten. Das spart nicht nur Geld. Als Beispiel nenne ich hier mal Zielhilfen. Es ist zwar schick und Einfach mit einem "Peep" (eine kleine Lochscheibe die in die Sehne geklemmt wird) und mit Zieldornen (oder ähnlichem) sein Ziel zu treffen. Aber versuch das mal im dunklen Wald und nach Möglichkeit mit einem Schnellschuss.

Zum Vergleich:

• Das Wild sehen, warten bis es richtig steht, den Bogen heben, spannen, in den Ankerpunkt gehen, mit der Zielhilfe das Ziel anvisieren und wenn das Wild dann noch richtig steht den Schuss lösen.

• Das Ziel sehen, warten bis es richtig steht, den Bogen heben, gleichzeitig spannen und im fliegenden Anker den Schuss lösen. Alles in einer fließenden Bewegung.

Aus survivaltechnischer Sicht sollte (vorher) zumindest den Bau vom Pfeilen üben. Besser noch, den Bau eines Bogens auch. Im Ernstfall sind Pfeile grundsätzlich Verbrauchsmaterial. Sicher, beim Üben geht auch mal der eine oder andere Pfeil den Bach runter oder verflüchtigt sich. Aber im Ernstfall muss man immer pro Schuss einen Pfeil rechnen. Er kann daneben gehen (oder beim Durchschuss abhanden kommen), das nicht richtig getroffene Wild damit auf Nimmerwiedersehen verschwinden oder ihn bei einer kurzen Flucht oder im Todeskampf abbrechen. Um so besser natürlich, wenn dem nicht so ist, und man einen Pfeil auch im Ernstfall öfter verwenden kann. Und deshalb, weil man nicht 500 oder mehr Pfeile einlagern kann (und wenn doch, so sind die auch irgendwann alle), sollte man den Selbstbau beherrschen. Und was den Bogen anbelangt, so kann auch der immer abhandenkommen oder sich sonst wie verabschieden. Gleiches gilt für die Sehne.

MfG

Wizard

--
Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

hab dank...

peaci, Donnerstag, 17.09.2009, 09:31 vor 5977 Tagen @ Wizard (7224 Aufrufe)

grüß dich Wizard!

Gelle, so war das auch mal im ZF angedacht und gewesen (was Survival
allgemein anbelangt) ...

Bei FC ist das übrigens immer noch so. Da allerdings rein auf das Thema
Bogen und Co bezogen.

ja, es gibt sie noch, die fachforen! siehe das WW... ;-)

Da kam ich auch mal her, lang lang ist’s her ...
(Hofheim, um genau zu sein. Kindheit aber in Königsberg/Bayern
verbracht.)

na, da kennst du ja dann auch das gute raabs-bier...
Hofheim liegt mehrere pfeilschüsse weit von mir entfernt.


danke für deine weiteren erläuterungen.
ich werde mich nun erstmal im schiessen versuchen. dann können (sofern überhaupt noch zeit vorhanden - sch... maloche) der bau von pfeil und bogen kommen...

beste grüße
peaci

Zeit

Wizard, Berne, Donnerstag, 17.09.2009, 22:28 vor 5976 Tagen @ peaci (7250 Aufrufe)

Moin Peaci

na, da kennst du ja dann auch das gute raabs-bier...
Hofheim liegt mehrere pfeilschüsse weit von mir entfernt.

Nicht wirklich, war dafür noch zu jung, als ich von dort weg musste.

ich werde mich nun erstmal im schiessen versuchen. dann können (sofern
überhaupt noch zeit vorhanden - sch... maloche) der bau von pfeil und
bogen kommen...

So viel Zeit braucht es dafür nicht. Einfach mal beim nächsten Spaziergang Ausschau nach Hasel halten und nach der Anleitung behandeln. Das Trocknen machen sie alleine und das Bearbeiten kann man gut vor der Glotze oder so machen. Man muss das ja nicht alles in einem Rutsch durch machen, man hat ja Zeit.

Ich weis gerade nicht, ob ich das schon mal an anderer Stelle beschrieben hatte. So vor 10 - 12 Jahren habe ich mir hier in der nähe eine passende Stelle mit Hasel ausgesucht und fahre da so etwa alle 2 Monate mal hin zum besichtigen, beschneiden und Ernten hin. Dauert jedes mal so eine halbe bis ganze Stunde*. Überflüssige Triebe, aufkommende Äste und überflüssige Blattansätze werden entfernt und Triebe die die gerade benötigte Größe erreicht haben, werden geerntet.

*Manchmal auch erheblich länger, aber dann sammele ich dort auch das ganze Totholz ein. Das lagere ich gleich passend zurechtgesägt auf dem Dachboden ein. Ist für Lagerfeuer gedacht.

Zum Trocknen lege ich die je nach Wetter an einem geeigneten Ort (Balkon, Dachboden etc.) aus. Pfeilschäfte bearbeite ich fast grundsätzlich im Wohnzimmer. Hinter der Tür, wo es nicht jeder gleich sieht, steht ein Plastikrohr, das auf ein Brett geschraubt wurde. Darin stehen sie bis sie fertig sind. Danach kommen sie bis zur Endbearbeitung in eine Pappschachtel. Immer wenn ich gerade bisserl Zeit habe und es nicht stört, hocke ich mich mit den zukünftigen Pfeilschäften an den Wohnzimmertisch. Unser Wohnzimmertisch hat eine Steinplatte als Oberfläche, da kann nichts passieren. Wer eine Holzoberfläche hat, sollte eine Plastiktischdecke oder ähnliches unter legen. Unterm Tisch ein kleiner Eimer für die Reste. Schälen, hobeln, schleifen, immer schön der Reihe nach, bis die Pfeilschäfte den gewünschten Durchmesser haben. Jeden Tag (oder auch mal jeden zweiten oder dritten ... manchmal auch eine Woche) eine halbe oder ganze Stunde, je nach Zeit. Es ist ja nicht eilig, Hauptsache sie werden gut. Auf die Art wird an dem Pfeilschäften gearbeitet, bis sie fertig sind. Also auf Durchmesser, Länge und schon mit fertiger Selfnock und den Konus für die Spitze. Nach dem letzten Feinschliff bekommen sie gleich die erste Oberflächenbehandlung. Ich ziehe hier "Danishoil" vor, Leinenölfirnis geht auch. So zwei bis drei Schichten. Danach dann die besagte Pappschachtel.

Wenn ich dann neue Pfeile brauche, brauche ich nur die passenden aus der Schachtel zu nehmen, die Spitze und die Federn anbringen, fertig.


MfG

Wizard

PS: Pfeilbau (wenn man sie nicht gerade sofort braucht) ist auch im späteren Ernstfall eine Arbeit, die man in aller Ruhe am Lagerfeuer macht.

--
Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

Pfeil und Bogen II (der Großvater des Bogens)

Wizard, Berne, Freitag, 18.09.2009, 07:19 vor 5976 Tagen @ Wizard (8303 Aufrufe)

Moin Leute

Heute geht es um den "Großvater" des Bogens.

Gemeint ist die Speerschleuder, auch Atlatl oder Woomera genannt. Bestehen tut das Ganze aus einem Schleuderholz und "Speeren". Die Speere habe ich deshalb in Anführungsstrichen gesetzt, weil es eigentlich eher übergroße Pfeile sind, die halt nicht geschossen sondern geworfen werden. Deshalb benutze ich hier auch lieber den englischen Begriff "Dart".

Die Reichweite ist geringer als beim Bogen, aber höher als rein von Hand geworfen. Dafür ist die Durchschlagskraft durch das weitaus höhere Gewicht auch erheblich größer.

Die Herstellung der Schleuder ist denkbar einfach. Man nehme ein etwa daumendickes und unterarmlanges (es geht auch etwas länger) Stück Hasel (oder halt das Holz, was man gerade zu fassen bekommt. Das dünnere Ende ist zum Anfassen und am dickeren Ende sollte eine kleine Astgabelung sein. Sie Astgabelung schnitzt man so zurecht, dass nur ein kleiner Dorn stehen bleibt. In Selbigen wird dann der Dart "eingeklinkt".

So in etwa:
http://www.peoplesharvest.org/atlatl_branch3.jpg
http://wiki.davidmanise.com/images/9/92/Atlatl_branch2.jpg

Wie bei allem, kann man natürlich auch hier mehr Arbeit reinstecken:
http://msnbcmedia1.msn.com/j/msnbc/Components/Photos/051118/051118_ancientweapons_hmed_4p.hmedium.jpg
http://www.jasondejong.ca/Atlatl/Atlatl_Display.jpg

Die Darts selber benötigen etwas mehr Arbeit. Hier sollte man nach Möglichkeit nicht auf das nächstbeste Holz zurückgreifen, sondern tatsächlich Hasel nehmen. Schnell und einfach, nimmt man eine möglichst gerade Haselrute von 1,70 bis 2,20 m Länge. Selbige sollte am dünnen Ende noch gut fingerdick sein. Das dicke Ende spitzt man an, und hält es zum Härten etwas ins Feuer. Am dünnen Ende kratzt man den Markkanal etwas auf, so das ein leichter Trichter entsteht, in dem der Dorn am Schleuderholz Platz findet. So etwa 10 bis 15 cm vom dünnen Ende weg, befestigt man drei Federn. Selbige sollten nicht zu klein sein, etwa gleich groß und ganz wichtig, von der gleichen Flügelseite. Fertig.

Selbstverständlich kann (und sollte) man auch hier erheblich mehr Aufwand betreiben. Man wählt das Material sorgfältiger und dicker aus, lässt es gut durchtrocknen und schnitzt es dann auf den gewünschten Durchmesser von etwa 1,5 - 2 cm. Darauf achten, dass das ehemals dickere Ende vorne bleibt. Also kennzeichnen. Die Spitze schnitzt man nicht einfach dran, sondern baut extra eine und setzt diese nein. Beim Dart bietet sich wegen der Größe sogar an, mit Vorschäften zu arbeiten. Man fertigt also die Dartschäfte so, das sie nicht nur hinten einen sauberen Konus für den Dorn im Schleuderholz haben, sondern auch einen erheblich größeren Konus vorne. Passend zu diesem Konus fertigt man dann eine Reihe von genau passenden Vorschäften, in die dann die verschiedenen Spitzen eingesetzt werden.

http://www.atlatl.com/images/photo4-l.jpg
http://www.zikia.org/images_1000px/542x291/toolst.jpg
http://www.sanybel.com/Web_Page_-_Atlatl_dart_head.jpg

Die Vorschäfte müssen so gut halten, das sie nicht während des Wurfvorgangs und des Fluges herausfallen. Aber sie können so beschaffen sein, das sie sich nach dem Aufreffen lösen. Das hat auch den Vorteil, das nicht der ganze Dart im Ziel steckt. Ein getötetes oder verwundetes Tier hat es dann schwerer ihn abzubrechen wenn es drauf fällt oder flüchtet.

Wie heißt es so schön, ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Ein Video ist noch besser. Das selbiges dann in englisch ist, macht gar nichts.

Auf die Schnelle:
Der Dart ist allerdings bisserl kurz und alles reichlich grob gearbeitet. Außerdem befiedert er das falsche Ende. Funktionieren tut’s aber trotzdem.
http://www.youtube.com/watch?v=EWNPHXlvVVc

Der hier arbeitet erheblich sauberer:
Benutzt aber andere Materialien (z.B. Rivercane als Dartschaft).
http://www.youtube.com/watch?v=nTatpBIdTmQ
http://www.youtube.com/watch?v=iD8z38Hzq8M&NR=1

http://www.youtube.com/watch?v=n_zkAdHrU_A
http://www.youtube.com/watch?v=6D5IbheeFdQ&NR=1
http://www.youtube.com/watch?v=LzDQmz9mqtc&NR=1

http://www.youtube.com/watch?v=Oq0P085Unpw&NR=1

Im Gegensatz zum Bogen, wo die Energie in den Wurfarmen gespeichert wird, wird beim Atlatl die Energie im Dart gespeichert. Durch die Masseträgheit biegt sich der Dart und speichert so die Energie. Kurz vor dem Verlassen des Schleuderholzes streckt sich der Dart und setzt diese Energie wieder frei. Er springt förmlich davon.

Hier sehr gut zu sehen:
Und zu Anfang auch, wie ein passender Vorschaft mit Spitze vor dem Wurf aufgesteckt wird.
http://www.youtube.com/watch?v=Ej3it7Ct76w

Hier noch ein paar Videos mit Atlatl in Aktion:
http://www.youtube.com/watch?v=DWdKW6c6uyU
http://www.youtube.com/watch?v=Ik6_bRSmPJk
http://www.youtube.com/watch?v=-VlOpwsj09c
http://www.youtube.com/watch?v=BGFuOgVG3js

Reale Jagd:
http://www.youtube.com/watch?v=jfMiA_7zaOk

MfG

Wizard

--
Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

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