Eine weitere Erweiterung zur einfachen Grundausrüstung (Freie Themen)

Wizard, Berne, Samstag, 03.10.2009, 08:14 vor 5960 Tagen (3753 Aufrufe)

Moin Leute

In den beiden vorherigen Teilen ging es ja um eine Menge an Grundausrüstung. Die will ja erst mal beschafft werden und so manches muss man davon selber Herstellen oder zumindest ändern. In diesem Teil geht es nur um zwei Teile, die aber enorm vielseitig sind. Bei den beiden Teilen handelt es sich um die BW-Zeltplane und den BW-Poncho. Für beide Teile empfiehlt es sich, diese für den leichteren Transport in kleine Packsäcke zu verpacken. Selbige gibt es sogar ziemlich passgenau, aber dafür leider auch ziemlich "farbig". Da muss man sich entscheiden, ob man die bunten Dinger nimmt, oder ob man sich selber was näht.

Die BW-Zeltplane:
(Eine pro Person)
Natürlich das alte original in "Nato-Oliv", von Nachgemachten ist abzusehen. Bekommen kann man die in BW-Shops oder bei eBay. Bei eBay sind wie meist preisgünstiger. Egal, wo man sie bekommt, selten sind sie in einem Toppzustand und Waschen sollte man sie auch. Waschen deshalb, weil sie entweder nicht sauber sind, oder mit irgendeinem Mottenkram behandelt wurden. Also erst mal bei 60°C in die Waschmaschine. Nach dem Trocknen empfiehlt sich bügeln, denn dann lassen sich Reparaturen und Änderungen einfacher durchführen. Als Material für die eventuell nötigen Flicken, kann man gut die dazugehörige Packtasche nehmen. Die braucht man eh nie wieder. Sind alle nicht vorgesehenen Löcher geflickt, kann man gleich die beiden Schlitze zunähen (vorher die darin befindlichen Knöpfe entfernen). Selbige sind dafür gedacht, das man die Arme durchstecken kann, wenn man die Zeltplane als Poncho verwendet. Die Benutzung als Poncho ist meiner Erfahrung nach nicht das Gelbe vom Ei. Also weg damit! Ist man damit fertig, werden alle Knöpfe und Ösen überprüft und gegebenen Falls ausgetauscht. Da man Heringe nicht direkt durch die Ösen schlagen sollte, sollte man gleich durch jede Öse eine Schnur ziehen. Meist sind zwar "werksmäßig" schon welche drin, aber die sind Müll. Als Schnur empfiehlt es sich, die Gleiche zu nehmen wie für die Abspannleinen. Also stabile 3 mm Schnur. So etwa 30 bis 40 cm lang, durchziehen, die Enden zusammenknoten, fertig. Dazu noch die beiden Abspannleinen (etwa 2 m lang) plus die Leinenspanner, fertig. Mitgeliefert werden meist auch Heringe und Zeltstangen. Die kann man mitschleppen, muss man aber nicht. Wozu auch, kann man bei Gebrauch schnell anfertigen. Die Zeltplane auf kleinstmögliches Maß zusammenfalten und -rollen, die Abspannleinen nicht vergessen, ab in den Packsack und mittels "Rödelriemen" auf die kleine Kampftasche schnallen.

Funktion der BW-Zeltplane:
In erster Linie natürlich als Zelt. Kann man machen, dafür müsste man allerdings eine zweite Person mit Plane haben. Ist die vorhanden, kann man es so machen wie vom Erfinder vorgesehen. Klappt aber nur einigermaßen, wenn einer Pennt und einer Wache schiebt. Wirklich zu zweit drin pennen ... na ja.

Weit aus besser geht es (und das sogar alleine), wenn man die Zeltplane nur als "halbes Zelt" aufstellt. Etwas flacher, als wenn man es mit zwei Planen machen würde. Unter diesem Schrägdach kann man ziemlich gut pennen und hat zudem noch weit ais bessere Sicht und Gehör. Brennt ein kleines Feuer davor, dient das Schrägdach zudem noch als Wärmereflektor. Bei zwei Personen macht man es genau so, wobei sich dann an einer Seite die Enden der Planen überlappen (v-förmige Aufstellung). Bei 3 Personen mit Plane als Dreieck, wo sich zwei Planen am Ende überlappen und eine Spitze vom Dreieck ans Eingang dient. Und so weiter. Pfadfinder haben sich da ziemlich tolle Konstruktionen ausgedacht, wenn es mehr als 4 Personen sind. Die größte Konstruktion kann man schon gut als Zeltburg bezeichnen. sie besteht aus 47 Zeltplanen und bietet Platz für 72 Leute mit Gepäck. Die Zeichnung, für die einzelnen "Bauten" kann ich hier leider nicht wegen Urheberecht rein stellen, aber auf Anfrage per PN gerne zuschicken. Gut, HSP-mäßig sind solche "Monster" kaum zu gebrauchen. Aber es kann ja nie schaden, wenn man trotzdem weis wie es geht.

Weitere Funktionen der Zeltplane sind:
• kleines Trapp (mehrere zusammengeknöpft auch größeres Trapp)
• Sichtschutz (ähnlich wie Schrägdach, nur steiler aufgestellt)
• Tragbahre (in Verbindung mit zwei Stangen)
• Zudecke (egal, ob mit oder ohne Schlafsack)
• Kopfkissen (im Packsack)
• Sitzunterlage
• Unterlegplane
• Abdeckplane
• Ersatztragesack / -paket (ausbreiten, Tragegut drauf, zusammenfalten und eventuell verschnüren)
• Wurfgewicht (im Packsack, um z.B. eine Leine über einen schmaleren Fluss zu werfen)
• Ersatzfloß (ausbreiten, Heu, Stroh oder ähnliches drauf, zusammenfalten und gut verschnüren. reicht zwar nicht für eine Person, aber für die Ausrüstung. Bleibt etwa 10 bis 15 Min. schwimmfähig, je nach Gewicht)

Der BW-Poncho:
Auch hier natürlich das alte Original, schwer und gummiartig. Ebenfalls über BW-Shop oder eBay zu beziehen. Nach erhalt unter der Dusche mit Seife reinigen, gut abspülen und trocknen lassen. Nach dem Trocknen überprüfen ob was repariert werden muss und ausführen. Anschließend in die vorhanden Ösen, wie bei der Zeltplane (nur etwas kleiner), Schnurschlaufen einziehen. Zusammenfalten und -rollen, in den Packsack stecken, fertig. Wird dann wie die Zeltplane auf die kleine Kampftasche geschnallt.

Funktionen des BW-Ponchos:
• ABC-Schutz (Keine Ahnung, ob es funktioniert. War aber zu meiner Zeit von der BW so behauptet worden.)
• Regenschutz / Wetterschutz / Bekleidung / Tarnung
• kleines Trapp (siehe Zeltplane)
• Schrägdach (siehe Zeltplane)
• Sichtschutz (siehe Zeltplane)
• Sichtschutz gegen Wärmebild (selber noch nicht getestet, soll aber teilweise leidlich funktionieren)
• Zudecke (siehe Zeltplane)
• Kopfkissen (siehe Zeltplane)
• Sitzunterlage (siehe Zeltplane)
• Unterlegplane (siehe Zeltplane)
• Abdeckplane (siehe Zeltplane)
• Ersatztragesack / -paket (siehe Zeltplane)
• Wassersack
• Fischfalle
• Wurfgewicht (siehe Zeltplane)
• Ersatzfloß (siehe Zeltplane, schwimmt aber länger)
• Trinkwassergewinnung (Durch Verdunstung. Loch in den Boden, Becher oder ähnliches rein, Poncho drüber ausbreiten und an den Rändern befestigen, kleinen Stein in die Mitte über dem Becher auf dem Poncho legen und warten. Durch die Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit schlägt sich selbige an der Unterseite des Ponchos nieder und läuft durch die Trichterform in die Mitte und tropft in den Becher.)
• Kochtopf (Schüsselförmige Mulde in den Boden, Poncho drin ausbreiten, eine oder besser zwei Schichten saubere Flusskiesel rein, alles was gekocht werden soll rein, Wasser rein und in einem Feuer erhitzte , saubere und trockene (müssen aber wirklich trocken sein, sonst knallt es) Steine rein bis es kocht.)

Es empfiehlt sich beim Nächtigen, den Poncho grundsätzlich unterzulegen (auch unter Isomatte und Schlafsack). Das verhindert, das Bodennässe / -kälte Durchschlägt. Baut man sich jedoch ein "Wildbett", so legt man die Zeltplane unter (auf die Zweige). Die hält das besser aus, wenn Zweigspitzen nach oben stehen sollten.

Wenn man später einen Rucksack hat, befestigt man Zeltplane und Poncho besser am Rucksack.

MfG

Wizard

--
Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

Waldbett;

Mario, Samstag, 03.10.2009, 22:15 vor 5960 Tagen @ Wizard (3021 Aufrufe)

Moin Wizard,

in Gebieten mit Nadelbäumen empfehle ich kleine frische Fichtenzweige von ca. 50 cm Länge zu schneiden.
Diese drückt man mit dem dicken Ende schuppenförmig in den Untergrund. Die nächste Lage steckt man in die Zwischenzweige.
Nach 4-6 Lagen hat man eine weiche Unterlage, die mit einem BW-Poncho eine ideale Matratze abgeben.

Diese braucht eine herkömmliche Matratze nicht zu scheuen.

Es ist auch möglich, daß man Schilf verwendet. Dabei ist es jedoch wichtig, daß man dieses mit Schnur und Stöcken gegen wegrutschen sichert (sonst schläft man im Schilf und nicht auf dem Schilf).
Wenn man mehrere Ponchos zur Verfügung hat, kann man eine oder zwei natürlich auch zusammenknöpfen und diese mit Laub, Gras oder Stroh ausstopfen (Laub und Gras stinken aber u.U.).

Am nächsten Tag sollte man sich aber immer auf kleine Plagegeister untersuchen - oder untersuchen helfen lassen (Zecken !!).

Es ist aber auch der Schlafplatzstandort wichtig (nicht, daß man es sich auf einer Lichtung - die ein ausgetrocknetes Flußbett ist - gemütlich macht....der nächtliche Regen kann der letzte sein....).

Viele Grüße!:-)

Mario

--
„Wer alles verteidigt, verteidigt nichts mehr.“ - Gerhard Johann David von Scharnhorst 1755 - 1813

Jau!

Wizard, Berne, Sonntag, 04.10.2009, 02:43 vor 5960 Tagen @ Mario (2886 Aufrufe)

Moin Mario

in Gebieten mit Nadelbäumen empfehle ich kleine frische Fichtenzweige von
ca. 50 cm Länge zu schneiden.
Diese drückt man mit dem dicken Ende schuppenförmig in den Untergrund. Die
nächste Lage steckt man in die Zwischenzweige.
Nach 4-6 Lagen hat man eine weiche Unterlage, die mit einem BW-Poncho eine
ideale Matratze abgeben.

Diese braucht eine herkömmliche Matratze nicht zu scheuen.

Ja, so habe ich das gemeint. Allerdings macht sich die Zeltplane besser als der Poncho.

Es ist auch möglich, daß man Schilf verwendet. Dabei ist es jedoch
wichtig, daß man dieses mit Schnur und Stöcken gegen wegrutschen sichert
(sonst schläft man im Schilf und nicht auf dem Schilf).

Schilf würde ich nicht so gerne nehmen, wenn es sich vermeiden lässt. Erhöhte Verletzungsgefahr. Generell würde ich, wenn möglich, nichtgerade dort nächtigen oder mich länger aufhalten, wo Schilf wächst.

Wo Schilf, da nass. Nass = kalt und ungesund. Zudem noch: mehr Mücken und ähnliches.

Wenn man mehrere Ponchos zur Verfügung hat, kann man eine oder zwei
natürlich auch zusammenknöpfen und diese mit Laub, Gras oder Stroh
ausstopfen (Laub und Gras stinken aber u.U.).

Sicher, kann man machen, Nur wer schleppt für sich alleine schon mehr als einen Poncho?

Am nächsten Tag sollte man sich aber immer auf kleine Plagegeister
untersuchen - oder untersuchen helfen lassen (Zecken !!).

Das sowieso!

Es ist aber auch der Schlafplatzstandort wichtig (nicht, daß man es sich
auf einer Lichtung - die ein ausgetrocknetes Flußbett ist - gemütlich
macht....der nächtliche Regen kann der letzte sein....).

Jep!

Hatten mal bei den Pfadfinder sowas in der Art.

Schönen Lagerplatz ausgesucht, alle Zelte schön beisammen aufgestellt. Hat der Mädchengruppe nicht gepasst. Die haben ihr Zelt wieder ab- und etwas abseits wieder aufgebaut. so 2 oder 3 Tage später gab es nachts einen schönen Wolkenbruch. Das "etwas abseits", wo das Mädchenzelt stand, war eine leichte, kleine Senke von so 80 cm Tiefe ... :-D :-D :-D :-D

MfG

Wizard

--
Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

Schilf....und deren Knollen;

Mario, Sonntag, 04.10.2009, 23:15 vor 5959 Tagen @ Wizard (2858 Aufrufe)

Moin Wizard,

mit dem Schilf am See hast Du natürlich recht, daß man sich da leicht an den Blättern schneiden kann (das klappt aber mit Schneidegras auch ganz gut).

Ich dachte da eher an einen Teich - wo es wächst, wo man die Sprossen oder die Wurzeln zum Essen holen kann - und dann an einem Lagerplatz etwas weiter weg nächtigen würde (uns ist das ja bekannt - so mit einigen Unannehmlichkeiten und Tierchen und so....).

Die Knolle des Schilfes enthält mehr Stärke als die Kartoffel (auf einem Kubikmeter gibt es bis zu 1.800 kleine Knollen).
Das Problem ist nur das Ernten derer....in Masse; mir ist da noch nichts eingefallen, ohne das ich mir dabei die Klamotten und die Stiefel versaue - ich will gar nicht an eine lange Regenwoche denken....

Im Frühjahr kann man die jungen Triebe wie Spargel/Schwarzwurzel kochen....
Da kommen wir wieder vom 100ten in das 1000ste....;-)

Viele Grüße!:-)

Mario

--
„Wer alles verteidigt, verteidigt nichts mehr.“ - Gerhard Johann David von Scharnhorst 1755 - 1813

Schilf

Wizard, Berne, Montag, 05.10.2009, 01:44 vor 5959 Tagen @ Mario (2709 Aufrufe)

Moin Mario

mit dem Schilf am See hast Du natürlich recht, daß man sich da leicht an
den Blättern schneiden kann (das klappt aber mit Schneidegras auch ganz
gut).

Bei Schilf nicht nur an den Blättern. So ziemlich jeder, der schon mal mit Schilf (z.B. Reeddachdecker) hantiert hat, kann da ein Lied von singen. Und mit dem Schneiden ist es da nicht mal getan. Lass dir da mal (im Schlaf) was von dem Zeug unter die Haut spießen.

Ich dachte da eher an einen Teich - wo es wächst, wo man die Sprossen oder
die Wurzeln zum Essen holen kann - und dann an einem Lagerplatz etwas
weiter weg nächtigen würde (uns ist das ja bekannt - so mit einigen
Unannehmlichkeiten und Tierchen und so....).

Jo.

Die Knolle des Schilfes enthält mehr Stärke als die Kartoffel (auf einem
Kubikmeter gibt es bis zu 1.800 kleine Knollen).
Das Problem ist nur das Ernten derer....in Masse; mir ist da noch nichts
eingefallen, ohne das ich mir dabei die Klamotten und die Stiefel versaue
- ich will gar nicht an eine lange Regenwoche denken....

Im Frühjahr kann man die jungen Triebe wie Spargel/Schwarzwurzel
kochen....
Da kommen wir wieder vom 100ten in das 1000ste....;-)

Die Wurzeln von den Rohrkolben schmecken besser und sind bisserl größer :-D

MfG

Wizard

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Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.

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