Ein Plädoyer für Chemie in der Krise (Freie Themen)

Bär, Dienstag, 30.11.2010, 13:30 (vor 5537 Tagen) @ Joe (3029 Aufrufe)

Guten Abend,


in FFM genügt ein guter Strick, schätze ich, das Ernährungsproblem ist eher nachrangig.

Wer dennoch vorsorgen will, sollte beachten, dass die geöffnete Tüte am ersten der drei finsteren Tage bereits den Vorrat für die ersten Angelversuche mit der im Fluchtrucksack sorfältig verstauten nagelneuen Überlebensangel enthält. Kochtopfangler stehen auf Mehlwurm für ihre Salmoniden, die dann aus der Tüte kreuchen.

Das heisst natürlich nur, wenn das Getreide vorher nicht verschimmelt ist. Oder mal so kurz gekeimt war und sich als Haufen Matsch erweist.

Bevor wir aus Schaden klug werden, empfehle ich, das Getreide unter Vakuum zu lagern. Herkömmliche Vakuumiergeräte sind zwar recht brauchbar, aber das Ergebnis ist nicht pralle.

Weit besser ist die professionelle Variante geeignet. Vakuum und Co2 bringen einen bis mindestens 2020 haltbaren Getreidevorrat

Im Sommer habe ich noch die Hälfte gezahlt, inzwischen kostet die knappe Tonne schon 900 Euronen. Eine meiner besten Investitionen. Ich rechne nicht wirklich damit, dass Nahrungsmittel in absehbarar Zeit günstiger werden. Die Körner, die ich so gelagert habe, die sind sicher.


Viele von uns sehen die Umengen an Chemie in der Nahrung kritisch. Ich auch. Dennoch stelle ich diese Abneigung, was die Krise angeht, zurück. Warum?

Wir haben keine hinreichende Erfahrung, kaum die Möglichkeiten, um Vorräte heute schon so zu lagern, dass wir mit dem Stand von 1800 wie Seher ihn sehen, auch praktizieren können. Fehler passieren einfach dabei. Diese Fehler können aber den Tod bedeuten.

Darum gehört zu einer umfassenden Vorbereitung nicht nur das Getreide, sondern auch die Plastiktonne, die das Getreide vor Ratten und Mäusen, vor Käfern und Feuchtigkeit schützt. Darum gehören für den, der selbst anbauen will, auch Düngemittel und Chemie zum Pflanzenschutz usw. dazu.

Wer heute experimentiert und auf Schneckenkorn verzichtet, bei dem fällt vielleicht die Ernte aus. Dann gehen wir in den Supermarkt und kaufen uns den Salat. Ist der Salat aber nicht mehr im Supermarkt zu kaufen, müssen wir von Vorräten und selbst Angebauten leben, wir sind darauf angewiesen. Verschimmeltes Getreide und von Schnecken vernaschter Salat können den Tod bedeuten. Die ganze Vorbereitung war dann umsonst.

Erst wenn wir über Jahre trotz aller Rückschläge es wirklich gelernt haben auf Chemie beim Anbau zum Beispiel zu verzichten, erst dann können wir dauerhaft auf diesen Müll verzichten. Bis dahin setzen wir die Existenz aufs Spiel wenn das Getreide in Beutelchen herum liegt. Ratten schrecken nicht davor zurück das Beutelchen an zu knabbern. Und von diesen possierlichen Tierchen werden ganze Rudel am hellichten Tage durch die Straßen laufen sobald die Kläranlage still steht und der Müll nicht mehr entsorgt wird, sie aber üppig "Langschweine" zum Knabbern vor finden in den Gassen.

Wir müssen einfach alles, aber auch wirklich alles an Potenzial nutzen und unsere Überflußgedanken ganz schnell zurück stellen bis wir uns das wieder eines Tages erlauben können. Beim Überleben ist es sch....egal, ob die Kartoffel mit Chemie am vorzeitigen Keimen gehindert wird. Wir können sie dann essen und nur das zählt. Eine voll gekeimte leer gelutschte Kartoffel ohne Chemie ist nur noch ein Haufen Matsch, hält uns dann nicht am Leben wenn wir es brauchen.

Ich lagere entsprechende Chemikalien ein und bevorzuge auch das Getreide so haltbar gemacht, dass kein Käfer, kein Schimmel und keine Ratte es mir nehmen. Und Ratten/Mäusefallen habe ich in 50er Packs gelagert.

Die erste Zeit wird mehr Steinzeit sein als Neuzeit. Und darauf wird dann aufgebaut.

Zu beachten ist auch, dass die Vorräte vor Wassereinbruch und Brandgefahr sicher gelagert sind und dass nicht alles auf eine Karte gesetzt wird. An zwei sicheren Stellen gelagert ist die Chance, dass die Vorräte von zweibeinigen Ratten gefuttert werden statt von uns, schon halbiert. Ein gutes Maischefass mit Dichtung, erreichbar verbuddelt, ist gegen Wasser, Feuer und Diebstahl recht gut geschützt. Zwei solche Lager erhöhen die Chancen deutlich dass wir davon etwas haben.

Im Zweifel sollte auch bedacht werden, dass die Ordnungsmacht durchaus noch um sich schlagen kann. Wenn bekannt wird, dass ihr für euch und eure Familie vorgesorgt habt und das ist bei aller Vorsicht schwer zu vermeiden, wenn ihr allein nicht so abmagert wie die Anderen, kann es durchaus sein, dass sogar kurz vorm Eskalieren noch Uniformierte vor eurer Tür stehen und Einlaß mit einem kräftigen Tritt gegen die Tür erhalten. Ihnen dann zu erklären, warum ihr die Notstandsverordnung Nr. 0815-4711 nicht eingehalten habt und alles was über den Tagesbedarf hinaus geht nicht abgeliefert habt wird nicht möglich sein.

Die standrechtliche Erschießung kürzt dann zwar das Leiden ab, aber unter dem Strich gilt die Prüfung dann wohl als nicht bestanden.


Mit fröhlichem Gruße vom

Bären


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