Probleme bei Ackerlandbeschaffung und rechtliche Situation (Freie Themen)

Brutus, Samstag, 15.12.2012, 09:01 vor 4791 Tagen (4492 Aufrufe)

Einen schönen Guten Morgen an alle,

ich bin hier in Little Bavaria seit Jahren (mit Frust-Unterbrechungen) damit beschäftigt, brauchbare Ackerflächen zum Kauf zu suchen. Bisher sind alle Bemühungen gescheitert. Die hiesigen Bauern (= Ex-Bauern) sitzen auf ihrem Eigentum wie ein Krokodil auf seinem Gelege. Und wenn doch einer was verkauft, gilt Alarmstufe rot, weil unter Garantie was faul ist. Die letzte Anbieterin war doch glatt so dreist und wollte mir ein streng geschütztes Feuchtbiotop als normale Ackerfläche andrehen. Außer Gras mähen ist in so einem Biotop jeglicher Eingriff absolut untersagt. Jetzt hätte ich wieder eine Fläche mit Erbbaurecht gefunden, wo mir das Landratsamt aber jetzt schon die Abrissverfügung für das darauf stehende kleine Gebäude angedroht hat, weil dem Erstbesitzer diese zwar schon in den 60ern zugestellt, aber aus unerfindlichen Gründen in den letzten etwa 45 Jahren nie durchgesetzt wurde. Bei mir würden sie aber jetzt keine Ausnahme mehr dulden. Wie sollte es auch anders sein.
Jetzt zum eigentlichen Hauptproblem: Privatleute, die sich Ackerflächen zulegen, sind nahezu rechtlos, nur weiss es kaum jemand. Es darf nichts eingezäunt und auch kein Geräteschuppen gebaut werden. Auch ein Unterstand für z.B. eigene Schafe ist nicht gestattet. Nur bei Anmeldung eines passenden Gewerbes wäre so was möglich, was ja ein Witz bei den relativ kleinen Quadratmeterzahlen ist (max. 0,5 ha). Woher sollte da ein Gewinn stammen, der ein Gewerbe glaubhaft erschienen liesse? Zu allem Überfluss müssen derartige Flächen auch noch an Landwirte abgetreten werden, wenn diese meinen, sie unbedingt benötigen zu müssen.
Jetzt würde mich mal brennend interessieren, wie andere das gelöst haben, oder ob das etwa nur in Bayern so rigoros gehandhabt wird. Irgendwie fühlt man sich da entrechtet. Eine Vorsorge in dieser Richtung erscheint mir unter den gegebenen Voraussetzungen nahezu unmöglich zu sein und bei den gesetzlichen Bestimmungen auch sinnlos.

Grüße von Brutus!

Zum Ackerlandkauf braucht man Glück, Geduld oder einen großen Geldbeutel

Wayne Schlegel, Samstag, 15.12.2012, 19:53 vor 4791 Tagen @ Brutus (4533 Aufrufe)
bearbeitet von Wayne Schlegel, Samstag, 15.12.2012, 20:09

Servus Brutus,

tja, das Baurecht ist in der Tat leider ganz und gar nicht für die Survival- und Prepper-Szene gemacht.

ich bin hier in Little Bavaria seit Jahren (mit Frust-Unterbrechungen) damit beschäftigt, brauchbare Ackerflächen zum Kauf zu suchen. Bisher sind alle Bemühungen gescheitert. Die hiesigen Bauern (= Ex-Bauern) sitzen auf ihrem Eigentum wie ein Krokodil auf seinem Gelege.

Da haben die doch völlig recht - würdest Du wahrscheinlich genauso handhaben, wenn Du Eigentümer wärst. Für aktive Landwirte ist es schließlich die Existenzgrundlage und es gilt häufig die Prämisse: Wachsen oder Sterben. Chancen gibt es erst, wenn vererbt wird und die Erben versilbern wollen und andere Bauern allenfalls pachten, aber nicht kaufen können/wollen.

Jetzt hätte ich wieder eine Fläche mit Erbbaurecht gefunden, wo mir das Landratsamt aber jetzt schon die Abrissverfügung für das darauf stehende kleine Gebäude angedroht hat, weil dem Erstbesitzer diese zwar schon in den 60ern zugestellt, aber aus unerfindlichen Gründen in den letzten etwa 45 Jahren nie durchgesetzt wurde. Bei mir würden sie aber jetzt keine Ausnahme mehr dulden.

Als ehemaliger Bauordnungsrechtler wäre die Beendigung einer so lange währenden Duldungspraxis wegen bloßem Eigentümerwechsel rechtswidrig, da Baurecht/Duldung nichts Personenbezogenes sondern etwas Objektbezogenes ist. Gute Karten vor dem Verwaltungsgericht für Dich! Lass Dich von einer regionalen Kanzlei mit Baurechtsexperten (die also das zuständige Verwaltungsgericht bzw. Oberverwaltungsgericht kennen) beraten. So könntest Du vielleicht einen 75%-Anteil des Grundstücks erwerben. Da müßte die Bauaufsicht dir dann einen Duldungsbescheid bzgl. der uralten Abrissverfügung zustellen (dass Du also den Abriss dulden musst) oder euch beiden einen neuen Abrißbescheid zustellen, der aber aufgrund der ewigen Duldungspraxis rechtlich leicht angegriffen werden kann.

Jetzt zum eigentlichen Hauptproblem: Privatleute, die sich Ackerflächen zulegen, sind nahezu rechtlos, nur weiss es kaum jemand.

Erster Halbsatz ist verkehrt, der zweite trifft zu.

Es darf nichts eingezäunt und auch kein Geräteschuppen gebaut werden.

Das ist auch absolut richtig so, denn sonst würde der Außenbereich wie aussehen, wenn jeder mit je nach Region für 1,00 - 5,00 Euro pro Quadratmeter erworbenen Flächen nach Lust und Laune verfahren könnte?

Auch ein Unterstand für z.B. eigene Schafe ist nicht gestattet. Nur bei Anmeldung eines passenden Gewerbes wäre so was möglich, was ja ein Witz bei den relativ kleinen Quadratmeterzahlen ist (max. 0,5 ha).

Auch das ist absolut richtig so und keineswegs ein Witz, denn sonst gäbe es wieviele Unterstände und sonstige Bauten/Wellbleckbaracken bzw. Bauabfalldeponien mit den interessantesten behaupteten nutzbringenden Zweckbestimmungen?

Woher sollte da ein Gewinn stammen, der ein Gewerbe glaubhaft erschienen liesse?

Eben, es liegt doch auf der Hand, dass kein Gewerbe mit Gewinnerzielungsabsicht geplant ist, sondern das Gewerbe als Vorwand für nach derzeitiger und in meinen Augen auch sinnvoller Rechtslage illegales Bauen herhalten soll.

Zu allem Überfluss müssen derartige Flächen auch noch an Landwirte abgetreten werden, wenn diese meinen, sie unbedingt benötigen zu müssen.

Wenn dem tatsächlich so sein sollte (Rechtsgrundlage?), scheint es eine bayerische Besonderheit zu sein.

Jetzt würde mich mal brennend interessieren, wie andere das gelöst haben, oder ob das etwa nur in Bayern so rigoros gehandhabt wird.

Nein, ist mindestens auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen so.

Irgendwie fühlt man sich da entrechtet.

Nur wenn man meint, dass man selbst und ergo jeder andere auch, mit Außenbereichsgrundstücken machen zu können, was man will, - mit fließender Grenzen zum Zumüllen.

Eine Vorsorge in dieser Richtung erscheint mir unter den gegebenen Voraussetzungen nahezu unmöglich zu sein und bei den gesetzlichen Bestimmungen auch sinnlos.

So wie Du es planst schon. Du kannst aber als Nichtlandwirt bis zur Hektargrenze pro Einzelkauf Ackerland erwerben (ist schwierig - ich spreche aus eigener Erfahrung) also auch 10 mal 0,9 Hektar und dies selbst nach den Regeln der Ackerlandbewirtschaftung einbauen oder verpachten. Wenn Du Bauen im Sinne der Errichtung von Hochbauten/Gebäuden willst, dann brauchst Du einen Privilegierungsgrund wie die Ausübung eines Gewerbes, das in den Außenbereicht gehört und tasächlich Gewerbe mit Gewinnerzielungsabsicht und -chance ist.
Für Trickser erscheint mir das Metier eines Imkers viel leichter begründbar zu sein als Schafzucht/-Haltung, wobei die Bauaufsicht nicht dämlich ist und sich Imkerprüfungen und die Beherrschung des Handwerkes nachweisen lassen werden.

Im Innenbereich oder in ausgewiesenen Gartenlandflächen darfst Du natürlich einzäunen und gemäß den Bauvorschriften Bauten errichten. Das dürfte für Dein Vorhaben das einfachste sein.

Grüße von Brutus!

Auch ich grüße herzlich.

Wir haben eine Suche in D deshalb aufgegeben

Morpheus, Montag, 24.12.2012, 12:44 vor 4782 Tagen @ Brutus (4186 Aufrufe)

Hallo Brutus,

Jetzt würde mich mal brennend interessieren, wie andere das gelöst haben, oder ob das etwa nur in Bayern so rigoros gehandhabt wird. Irgendwie fühlt man sich da entrechtet. Eine Vorsorge in dieser Richtung erscheint mir unter den gegebenen Voraussetzungen nahezu unmöglich zu sein und bei den gesetzlichen Bestimmungen auch sinnlos.

Wir hatten das auch in Bayern und später in Baden-Württemberg versucht. Selbst mit Gutachten, das die Wirtschaftlichkeit ausweist, bist du auch danach noch den behördlichen Schikanen ausgesetzt. Wir hatten z.B. einmal nach einem guten halben Jahr eine Baugenehmigung, dann wollten sie von uns verlangen, dass wir den Stall unmittelbar vor das Haus in die Aussicht bauen und nicht rechts daneben, wo es genauso gut gegangen wäre. Ein anderes Mal waren es die Quadratmeter des Hauses, die nicht einer bäuerlichen Familie entsprachen. Es waren reine Schikanen und das wäre sicher nach dem Kauf und dem Einzug so weiter gegangen. Wir werden Deutschland jetzt verlassen, weil es gibt Länder, in denen gibt es derartige Einschränkungen nicht, die für uns auch noch ein paar andere Vorteile haben.
Hier ist die Bevölkerungsdichte einfach zu hoch. Deshalb braucht man solche Reglements und Beamte, die über deren Einhaltung kleinlich wachen. Diese hohe Dichte macht aber alle Anstrengungen der eigenen Lebensmittelproduktion später wieder zu Nichte. Auch das war (neben dem Klima) ein Grund, warum wir uns letztlich gegen D entschieden haben.

Grüße

Morpheus

PS: Und allen Lesern frohe Feiertage und ein gesundes, glückliches, erfolgreiches Jahr 2013.

Destination

Jacob, Sonntag, 30.12.2012, 12:56 vor 4776 Tagen @ Morpheus (4134 Aufrufe)

Hallo Morpheus,

nach der Lektüre Deines Textes interessiert mich nun, auf welche Auswanderungsdestination Eure Wahl gefallen ist und natürlich welche zusätzlichen Beweggründe außer Bevölkerungsdichte und Behördenschikanen hierfür ausschlaggebend waren.
Wir hadern noch immer mit der Ortswahl für die Zeit des Höhepunkts der katastrophalen, kommenden Ereignisse. Dies ist zweifellos die wichtigste Frage.

Bis zur Kenntnis des Schauungsszenarios erschien mir Auswandern der einzig logische Schritt. Angesichts eines zu erwartenden, globalen Ereignisses bewerte ich dies nun anders. Anhand der Schauungen für den süddeutschen Raum wissen wir immerhin, dass dort ein Überleben möglich sein könnte. Für beispielsweise Panama, Kanada, Uruguay, Chile oder Australien sind mir allerdings keine veritablen Seheraussagen bekannt.

Ich wäre daher dankbar, wenn Du Eure Überlegungen hier skizzieren könntest.

Gruß,
J.

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Panama

BBouvier, Donnerstag, 03.01.2013, 19:55 vor 4772 Tagen @ Jacob (4262 Aufrufe)

Hallo, Jakob!

Panama halte ich für keine gute Idee.
Laut "Doctorian"
=>
http://www.j-lorber.de/proph/seher/doctorians-vision.htm
...den ich für valide erachte, bricht diese Landbrücke
völlig ein.

Was "Auswandern" betrifft, so ist man dort
über Jahrzehnte hinweg immer noch der "Neue".
Dem Niemand hilft.
Und den man ohne Bedenken ausraubt und gegebenenfalls
auch tot schlägt.

Gruss,
BB

--
- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."

Kriterien für ein Flucht-/Migrationsland

Wayne Schlegel, Donnerstag, 03.01.2013, 21:52 vor 4772 Tagen @ BBouvier (4200 Aufrufe)

Servus Bernhard und ein gutes Neues Dir und allen anderen ebenso,

meine rational-nüchternen Kriterien für ein Flucht-/Migrationsland wären:

- Lokalisation auf der Südhalbkugel
- no nukes, keine Atomanlagen
- ethnische Stabilität (historisch, gegenwärtig und prognostisch); kein offener oder versteckter Hass auf Weiße durch Bevölkerungsmajorität
- nationale und regionale Selbstversorgungsfähigkeit
- territorial nachhaltig abgegrenzt und abgesetzt
- territorial nicht zu groß und nicht zu klein
- keine/geringe geostrategische und bodenschätzeausbeutbare Bedeutung
- tektonische Stabilität (in NZL allerdings begrenzt; "Feuerring" insbesondere Nordinsel)
- tendenziell leichte Integration (sprachlich, ethnisch, religiös, kulturell)

Da bleibt nicht wirklich viel übrig.

In Südafrika wird großflächig Ackerland durch reiche Westler erworben.

Centao, Freitag, 04.01.2013, 16:23 vor 4771 Tagen @ Wayne Schlegel (4216 Aufrufe)

Hallo Wayne, werte Foristen,

ich selbst halte allerdings Südafrika bei einer weltweiten Krise für keine gute Wahl.
Die ethnischen Konflikte sind m.E. in der Fläche nicht zu kontrollieren.


Was haltet Ihr von Teilen der Karibik?

Wenn allerdings Mittelamerika teilweise verschwinden soll, wird es der Karibik wohl übel ergehen..?! Tsunamis?


Zu Neuseeland:

Was oft vergessen wird, das selbst (Ur-)Agraländer wie Neuseeland bereits massiv energiehaltige Lebensmittel importieren müssen. Mit ca. 16 Einwohner pro km² ist die Bevölkerungsdichte schon für die Selbstversorgung kritisch. Allerdings ist als Ausgleich Fischfang und Tierzucht relativ gut machbar.

Viele Grüße,
CenTao


PS: Dank auch von mir an BB für die Einladung und an Taurec für die Freischaltung.

Nennen wir Namen und Länder

Jacob, Samstag, 12.01.2013, 23:22 vor 4763 Tagen @ Wayne Schlegel (4251 Aufrufe)

Hallo Alf,

Dir und BB und Centao herzlichen Dank für Eure Antwort.
Panama hätte mir gefallen. Drei Ernteperioden. In Unkenntnis der Schau von "Doctorian" kam mir die geografische Lage dort allerdings ohnehin schon zu unsicher vor. Bedauernswert, da ansonsten wohl alle relevanten Parameter nahezu abgedeckt sein würden.

Was hälst Du/Ihr denn von Uruguay, Chile, Peru oder Argentinien?

Paraguay beispielsweise, so habe ich von einem Bekannten erfahren, wird ihnen dort jetzt schon zu unsicher. Dieser Bekannte ist Deutscher und ein Bär von einem Mann und ist mit seiner Familie nach langer Zeit zuvor in Spanien dorthin gezogen, um mit dem Ersparten einen vermeintlich ruhigen und bescheiden luxuriösen Lebensabend zu verbringen.
Man sieht, dass solche Pläne selbst bei exzellent Vorbereiteten bei unvorhergesehenen Entwicklungen oder aber Fehleinschätzungen leicht scheitern können.

Gruß,
J.

Ackerlandkauf, das Für und Wider

Brutus, Freitag, 18.01.2013, 00:40 vor 4758 Tagen @ Wayne Schlegel (3980 Aufrufe)
bearbeitet von Brutus, Freitag, 18.01.2013, 00:52

Servus Wayne,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Das war für einen Baurechtlaien wie mich zwar desillusionierend, aber sehr aufschlussreich. Weitergehende Recherchen meinerseits und auch durch den Beitrag von Morpheus, dem ich an dieser Stelle auch meinen Dank ausspreche, haben dazu geführt, dass ich mein Kaufpreisangebot für dieses Objekt erheblich reduziert habe und vom zuständigen Makler gleich am nächsten Tag lapidar darauf hingewiesen wurde, das er nun nichts mehr für mich tun könne :-D. Die drohende Gefahr ständiger Schikanen durch das Landratsamt ist es nicht wert, für den zu erwartenden Stress auch noch extra zu bezahlen. Die Pacht für die Fläche reicht da schon völlig. Ich muss an dieser Stelle alle Normal-Interessenten für Ackerflächen warnen. Es ist gigantisch schwierig, überhaupt etwas aufzutreiben, und wenn, dann muss unbedingt vorher genau alles abgecheckt werden, nicht zuletzt auch immer bei der unteren Naturschutzbehörde wg. eventueller Umweltauflagen. Wenn man's genau nimmt, ist es zur Zeit für Privatpersonen uninteressant, sich sowas zuzulegen, auch für Hardcore-Prepper (der ich nicht bin).

Viele Grüße von Brutus!

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