Hallo, zusammen,
gestern fand in Wien eine Veranstaltung zum Thema "Plötzlich Stromausfall" statt.
Kurz ein paar Eckpunkte:
um ernsthafte Warnungen von Panikmache zu unterscheiden, kann man auf die Vorfälle abstellen, die zu sofortigen Eingriffen in die Stromnetzstabilität führen müssen.
Früher waren das eher wenige, heute um 260 pro Jahr, also statistisch jeden Arbeitstag einer.
Tendenz steigend.
- die Stromproduktion im Netz muss immer genauso gross sein wie der aktuelle Stromverbrauch
- es sollen bis 2020 geplante 50-60 Gigawatt an regenerativen Energien dazukommen, aber nur 12 GW Leitungskapazität
- fällt eine Leitung aus, springt eine andere ein, die wird dann aber überlastet, bis auch sie ausfällt
- Freileitungen können technisch gesehen mal überlastet werden, Erdkabel nicht, die knallen durch
- die Wahrscheinlichkeit eines Netzausfalls steigt also ständig
- es gibt keine vereinheitlichte Systemsprache der Netzeinspeiser, im Prinzip herrscht ein wundersames Chaos
- um Netzbetreiber zu sein, gibt es übrigens keinerlei gesetzliche Anforderungen an Ausstattung oder Qualifikation
- kommt es zu Frequenzstörungen ab 50,2 Hz, werden schon mal riesige Photovoltaikanlagen vom Netz getrennt, der Lastabwurf geht in die Gigawatt, ein GW entspricht ca. einem Kernkraftwerk, so dass das nicht aufgefangen werden kann, Pumpspeicherkraftwerke brauchen bis zu einer Minute, um Ersatz zu liefern (diese Zeitangabe stammt nicht von gestern, sondern aus meiner Erinnerung)
- Pumpspeicherkraftwerke rechnen sich derzeit aber nicht, weil die überwiegenden, langen Bereitschaftszeiten überhaupt nicht vergütet werden
- fällt das europäische Netz zusammen, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass der Netzausfall zwischen 6 Tagen und 6 Wochen dauert
- in einer Gross-Stadt wie Berlin gibt es bereits nach ca. 5-6 Stunden Stromausfall die ersten Todesfälle. Sogenannte Heimbeatmung von Patienten, da sind dann die Reservebatterien auch leer, und das wars. Dialyse ohne Strom fällt auch aus.
- Aufzüge samt gefangenen Leuten bleiben stecken, Ampeln fallen aus, der öffentliche Schienennahverkehr bleibt stecken (wobei ich meine, früher mal gehört zu haben, dass die Bahn ein eigenes, vermutlich unabhängiges Stromnetz betreibt)
- wenn Abwasser nicht abfliessen kann, führt es zu "Verfestigungen", die Kanalisation verstopft und härtet quasi aus, einfach wieder anfahren nach ein paar Tagen geht nicht.
- wenn das Frischwassernetz unter bestimmten geographischen Umständen wie eben in Berlin nicht aufrechterhalten werden kann, zieht es quasi von aussen, aus den leeren Rohren, Keime an, die sich im Netz verbreiten, so dass hinterhermühsam alles gereinigt werden muss
- man stelle sich einen Strom(netz)ausfall im Winter bei -15 Grad vor, wenn die öffentlichen Nahverkehrsmittel in der Prärie einfach stehen bleiben und hunderttausende Pendler in einer Metropolregion feststecken - oder europaweit Millionen
- die Kommunikation (Festnetz, Mobilnetz, Internet) bricht nach einigen Stunden zusammen, wenn nicht durch Energiemangel, dann durch Wegfall von Kühleinrichtungen
- klar gibt es Stromgeneratoren, in Berlin vielleicht 400, in NRW 10.000, aber durch den Biodieselanteil und verschlechterte Dieselqualität kommt es zu Ausfällen in der Praxis - viele Kleingeneratoren laufen zudem mit Benzin, es müssen also mehrere Treibstoffe nachgeliefert werden
- ohne Strom keine Kommunikation, es kann kein Treibstoff nachbestellt werden
- Stromerzeuger bei Dauerlast brauchen nach ein paar Tagen einen Ölwechsel, an Schmieröl denkt aber erst recht niemand
- Kleingeneratoren überhitzen nach wenigen Stunden
- Braunkohletagebaustätten laufen nach wenigen Stunden ohne Strom bereits voll Wasser, was den Abbau nach Beendigung der Strommangellage erschwert bzw. verunmöglicht
das alles erst mal nur wegen eines Zusammenbruchs des StromNETZES. Von unterbrochenem Nachschub an fossilen Energieträgern ist hier noch gar nicht die Rede
- klar gibt es staatliche Grundnahrungsmittelbevorratung. Das Konzept setzt aber voraus, dass die Verteilung vor Ort (ggf. durch Lebensmittelmarken) von örtlichen Läden/Geschäften gegen Bezahlung erfolgt, eine direkte Verteilung an Verbraucher ist nicht vorgesehen
- natürlich funktionieren die Netze für bargeldlosen Zahlungsverkehr dann auch nicht mehr
- klar gibt es staatlich angeordnete Lagerhaltung an Treibstoffen, aber die Tanklager haben keine eigene Notsrromversorgung, man bekommt die Vorräte gar nicht raus
- klar gibt es viele Stromaggregate, aber um sie zu nutzen, müssen die Stromanlagen eines Gebäudes fremdeinspeisungsfähig sein, und das sind sie nicht
Fazit: wie das wäre, will eigentlich gar niemand so genau wissen. Der Absatz an Broschüren des Zivil- und Katastrophenschutzes grenzt an Null.
Junge und Gesunde kommen irgendwie durch, aber die Bevölkerung überaltert und ist vielfach auf Medikamentennachschub angewiesen. Selbst Kliniken haben aber nur für wenige Tage Vorrat für den Eigenbedarf.
Ein simpler Stromausfall reicht, und die Kacke ist am Dampfen.....
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Beste Grüsse vom Baldur