Wo Licht ist

Bär, Dienstag, 03.03.2015, 13:27 vor 3984 Tagen @ BBouvier (1849 Aufrufe)

gibt es auch Schatten.


Moin BB,

ja, nicht schlecht was die Jungspunde sich dort so denken. Besser als die breite Masse an Ich-kaufe-mir-Tarnfleck-und-überlebe-alles.

Nur teilweise konform gehe ich mit der Ablehnung von Kampfsport. Sport mit Regeln wie Karate, auch ich habe länger als zwei Dekaden diesen Sport und andere Budoarten betrieben, sind außer der erlangten Fitneß nicht weiter führend.

Selbstverteidigungstechniken zu erlernen halte ich jedoch für unabdingbar. Liegt der Abstand zwischen dem Aggressor und seinem bewaffneten Gegenüber bei wenigen Metern, kommt der böse Bube mit seinem Taschenmesser schneller zum Stich als ich eine Zimmerflack aus dem Schnellziehholster hole.

In Zeiten, wie den gesehenen, und einem angenommenen Rückfall ins Jahr 1800 wird auch der physische Umgang der Menschen miteinander durchaus rustikaler werden. Jeden, den man sieht, gleich mit seiner 357er waidgerecht zu erlegen ist auch etwas kontraproduktiv. Aber die zwangsläufige menschliche Nähe impliziert auch dass körperliche Gewalt angewendet werden wird. Seinen Frieden durch Wehrhaftigkeit sichern zu können sehe ich als Vorteil.


Bärengruß

Wegen der Verhältnismässigkeit zu waidgerecht u.s ein bisschen Werbung

rauhnacht, Dienstag, 03.03.2015, 18:56 vor 3983 Tagen @ Bär (1749 Aufrufe)

Hallo Bär,
Ja! und zudem bringt das auch jetzt etwas.
Grenzen setzen können, „Gelassenheit“, körperliche Fitneß, Selbstbewußtsein und eben Wehrhaftigkeit. Sollte man alles haben; auch oder gerade als Frau. Denn: die einfachen Opfer sind eben meist die ersten Opfer.
Werbung mache ich hier jetzt für WT oder , weil ziemlich überzeugt , von der leicht abgewandelten Form WTAS.
Eine Selbstverteidigungskampfkunst im Nahkampf. Eher an Straßenkampf angelehnt, denn an Abfolgen diverser sonstiger Kampfsportarten.Wenn da Waffen ins Spiel kommen, ist da zwar sehr schnell oder gar sofort Schluß mit der Kunst, aber davor ist dies , sofern geübt äußerst effektiv.
Natürlich, wie alles, was gut ist, nicht im Wochenendkurs zu erlernen. Das muss man trainieren, damit sich Bewegungen und Körperhaltung einschleifen. Und logisch daraus, desto länger und intensiver, desto besser wird man. Selbstüberschätzung ist zu meiden.
Ich z.B. kann da nur ein winziges bisschen, weil ich eben viel zu wenig mach, dennoch kann ich mehr, wie wenn ich eben nicht dies winzige bisschen könnte.
Ich war auch vorher schon rein vom Auftreten her, ziemlich wehrhaft ( Du weisst ja, ich werd so leicht mit Kampfemanzen verwechselt:-D ). Wenn aber dieser Punkt dennoch überschritten wird, hab ich von dem bisschen WTAS sehr provitiert.
Arbeitsbedingt war ich erst kürzlich auf einer Fortbildung zu Gewalt und letztlich körperlichen Verteidigung. Ich hab schon auch ein wenig davon mitgenommen, aber wenn es wirklich zur Sache geht, sind die berufsbedingt erlaubten Techniken meiner Einschätzung nach eher mau. Spielt für dies Thema eigentlich keine Rolle, ich erwähne es nur darum, weil ja vielleicht hier dann doch noch irgendwelche Frauen mitlesen, die glauben, so wie im Selbstverteidigungskurs angelernt, könnte es klappen.
Tochter kann dann schon mehr und Mann noch wesentlich mehr, bringt allen viel.
Keine Garantie, aber eben weitaus besser wie nichts.In Verhätnismässigkeit, ganz so wie Du sagst, sehr brauchbar!!!

Grüße, Rauhnacht

Wing Tsun und Kampfemanzen

Bär, Mittwoch, 04.03.2015, 16:56 vor 3982 Tagen @ rauhnacht (1851 Aufrufe)

Moin Rauhnacht,


was hast du denn für einen Beruf??? Grundschullehrerin in Berlin Kreuzberg? Essensausgabe im Asylbewerberheim? Hartz IV Sachbearbeiterin im Jobcenter? Schließerin im Strafvollzug?

Ja, Frauen, ganz besonders Frauen sollten sich meines Ermessens Wege suchen sich in der auf uns zu kommenden Zeit im Zweifel auch selbst helfen zu können. WT ist ja dem Vernehmen nach auch von einer Nonne entwickelt worden.

Wenn ich mit WTlern trainiert habe kam das richtig gut rüber. Die gute Wing Tsun bzw. ihre Lehrerin hatte sich sehr viel dabei gedacht wie sie eine kleine Frau wehrhaft bekommt. In der Praxis lag es wohl an den Männern mit denen ich dann im Sparring war dass es immer zu schnell vorbei war. Vielleicht sollte ein wenig intensiver an dem psychischen Umgang mit der Streßsituation gearbeitet werden, die mit denen ich zu tun hatte waren nicht belastbar.

Die Kettenschläge zur Körpermitte als Beispiel halte ich, sofern ein anderer Kämpfer etwas Erfahrung hat, für bestmögliche Selbstgefährdung. Der Schlagende ist insgesamt angespannt während der Schläge und ein einziger energischer Block schubst ihn um 90° um seine Achse. Ich hoffe WTAS geht da etwas bessere Wege.

Wie haltet ihr es eigentlich beim Training mit Kontakt? Wird regelmässig das Aufnehmen von Schlägen zB. mit Polster trainiert? Nach langen Jahren mit Karate und Co hat mich das beim ersten Angriff im Vollkontakt erstmal ganz ordentlich beeindruckt wie üppig die Schläge eines trainierten Zweizentnerbullen werden wenn der davon nicht nur einen oder zwei ablässt sondern sich so richtig austobt. Frauen schätzen die Sammlung an blauen Flecken erfahrungsgemäß nicht so sehr die Anfangs erst mal auftreten.

Nach meinen bescheidenen Erfahrunge ist WT tatsächlich eine gute Form der Selbstverteidigung und nicht des Kampfsportes. Es ist besonders für Frauen geeignet. Der Überraschungseffekt wenn Frau nicht anfängt zu weinen sondern dein Nasenbein traktiert ist sogar noch größer als die reine Wirkung der Verteidigung.

Und wenn du es bis zu deinem Ableben irgendwann niemals brauchst ist es noch besser.


Ha, wusste ich doch schon immer: Kampfemanze

Bärengruß

Re Bär

rauhnacht, Mittwoch, 04.03.2015, 20:12 vor 3982 Tagen @ Bär (1753 Aufrufe)

Hallo Bär,

was hast du denn für einen Beruf??? Grundschullehrerin in Berlin Kreuzberg? Essensausgabe im Asylbewerberheim? Hartz IV Sachbearbeiterin im Jobcenter? Schließerin im Strafvollzug?

Alltag meistern mit geistig Behinderten, auch mit Verhaltensstörungen und psychischen Erkrankungen.

Ja, Frauen, ganz besonders Frauen sollten sich meines Ermessens Wege suchen sich in der auf uns zu kommenden Zeit im Zweifel auch selbst helfen zu können. WT ist ja dem Vernehmen nach auch von einer Nonne entwickelt worden.

Wenn ich mit WTlern trainiert habe kam das richtig gut rüber. Die gute Wing Tsun bzw. ihre Lehrerin hatte sich sehr viel dabei gedacht wie sie eine kleine Frau wehrhaft bekommt. In der Praxis lag es wohl an den Männern mit denen ich dann im Sparring war dass es immer zu schnell vorbei war. Vielleicht sollte ein wenig intensiver an dem psychischen Umgang mit der Streßsituation gearbeitet werden, die mit denen ich zu tun hatte waren nicht belastbar.

Wenn man mit Sifu Altmeyer dann mal......kommt man schon sauber in Streß! Ich finde, der kann das richtig gut, den Streßpegel grad so dem Trainierenden anpassen.Ich war nur zweimal auf einer Trainingswoche bei ihm. Beim Training mit Mann (darf auch ausbilden) und anderem Ausbilder geht es mir auch nicht so, dass ich da psychischen Streß empfinde, die kommen einfach anders rüber. Und ich gebe Dir da absolut recht, dass das eine absolut wichtige Komponente ist.

Die Kettenschläge zur Körpermitte als Beispiel halte ich, sofern ein anderer Kämpfer etwas Erfahrung hat, für bestmögliche Selbstgefährdung. Der Schlagende ist insgesamt angespannt während der Schläge und ein einziger energischer Block schubst ihn um 90° um seine Achse. Ich hoffe WTAS geht da etwas bessere Wege.

Altmeyer geht da tatsächlich andere Wege. Ich hoff, ich schreib jetzt nicht Murks, das gäbe Ärger. Bei WTAS ist die Armhaltung anders und erstmal zählt der Eigenschutz. Die Kettenfaustschläge sollten erst dann kommen, wenn der Gegner schon ein wenig mürbe ist. Durch Kreisbewegung wird die gegnerische Kraft aufgenommen und umgeleitet, idealerweise so, dass ich damit aus der Schlaglinie komm und ich den Gegner durch Tritt, kurzen Schlag oder eben den aus seiner Achse bringen, entgehe. Also immer schön weg aus dieser bestmöglichen Selbstgefährdung.

Wie haltet ihr es eigentlich beim Training mit Kontakt? Wird regelmässig das Aufnehmen von Schlägen zB. mit Polster trainiert? Nach langen Jahren mit Karate und Co hat mich das beim ersten Angriff im Vollkontakt erstmal ganz ordentlich beeindruckt wie üppig die Schläge eines trainierten Zweizentnerbullen werden wenn der davon nicht nur einen oder zwei ablässt sondern sich so richtig austobt. Frauen schätzen die Sammlung an blauen Flecken erfahrungsgemäß nicht so sehr die Anfangs erst mal auftreten.

Wir trainieren schon auch mit Polstern. Aber da gehts dann eigentlich eher darum, dass eben ich auch mal so richtig zuschlag oder kick. Wenn ich das Polster bei Schlägen von einem Zweizenterbullen halten sollte, würd ich gleich segeln, weil ich dann ja nichts umleite. Blaue Flecken hab ich schon auch gekriegt, eben dann, wenn ich die Schlagkraft falsch aufnehme, dies obwohl da ohne Polster ja nicht mit voller Kraft agiert wird.

Nach meinen bescheidenen Erfahrunge ist WT tatsächlich eine gute Form der Selbstverteidigung und nicht des Kampfsportes. Es ist besonders für Frauen geeignet. Der Überraschungseffekt wenn Frau nicht anfängt zu weinen sondern dein Nasenbein traktiert ist sogar noch größer als die reine Wirkung der Verteidigung.

Ja, so seh ichs auch. Bei einem, der was kann, hätt ich keine Chance, aber ansonsten. Wenn die Bewegung richtig ist und aus der Hüfte und Kraftumdrehung kommt, entwickelt sich auch bei kleinen, leichten Personen eine ganz erstaunliche Wucht und ich kann Schläge aufnehmen, ohne dass ich aus dem Gleichgewicht komm. Und wie gesagt, ich kann wirklich nur ein winziges bisschen. Als ich mal lang nichts machte und dann musste, war ich sehr überrascht, weil sich der Bewegungsablauf im Hirn wohl gespeichert hatte, wie bei Fahradfahren oder Schwimmen. Das war ein unerwartbarer Angriff von der Seite, von jemandem, der mich hindern wollte, den überkochenden Topf, den ich grad von der Herdplatte zog, anzufassen. War schon gefährlich, bei Gerangel hätt das wegen dem kochenden Wasser schief gehen können. Die Drehung und Schubs kam so schnell und war so stark, dass der jemand zwei Meter flog.

Und wenn du es bis zu deinem Ableben irgendwann niemals brauchst ist es noch besser.


Ha, wusste ich doch schon immer: Kampfemanze

Ja, Danke. Gut, ich gebs zu, Kampfemanze selbst in der Küche ;-)

Grüße von Raunacht

Kettenfaustschläge

zaunreiter, Donnerstag, 19.03.2015, 15:28 vor 3968 Tagen @ Bär (1804 Aufrufe)

Zu den Kettenfaustschlägen im WT ist zu sagen, daß sie keinesfalls mit steifem Oberkörper ausgeführt werden dürfen. Es soll eine weiche fließende Bewegung bleiben. Der Oberkörper ist zu allen Bewegungen weich zu halten, während die Körperpartien ab der Hüfte abwärts einen festen Sockel bilden. In dieser Konstellation ist es nicht möglich, den Verteidiger um 90° zu drehen.

Kreisförmige Bewegungen gibt es im WT meines Wissens nicht und sind im Straßenkampf so gut es geht zu vermeiden. Der bogenförmige Schlag unterliegt stets dem Schlag auf kurzem Wege. Etwaige Erfolge von Haken, Schwingern und kreisförmigen Tritten liegen rein in der Überraschung begründet. Eine Ausnahme ist wohl der Feger aus dem Muay Thai, mit dem sich stets gute Überraschungsmomente erzeugen lassen. :-D

Kettenfaustschläge werden bis zur ersten Stufe im WT intensivst geübt, zur Körperertüchtigung und zur Festigung des geraden Faustschlags. Die Orientierung der Schläge zur Körpermitte des Gegners sind nur dazu da, sich der Verteidigungslinie klar zu werden. Mit den höheren Stufen im WT werden die eigentlichen Ziele am Gegner bekannt.

Faustschläge und Tritte werden idealerweise an Sandsäcken, an Wandsäcken und mit Hilfe von "gepolsterten Gegnern" ausgehärtet. Dabei gehen die Schläge durch den Gegner hindurch und dürfen nicht am Gegner stoppen. Die so entstehende Wucht unterscheidet sich signifikant.

In der WT-Schule, in der ich trainierte, wurde wiederholt ein extra Unterrichtsblock "psychischer Streß" abgearbeitet, bei dem es alleine darum ging, verbale Vorangriffe kennen- und verstehen zu lernen. Also zum Beispiel das Anschreien. Obwohl klar war, daß es eine Trainingssituation ist, war alleine das Anbrüllen auf kürzester Distanz für einige der Trainierenden psychisch zu viel, so daß sie das Training abbrechen mußten.

Und so ist es auch auf der Straße: dem tätlichen Übergriff geht in der Regel ein Vorspiel voraus, daß im Vorhinein bereits den Kampf entscheidet! Im WT werden diese Dinge trainiert und das ist sehr wertvoll.

Ich habe zwei bewaffnete Überfälle überlebt, wohl mehr mit einer guten Portion Glück als mit einer besonderen Abwehrtechnik. Und ich habe dutzende Schlägereien auf der Straße überstanden. Aus dieser Erfahrung heraus, kann ich mit Fug und Recht sagen, daß ich neben dem Ringen das Wing Tsun als äußerst praxisnahe Kampfkunst erachte.

Am allerbesten ist noch Tek-Renn-Weg. Denn wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Also regelmäßig laufen gehen.

Gruß
Bernhard

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