Hallo, Lieselotte,
vielen Dank für Deine Gedanken zum Thema.
Lange war ich der Ansicht, dass man nur deswegen alleine durchkommen kann, weil eben nicht jedes Mitglied einer Familie oder einer selbst gewählten Zweckgemeinschaft im Ernstfall den notwendigen Mut aufbringen wird, sich zu wehren.
Nicht aus Feigheit, sondern aus gutmenschlicher Verweichlichung, die den seit Jahrtausenden vorhandenen, ganz natürlichen Wehrwillen gegen Unrecht seit Jahrzehnten dekadent zerfrisst. Skrupel zu Momenten, in denen sie absolut fehl am Platze sind.
Wenn ich erst darüber nachdenke, ob ich mich wirklich echt, also ganz real, live, so richtig real wehren darf, wenn ein Angreifer auf mich zustürmt, ist das zu spät.
Wird eine/r als Geisel genommen, haben die anderen ausgespielt.
Verhindern kann man das nur, indem man sich nicht auf andere abstützen muss.
Aber, wie Du sagst, und auch BB schon betont hat, irgendwann muss man mal schlafen. Oder man wird ausgeräuchert.
Es war mir früher nie verständlich, dass man es mit mehr als nur 2,3, maximal 4 Leuten zugleich zu tun bekommen könnte. Jetzt sehen wir, das war falsch, man kann auch a la Ruanda mit einem Ansturm von Dutzenden oder Hunderten konfrontiert sein. Das wäre alleine völlig unlösbar.
Das einzige, was mir dazu einfällt, ist eine Mimikry-Strategie - mach Dich und Dein Umfeld so unsichtbar wie möglich, so unansehnlich, wie möglich, und sorge beim Betrachter Deiner Wohnstätte für ein Gefühl des Unbehagens, des Angewidertseins, des Weitergehen-Wollens.
Am Arbeitsweg komme ich an toll gepflegten Einfamilienhäusern vorbei, 1a Gärten, blitzblanke Fassaden, liebevoll in Schuss gehalten.
In vielen davon wurde bereits eingebrochen, zum Teil mehrfach.
Ein Haus sticht von weitem heraus...es wurde zwar technisch fertiggestellt (Dach drauf, Fenster drin), aber es fehlt der Aussenputz, man sieht die Mauersteine.
Die Rolläden hängen schräg, weil defekt, in den Fensternischen, und rund um Haus ist alles mit Gerümpel vermüllt. Alte Fahrräder mit platten Reifen, alte Autowracks, jede Menge Holzpaletten, die der stets unsichtbare Besitzer wohl zu verheizen gedenkt, dazu ein altes Trimmdich-Fahrrad an der Hauswand lehnend, ein kaputtes Bügelbrett, irgendwelche Kleidungsstücke hängen unterm Balkon an einer Wäscheleine.
Es ist nicht verlassen, wie es scheint, nur ist der Bewohner ein Messie.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass dort jemand einbrechen möchte und im Müll herumwühlen.
Man muss also völlig umdenken, was vor 20-30 Jahren galt, ist seit 1-2 Jahren völlig umgekrempelt und nicht mehr existent.
Bloss nicht auffallen, unterm Schirm bleiben, nichts aufweisen, was "deren" Interesse wecken könnte - aber sich auch nicht als wehrloses Opfer darstellen. Man muss wohl in der Mitte bleiben.
Zugleich natürlich Abschreckung erzeugen durch eine sichtbare Alarmanlage, und wenn man alleine in einem freistehenden Haus wohnt, hilft es auch, ein zweites Auto anzuschaffen, so dass immer eines herumsteht und auf einen anwesenden Bewohner hindeutet.
Wenn auch das noch nicht hilft, ist man auf kreative Ideen angewiesen, wie man es Eindringlingen in der Wohnung schwer machen kann (Stolperfallen etc.). Das Problem ist, dass sie notfalls keine Feuerwehrmänner gefährden dürfen, die im Falle zur Hilfe kämen, wenns brennt.
Gegen Einbruch fälltr Stacheldraht extrem auf, es macht neugierig. Sieht man hier höchstens vor stark bewachten Konsulaten. Den gleichen Effekt hat aber auch ein dichtes Brombeergestrüpp, welches verhindert, dass jemand von der Seite oder hinten ans Haus durchkommt.
Natürlich sieht das völlig versifft aus, aber mir wäre das egal, solange es den von mir gewünschten Nutzen hat.
Wenn die NAhcbarhäuser einladend sauber und adrett aussehen, wieso sollten sich die sich bereichernden Kulturbereicherer gerade um eine Siffburg kümmern?
In Eigentumswohnungen kannst Du halt wenig lagern (Wasservorrat), und ein einziger unpassender Bewohner reicht, um Dir das Problem ins Haus zu holen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem 9er oder 12er Wohnblock eine Wohnung von Dödeln bewohnt ist, ist leider sehr gross.
Und wohnt man in einem zwei- oder Dreifamilienhaus, sind es wieder zu wenige Leute, um die Mindestmannstärke zusammen zu bekommen.
Wie gesagt, ein verdammt schwieriges Thema.
Vermutlich hilft ein Blick nach Südamerika und Südafrika oder die Unmöglichen Staaten, wie die mit der Bedrohung umgehen.
Hier noch ein zeitnaher Link zum Thema (von heute):
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=365566
Beste Grüsse vom Baldur