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Ein Bauer aus der Heide bei Münster (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Montag, 05.10.2009, 15:36 (vor 6066 Tagen) (4314 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Montag, 05.10.2009, 15:53

Hallo!

Wenn ich mich nicht irre, wurde diese Quelle noch nirgends vollständig zitiert.
Eigentlich wollte ich direkt aus der Urquelle - Alfons Konzionator, "der kommende große Monarch" von 1920, der vermutlich auch als Vorlage für Teile des Lindeliedes herhalten mußte - zitieren, aber nachdem ich aus Zeitmangel noch nicht dazu kam, mir das alte Buch anzuschauen, tippe ich den Text einfach aus der Neubearbeitung durch Kl. Leopold von 1992 mit demselben Namen ab. Gegebenenfalls reiche ich die Urfassung nach, sofern sie sich von der folgenden unterscheidet. Interessante Aussagen wurden von mir fett hervorgehoben. Die Anmerkungen in runden Klammern stammen vermutlich von Konzionator selbst.

In der Heide bei Münster i. W. (die Heide ist nördlich von Münster, nicht weit von Greven; in der Nähe fließt die Ems) lebte ein Bauer, der jahrzehntelang in Freundeskreisen Gesichte erzählte, die er von seinem verstorbenen Vater erfahren hatte. (Daß die hier erwähnten Gesichte von dem um 1838 in der Heide bei Münster i. W. verstorbenen Bauer Jan Hinnerk Decker stammen sollen, wie Leute in jener Gegend meinen, ist nicht gut möglich, weil damals in Münster noch kein Bahnhof war. Man beachte den Text der Weissagung.) Im Jahr 1911 erzählte dieser Bauer – er war damals etwa 40 Jahre alt – einem dem Verfasser dieser Schrift bekannten Herrn, von dem er auf dem Feld während des Pflügens interviewt wurde, folgendes:

„Wie mein Vater gesagt hat, dauert es nur noch drei bis vier Jahre; da wird ein furchtbarer Krieg entstehen. In diesem Krieg wird Deutschland allein sein und es wird unterliegen. Der Krieg wird beiläufig vier bis fünf Jahre dauern. Das merkwürdigste aber: Wenn der Krieg zu Ende sein wird, wird immer noch Krieg sein (die Besetzung deutschen Gebietes durch die Franzosen, Engländer und Belgier war eine Art Kriegszustand) und die schlimmste Zeit wird erst nach dem Krieg kommen.
Nach einigen Jahren wird es wieder losgehen und dann wird über Deutschland noch größeres Elend kommen als im großen Krieg.“
–
„Hernach wird eines Tages ein Mann mit weißem Bart von Rheine und Emsdetten auf einem Schimmel nach Münster geritten kommen. Er wird dort an einem weißen Haus mit rotem Dach, das zusammengeschossen sein wird, vorbeikommen.“
Auf die Einwendung: „Dort steht aber doch ein rotes Ziegelhaus mit schwarzem Dach“ antwortete der Bauer:
„Wenn das eintreten wird, was ich erzählt habe, wird aber dort ein weißes Haus mit rotem Dach stehen. Das hat mein Vater immer gesagt.“ (Um 1930 stand bereits an der betreffenden Stelle ein neues Haus mit rotem Dach!)
[Anm. Taurec: Das stammt sicher aus einer späteren Konzionatorauflage.]
„Und neben dem Mann werden allerlei Leute einherlaufen, aber Uniformen werden nicht dabei sein. Wenn das passiert, haben wir überhaupt keine Soldaten mehr.“
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„Und der alte Mann auf dem Schimmel wird an der Emsbrücke sein Pferd beschlagen lassen. Der Schmied hat nur ein Auge.“
Auf die Einwendung: „Aber der Schmied hat doch zwei Augen und das Pferdebeschlagen besorgen doch seine zwei Söhne“ entgegnete der Bauer:
„Wenn das passieren wird, hat der Schmied keine Söhne mehr und dann auch nur ein einziges Auge. So hat mein Vater immer gesagt.“
(Die zwei Söhne des Schmieds sind bei Lüttich gefallen und dem Schmied ist ein glühender Funke ins Auge geflogen; er wurde also einäugig.)
–
Auf die Einwendung: „Aber wir haben doch Millionen Soldaten und einen Kaiser in Berlin“ entgegnete der Mann:
„Dann ist kein Kaiser mehr dort. Der alte ergraute Mann auf dem Schimmel, das ist ja der Kaiser Wilhelm. Der kommt von Holland und zieht nach Münster, wo er auf dem Schloß wohnen wird. Er zieht über die Kanalstraße, den Kördeplatz und den Prinzipalmarkt. Es ist aber kein Triumphzug; es ist ein trauriger Zug. Die Leute grollen ihm, aber er bekommt immer mehr Anhänger. Ja, das ist der Kaiser Wilhelm.“
„Und vom Schloß kann er durch Münster hindurchsehen bis zum Bahnhof.“
Auf die Einwendung: „Das geht doch nicht. Es liegen ja viele Häuser und der Dom dazwischen“ entgegnete der Bauer:
„Das Domdach ist dann ganz zusammengeschossen, und wo sind die Häuser! Es wird vieles kaputt gehen.“
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„Von Münster wird der Kaiser gegen Hamm und Soest reisen. Dort wird er mit unserem Oberkommando zusammenkommen. Zu sagen hat er aber nichts mehr. Auch die Franzosen werden von der Weser kommen und zum Rhein zurückgehen und unser Volk wird dahinter herziehen. Dann werden sie ins Industrierevier gelangen; dort ist alles kaputt. Aber die Franzosen
müssen hinaus. Andere Völker helfen uns dabei; denn jene sind bei allen Nationen verhaßt.“
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„Und dann kommt der graue Mann nach Köln. Dort wird ein anderer Kardinal sein. Der wird den Kaiser auf der hohen Treppe vor dem Dom empfangen und ihn hineinführen. Dort wird ein großes Te Deum gehalten werden; denn in dem Dom ist auch der neue Regent von Deutschland. Das ist nicht der Kaiser Wilhelm. Dieser ist ein alter gebrochener Mann. Der neue Regent aber ist ein hoher fürstlicher Herr; er bekommt die Reichskrone unter Jubel und Te Deum. Der Kaiser Wilhelm verzichtet noch feierlich im Dom auf seine frühere Würde.“
Auf die Frage, ob der neue Monarch katholisch sein wird, entgegnete der Erzähler:
„Warum dürfte er nicht katholisch sein?“
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Anmerkungen:
1. Der Mann auf dem weißen Pferd stammt offensichtlich aus der Birkenbaumsage (von 1849):

"Dieser Fürst wird von Mittag kommen. Er trägt ein weißes Kleid mit Knöpfen bis unten hin. Er trägt ein Kreuz auf der Brust, reitet auf einem Schimmel und steigt von der linken Seite auf das Pferd, weil er mit einem Fuße hinkt. Dieser Fürst wird so kühn sein, daß ihm niemand widersteht. Er wird Friedensstifter sein."

Daß der Mann, der von der linken Seite aufs Pferd steigt, als Wilhelm II. gedeutet wurde, geht vermutlich auf die linksseitige Armlähmung Wilhelms II. zurück. Damit kann man Wilhelm II. ohne weiteres komplett aus der Prophezeiung herauskürzen und durch "Unbekannt" ersetzen. In diesem Teil wurde vom Bauern ohnehin nur die Birkenbaumsage aufgegriffen.

2. Wenn die Aussagen wirklich von 1911 stammen, bzw. 1920 ebenso abgedruckt sind, ist das die erste Quelle, die von der Kaiserkrönung in Köln spricht! Alles spätere, Kugelbeer und der Pfarrer aus Baden (1923, bzw. 1949 veröffentlicht) könnten dann auf Konzionator (1920) zurückgehen. Dafür spricht vor allem die Aussage, daß ein alter Herr auf alle Rechte abdankt, was genau so beim Bauern aus der Heide vorkommt.

3. Daß wir keine Soldaten haben, entspricht eigentlich unserer Zeit mit der Bundeswehrreduzierung. In Weimar hatten wir zumindest nocht 100.000 offizielle Soldaten und 400.000 in Freikorps.
Die Aussage heißt einfach, daß der Anteil deutscher Soldaten im kommenden Geschehen wohl verschwindend gering sein wird.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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