Guten Morgen,
Taurecs Beitrag über den "spinnaden Schuster" hat mich zur Anmeldung
bewogen. In der Tat wars in der "Vorfernsehzeit" so, dass sich die
Menschen ganz allgemein mehr mit sich und ihrer nächsten Umgebung
beschäftigten. So gab es überall Menschen, denen man nachsagte, sie
könnten "mehr als Brot" essen. Diese Fähigkeiten werden uns allen in die
Wiege gelegt, aber nur wenige können sie nutzen. Dazu braucht man Musse
und innere Ruhe. Dinge, die es in der heutigen Zeit der Reizüberflutung
kaum noch gibt.
In einem menschlichen Leben kann sich nur erfüllen, was man sich erträumt,
erhofft, oder leider auch befürchtet. An Prophezeiungen zu glauben ist eine
Sache, zu ahnen, wie sie funktionieren könnten, eine andere. (Wer immer nur
glaubt, wird niemals wissen - stimmts?)
Wer hat sich in seinem Leben nicht schon etwas ganz intensiv gewünscht, so
lange, bis der Wunsch aus irgend einem Grund ad acta gelegt wurde, und
dann, viel zu spät, ging der Wunsch in Erfüllung? Neulich waren meine
Tochter und ich zufälligerweise auf dem Rummel. Weil der Verkäufer einer
Losbude so witzig war, kauften wir eine Handvoll Lose, und prompt hatte
meine mittlerweile erwachsene Tochter den Hauptgewinn. Nun wusste sie gar
nicht, was sie sich unter all den Plüschtieren und komischen
Prozellanfiguren aussuchen sollte. Sie meinte, als kleines Kind hätte sie
sich nichts sehnlicher gewünscht, als sich etwas an so einem Stand
aussuchen zu dürfen, aber jetzt wüsste sie nicht, was sie damit anfangen
soll. Sie entschied sich dann für einen Riesentiger, den sie später einer
Familie mit kleinen Kindern schenkte. Dies ist nur ein Beispiel für die
Kraft der entlassenen Wünsche. Alle Menschen, die ich kenne, haben
Ähnliches erlebt. Sei es, dass der ehemalige Wunschpartner plötzlich vor
der Türe stand, als man sich neu verliebt hatte und nicht mehr an ihn
dachte, oder Frauen plötzlich schwanger wurden, als sie den Kinderwunsch
abgeschrieben und sich einen Hund angeschafft hatten, etc. etc.
In meinen Träumen habe ich meine Kinder lange vor ihrer Geburt sehr
deutlich gesehen. Für mich das Wichtigste in meinem Leben, für die
Allgemeinheit völlig uninteressant. Allerdings habe ich auch den Fall der
Berliner Mauer schon in den 70er-Jahren gesehen, aber geglaubt hat es
damals keiner. Wieder mal typisch: Wenn kein Schwein mehr daran glaubt,
gehts in Erfüllung. (Hier möchte ich gerne ein Smiley setzen, weiss aber
nicht, wie's geht.)
Auch Ängste beinhalten riesige Kräfte. Im Leben vieler Menschen erfüllen
sich mittlerweile keine Träume mehr, sondern nur noch ihre Ängste. Die
Mächtigen dieser Welt schüren die Ängste gezielt, denn ängstliche Wesen
haben keine Macht. Manche Leute fürchten sogar ihren eigenen Körper (als
ob dieser nichts Schlaueres zu tun hätte, als Krankheiten zu
produzieren...). So ist es ein Leichtes, für die Zukunft viele Krankheiten
zu prophezeien. Spätestens mit dem Tod werden diese Energien frei gesetzt,
da auf diesem Planeten nichts verloren geht.
Zwar lobe ich mir jeden, der mit der aktuellen Situation unzufrieden ist,
aber: Der Wunsch nach Veränderung sollte von positiver Neugierde geprägt
sein, so ähnlich wie danals, als ich vor Neugierde in Bezug auf eventuelle
Kinder beinahe platzte. Natürlich erwartete ich nur das Beste, und so wars
denn auch!
Wichtig für die Zukunftsgestaltung ist aber auch Dankbarkeit. Hand aufs
Herz: Haben wir im Laufe der Geschichte in Sachen Gerechtigkeit nicht viel
erreicht? Da ich Teil des einfachen Volkes bin, kann ich für diese
Errungenschaften unserer Vorfahren nur dankbar sein, auch wenn noch vieles
im Argen liegt.
Auch ich sehe grosse Zerstörungen kommen. Wie viele Mitmenschen begrüsse
ich diese sehr, weil nur dann etwas grundlegend Neues, Besseres, entstehen
kann, auch wenn ich weiss, dass ich dabei mein Leben lassen werde. Ich sehe
mich schon im nächsten Leben mit einem silbernen Stab Gewässer reinigen,
und darauf bin ich auch sehr neugierig. Ausserdem kommt ein relativ frühes
Äbleben meiner Psyche sehr entgegen, da ich grossen Wert auf körperliche
Fitness lege (um nicht von Eitelkeit zu sprechen).
Das Vorsorgen für die Zukunft ist auch so eine Sache: Besteht das
Grundmotiv aus Angst, wird alles schief gehen. Angst war noch nie ein
guter Berater. Besteht das Grundmotiv aber aus Neugierde und Hoffnung auf
eine bessere Zukunft, dann wird es auch klappen.
Wenn Euch meine Gedanken nicht zu abwegig scheinen, würde ich mich gerne
ab und zu am Forum beteiligen. Zu den Vielschreibern werde ich aus
zeitlichen Gründen aber nicht gehören.
Viele Grüsse
Tamara