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Quelle nicht auffindbar, Sprache passt nicht zu 1937 (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Samstag, 22.05.2010, 14:42 (vor 5143 Tagen) @ Franz Liszt (4666 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Samstag, 22.05.2010, 15:00

Hallo!

Die Quelle wurde bis heute noch nicht gefunden. So lässt sich der Text nur bis 1969 zurückverfolgen.

Vor allem haben wir als Quellenangabe für 1938 nur den deutschen Titel des Magazins: "Weissagungen für die Zukunft"
Ich konnte nirgendwo eine englische Angabe finden, von der sich der deutsche Titel abgeleitet haben könnte. Das ist mehr als seltsam. Offenbar gibt es diese Angabe im Englischen gar nicht.
Dann hat sich das ein Deutscher Ausgedacht, als die Sache nach Deutschland kam?

Hier ist der Text auf Englisch, Deutsch und Spanisch:
http://www.rainbowanchorstone.de/html/joe_brandt.html

Tatsächlich findet sich die "Quellenangabe" für 1938 nur in der deutschen Version. Der Absatz ist in den anderen beiden Sprachen nicht vorhanden. Warum wohl?

Im englischen Internettexten, die angeblich aus der "Living Water. Vol. 1X, No. 2. 1969" stammen sollen (daß es die jemals gab, wurde nur von Basey bestätigt), wird jedenfalls nirgendwo behauptet, der Text sei 1938 bereits veröffentlicht worden, sondern er sei von Brandt dem Herausgeber gegeben worden, "as he wrote it in 1937, in boyish handwriting", also als Handschrift.

Daß 1969 jemand schreibt, die Sache sei noch älter, beweist gar nichts.

Bei Prophecies hat Michael McClellan außerdem mal die Sprache analysiert:
http://prophecies.us/yabb/YaBB.pl?num=1208415318

Englisch:
„Then slowly, like the silver screen of the "talkies", but with color and smell and sound, I seemed to find myself in Los Angeles“

Deutsch:
„Dann langsam wie Schwarzweiß-Stummfilme aber mit Farbe und Ton. Ich schien mich in Los Angeles zu befinden“

„Talkies“ war eine Bezeichnung für die ersten Tonfilme, die 1937 schon aus der Mode war und allenfalls noch von älteren Personen benutzt wurde, zu denen Brandt jedoch nicht zu zählen ist. Das Wort fiel um 1931 aus der Mode. 1937 waren bereits Tausende Tonfilme und Serien produziert und das Medium auch Heranwachsenden geläufig, so daß die Verwendung diese speziellen Begriffes schon zu jener Zeit unzeitgemäß war.
Brandt schreibt „colour“ statt der amerikanischen Schreibweise „color“, was für einen Jugendlichen aus Kalifornien untypisch ist. Allenfalls in der englischen Kolonie Kanada wäre es verständlich, die sich jedoch von Kalifornien weit entfernt befindet. Darüber hinaus wird im englischen Text das Wort „tomorrow“ in der heutigen Schreibweise geschrieben. Im Jahre 1937 wurde es jedoch stets mit Bindestrich geschrieben: „to-morrow“.
Im Originaltext finden sich viele „Echolalien“, was die Wiederholung von Wörtern zur Steigerung der Dramatik meint. Zum Beispiel:

Englisch:
„There was that sound again. that lack of stillness. Stillness, stillness, stillness.”

Deutsch:
„Ich bemerkte, da war eine Ruhe, eine Art von Stille, als ob man Stille hören könnte.“

Englisch:
"The buildings were holding, better than you could believe. They were holding. They were holding ... Everything else breaking around them, and they were holding, holding. I was up over them -- looking down. I started to root for them. Hold that line, I said. Hold that line. Hold that line."

Deutsch:
„Die Gebäude hielten besser als man es glauben würde, sie blieben stehen. Die Menschen, die die Gebäude sahen, versuchten, sich an ihnen festzuhalten oder in sie hineinzukommen. Es war phantastisch, so als ob ein Gebäude einen eigenen Willen hatte. Alles andere um sie herum brach, aber sie hielten, hielten. Ich war über ihnen und schaute hinunter. Ich fing an, sie anzufeuern und sagte: ‚Haltet fest, haltet fest.’“

Amerikanische Autoren benutzten dieses Stilmittel seit den Fünfzigern und frühen Sechzigern. Es wurde schließlich von Drehbuchautoren in Filmdialogen verwendet und bis in die Siebziger Jahre hinein auch in Comicbüchern und illustrierten Science-Fiction-Magazinen. Darüber hinaus machten es sich viele unerfahrene Autoren als einfaches Mittel zur Steigerung der Dramatik zunutze. Die Verwendung in einem Traumbericht wirkt ebenso deplaziert wie das Vorkommen in einem Text, der angeblich von 1937 stammt. Das weist auf eine Entstehung in den Sechzigern hin.

Somit ist die Aussage des Herausgebers, Brandt habe es ihm gegeben, "as he wrote it in 1937, in boyish handwriting", völlig unhaltbar.

Der Text ist mit ziemlicher Sicherheit erst in den 60ern geschrieben worden.

Und weil sich inhaltliche Details problemlos auf die 60er beziehen lassen, ist das Erdbeben wohl ein "Hoax".

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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