Unbrauchbarkeit mystischer Aussagen (Schauungen & Prophezeiungen)

Baldur, Sonntag, 15.04.2012, 15:50 (vor 5309 Tagen) (2627 Aufrufe)

Hallo, zusammen,

ich möchte mal konstruktiv ein Beispiel zur Begründung bringen, wieso ich grundsätzlich davon ausgehe, daß *Erscheinungs-Prophezeiungen* für Forschungszwecke (nicht nur) in unserem Zusammenhang (Zukunftsverlauf) völlig nutzlos sind.

Meine Oma, Kriegerwitwe, fand eine Anstellung als Haushälterin und später Pflegerin eines dort ortsansässigen *Honoratioren*. Gewerbetreibender halt, geachtet und geschätzt, nach außen hin jedenfalls.

Als er starb (er starb zuhause eines natürlichen Todes infolge hohen Alters), berichtete er meiner Oma, *da, schaug hi, da kemmans, die Teifln, da, da steht scho der erscht......etz kemmans.....*

Zweifellos eine mystische Wahrnehmung dieses Mannes.

Ich kann nicht beweisen, daß ihn keine Teufeln abgeholt haben. Aber ich bestreite, aus dieser Wahrnehmung heraus folgern zu müssen, daß Sterbende grundsätzlich von Teufeln abgeholt werden.

Wie schon mal früher geschrieben, ist es aus der Hypnose (veränderter Bewusstseinszustand !) bekannt, daß Probanden fast immer das erleben, was sie erwarten - die Erwartungshaltung ist grundlegend und maßgeblich.

Besagter Versterbender wußte 1948 von der bevorstehenden Währungsreform und sah zu, möglichst alles Geld noch sinnvoll loszuwerden, worauf seine Geschäftspartner bald auf den wertlosen Zetteln und im Elend saßen, und der den Reibach gemacht hatte. Als Einwohner einer zutiefst katholischen Gegend (Niederbayern) darf man annehmen, daß er sich aus diesem Kontext so seine Gedanken gemacht haben dürfte, und eine Erwartung (schlechtes Gewissen) vorhanden war.

Soweit diese Anekdote. Sie hat sich so zugetragen, aber Allgemeingültigkeit kann doch wohl allen Ernstes nicht angenommen werden. Von dem Sektenangehörigen, der berichtete, der Leibhaftige sei ihm im Schlafzimmer erschienen, habe ich ja auch neulich mal berichtet - ich nehme ihm diese Wahrnehmung völlig ab, aber führe sie natürlich auf sein tagtägliches Beschäftigen mit dieser Thematik zurück.

Nicht umsonst werden Schauungen und Träume von Leuten als glaubwürdiger beurteilt, die sich zuvor noch nicht mit dieser Schauungs-Thematik befasst hatten, und die Literatur kennen.

Ein zweites Beispiel: mein Opa wurde Opfer eines Verkehrsunfalls und lag lange auf der Intensivstation - zu einer Zeit, in der es weit weniger Privatsphäre gab als heute. Mein Vater berichtete mir, daß ein danebenliegender Patient ihn während eines Krankenbesuches dringlich bat, er solle doch bitte sein Geld nehmen und ihm schnell eine Fahrkarte kaufen, er müsse jetzt unbedingt zum Zug......worauf er kurz später verstarb.

Ich will überhaupt nicht bestreiten, daß dieser Mann die Wahrnehmung hatte, jetzt für seinen bevorstehenden Weg eine Fahrkarte zu brauchen. Aber ich bestreite, daß Versterbende grundsätzlich Fahrkarten besorgen müssen. Es stellte sich dann heraus, daß der Mann Schaffner von Beruf war. Also schon wieder der persönliche Erwartungskontext, der die Handlung bestimmt, zumindest einfärbt und formt.

Wenn jemand von einer religiösen Erscheinung berichtet, behaupte ich nicht, daß diese Person grundsätzlich lügt - nur behaupte ich, daß jemand mit völlig anderer Einstellung und Herkunft in gleicher Situation etwas anderes wahrnehmen würde. Und daß hieraus auch nichts abgeleitet werden kann, das für alle gelten würde.

Auf sonstige Auffälligkeiten (wieso werden fast immer bettelarme, ungebildete Kinder als Opfer herausgepickt, und nicht etwa Lehrer, Ärzte oder Schriftsteller ? Brauchen Erscheinungen einen leichtgläubigen, unkritischen Geist, um nicht als bloßer Spuk entlarvt zu werden ? Sinnfragen: worin liegt der Sinn von Bußfertigkeit ? ) gehe ich daher gar nicht mehr ein. Bei der Recherche stieß ich in Wikipedia auf eine angebliche Marienerscheinung in Graubünden 15hundertnochwas, die sich über das fürchterliche Lasterleben der dortigen Gebirgsdorfbewohner beschwert haben soll. Angesichts der heutigen Alltagsrealität muß sich die Frage stellen, worin diese fürchterlichen Sünden denn bestanden haben sollen, die eine Erscheinung erforderlich machten, andererseits aber durch Prozessionen besänftigt werden konnten ....usw. das würde auf eine sehr fragwürdige himmlische Gerechtigkeitsvorstellung hinweisen).

Daher bin ich sicher, daß uns Aussagen von normalen Leuten, die für eingetretene Vorhersagen, Träume und Schauungen bekannt sind, weiterbringen, auch wenn wir den Mechanismus erst herausfinden müssen, daß uns aber Prophezeiungen, die ohnehin weder Sachaussagen (xyz wird passieren) noch Zeitpunkte enthalten, in keiner Weise voranbringen können, und nicht hierher passen.

Beste Grüße vom Baldur


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