Was ist Zeit? (Schauungen & Prophezeiungen)

Heron, Samstag, 27.07.2013, 03:06 (vor 4842 Tagen) @ BBouvier (2301 Aufrufe)

Hallo BBouvier,
Nichts gegen deine Grüße des Forumstigers. Aber tatsächlich ist das Verständnis des Wesens der Zeit ganz wesentlich für das theoretische Verständnis darüber, wie Präkognition überhaupt real sein kann.

Zustimmen möchte ich dir schon dahingehend, dass wir nicht Wissen oder vielmehr nicht Beweisen können wie Zeit erklärt werden kann. Tatsächlich beschreibst Du ja auch die Zeit als etwas für uns erfahrbares das wir in Form einer Beschreibung für uns zugänglich machen.

Aber dennoch muss es erlaubt sein, den Begriff der Zeit in eine Hypothese einzubetten, damit die Präkognition möglich ist. Ob die Hypothese nun stimmt, ist natürlich dann einer Diskussion wert.

Zunächst sind dir ja als Erfahrung "Schauungen" als präkognitive Ereignisse bekannt. Für die Hypothese nehme ich mal an, wir beschränken uns auf den Sonderfall einer konkreten Schauung, also vielleicht so etwas wie ein Film, der ganz gut vom Schauenden erzählt und detailliert werden kann.

Wir selbst sind in unserer Wahrnehmung auf die Gegenwart beschränkt und können mit unserem Gedächtnis auch die Vergangenheit beschreiben. Das ist natürlich etwas grob vereinfacht, weil die physikalische Wahrnehmung der Gegenwart durch unsere Sinne und die Verarbeitung im Gehirn sehr kompliziert ist und sich dafür nicht nur ein einziger messbarer Zeitpunkt ergibt. Die Zukunft existiert in diesem Kontext als Prognose, weil wir durch Extrapolation uns selbst eine Zukunft schaffen, die wir für wahrscheinlich halten. Als Stichwort sei hier Kausalität genannt.

Die Existenz von "Schauungen", die ein zukünftiges Ereignis ausreichend präzise für die Verifizierung beschreiben, wäre mit dieser Kausallogik unmöglich, wenn die Eintreffenswahrscheinlichkeit für die Schauung nahe bei 0 liegt.

Das ist nun wieder ein Knackpunkt, denn die Genauigkeit einer Entreffenswahrscheinlichkeit hängt von den bekannten Faktoren ab, die sind aber eigentlich niemals vollständig bekannt, wodurch Eintreffenswahrscheinlichkeiten immer geschätzt werden müssen. Somit ist allein deswegen schon kausale Logik auf die Zukunft projiziert reine Spekulation. Deshalb ist Präkognition tatsächlich auf dem Boden der Kausallogik möglich, indem die Eintreffenswahrscheinlichkeit eine Unbekannte bleibt. Diese eigentlich triviale Feststellung ist wichtig, weil sie den Widerspruch für unmöglich vorherzuwissende Ereignisse auflöst.

Wir sind gewohnt unsere Welt als Dreidimensionale Veranstaltung wahrzunehmen, erweitert um die Dimension der Zeit mit Vergangenheit und Zukunft. Wahrnehmen können wir aber immer nur eine einzige Zeit, die Gegenwart. Alles andere sind Produktionen unseres Gehirns. (Ob's da noch mehr Möglichkeiten gibt, will ich an dieser Stelle mal weglassen.) Wir können also einen Zeitverlauf gar nicht wahrnehmen, es sei denn wir lassen die Zeit nochmals neu ablaufen, wie in einem Film z.B. den man beliebig oft wiederholen kann. Eigentlich aber ist die Zeitdimension in dem Film immer schon präsent. Wenn ich den Anfang sehe, existiert das Ende selbstverständlich schon. Ich kann es auch nicht ändern. Aber während ich den Film anschaue, mache ich fortwährend Prognosen, wie der Film weiter verlaufen müsste.

Natürlich habe ich jetzt nicht erklärt, warum die Zeit überhaupt für uns einen Verlauf hat und warum wir uns dann nicht in ihr bewegen können, wie in einem Film z.B.. Das ist unbekannt.

Für mich ist es deshalb am ehesten akzeptabel den "Zeitfilm" als bereits feststehend zu betrachten. Ich weiß, dass ich den Menschen damit den freien Willen nehme und die Existenz von Verantwortung in Frage stelle. Deswegen reizt diese, eigentlich logische Konsequenz, wenn man Schauungen als präkognitive Ereignisse zulässt, sehr zu Kontroversen.

Natürlich kann man die Hypothese noch ausbauen und behaupten, dass, je weiter ein Ereignis in der Zukunft liegt, es deshalb auch um so weniger bereits festgelegt sei, weil das erst durch den konkreten Zeitablauf, so determiniert wird. Dann natürlich muss die Existenz von tatsächlichen Schauungen für eine ferne Zukunft verneint werden. Es ergibt sich hier das schwierige Problem, ob eine Schauung das tatsächliche Ereignis auch genügend unscharf beschrieben hat.

Meiner Meinung nach ist dieser Ausbau der Hypothese unzulässig, weil die Unschärfe hauptsächlich in der mangelhaften Wiedergabemöglichkeit des visuellen Eindrucks, den der Schauende hat, liegt. Für den Schauenden selbst, ist das Erlebnis ja nicht selten eher real als unscharf. Mit real meine ich, die beteiligten Sinne sind in der Schauung genau so angesprochen, wie in der Realität. Leider ist es möglich, dass dieser Eindruck nur von unserem Gehirn projiziert wird, so dass es an Gewissheit mangelt, wie detailliert eine Schauung denn nun tatsächlich ist.

Gruß von Heron


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