einige Betrachtungen zur geopolitschen Lage (Schauungen & Prophezeiungen)

WG, Freitag, 12.09.2014, 21:00 (vor 4430 Tagen) @ BBouvier (2881 Aufrufe)

Hallo BB,

"Ich rechne nur nicht damit, daß das Jahr "X" innerhalb der nächsten
sieben bis vielleicht fünfzehn Jahren stattfindet und mag mich da irren.
"

Begründung:
Ich rechne eben damit, daß sich alles noch eine ganze Weile
hinziehen wird.
Wie bisher.
"Abzuarbeiten" ist wahrscheinlich:
- der Kältesommer
- der Küstentsunami
- der Abfall Mitteldeutschlands
- 3-4 Jahre "Anlehnung" Mitteldeutschlands an Rußland
- der Bürgerkrieg in den USA
- der Finanzkollaps
- "Brüssel funktioniert nicht mehr."
- massive Unruhen im mediterranen Bereich
- USA handlungsunfähig
- die Großquerele im Vatikan

Das alles - so meine ich - ist schwerlich in einen Zeitraum
von weniger (!) als etwa sieben Jahren unterzubringen.
Und müßte darüberhinaus auch noch sogleich (!) mit etwas
relevantem beginnen, um die sieben Jahre überhaupt einzuhalten.

Zeiteinschätzung zur Weltenwende ist nach wie vor ein schwieriges Thema. Einerseits befinden wir uns in einer Finanz- und Wirtschaftskrise die seit Jahren andauert und in diesen Jahren nur eine Verzögerungspolitik betrieben wurde, weil es aus dem Dilemma keinen Ausweg gibt. Auf der anderen Seite konnte (und hat) sicher niemand damit rechnen, dass wir inzwischen einen passablen Wirtschaftskonflikt mit Russland haben, das für die EU ein nicht unwichtiger Handelspartner war. Das lässt sich auch nicht mehr zurückdrehen, die Schäden werden dauerhaft bleiben, was die Wirtschaftskrise nicht wenig verschäft. Ob das in Deinen Überlegungen aktuell eingeflossen ist, weiß ich nicht. Die bisherigen Instrumente des Hinauszögerns (Bürgschaften, Bankenrettungen, Gelddrucken) werden damit weiter enorm geschwächt.

Ferner ist vor einem halben Jahr nicht absehbar gewesen, dass der Dollar als Handelswährung ziemlich unter Druck gerät. Inzwischen hat die erste Clearingbank in Frankfurt eröffnet, an der Handelsgeschäfte direkt in Yuan abgerechnet werden können. Das ist nur ein Beispiel von vielen, das der "einzige Weltmacht" VSA und deren Hauptinstrument der Weltbeherrschung bereits zu schaffen macht. Zumindest perspektivisch. Das andere Hauptinstrument, die eigene Wirtschaftsmacht, ist durch die Deindustrialisierung der VSA ebenfalls im Vergleich zu früher stark angeschlagen, die asiatischen Konkurrenten sind auf der Überholspur. Das dritte Instrument, der Militärapparat ist extrem aufgebläht und verursacht immense laufende Kosten. Hierzu ist noch zu bemerken, dass ein Vergleich der Wehretats in absoluten Zahlen, der gerne betrieben wird, Unsinn ist, da ein beträchtlicher Teil Personalkosten in Armee und Rüstungsindustrie anfallen, die im Osten und Westen völlig unterschiedlich sind. Das nur nebenbei bemerkt.

Brzezinski sah gewisse Gefahren für die "einzige Weltmacht" strategisch voraus, u.a. einen Zusammenschluss der Gegner im asiatischen Raum. Das Bündnis SOZ dümpelte lange Zeit vor sich hin, nun sollen aber die vier Beobachterstaaten (Indien, Pakistan, Mongolei und Iran) aufgenommen werden, was eine weitere Bedrohung des Weltmachtstatus der VSA darstellt. Auch das Bündnis BRICS hat durch den Druck auf Russland ebenfalls an Fahrt aufgenommen und eigene Instrumente geschaffen (eigene Weltbank und Währungsfond). Sogar die Türkei hat eine Aufnahme in die BRICS signalisiert, was insofern brisant ist, da sie auch in der NATO ist. War da nicht etwas mit der Sache in der Türkei die da passiert und wo Deutschland nicht mitmacht? Anlass könnte hier das Projekt "Neuordnung des Nahen Ostens" sein, das gerade läuft und einen kurdischen Staat zur Folge haben soll, der unter NATO-Kontrolle steht. Ein nicht unerheblicher Teil befindet sich bekanntlich in der Türkei. Hier bahnt sich ein interessantes Konfliktpotential an.

Diese Beispiele könnten noch ausgiebig weiter geführt werden, sollen aber genügen, um zu erkennen, dass allein im letzten halben Jahr sehr viel passiert ist, was zwar noch keine großen realen Auswirkungen hat, aber diese vorbereitet und eine klare Tendenz zeigt. Noch steht die EU scheinbar fest hinter den VSA, aber auch hier gibt es Indizien, die einen kommenden Bruch anzeigen könnten. Vor allem die Tatsache, dass die Sanktionen gegen Russland einzig der stark angeschlagenen EU schaden.

In Deiner Liste oben sind wesentliche Marken der Weltenwende aufgeführt, die jedoch zum Teil innerhalb der 3-4 Jahre "Anlehnung" Mitteldeutschlands an Rußlands liegen (können). Z.B. Kältesommer, Brüssel funktioniert nicht mehr, Bürgerkrieg VSA ....

Auch die 3-4 Jahre "Mitteldeutschland" sind allein auf Grund einer Quelle belegt und daher kein fester Meilenstein, obwohl ich diese für durchaus veritabel halte. Das Ganze beginnt mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Finanzzusammenbruch und wird durch die erste Naturkatastrophe schlagartig verstärkt. Hier haben wir eine weitere Unsicherheit, wie groß der Abstand dieser beiden Ereignisse sein mag. Aber, es könnte immerhin auch sein, dass der endgültige Finanzzusammenbruch erst mit der ersten Naturkatastrophe beginnt, und wir bereits in der Anfangsphase des geschauten finanziellen Zusammenbruchs stecken. Sowohl in Europa, als auch in den VSA.

Wenn wir davon ausgehen, könnte das auf Schauungen basierende Minimum an Zeitdauer bis zum Jahr X auch nur noch 4 Jahre dauern (Tsunami nächstes Jahr, drei Jahre "Mitteldeutschland"). Das ist das absolute Minimum, was mir jedoch auch etwas unrealistisch erscheint. Wie es scheint, läuft den VSA die Zeit davon und diese wird, um dem drohenden Untergang zu entgehen, die Sache beschleunigen. Kommt dazu, dass es seit Syrien nicht mehr so zu laufen scheint, wie man sich das wohl vorgestellt hatte. Das ist ein weiterer Aspekt für eine Beschleunigung in nächster Zeit. Dies sollte bei einer Einschätzung der möglichen zeitlichen Entwicklung berücksichtigt werden. Selbstverständlich gibt es viele Faktoren, die das Ganze auch wieder entschleunigen können, wie taktische Rückzüge der VSA um Kräfte zu sammeln, nur als Beispiel.
Aber ehrlich gesagt schätze ich eine Eskalation, ab dem Punkt in dem sämtliche Erfolgsaussichten für die VSA zusammenbrechen, als wahrscheinlicher ein. Das Problem ist der nur noch scheinbar vorhandene Reichtum des Westens (vom moralischem Reichtum mal ganz abgesehen), der das Kartenhaus eher zusammenbrechen lassen könnte, wie wir heute denken. Das vorhandene Pulver wurde doch längst im Zuge der "Rettungsmaßnahmen" verschossen. Das soll im Übrigen kein Kreischer sein, sondern lediglich eine Minimumbetrachtung. Genauso wie vor einem halben Jahr niemand mit der jetzigen Situation gerechnet hat ("neuer Kalter Krieg"), kann es zu Ereignissen kommen, die das Ganze noch verzögern, die wir ebenfalls nicht auf dem Schirm haben. Wir schwimmen also nach wie vor. Sollten solche verzögernden Ereignisse jedoch nicht passieren, wäre für mich die denkbare Obergrenze in etwa 7 Jahre, auf Grund er jetzigen geopolitischen und wirtschaftlichen Lage.

Beste Grüße
WG

―
Das was nicht fliegt, kann auch gewaltig abstürzen!


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