Russisch (Schauungen & Prophezeiungen)

DvB, Dienstag, 03.03.2009, 11:35 (vor 6175 Tagen) @ Eyspfeil (3973 Aufrufe)

Moin!

Bin zwar kein Mitteldeutscher, kann da deshalb kein kompetentes
Urteil abgeben.
Russisch lernten viele in Mitteldeutschland in der Schule, weiß
dies von ehemaligen Kollegen, die nach Westdeutschland zogen,
wegen besserer Fortbildungsmöglichkeiten bzw. mehr Jobangebote.

Das war Pflichtfach ab der 5. Klasse. Trotz Ekel kann ich heut noch schätzungsweise 20 Vokabeln. :-D

Selbst die Kanzlerin höchstselbst kann Russisch.

Das kann ich mir lebhaft vorstellen. Mit Hochbumsen war ja wohl nix. :-P

Die Besatzungsmacht VSA war in Westdeutschland in den
Nachkriegsjahren als Befreier aufgetreten und verteilte
Bonbons, Eis und Cola an die Kinder, von den Militärfahrzeugen aus.
Weiß das von meinem Vermieter, der schwärmt noch heute
von den "freiheitsliebenden Amerikanern".
Natürlich wurde das gezielt propagandamäßig so geplant.
Anstatt wie drüben mit Kalaschnikows und KZs wurden wir
ganz sanft mit Hollywood und Cola erobert.

Dafür gabs in der Zone in der Nachkriegszeit den Spruch "Mitschurin hat festgestellt, daß Marmelade Fett enthält - doch das letzte bißchen Speck fressen uns die Russen weg." :-D

Im Untericht lernten wir aber als Kinder, daß die "Sowjetsoldaten" (nee, "Russen" sollten wir net sagen, das sei ein Schimpfwort) nach der "Befreiung" Gulaschkanonen hier aufgebaut hätten. Aber diese Propaganda ging natürlich ins Leere, denn welches Kind, das keinen Hunger kennt, hat schon irgendeinen Bezug dazu? Ich hatte mir das damals überhaupt bloß gemerkt, weil ich net wußte, was ne Gulaschkanone sein soll und das irgendwie für nen seltsame Russenmarotte hielt, im Frieden eben mit Gulasch rumzuballern. :-P

Aber man lernte frühzeitig, die Klappe zu halten. Ich fragte dann zuhause meinen Vater, der das (beides) dann richtigstellen konnte. *g*

Da von nur Moskau Druck und Zwang ausging, glaube ich kaum,
daß in der DDR die russische Sprache weder "hip" noch "in" war.

Nee, war sie auch net.

Sie wurde einfach von Studenten erlernt, um ihre Karriere-
möglichkeiten zu verbessern.

War, wie gesagt, für alle Pflichtfach. Und so besonderer Wert wurde auch nicht unbedingt drauf gelegt. Ich hatte z.B. in der 9. Klasse mit Hängen und Würgen ne 4 in Russisch und nen Durchschnitt von 2,0 - konnte aber in Nullkommanix ne Kalaschnikov zusammensetzen. Und damit wurde ich noch auf die Penne "delegiert", trotz dem der Mindestdurchschnitt dafür eigentlich 1,8 war. (Und das ganz ohne Vitamin B, Funktionäre in der Familie o.ä.)

Von Parteimitgliedern und Mitarbeitern des Spionage-Apparates
ganz zu schweigen, die hatten sogar mit Russen zu tun.

Nee, das war egal. In die Partei wurdest Du praktisch voraussetzungslos aufgenommen, wennste net grad der totale Assi, warst. Vorzugsweise Arbeiter (denn es war ja die "Arbeiterpartei") - und da sind sie Dir nach der Lehre eh gleich auf den Pelz gerückt, um Dich zu werben. Und ne Ablehnung war fast so phöse, wie wennste heute ne Distanzierung von NazisNazisNazis verweigerst. :-D

Bei Stasis weiß ichs nicht. Ich kannte einen, der da hinwollte. Der konnte aber auch net dolle Russisch. Wahrscheinlich auch egal. - Vllt. in den höheren Dienstgraden relevant.

Gruß, DvB


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