Hättest du das nicht besser an offtopic adressiert? (Freie Themen)

Ranma (らんま), Montag, 06.08.2018, 08:59 (vor 2732 Tagen) @ Ulrich (1363 Aufrufe)

Hallo!

Bardon, der sich den Inhalt seiner Schriften nicht aus den Fingern sog, sondern Schüler von Karl Weinfurter und vermutlich auch von Friedrich Wilhelm Quintscher war, verwendete in seinem Buch "Die Praxis der magischen Evokation" z.B. Bezeichnungen aus "Occulta Philosophia" von Agrippa von Nettesheim. Offensichtlich hat er jedoch (wie auch Quintscher) deren Reihenfolge verschlüsselt: Viel Vergnügen beim Evozieren ...
Quelle: "Anubis - Zeitschrift für praktische Magie und Psychonautik", Heft 10/Dezember 1988 (Hrsg.Ralph Tegtmeier, Pseud.: Frater U.D.)
Eine Kostprobe zum Hauen und Stechen über diese und andere Unstimmigkeiten: http://www.verlag-dr.de/Politik/Artikel/Rez-Stejnar.htm

Nachdem das seit dem Mittelalter Tradition hat, kann das Agrippa von Nettesheim mindestens so sehr betreffen. Früher gab es mal ein kleines Franz-Bardon-Forum und dort waren die Abweichungen zwischen Franz Bardon und Agrippa von Nettesheim auch mal Thema. Hat man nur diese beiden Quellen, dann kann man gleichermaßen gut annehmen, daß Franz Bardon lediglich Agrippa von Nettesheims Verdrehungen korrigiert habe.

Evozieren, sofern man es kann, klappt aber so oder so, denn das haben manche auch schon mit Wesen aus dem Necronomicon geschafft, obwohl die frei erfunden sind.

Im übrigen wirft Dr. Lumir Bardon, der Sohn Franz Bardons, in einem offenen Brief vom 21. März 2018, dem Erst-Herausgeber Hermann Bauer (Bauer-Verlag, Freiburg) vor, jener habe "einige kleine Änderungen in den Texten vorgenommen, die seiner Auffassung nach helfen sollten, die Bücher besser zu verkaufen" und stellt fest:

"Beim Durchlesen der Original-Manuskripte meines Vaters fiel mir auf, dass keines der Bücher meines Vaters jemals so herausgegeben wurde, wie er sie selbst im Original geschrieben hat."

Sofern ich das nicht missverstehe, bezieht er mit "jemals" offensichtlich auch den bisherigen Herausgeber (in Nachfolge des Erst-Herausgebers Hermann Bauer), den Verlag Dieter Rüggeberg mit ein, ohne diesen allerdings zu nennen. Allerdings sind manche von Rüggebergs eigenen Büchern sowas von "großzügig" im Umgang mit Fakten, dass es der Sau graust, und der Entzug der Vertriebsrechte spricht für sich.
Quelle: https://archivhermetischertexte.at/brief-von-lumir-bardon-21-03-2018

Dieter Rüggeberg ist da durchaus verdächtiger als Hermann Bauer. Obwohl es noch einige Nachforschungen gab, konnte niemand das Original einsehen oder Abweichungen öffentlich machen.

Ich störe mich auch an anderen "Kleinigkeiten": Crowleys Zwangsneurose, allem Vorgefundenen einen "persönlichen Stempel" aufzudrücken, um es sich einzuverleiben, was sich in grotesken Neologismen wie "Magick" oder "Astrologick" sowie seinem Hütchenspiel mit Tarotkarten mittels Umbenennung und Neu-Zuordnung äußerte. Ich finde das schäbick und lächerlick.

Magick und astrologick haben eigentlich den Zweck, echte Magie von Zirkuszauber und echte Astrologie von Zeitungshoroskopen zu unterscheiden. Eigentlich ganz sinnvoll, wenn es mehrheitlich so verstanden und angewendet würde. Die Umbenennungen und Neuzuordnungen im Tarot stammen nicht von Crowley selbst, sondern waren Lehre des Hermetic Order of the Golden Dawn. Darum leidet auch das Rider-Waite-Tarot unter der gleichen Krankheit und natürlich alle, die von den beiden Decks abstammen. Das sind alle, die Bildchen auf jeder Karte, inklusive den Zahlkarten, haben.

Franz Bardons Definiton von Magie klingt pragmatisch, aber auch letztlich utilistisch, damit m.E., anders als er behauptet, "un-heilig":
"In Wirklichkeit ist Magie eine heilige Wissenschaft. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes das Wissen alles Wissens, denn sie lehrt die Universalgesetze kennen und gebrauchen."
"Gebrauchen"? Vielleicht ist das grottig übersetzt, denn selbst menschengemachte "Gesetze" sind üblicherweise zur verbindlichen Orientierung gedacht , man hat sie zu respektieren, das gilt für die Straßenverkehrsordnung bis zur Haager Landkriegsordnung.

Wieso denn übersetzt? Bardon hat naturgemäß auf Deutsch geschrieben. Sogar seine magische Kabbalah verwendet typisch deutsche Laute.

Die "Universalgesetze" jedoch, die "das Wissen alles Wissens" beinhalten, die sollen laut Bardons Magie-Definition dazu da sein, um sie mittels Magie zu "gebrauchen"?

Gebrauchen beschreibt hinsichtlich menschengemachter Gesetze perfekt, was Juristen damit machen. Respektieren zählt bestimmt nicht dazu.

Und dafür einen 10-stufige Schulung durchlaufen?

Die ist nur der Anfang. Wenn man das Buch ganz gelesen hat, dann stellt man fest, daß es am Ende bis zu Astralreisen führt. Die 10-stufige Schulung ist eine besonders schwierige Methode, um Astralreisen zu lernen.

Eine kluge Einschätzung, auch wenn der Vergleich etwas hinkt, da sich Elektionen meiner Erfahrung nach nicht dazu missbrauchen lassen, die Welt nach "dem [persönlichen] Willen zu formen", sondern (im Sinne Bardons?) dadurch den Sinn für die "Universalgesetze" zu entwickeln. Und sich einzufügen, wäre zu ergänzen.

Ich habe schon versucht, mich nicht einzufügen. Aber auch mit solchen Tricks ist man einfach nicht frei.

Den Klassiker zu diesem Thema wirst Du kennen: Vivian Robson "Electional Astrology", (1937 und daher gemeinfrei) https://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.128090

Zumindest habe ich es jetzt mal runtergeladen. Als Koryphäe gilt Vivian Robson in Sachen Fixsterne. Gibt es das auch gemeinfrei?

Mindestens ebenso zu empfehlen ist "Horary Astrology: Practical Techniques for Problem Solving with a Primer of Symbolism" von Marc Edmund Jones, das eine Sonderstellung einnimmt: "... Every other horary book (see Lilly's classic work) is a long list of what amounts to magical formulas. As a minister [Jones war presbyterianischen Pastor] lacking a magical religious foundation, Marc Edmund's horary book is a list of philosophical traits. ..." http://www.astroamerica.com/jones.html

Aha. Müßte man aber anscheinend aus den USA ordern. Klingt außerdem auch nicht so überzeugend.

Allen Edwall bietet gratis die Windows-Software "Election Helper" an: https://astrowin.org/ehwin.php , für die praktische Anwendung.

Windows verwendete ich zu den Zeiten als Privathaushalte noch nicht am Internet waren. Inzwischen ist so etwas sträflicher Leichtsinn. Du hast mich damit nur daran erinnert, daß ich mein System aktualisiere, weil ich Astrolog noch nicht zum laufen gebracht habe.


Kommt wohl öfter vor, als man meint: http://www.kompetenznetz-schizophrenie.info/forum/index.php?action=vthread&forum=2&topic=9623

Habe ich einen Schreck gekriegt, weil du das unter den Abschnitt über Astrologie gesetzt hast. Es geht aber doch wieder um die Magie-Schulung nach Bardon. Astrologie tut einem nichts. Wenn man gemäß Bardon beim Punkt Seelenspiegel angekommen ist, dann ist der richtige Zeitpunkt, sich ausführlich mit Astrologie zu befassen.

Schon damals im Franz-Bardon-Forum konnte mir niemand die Frage beantworten, ob die Verteilung der Elemente, dann gleichmäßig und harmonisch ist, wenn der im Geburtshoroskop angezeigte Zustand hergestellt ist, oder von der Verteilung im Geburtshoroskop ausgehend ein jeweils 25%iger Anteil jeden Elementes angestrebt werden sollte. Eine Frage, die jeder Bardonist zwecks Erstellung des Seelenspiegels meistern sollte.

Also eine ausgewogene Mischung aus täglichen magischen Übungen nach Bardon, Medikamenten und ärztlicher Begleitung, das ist der Trick, dann wird schon nichts passieren.

offtopic wirbt für den Weg Bardons. Ich habe nur Bardons Bücher gelesen.

Gruß,
Ranma


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