Auf die Gefahr hin, dass es langweilig wird (Freie Themen)

Bär, Dienstag, 31.08.2010, 19:02 (vor 5628 Tagen) @ Selly (7975 Aufrufe)

Moin Selly,


im Laufe meines Berufslebens als Architekt habe ich viele alte Häuser, Gerichte, Polizeireviere, Finanzämter etc. saniert (neben vielen anderen Dingen).

Zur Lebenszeit des guten Irlmaier gab es Bautechniken, die man heute als Stand der Technik bezeichnen würde.

Stand der damaligen Technik war es sogenanntes Bitumenpapier, gemeint sind nicht Bitumendichtungsbahnen, sondern dünnes Papier, etwa so wie ein Schreibblatt, welches mit einer geringen Menge Bitumen getränkt war, als Rieselschutz bzw Staubschutz zu verwenden. Die mit Spreu ausgestopften Decken zwischen den Geschossen z.B. bekamen an der Unterseite eine Schicht aus bituminiertem Papier damit die Krümel nicht andauernd in den Raum fielen.

Heute wird in der Regel PE-Folie genommen für diese Anwendung.

Unterstellt Herr Irlmaier hat in der Tat Staub gesehen, ätzenden, gesundheitsschädigenen Staub in einer sehr kleinen Fraktion und dann auch noch scharfkantig, dann liegt es nahe, dass er als Gegenmaßnahme den damals üblichen Stand der Technik berücksichtigend eben diesen Staubschutz/Rieselschutz ansieht. Hättest du 1950 einen Architekten gefragt, hätte er es dir auch so empfohlen.

Dieses Papier gibt es im Übrigen noch zu kaufen wenn auch auf großen Rollen.

In dem Moment, wo z.B. durch einen Krieg in "Erdölland" der Nachschub an Erdöl versiegt, können wir sicher kaum noch die aus Erdöl hergestellten Produkte wie PE-Folie bekommen. Und dann wird als Staubschutz...na, was wohl, das gute alte Bitumenpapier (mit wenig Erdöl) wieder richtig Mode.

Der Vorgang dauert im Zweifel 2 oder 3 Monate und wir stellen uns um auf Produkte mit wenig oder keinem Erdöl.

Hinzu kommt, dass PE-Folien gleichzeitig die (erwünschte) Diffusion gleich mit unterbinden. Bituminiertes Papier ist diffusionsoffen, d.h es findet noch ein bedingter Luftaustausch statt im Ggs. zu PE-Folie.

Wenn ich als Architekt ein Haus auf die Schnelle staubdicht bekommen muss, darin längere bleiben muss und natürlich auch atmen muss, nehme ich...Bitumenpapier.

Definitiv: Wenn die Szenarien á la Irlmaier eintreten sollten, (Hochgestellte, Russeneinmarsch etc.) werde ich die große Rolle Bitumenpapier ganz sicher aus dem Lager holen und die Fenster und alle sonstigen vorhandenen Fugen damit sichern. Nicht an die Glasscheibe dranbeppen, das ist Unsinn, sondern über Fugen im Fenster/Mauerwerkanschlußbereich, bei den Türen und sonstigen Öffnungen, z.B. auch bei ungedämmten Dächern unter die Sparren, drüber damit die in jedem Haus vorhandene gewollte oder ungewollte Zwangslüftung nicht den sehr feinen schädlichen Staub in meine Hütte trägt. Den wirbel ich dann nämlich bei jeder Bewegung auf und atme ihn zwar schwächer konzentriert aber doch kontinuierlich ein.

Ich "glaube" ganz und gar nicht, ich bin richtig gehend ungläubig. Was der gute Alois da aber schnackt, ist eine bautechnisch einwandfreie Lösung, die zur Verringerung der potenziellen Letalitätsrate meines Clans beiträgt.

Fazit: Alles andere, aber ganz sicher keine Spinnerei eines senilen Sehers. Meines Ermessens ist das Gesagte 1 zu 1 wörtlich zu nehmen.


Gruß des


Bären


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