Kettenfaustschläge (Freie Themen)

zaunreiter, Donnerstag, 19.03.2015, 15:28 (vor 3968 Tagen) @ Bär (1805 Aufrufe)

Zu den Kettenfaustschlägen im WT ist zu sagen, daß sie keinesfalls mit steifem Oberkörper ausgeführt werden dürfen. Es soll eine weiche fließende Bewegung bleiben. Der Oberkörper ist zu allen Bewegungen weich zu halten, während die Körperpartien ab der Hüfte abwärts einen festen Sockel bilden. In dieser Konstellation ist es nicht möglich, den Verteidiger um 90° zu drehen.

Kreisförmige Bewegungen gibt es im WT meines Wissens nicht und sind im Straßenkampf so gut es geht zu vermeiden. Der bogenförmige Schlag unterliegt stets dem Schlag auf kurzem Wege. Etwaige Erfolge von Haken, Schwingern und kreisförmigen Tritten liegen rein in der Überraschung begründet. Eine Ausnahme ist wohl der Feger aus dem Muay Thai, mit dem sich stets gute Überraschungsmomente erzeugen lassen. :-D

Kettenfaustschläge werden bis zur ersten Stufe im WT intensivst geübt, zur Körperertüchtigung und zur Festigung des geraden Faustschlags. Die Orientierung der Schläge zur Körpermitte des Gegners sind nur dazu da, sich der Verteidigungslinie klar zu werden. Mit den höheren Stufen im WT werden die eigentlichen Ziele am Gegner bekannt.

Faustschläge und Tritte werden idealerweise an Sandsäcken, an Wandsäcken und mit Hilfe von "gepolsterten Gegnern" ausgehärtet. Dabei gehen die Schläge durch den Gegner hindurch und dürfen nicht am Gegner stoppen. Die so entstehende Wucht unterscheidet sich signifikant.

In der WT-Schule, in der ich trainierte, wurde wiederholt ein extra Unterrichtsblock "psychischer Streß" abgearbeitet, bei dem es alleine darum ging, verbale Vorangriffe kennen- und verstehen zu lernen. Also zum Beispiel das Anschreien. Obwohl klar war, daß es eine Trainingssituation ist, war alleine das Anbrüllen auf kürzester Distanz für einige der Trainierenden psychisch zu viel, so daß sie das Training abbrechen mußten.

Und so ist es auch auf der Straße: dem tätlichen Übergriff geht in der Regel ein Vorspiel voraus, daß im Vorhinein bereits den Kampf entscheidet! Im WT werden diese Dinge trainiert und das ist sehr wertvoll.

Ich habe zwei bewaffnete Überfälle überlebt, wohl mehr mit einer guten Portion Glück als mit einer besonderen Abwehrtechnik. Und ich habe dutzende Schlägereien auf der Straße überstanden. Aus dieser Erfahrung heraus, kann ich mit Fug und Recht sagen, daß ich neben dem Ringen das Wing Tsun als äußerst praxisnahe Kampfkunst erachte.

Am allerbesten ist noch Tek-Renn-Weg. Denn wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Also regelmäßig laufen gehen.

Gruß
Bernhard


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