Abgetrennt und gesäubert (Schauungen & Prophezeiungen)

RichardS, Dienstag, 25.08.2009, 17:06 (vor 6000 Tagen) @ detlef (2813 Aufrufe)

moin,

du koenntest es den lesern wahrscheinlich leichter machen, wenn du traum
und interpretation deutlicher voneinander trennst.

schon deshalb, weil ich den (irrigen?) eindruck habe, dass da auch
interpertationen dabei sind, die du getraeumt hast.

vielleicht durch schraegschrift oder so?


gruss,detlef

Moin,

ich hab die Interpretationen - auch die, die ich dem eigentlichen Traumtext beimengte und offensichtlich oder höchst wahrscheinlich Interpretationen sind - jetzt einfach entfernt. Und Du hast Recht, selbst jetzt gibt es im (reduzierten) Text noch Elemente, die sich wie Interpretationen lesen. Was ich stehen ließ, scheint mir geträumt zu sein, kann mit Sicherheit aber nicht behaupten, dass jede stehen gelassene Interpretation (jedes stehen gelassene Gefühl) tatsächlich geträumt wurde.
Manchmal stelle ich im Text auch selber klar, dass ich nur etwas vermute. Und manchmal kommen Redewendungen vor wie "es scheint..."; ob es mir schon im Traum so schien oder erst beim gestrigen Aufschreiben, kann ich nicht sagen, aber damit ist auch klar: Vorsicht ist bei solchen Passagen angesagt.
Sollte mir so etwas wie dieser Traum nochmal passieren und ich entsprechendes veröffentlichen, würde ich besser darauf achten.

Erste Traumsequenz:

Ich bin mit einer Gruppe von Leute unterwegs. Es ist Nacht. Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Die Leute aus meiner Gruppe sind nicht dicht bei mir, sondern hinter mir. Nicht dicht, sondern irgendwo hinter mir. Es ist während dieser Tour, wie gesagt, Nacht, ich bin mit den anderen auf einer ländlichen Straße unterwegs, den Mitgliedern aus meiner Gruppe etwas voraus, und ich begegne anderen Menschen. Diese anderen Menschen bewegen sich in eine andere Richtung als meine Gruppe und ich, oder sie stehen einfach nur so auf der Straße herum. Plötzlich gerate ich in Nebel. Ich halte an, warte auf die anderen aus meiner Gruppe hinter mir, und ich denke, dass wir wohl umkehren werden, weil ohne Sicht ein Weiterfahren durch den Nebel nicht oder nur sehr schlecht möglich sein wird.
Im nächsten Bild scheine ich doch weitergefahren zu sein, wieder bin ich allein. Ich stoße auf eine Kreuzung, genauer: auf eine andere, breitere Straße. An dieser Kreuzung befindet sich eine Gaststätte, innen ist sie hell erleuchtet.
Aus dieser Gaststätte ereilt mich der Ruf (anders kann ich das nicht ausdrücken), dass mich jemand am Telefon sprechen möchte. Ich sehe mich nicht in die Kneipe gehen. Ich bleibe draußen, "weiß" aber, dass ich in die Kneipe hineingehe und mir am Telefon eine Nachricht abhole. Die Person, die mich informiert, ist mir im Traum vertraut, auch wenn sie gesichtslos bleibt. Die Nachricht lautet: Osama Bin Laden ist tot.
Die Nachricht mutet sich nicht wie eine Insider-Information an. Es scheint sich mir um eine offizielle Nachricht zu handeln, wie sie über die Medien verbreitet wird, so jedenfalls mein Gefühl (oder meine nachträgliche Interpretation?).

Zweite Traumsequenz:

Sie schließt sich in meiner Erinnerung unmittelbar an die erste Traumsequenz an. Ob ich dazwischen etwas anderes träumte oder der Übergang wirklich so abrupt war, weiß ich nicht.
Ich stehe auf einem sehr langen Flur in einem nicht definierbaren Gebäudekomplex. Auch andere Personen stehen auf dem Flur herum, wie ich einfach so, ohne ersichtlichen Grund. Es ist Tag, allerdings ist der Flur künstlich beleuchtet. Dass es Tag ist, ist mehr ein Gefühl.
Eine weitere Person betritt den Flur, nähert sich, bleibt dann aber vor einer Tür stehen, an die sie klopft oder die Klingel betätigt. Jetzt weiß ich, dass diese Tür zu einer Wohnung gehört, die die meine ist, und ich erkenne in der Person vor meiner Wohnungstür einen Handwerker. Dass er ein Handwerker ist, erkenne ich an seiner Arbeitskleidung, außerdem ragt ein Zollstock aus seiner Hosentasche. Ich habe den Eindruck, dass der Handwerker mir im Traum bekannt ist, als hätte er davor irgendeine Arbeit für mich in der Wohnung erledigt.
Im Traum gehe ich auf den Handwerker zu und gebe mich zu erkennen. Es zeigt sich, dass sich der Handwerker aus einem einzigen Grund auf den Weg zu mir machte: Er will mir mitteilen: Osama Bin Laden ist tot.
Ich nehme diese Nachricht als eine neue, mir unbekannte auf. Es dauert, bis mir auffällt bzw. einfällt, dass mir der Inhalt dieser Nachricht doch bereits in der Nacht mitgeteilt worden war (siehe erste Traumsequenz). In diesem Moment weiß ich, dass dies in der soeben vergangenen Nacht passierte, also nur wenige Stunden zwischen der ersten und zweiten Benachrichtigung liegen. Ich bin in meinem Traum irritiert, überrascht und unangenehm davon berührt, dass ich die Nachricht, Osama Bin Laden sei tot, offenkundig hatte vergessen können.
Ich gehe mit dem Handwerker nicht in meine Wohnung, sondern über den Flur in eine Art Aufenthaltsraum, und ich entscheide mich - warum auch immer - dem Handwerker davon zu erzählen, dass ich schon in der Nacht davon gehört hatte, was er mir jetzt berichtet, ich dies aber merkwürdigerweise vergessen hatte. Es ist mir eigentlich peinlich und es gibt keine Notwendigkeit zu einem solchen Eingeständnis, aber ich tu's. Weniger zu dem Handwerker und mehr zu den Anwesenden im Aufenthaltsraum, die mein Gespräch mit dem Handwerker mithören und dessen Nachricht damit natürlich auch erfahren, werfe ich dann die Bemerkung hin, ab jetzt sei Osama Bin Laden jedenfalls "offiziell" tot. Wie ich mich in meinem realen Leben kenne (aktuelle Ergänzung: ich glaube, dass ich das folgende Motiv tatsächlich auch träumte), unterhöhle ich in meinem Traum damit die eventuelle Naivität bei einigen der anwesenden Zuhörer, aus der offiziellen Bekanntgabe der Todesnachricht zu schließen, Osama Bin Laden sei gerade frisch verstorben, nur weil die Nachricht frisch sei. Aber es war nur eine Bemerkung von mir, ohne dass ich etwas darüber wusste, ob und wenn ja, wann dieser Mann verstorben war, und gleichzeitig stand mit meiner so hingeworfenen Bemerkung für mich im Traum die unterschwellige Frage im Raum, was diese Todesnachricht bedeute - ob mit ihr nicht der offizielle Rechtfertigungsgrund des westlichen militärischen Vorgehens in Afghanistan wegfalle.
Ich vermute, dass ich hier nicht zuviel nachträglich in meinen Traum hineininterpretiere, weil ich mir anders das Folgende in meinem Traum nämlich nicht erklären könnte. Unmittelbar auf meine Bemerkung, dass Osama Bin Laden jetzt jedenfalls "offiziell" tot sei, erklang eine Stimme wie aus dem Off (ungefähr aus der Richtung des Handwerkers, aber etwa ein bis zwei Kopfhöhen über diesem), und sie zwar ruhig und klar und deutlich zu vernehmen. Sie sagte nur einen Satz, und dieser Satz war wie eine Antwort sowohl auf meine Bemerkung als auch auf meine unausgesprochene, aber mitschwingende Überlegung zu irgendwelchen praktischen Konsequenzen der Todesnachricht, und ich kann mich an folgende Worte in diesem einen Satz erinnern:
"... schon klar, dass Deutschland mindestens zwölf Jahre in Afghanistan sein wird."
Die zentrale Betonung in dem Satz aus dem Off lag auf der Zahl "zwölf" und dem Wort "mindestens" - und die Zahl sah ich gleichzeitig, wie zu ihrer Verstärkung, im Raum.
(Aktuelle Ergänzung: Folgendes ist keine nachträgliche Interpretation sondern eine klare Empfindung, die ich im Traum hatte: Die Stimme aus dem Off und den Inhalt ihrer Mitteilung empfand ich auf mich bezogen, als eine Kritik an mir, als eine Klarstellung, im Sinne: es braucht kein nebulöses, unwissendes, unnützes Herumgerede wie von mir soeben.)
Im Traum "wusste" ich, dass Deutschland seit 2001 militärisch in Afghanistan aktiv ist, und im Traum begann ich sofort zu rechnen, addierte 2001 + "mindestens" 12 und kam auf "mindestens" 2013. Ich "wusste" im Traum außerdem, dass das Jahr 2013 in der Zukunft lag, der Tod eines Osama Bin Ladens nicht einfach mit dem Rückzug der deutschen Truppen aus Afghanistan gleichgesetzt werden kann. Dass die deutsche Anwesenheit "mindestens" zwölf Jahre dauern würde, verstand ich im Traum so, dass ich mich nicht täuschen solle, dass dies vor "mindestens" zwölf Jahren geschehe, andrerseits es aber nicht nach exakt zwölf Jahren vorbei sein müsse. Einen größeren, erheblichen größeren zeitlichen Abstand zwischen den zwölf Jahren bzw. dem von mir im Traum errechneten Jahr 2013 und dem tatsächlichen Rückzug entnahm ich dieser Off-Nachricht in meinem Traum allerdings nicht. Im Traum erschien es mir eher so: naja, es muss nicht exakt in 2013 sein, aber dicht daran, vielleicht auch in 2014, kaum später.
Ich rechnete dann im Traum noch mit anderen Zahlen, deren Auftauchen ich mir schon beim Aufwachen nicht mehr erklären konnte, sie wirkten auf mich wirr, und ich vermute, dass ich darüber auch aufwachte. Mein erster Gedanke beim Aufwachen war: 1. Die Zahlen sind wichtig, merk Dir die, vergiss nichts, sei nicht faul und schreib Dir alles auf, und 2. dass alles, was mit den Katastrophen im Jahr X verbunden wird, (erst) dann, nach 2001 + "mindestens" 12, beginnt, nicht viel später, aber danach.

Gruß
Richard


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