1315-18: Missernten (Schauungen & Prophezeiungen)

Monsignore, Donnerstag, 08.10.2009, 08:41 (vor 6063 Tagen) @ Taurec (3195 Aufrufe)

Hallo Taurec,

damit wir es ganz genau haben, einmal zum nachlesen, das Wetter der kommenden Jahrzehnte:

[link=Aufzeichnungen]http://www.eckhart.de/index.htm?wetter.htm#1259[/link]

Zitat (zum Wetter 1259):
„Vom März bis in den August fällt kaum Regen, es herrscht Überfluss an allen Früchten, namentlich an Wein, dergestalt, dass die leeren Fässer in höherem Wert standen als der Wein selbst“

Erst so ab 1305 und dann 1315/17 wurde es richtig kriminell. Dort traten Ereignisse ein, die letztlich in den Pestepidemien 1348 kulminierten.

Zitat:
" "Am meisten litten Deutschland, Nordfrankreich und Flandern. Man schätzt, dass die Weizenerträge in Frankreich um 50 Prozent zurückgingen. Die Preise stiegen. In London war der Marktpreis des Weizens fast um 500 Prozent höher als in den Jahren vor der Hungersnot. In Holland stieg der Preis für Fisch auf ein ähnliches Niveau. Die Knappheit des Viehfutters wurde verschlimmert durch verheerende Krankheiten, die Rinder, Ochsen und Schafe befielen. Auf drei Gutshöfen des englischen Klosters Ramsey ging die Zahl der Rinder im Jahr 1319/20 von 54 auf 6, von 47 auf 2 und von 65 auf 9 zurück. Die Sterblichkeit der Menschen ist äußerst schwer zu schätzen, da sie von Ort zu Ort und von Jahr zu Jahr verschieden war. Manche schätzen sie in den ländlichen Regionen auf bis zu 15, ja sogar 20 Prozent, ebenso in den Städten; vielleicht wirkte sich die Hungersnot in den Städten noch etwas stärker aus. In Flandern verlor die Stadt Ypern, für die wir zuverlässige Zahlen besitzen, allein von Mai bis Oktober 1316 ein Zehntel ihrer Einwohner. In Brügge starben im gleichen Zeitraum durchschnittlich 92 Menschen pro Woche. In Tournai weisen glaubhafte Quellen darauf hin, dass die Sterblichkeitsrate im Jahr 1316 zweieinhalb Mal so hoch war wie die normale, so dass ein Zeitgenosse schrieb: »Jeden Tag kamen so viele um - Männer und Frauen, Reiche und Arme, Junge und Alte, aus jeder Gesellschaftsschicht -, dass die Luft stank.« In Löwen (Leuven), Brüssel, Hamburg, Erfurt, Pressburg (Bratislava) und vielen anderen Orten musste man neue Friedhöfe anlegen.
Die Hungersnot machte keine Unterschiede. Allein im Jahr 1316 starben im Kloster Reinsburg (Friesland) drei Äbtissinnen. Im gleichen Jahr starben im heutigen Belgien sechs Oberhäupter von Klöstern, und bis 1319 waren weitere achtzehn gestorben. Wenn Hungersnot und die damit zusammenhängende Seuche die Oberhäupter von Klöstern befielen, wie mag es dann erst den einfachen Mönchen und Nonnen und den Bauern ergangen sein? Unter dem Druck wirtschaftlicher Notwendigkeiten verkaufte ein Kloster nach dem anderen Ländereien oder verschuldete sich. Quellen zu diesem Sachverhalt sind für Deutschland in reicher Fülle vorhanden; sie zeigen, dass große Klöster drastische Maßnahmen ergriffen, um zu überleben. »In der Kirche Nordeuropas herrschte fast überall Krisenstimmung« (William C. Jordan)." [Logan, S. 285] [12.5.07] "


Darunter 1318: "Köln: Schneefall am 18.Juni!"

Monsignore


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