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"Revolution(en)" ? (Schauungen & Prophezeiungen)

BBouvier, Donnerstag, 22.10.2009, 14:05 (vor 6049 Tagen) @ Bär (3072 Aufrufe)
bearbeitet von BBouvier, Donnerstag, 22.10.2009, 14:18

Über Bärs Text und die Antworten darauf
denke ich intensiv seit ein paar Tagen nach.
Und neige in diese Richtung:
=>

1)
Revolutionen der Neuzeit sind charakterisiert
von sich kaskadenartig nach unten verschiebender
Machtübernahme durch jeweils vorher "thronnahe"
Kräfte.
Heisst:
In der frz. Rev. von 1789 sägte der Bruder Ludwig XVI. -
der Herzog von Orleans - ganz mächtig am frz. Königsthron.
Und mit ihm das intellektuell gebildete Bürgertum,
das nach "oben" wollte, das "Macht&Einfluss" anstrebte.
So auch 1848 in Berlin.
(hier hat die FDP (die Liberalen) ihre Wurzeln,
und insofern ist diese Partei mittlerweile völlig obsolet)
Und ab 1919 geht es durch die Kommunisten
den bereits den Bürgerlichen an den Kragen.

2)
Nach Verlust der religiösen/sittlichen/brauchtumsmässigen
Wurzeln der in die Städte und Fabriken abwandernden Landbevölkerung
füllte der seelisch angelegtere Teil Derer das entstandende Vakuum
einige Generationen lang mit einem Ersatz,
nämlich mit der Anbetung der "Nation" -
und es entstanden die "Konservativen", die "Bürgerlich-Rechten":
=> "Idealisten"
Die "Schlichteren" tendierten zum Kommunismus/Sozialismus:
=> Einer eher rein auf das Materielle ausgerichteten Idee.

Jeweils unter ihren Partei-Anführern.

Ergebnis über 2-3 Generationen hinweg waren Aufmärsche
unter Roten Fahnen und Strassenschlachten mit den "Rechten".

3)
Seit etwa den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts
hat sich das alles erledigt.
Niemand gibt sein Leben noch her, wagt es für eine reine "Idee".
Geht für seine "Überzeugung" auf die Strasse.
"SPD" und "CDU" sind ununterscheidbar geworden.
Die FDP => "Kampf der Liberalen für bürgerliche Freiheit
und gegen Fürstenprivilegien".....ist (s.o.) obsolet:
Sitzt sie doch selbst "oben" und müsste gegen sich selbst agitieren!

4)
Die "Nationalen" sind durch das III.Reich schwerst diskreditiert.
Und dessen Scheitern.
Die "Roten/Kommunisten" sind durch die DDR schwerst diskreditiert.
Und deren Scheitern.
Insofern hat sich die Polarität rechts-links aufgelöst.
Diffus-dumpfes Restinteresse besteht nur noch daran,
es möge einem selbst weiterhin rein materiell gut gehen.
Am besten, mit möglichst wenig eigenem Einsatz.
Insofern fehlt für eine "Revolution" die
zu mobilisierende "Strasse" !

5)
Noch einmal zurück, zum Eingangsgedanken - "Revolution":
Die "Macht" in den modernen Republiken ist nun ganz
unten angekommen:
Am Leben gescheitere Pflastermaler werden Aussenminister.
Agit-Prop-Funktionäre steigen zu höchsten "Ehren" auf.
Vorbestrafte = Schatzmeister.
Geistig Minderbemittelte = Parteiführer.
Und deswegen sind wirkliche "Revolutionen"
gar nicht mehr möglich.
Bestenfalls ist ein Machtgerangel vorstellbar.

6)
Was die alten Schauungen beschreiben, das ist
"Aufruhr". Und dieser wird irrig als "Revolution"
missgedeutet.
Und dieser Aufruhr hat seine Wurzeln nicht im Bestreben
der Menschen nach einer Machtübernahme von noch weiter
"unten", sondern es handelt sich dabei um folgende
Gruppen, die sich ziellos und blind austoben:
- vom System Enttäuschte
- um ihre bürgerliche Existenz Gebrachte
- jugendliche Kriminelle ("Autonome"), die die Gunst der Stunde
nutzen, - die öffentliche Ordnung ist zusammengebrochen -
aus reiner Lust am Zerstören möglichst viel zu zerstören
- vor allem aber um Hungernde, die aus reiner Not heraus
rauben&plündern...dabei sicherlich aus einige "Banden"

Das alles jedoch völlig plan&ziellos (!),
denn die Macht war ja bereits ganz unten angekommen
(s.o.) und eine Alternative zum "System"
kommt Denen allen doch gar nicht in den Sinn.
Das ist keine "Revolution"!

7)
Die Bevölkerung - völlig verstädtert - ist mit Masse
völlig passiv, duckt sich, hofft, irgendwie kämen die
alten Zeiten wieder:
Mit 37 Kanälen Dauer-TV.
Mit sicheren Renten.
Mit Arbeitsplatzgarantie.
Mit Mindestlöhnen.
Mit Kindergeld.
Mit Gratis-Sozialleistungen.
Mit bezahltem Urlaubsanspruch.
Und mit Kündigungsschutz auf Lebenszeit.

8)
Und auf die These ("rechts") und Antithese ("links"),
die sich totgelaufen hatten,
folgt etwas völlig Neues, den orientierungslosen,
den verunsicherten und hedonistisch-amorphen Massen
Undenkbares:
Nämlich ein Machtmensch, auf den als Leitfigur
und Ordnungsbringer sie ihre Hoffung richten können.
=>
Der Imperator.

Denn die Fähigkeit zur Selbstorganisation
haben die verstädterten Massen verloren.
Was die Seher beschreiben, sind einzig
die Wirren, die sich aus dem Kollaps
des Finanzsystems ergeben haben.

Gruss,
BB


- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."


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