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Re: Revolution von unten (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Donnerstag, 22.10.2009, 16:07 (vor 6049 Tagen) @ BBouvier (3109 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 22.10.2009, 16:15

Hallo!

Spengler (auf den ich nicht oft genug verweisen kann ;-) ) bezeichnet das Zeitalter der Demokratie und Geldherrschaft insgesamt mit "Revolution von unten".

Im Laufe von zwei Jahrhunderten nach Ende der Kultur werden die von ihr erschaffenen - nunmehr sterbenden - Formen vom Bodensatz der Gesellschaft, der nur von Hass und Neid auf das, was sie nie hatten und waren, getragen wurde, allmählich abgebaut.
Die seelisch Minderwertigen wollen alles, was die Bessergestellten haben, oder vielmehr, was sie dafür halten. Da sie kein Bewußtsein haben für die Pflicht, die Eigentum mit sich bringt, nämlich es für kommende Generationen zu kultivieren und zu erhalten, wollen sie nur Reichtum für sich und den Augenblick.

Adel, Priestertum und Ständestaat - Herrschaft von oben - werden abgeschafft, Volksherrschaft - gedacht als Herrschaft von unten - eingeführt. In Form des sich seit Napoleon entwickelnden Bürgertums feiern die kultivierten Formen noch eine kurze Blüte, jedoch von der einstigen Spitze der Gesellschaft, dem Adel, auf eine breitere Schicht ausgedehnt.

Es bilden sich liberale und linke Parteien, vorgeblich, um die Rechte der entwurzelten Arbeitermassen zu vertreten.
Die Vertreter der alten, ständischen Ordnung müssen sich zwangsläufig entgegen ihrer inneren Verfassung als parlamentarische Rechte, als Konservative konstituieren, um mit der Zeit, bzw. mit der Masse gehen zu können.
Es beginnt der parlamentarische, zuweilen auch auf den Straßen ausgetragene Kampf der Linken, vom Bodensatz kommenden, gegen die Rechten, aristokratisch Gesinnten, den sie, weil sie eigentlich einer vergangenen Zeit angehören und mit ihnen nicht entsprechenden Mitteln führen müssen, denen der Masse nämlich, nur verlieren können. Letztendlich werden die Konservativen selbst von der Demokratie korrumpiert.

Es dringen somit "Unterschichtideale", nämlich Brot und Spiele, Wohlstand ohne Arbeit und augenblicklicher Genuß ohne Gedanken an die Zukunft bis an die Spitze der Gesellschaft, bzw. durchdringen die Gesellschaft völlig. Mit dem durch den technischen Fortschritt und das Kreditgeld ermöglichten "Wohlstand für alle" befinden wir uns im Abendland in einer vollendeten Traumwelt der ewigen Glückseligkeit. Was die einstigen Massenführer wollten, ist nunmehr eingetreten. Die Revolution von unten ist vollendet, die Gesellschaft auf den Kopf gestellt, die Umwertung aller Werte vollzogen. Damit sind die Linken schlichtweg überflüssig geworden.
Das Bürgertum wurde durch die Einebnung aller Unterschiede aufgelöst. Der Adel ist völlig belanglos geworden und erhält sich nur noch in Familien- und Adelsvereinen, in welchen er mangels Gelegenheit zur Machtausübung langsam degeneriert. Damit haben auch die Rechten, bzw. Konservativen zu existieren aufgehört.

Der Gegensatz von Rechts und Links hat sich aufgelöst. Das und alle damit verbundenen Begriffe (Kommunismus, Sozialismus) werden nur noch aus Gewohnheit im Munde geführt, ebenso wie man sich selbst gewohnheitsmäßig als Nation betrachtet, weil man es eben so gelernt hat, wobei in Wirklichkeit alles, was eine Nation ausmacht, nämlich Sitte, Brauchtum, innere Selbstorganisation durch ein unbewußtes Gefühl für Unterschiede, bereits aufgehört hat.

Wenn beim kommenden Zusammenbruch Gruppen mit roten oder braunen Fahnen durch die Städte ziehen oder zeitweise so etwas wie Regierungsgewalt ausüben, dann nur, weil die Leute sich nichts anderes vorstellen können als die seit Generationen gebräuchlichen Begriffe, die dann als Gegensatz zum gescheiterten kapitalistisch-demokratischen System empfunden werden. Es ist jedoch völlig unmöglich, daß sich noch einmal längere Zeit eine kommunistische Bewegung bildet, weil es einfach kein zu erreichendes Ziel mehr gibt.

Die Alternative zum jetzigen System kann nur von Leuten kommen, die zutiefst antidemokratisch sind und Massenideale verachten; von Menschen, die in sich noch ein Empfinden für die natürliche Gliederung der Schöpfung, bzw. der Menschheit nach Begabung und seelischer Wertigkeit und einen Sinn für gut und schlecht bewahrt haben, so daß sie instinktiv für das Errichten einer Ordnung, die nicht herabziehend und zerstörend, sondern hebend und aufbauend wirkt, eintreten, wobei jeder entsprechend seiner Begabung und seinem Werte eine passende Stellung im Ganzen einnimmt. Solches kann nicht mit Streben nach Behagen und Genießen, sondern nur durch Pflichtgefühl den Anderen und dem Ganzen gegenüber und eiserne Entsagung gegenüber dem Spaß für den Augenblick erreicht werden. Das ist im Grunde Preußentum und unter der Vorherrschaft eines von einem Kaiser, der sich als erster Diener seines Staates empfindet, regierten Deutschlands müßte sich eigentlich eine solche Ordnung für ganz Europa als Endzustand der Zivilisation herausbilden.

Ich hoffe, daß sich solche Menschen in unserer Zeit noch irgendwo erhalten haben und vom Schicksal zum rechten Zeitpunkt zusammengeführt werden, nämlich wenn das jetzige System sich soweit aufgelöst hat, daß die schonungslose Unterdrückung jeglichen Strebens in diese Richtung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Gegenwärtig sehe ich nirgendwo auch nur den Ansatz einer Gruppierung oder einen Menschen, der als Führer einer solchen auftreten könnte.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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