Hallo, Bär!
Rill schrieb den ersten erhaltenen Feldpostbrief am 24. August 1914. Darin schreibt er, daß er in einem Briefe davor bereits den Franzosen erwähnt habe. Dieser eigentlich erste Feldpostbrief ist verschollen, der Text unbekannt. Vorausgesetzt, Rill habe wöchentlich einen Brief geschrieben, war ihm der Franzose wohl spätestens am 17./18. August bekannt.
Rills Bataillon traf allerdings am 14. August überhaupt erst von Neuburg an der Donau kommend im Frontgebiet ein.
Quelle hier, Seite 13.
Die Gruppe ist dem Franzosen in einem der ersten Quartiere schon begegnet. Es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, daß Rill zu diesem Zeitpunkt bereits (viel) Kampferfahrung hatte. Er war wohl nicht traumatisiert, als sie den Franzosen befragten.
Am 24. August hatte er bereits Kampferfahrung ("Hauptmann Bauchschuß"). Aber vermag das nachträglich seine Erinnerungsfähigkeit übermäßig zu trüben?
Ein anderer Aspekt:
Ich sah letztens eine Dokumentation über Frauen bei der Grundausbildung der Bundeswehr. Der Ausbilder hat - neben dem Ausdrucke seiner Verachtung gegenüber den Frauen, die weder Disziplin, noch Härte, noch Kameradschaft besitzen - sagte, daß die Leute, die heute zur Bundeswehr kämen (die Dokumentation war von 2000, glaube ich), viel weicher seien, als noch ihre Väter. Die "Turnschuhgeneration" (zu der ich zumindest altersmäßig gehöre, innerlich nur teilweise) wären noch halbe Kinder, während man mit ihren Vätern und Vorvätern bereits richtige Männer vor sich gehabt habe.
Daraus schließe ich, daß diese Leute auch weniger belastbar sind als ihre Vorfahren und also leichter traumatisierbar, was sich im Lebenslauf nicht wesentlich ändert. Der allumfassende Wohlstand, Luxus und ein Lebensgefühl, das auf der mehr oder weniger bewußten Ansicht beruht, daß wir am Ende der Geschichte wären und nun ein Aufstieg zu einer Welt des technisierten Wohlstandes bevorstünde (was anderes nimmt man als Heranwachsender nicht wahr), hat die Leidensfähigkeit vermutlich erheblich herabgesetzt. Das ist ein Umstand, der dem kommenden Zusammenbruche entspringendes Leid noch gewaltig potenzieren dürfte.
Kurzum: Die Männer, die damals in den Krieg zogen und sich großteils freiwillig meldeten, hielten sicher noch mehr aus. Rill war in den ersten Kriegstagen/-wochen wahrscheinlich noch nicht an seiner Grenze.
Gruß
Taurec
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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“