Guten Abend Gerhard,
Das Johannes-XXIII-Buch von Pierre Carpi ist 1976 erschienen, und
seinerzeit war eine weltgeschichtlichen Rolle Chinas eigentlich noch nicht
das Thema der internationalen Politik (wiewohl einige
Politikwissenschaftler durchaus schon das Potential Chinas erkannten
hatten und im übrigen bereits Kaiser Wilhelm der Letzte neben der "roten"
häufig auch von der "gelben" Gefahr sprach).
- Kurt Georg Kiesinger vor über 40 Jahren: "Ich sage nur China, China, China!"
- Napoleon Bonaparte vor 200 Jahren: "Wenn der gelbe DRache erwacht, erzittert der Erdkreis"
Er beschreibt Pläne der Chinesen, mehrere Hochgeschwindigkeitstrassen von
China bis nach Europa zu entwickeln - in Kooperation mit den betreffenden
Anrainerstaaten. Für die Bauzeit werden 10 Jahre veranschlagt.
In den späten 30er Jahren des vergangenen Jahrzehnts gab es ähnliche Pläne im Reichsbahnministerium: eine Weitspurbahn bis ins tiefste Russland. Somit alles nichts besonderes. Berlin 1936 = Peking 2008 hörte man oft. Der 72-Jahres-Zyklus dürfte ein Begriff sein.
(1) Wie stabil sind die Quellen?
Aber ich finde es
bemerkenswert, dass vor 20-25 Jahren, als die Prophezeiuungen zum ersten
Mal ernsthaft diskutiert wurden (mein erstes Buch war Schönhammer, PSI und
der dritte Weltkrieg, 1978), die Chinesen bereits ein Thema waren.
Schönhammer dürfte von Kiesingers Ausbruch was gehört haben, vermute ich. Plus ein wenig Bibel, schon hat man eine Karte fertig.
(2) Haben die Quellen Bezug zur Realität?
A: zur aktuellen Realität
Während für mich ein Angriff Russlands auf Europa zwar denkbar, aber
aktuell nicht drohend ist **), finde ich es, wie eben gesagt, erstaunlich,
dass uns die Schauungen so ganz nebenbei und unabsichtlich auf China
aufmerksam machen (hier denke ich an den WV und an John XXL). Denn diese
Schauungen wurden damit dem allgemeinen Trend nach teilweise bestätigt,
auch wenn die militärische Konkretisierung mit rollenden chinesischen
Panzern in Österreich noch aussteht. Zu letzterem Problem wurden in der
Diskussion vor sechs Wochen zahlreiche interessante Vorschläge gemacht.
Ungeachtet obiger Eisenbahnlinien klingen für mich Schiffstransporte am
plausibelsten. Ich glaube, wenn der politische Wille oder irgendeine
andere Notwendigkeit da ist, dann werden Transportlösungen auch gefunden.
Und wenn sich in Europa ein "innerer Zusammenbruch" und eine militärische
Krisensituation entwickeln und China dabei eine Chance des Eingreifens
sehen würde (quasi als militärisches THW ...), dann würde China solch eine
Herausforderung garantiert annehmen. Denn das würde allein vom Prestige und
Vertrauen her ein immenser Gewinn sein. China als wirtschaftliche,
politische und (unerkannte) militärische Macht ist heute bereits die volle
Realität.
B: zu einer möglichen künftigen Realität
Aus heutiger Sicht einigermaßen denkbar wäre ein solcher
Angriff nur, wenn zuvor eine allgemeine, extrem instabile Situation
entstünde, die nicht nur den Nahen Osten, den Balkan und Osteuropa
erfassen müßte, sondern vor allem auch die innenpolitischen Verhältnisse
in den europäischen Kernstaaten. Die Ausbildung einer solchen Situation
dürfte sich über mehrere Jahre erstrecken - je nachdem wie schmerzhaft die
zugrundeliegenden Störungen im Wirtschaftsleben (etwa eine extreme
Rezession) sein würden.
Richtig: es kommt drauf an, in wie weit es bis dahin gelungen ist, die Wirtscahfstblöcke zu entflechten. Bei der heuti9gen Arbeitsteiligkeit ist es eine Frage weniger Wochen, bis ganze Erdteile destabilisiert wären im Ernstfaall. DAs muss nich tmal ein Krieg sein, es reicht auch ein Erdbeben an einem neuralgischen Punkt.
In China hätte man damit Zeit, entsprechende
Entwicklungen zu beobachten und sich darauf einzurichten. Nicht nur die
größten Banken, auch die größten Containerschiffe fahren heute für die
Chinesen. Einzelne Personen aus dem Verfassungsschutz glauben zu wissen,
dass China in der BRD 30.000 stille Spione habe, die unsere gesamte, vor
allem aber die technologische Entwicklung genau beobachteten und auf
Anweisung auch mal Patente oder Know-How abgreifen könnten.***)
Ja, gleiches Recht für alle. Wieso sollen die Chinesen keine schicken, wenn die Amis z. B. über Echelon alles mit anhören?
Aufgrund meiner historisch-zyklischen Forschungen bin ich zufällig darauf
gestoßen, dass die chinesische Armee ab der zweiten Hälfte dieses Jahres
und bis Mitte 2011 in einen Konflikt verwickelt werden könnte.****)
Oder eben: 72-Jahres Zyklus. Das 3. Reich stieg auch nicht in der russischen Ebene in den Krieg ein, sondern indirekt in Spanien. Wobei ein "Stellvertreterkrieg" heute über Währungen und Rohstoffe geführt werden dürfte, und eine "heiße Eskalation weitgehend vermieden wird.
**) Russian Ground Forces
Main Battle Tanks 22,800 (~6,500 active)
Armoured Infantry Fighting Vehicles 15,000 (~6,000 active)
Armoured Personnel Carriers 9,900 (~6,400 active)
Towed Artillery 12,765 (~7,550 active)
Self Propelled Artillery 6,000 (~3,500 active)
Multiple Rocket Launchers 4,500 (~ 900 active)
Mortars 6,600 (~2,600 active)
ZUm Vergleich Heer der Deutschen Bundeswehr: 2 Divisionen, ca. 400 Panzer, 180 einsatzfähig. Rest analog. Somit in der Beziehung kein Faktor zur Beruhigung. Wie es mit der Logistik aussieht, ist ein anderes Thema.
PS:
Obwohl es nicht zum Thema hier gehört, kann ich es nicht unterlassen
anzufügen: wenn kein Russenangriff stattfindet (oder erst in ferner
Zukunft), dann sinkt so lange auch die Wahrscheinlichkeit für den
"Impakt", für die "Finsternis" und für die "Flut". Denn nach allem, was
ich bis jetzt verstanden habe (man möge mich bitte korrigieren!), stehen
die ungewöhnlichen Naturereignisse zeitlich in etwa parallel mit dem
"Krieg" und mit den "inneren Unruhen".
Dem ist nichts hinzuzufügen. Ansonsten ein sehr schöner Text.
Monsignore