Guten Tag!
Ich möchte hier Monsignore sekundieren und aus Gründen "vorsichtiger Vernunft" der Haltung von BB widersprechen, dass der der "Absturz" des Flugzeuges belangslos sei.
Wenn ich richtig verstehe (aber ich lasse mich gerne korrigieren), ist es die Intention des Forums, eine vermutete bevorstehende Weltenwende zu erkennen, und zwar aufgrund von "Schauungen" sowie deren Diskussion und deren Interpretation im Hinblick auf die aktuelle Weltlage.
Den Beiträgen in diesem Forum ist zu entnehmen, dass die vermutete bevorstehende Weltenwende als ein mega-katastrophales Ereignis aufzufassen wäre, und zwar sowohl im politischen Bereich als auch hinsichtlich von Umwelt und Natur. Die Wende soll so desaströs sein, dass sie außerhalb der bisherigen menschlichen Erfahrung und Einschätzungsmöglichkeiten liegt. Ferner sollen, und das ist sehr wichtig, die katastrophalen Entwicklungen in der Politik (wirtschaftliche, gesellschaftliche Entwicklungen etc. eingeschlossen) den Katastrophen in der Natur vorausgehen. In der Terminologie des Forums heißt das, vereinfacht ausgedrückt: erst russsische Invasion des Westens, dann dreitägige Finsternis (umgekehrt ausgedrückt: wenn keine Invasion, dann auch keine Finsternis).
Es widerspricht nun dem gesunden Menschenverstand, sich die russische Invasion folgendermassen vorzustellen: 35 Panzerdivisionen (Schätzung BB, hochgerechnet nach Angaben von Irlmaier) steigen in Moskau auf dem Flugplatz ein, fliegen bis in die Tschechei und überfallen von dort aus 6 Stunden später urplötzlich Deutschland und Österreich. Vielmehr muss der gesunde Menschenverstand annehmen, dass vor einem solchen Angriff Osteuropa destabilisiert ist und russischen Streitkräften (strategisch gesehen) offen steht. Polen zähle ich zu Osteuropa, und deshalb beobachte ich sehr sorgfältig, was dort geschieht. Denn es gibt, gemäß den Schauungen und ihrer Interpretation, eine Reihe von so genannten "Vorzeichen", die der russischen Invasion vorausgehen sollen, und die dahingehend gedeutet werden können (nicht müssen), dass auch Polen und seine Grenzgebiete von ihnen betroffen sein werden.
Im aktuell "abgestürzten" *) Flugzeug befand sich offenbar nicht nur der Präsident sondern ein bedeutsamer Teil der so genannten politisch-administrativen Elite des Landes. Die Reise nach Smolensk war gedacht als ein politisch-diplomatischer Akt, um das Verhältnis zu Russland neu "auszutarieren". Denn das Massaker von Katyn, zu dessen Gedenken die Gruppe unterwegs war, belastet noch heute die Beziehungen beider Staaten zueinander. Der "Absturz" des Flugzeuges bedeutet so gesehen einen Rückschlag, zumindest eine Verunsicherung für die polnisch-russische Diplomatie. Für Polen selbst bedeutet er politische Unruhe, da neue Wahlen sowie administrative Neubesetzungen notwendig sind (die sich nach der historischen Erfahrung immer auch mit Machtkämpfen verbinden). Das Ereignis führt insgesamt zu einer Destabilisierung des Landes, deren Ausmass und Fortwirkung gering sein kann, aber nicht muss. Ein kleiner Riss im Mauerwerk kann bedeutungslos sein - es hängt von den umgebenden Kräften ab. Nach meiner persönlichen Auffassung befindet sich Europa bzw. Osteuropa gegenwärtig in einer "gespannten" welthistorischen Umgebung.
Die geschichtlichen Erfahrung lehrt uns, dass die öffentliche Meinung stets manipuliert wird, und sie lehrt uns, dass die Regierungen der Staaten nicht immer Herren des Geschehens sind. Ich sehe mir in Fällen, wo die Beurteilung eines Ereignisses schwierig ist, gerne die Vergangenheit an. Denn ich habe festgestellt, dass in der Geschichte sich Ereignisse und Entwicklungen gerne wiederholen - nicht gleich, aber irgendwie ähnlich - und dass diese Wiederholungen gewissen Regeln unterliegen.
Vor knapp 70 Jahren ist bereits einmal ein politischer Führer Polens bei einem spektakulären Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, in einem Kräfteumfeld, das ebenfalls sehr angepannt war. Schon bald nach dem Absturz wurden Vermutungen laut, dass es sich nicht, wie in den Medien dargestellt, um einen Unfall gehandelt habe. Der Flugzeugabsturz damals betraf primär das Verhältnis Polens zu England (sekundär allerdings auch zur Sowjetunion). In ähnlicher Weise wie zu Russland ist heute Polen auch bemüht, sein Verhältnis zu England historisch aufzuarbeiten. Dazu gehört das Bemühen polnischer Historiker und Ermittlungsbehörden, den damaligen Absturz erhellen zu wollen. Doch wie aktuell im Falle Russlands gibt es auch in England heute noch Kräfte, die an einer Aufarbeitung und Ausgleichung der Geschichte kein Interesse haben **). Ich darf hierzu aus Wikipedia zitieren:
"Sikorski starb am 4. Juli 1943 während der Rückreise von einer Inspektion der polnischen Truppen im Nahen Osten bei einem Flugzeugabsturz in Gibraltar. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof der polnischen Flieger in Newark bei Nottingham beerdigt. Am 17. September 1993 wurden die Überreste auf den Krakauer Wawel überführt.
Nicht alle Umstände des Todes von Sikorski wurden vollständig aufgeklärt. Rolf Hochhuth hat in seinem umstrittenen Drama Soldaten (1967) die Auffassung vertreten, Winston Churchill habe Sikorski umbringen lassen, was Hochhuth auf Mitteilungen eines Zeitzeugen stützte und auf die Überlegung, es habe auf britischer Seite ernste Befürchtungen gegeben, Stalin könne durch Sikorski womöglich "aus dem Kriege herausgeärgert [werden], in einen Separatfrieden mit Berlin"[1]. Von Hochhuths Argumenten war auch der konservative Historiker Golo Mann "stark beeindruckt, wenn auch, was die Staatsraison betrifft, [...] nicht völlig überzeugt"[2]. Die Akten, die die Ergebnisse der Untersuchungen zu Sikorskis Tod beinhalten, bleiben bis zum Jahr 2050 unter Verschluss."
http://de.wikipedia.org/wiki/W%C5%82adys%C5%82aw_Sikorski
Heute ist es nicht mehr nötig, Akten zu verschließen. Denn die Manipulation der öffentlichen Meinung wie auch die Ausführung von gewissen Operationen ist nicht erst seit 9/11 so perfektioniert, dass man jede Aktion, wie auch die in Smolensk, beliebig "hindrehen" oder verhüllen kann. Wenn's sein muss, nimmt man dazu sogar echten Nebel.
Ich teile nicht die Ansicht ***) von BB, dass der "Absturz" der polnischen Maschine ein bedeutungsloses und nebensächliches Ereignis war. Ich fasse es vielmehr als ein denkbares Vorzeichen für bestimmte, nachfolgend zu erwartende weitere Vorzeichen auf.
Mit freundlichem Sonntagsgruß!
Gerhard
*) mit einiger Phantasie und grammatischer Dehnung könnte man dieses Partizip nicht nur passiv sondern aktiv auffassen ...
**) im Falle von Sikorski müssten eventuell, je nach Ergebnis der Aufhellung, auch bestimmte Auffassungen über die deutschen Geschichte jener Jahre revidiert werden ...
***) Leider kann ich meine Beurteilung nicht weiter begründen, da ich mich dann auf umfangreiche historisch-zyklische Argumentationen verlegen müsste, wofür hier kein Raum ist. Insofern handelt es sich bei meinen Ausführungen lediglich um eine persönliche Meinung bzw. um ein "Statement".