... (Schauungen & Prophezeiungen)

Fenrizwolf, Sonntag, 07.07.2013, 10:01 (vor 4862 Tagen) @ offtopic (1507 Aufrufe)

Vielen Dank!

ich habe mich da oben doch ziemlich pathetisch ausgetobt.
So wichtig kann ich kleines Licht gar nicht sein, daß ich einer
besonderen Behandlung unterzogen würde.

Es ist auch meinem Lebensabschnitt geschuldet, daß ich gerade
nun Überforderung erfahre.
Jetzt stehe ich biologisch im Mittelpunkt des Geschehens, und die
Umgebung gestaltet sich immer komplizierter.

So kleine Geschehnisse sind alle Banalitäten. Doch in der Summe
stellen sie die Welt dar. Und da hat jeder nur eine.
Und meine eigene kleine Welt ist sicher noch durch meinen Einfluß
im positiven Sinne wandelbar.

Und wenn ich mal zur Ruhe komme, wachsen da viel reifere Gedanken
als noch vor ein paar Jahren.
Die Sorgen, die ich mir mache, entstammen natürlich auch meinen Defiziten.
Aber wenn ich mich so im Kontext mit allem drum herum betrachte,
bin ich eigentlich nicht der Kandidat für eine besondere Lektion in Sachen Demut.
Ich würde vermutlich gar nicht hier schreiben, wenn meine Hybris
so ausgeprägt wäre, wie bei den meisten Leuten.

Als ein Grundübel unserer Zeit sehe ich vor allen Dingen die Komplexität
aller unumgehbaren Angelegenheiten und die Abhängigkeit der wichtigsten Grundlagen von einander.
Das schwächste Glied in der Kette, an der alles hängt, ist dann entweder
aus Vertrauen geschmiedet, oder aus Zwang.

Ich habe lange Zeit die armen Bauern bemitleidet, die hier demonstrativ ihre Milch in
die Kanalisation geleitet haben.
Später erfuhr ich dann, wie die Politik seit den 70er Jahren mit Subventionen aus Gehöften monströse Agrarunternehmen schuf - samt Butterbergen und Wachstumszwang für alle anderen.
Und so grotesk es klingen mag: selbst die körperlichen Dimensionen der beispielhaften
Landwirte sind ihren gigantischen Agrarmaschinen fast ebenbürtig.

Es ist ja nicht so, daß ich die Vorzüge der Moderne gänzlich verschmähen würde,
aber mir ist seit Ende der Neunzigerjahre klar, daß alles sein natürliches Ende finden muß.
Damals sprach man von Spaßgesellschaft und Politikverdrossenheit, was nichts anderes war
als die schon recht späten Konsequenzen einer gigantischen Fehlentwicklung und Dekadenz.

Ich schätze, daß mindestens 80 % der Menschen seelisch so weit unterentwickelt sind,
daß man, wenn man sie geschickt verleitet, jede böse Sache mit ihnen anstellen kann.
Es ist ja längst nicht so, daß alles schlecht ist, und man sich sein Leben nicht doch
irgendwie sinnvoll gestalten könnte, aber es wird alles immer wilder, und die paar
Konterbewegungen verlaufen wie kleine Wellen in einem sich aufbrausendem Tsunami.

Vermutlich waren die Zeiten niemals wirklich schön, aber heutzutage kommt man gar nicht
mehr zur Ruhe.
Wer kennt noch den Geruch von frisch geschnittenem Gras, oder bemerkt, daß sogar der Schall je nach Witterung anders kommt?

"Erkenntnisse" sind heute Echos akademischer Auftragsarbeiten; nicht mehr sensorischer oder gedanklicher Natur.

Für meine Behauptung, daß Bier aus grünen Flaschen unangenehm schmeckt, wurde ich immer ausgelacht. Und einige lachen vermutlich noch heute.

Auch wenn mir das Anklagen gerade so leicht von der Hand geht, muß ich aber sagen, daß ich grundsätzlich gutmütiger geworden bin.
Ich erkenne meine eigene Unvollkommenheit in anderen wieder, und kann auch anderen Freude gönnen, wenn ich selbst keine habe. :)

Irgendwie gewinne ich den Eindruck, daß ich einst rückblickend denken werde, daß mein persönliches Ringen und Winden auch schneller und schmerzfreier von Statten hätte gehen können.
Aber Reife kann man sich nicht von den Bäumen pflücken, sondern stellt einen Prozeß dar.


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