Boah, da graust es einem ja ... (Freie Themen)

Wizard, Berne, Montag, 08.11.2010, 04:36 (vor 5560 Tagen) @ Eyspfeil (12542 Aufrufe)

Moin Leute

Hatte hier schon länger nicht mehr gelesen und nach dem mich BB freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht hat, und ich nun alles im Faden durchgelesen habe, muss ich wohl wieder meinen Senf dazu geben (obwohl ich erst nicht wollte, und BB nur meine Erreichbarkeit weiter geben sollte).

@ Eyspfeil

Tu dir und der Eibe zwei ganz große gefallen:

• Lass das Holz lange genug trocknen und ablagern. Mindestens 8 Monate, besser das Doppelte.

• Übe das Ganze erst mal an "einfacherem" Holz, bevor du die kostbare Eibe versaust.

Ideal zum Üben ist Hasel, da leicht in Massen zu finden, recht einfach zu bearbeiten und ergibt durchaus brauchbare Bögen die auch einem Wildschwein den Tag verderben können. Alternativ zu Hasel wäre Esche. Die ist aber (meistens) nicht in Massen leicht zu finden und zudem ein bisserl schwerer zu bearbeiten. Wenn du so 5 bis 10 gute bögen aus Hasel und oder Esche gebaut hast, dann versuche es mit kostbarerem Holz wie Osage oder Eibe.

Tipp:
Lass das Holz die Bogenform vorgeben und versuche nicht das Holz in eine Wunschform zu zwingen. Und versuche nicht gleich am Anfang super "Männerbögen" mit richtig "Bums" zu bauen, "Kinderbögen" sind einfacher und sicherer zu bauen.

Wie bekommt man aus einer Brennessel ein Bogensehen?
Aus einer nicht, dazu braucht es ein paar mehr. Ernten tut man die vorzugsweise im Winter, wenn sie abgestorben und ohne Blätter in der Gegend herumstehen. Davon zwickt man sich möglichst lange Halme ab und klopft zu Hause auf einem Brett mit einem Holzhammer platt. Dadurch lösen sich die langen Fasern vom "Holz". Das Ganze ist dann Dichtungshanf nicht unähnlich. Daraus "zwirbelt" man sich einen langen dünnen Faden, aus dem man dann die Bogensehne (flämisch) herstellt.

Welches Werkzeug für die Herstellung von Bögen und Pfeilen?
Man kann dazu (fast) alles an Werkzeug nehmen, was der Werkzeughandel für die moderne Tischlerei anbietet. Es genügt allerdings auch ein (Flint)Steinsplitter, eine Glasscherbe oder ein Stück scharfkantiges Blech, wenn man nichts anderes hat. Es dauert halt nur ein bisserl länger.

Dieser Eschebogen wurde fast ausschließlich unter "Survivalbedingungen" gebaut, weshalb er auch so krumm ausschaut (nicht gerade gedämpft):
http://www.yggdrasil-forum.at/wiki/images/Tiller_01.jpg
http://www.yggdrasil-forum.at/wiki/images/Tiller_02.jpg
http://www.yggdrasil-forum.at/wiki/images/Tiller_03.jpg

Das "fast ausschließlich" bezieht sich darauf, das ich ihn mit einer Klappsäge abgesägt habe, beim groben Zurichten einen Speichenhobel verwendet und ihn dabei in eine Hobelbank geklemmt habe. Das grobe Zurichten war nur das grob auf Breite und Dicke bringen der Wurfarme. Der Rest der Arbeiten erfolgte mit einem Stück "Cutterklinge", welche schabend verwendet wurde. Gut, der abschließende Feinschliff (Schmirgelpapier) und das Lackieren waren nicht "Survivalmäßig" und für die Sehnenkerben hab ich eine kleine Feile genommen.

Da der gesamte bisherige Text zu dem Thema:
http://www.yggdrasil-forum.at/wiki/index.php/Pfeil_und_Bogen

Da gibt es auch was über Pfeile und Bogensehne und wenn man danach sucht, noch ein paar Texte von mir zu verschiedenen Survivalbereichen (z.B. Kanubau).

MfG

Wizard


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