Da nun Trace am 12.01.2010 im Januar dem Forum eine eigene Schauung
vorgelegt hat, könnten wir viele Fragen hinsichtlich der Seherei an
ihrem eigenen Beispiel besprechen. Ich halte ihren "realistischen Traum"
sogar besonders geeignet für eine derartige Untersuchung.
Meine Hauptfrage zu dem Traum von Trace ist die folgende: können wir
aufgrund der sehr klaren Beschreibung, die Trace von der Stadt und der
Landschaft gibt, diese Stadt, die wohl in Deutschland liegt,
identifizieren?
Lieber Gerhard,
ich hoffe, es wird mir nicht zur Angewohnheit, dass ich immer nur, wenn ich vermeintlich etwas zu mäkeln habe, mich melde. Während ich bei vielen erhellenden Gedankengängen nur interessiert mitlese, aber wie vielleicht andere auch Dich ohne Resonanz im Freien stehen lasse.
Wie Du fragte ich mich bei dem Beitrag von trace im Januar, welche Stadt sie denn geträumt haben könnte - gerade weil sie so "realistisch" von ihr beschrieben wird.
Du stellst die Frage jetzt öffentlich - und erst jetzt, durch die erneute Beschäftigung mit ihr, fallen mir die Schwachstellen bzw. möglichen Fallgruben einer solchen Frage und Deiner damit verbundenen Hoffnung im Hinblick auf diesen Traum auf.
Aber zuvor noch folgendes: Du setzt hier (ich vermute: sonst nicht) einen Traum - der an eine Schauung erinnert bzw. Aspekte einer Schauung haben mag - mit einer Schauung in eins. Ist das Konsens "unter den Fachleuten" hier? Ich glaube nicht, aber vielleicht habe ich was verpasst - und muss nochmal in den Grundkurs (oder hab den nie verlassen). Jedenfalls unterstellte ich bisher, dass Träume, auch wenn sie dem Träumenden (angeblich oder wirklich) Elemente der Zukunft zeigen, auf einer niedrigeren, nicht so (?) bewussten Ebene ablaufen. Gut, das Wort "niedriger" ist eine Wertung, die ich nicht begründen kann, und nehme sie deshalb zurück. Aber ein Traum ist doch eine Wahrnehmung, die auf einer anderen Ebene abläuft als ein Gesicht oder Gesichte im sog. Wachzustand. Selbst wenn dieser Traum einem "sehr klar" erscheint. Von daher bezweifle ich zumindest das: dass ausgerechnet ein Traum (egal ob von trace oder einer anderen Person) "besonders geeignet" sei für die Klärung von Fragen hinsichtlich der "Seherei". (Der Sehende mag in diesem Moment zwar irgendwie ent-rückt sein, aber aus einem Wachzustand heraus; und bei Irlmaier diskutierten wir gerade, dass er, darin allerdings Ausnahmeerscheinung, diesen Bewusstseins- oder Wahrnehmungszustand bis zu einem gewissen Grad sogar steuern konnte; Nostradamus fällt mir da auch ein.)
Dein eigentliches und einziges Argument für die besondere Geeignetheit dieses speziellen Traums von trace ist, dass er "realistische" Bilder enthalte und "sehr klar" von trace erlebt worden sei.
Hierzu zunächst aus meiner eigenen Erfahrung:
Ich hatte im letzten Sommer mal einen Traum, den ich hier ins Forum sogar einstellte, und der für meine Träume (soweit ich mich an diese erinnere) sehr untypisch war. Er wies Zukunftsaspekte auf und - er erschien mir "sehr klar". Die Bilder standen mir nach dem Erwachen klar im Bewusstsein und ich hatte das Gefühl, etwas Besonderes, etwas Relevantes, etwas geträumt zu haben, das nicht nur für mich von Bedeutung ist (weshalb ich ihn mir auch aufschrieb). Nebenbei: Der Traum enthielt die indirekte (will sagen: errechenbare) Aussage, dass Deutschland sich frühestens 2013 oder 2014 aus Afghanistan zurückziehen werde. Und das - für mich - Interessante war, dass wenige Tage, vielleicht zwei Wochen später, es erstmals in den Medien Nachrichten gab, dass die deutsche Regierung einen Abzug zu genau diesem (!) Zeitpunkt plane. Ich bleibe kurz bei meinem Traum: Der könnte etwas 'aufgeschnappt' haben, was schon existierte - als Überlegungen, Ergebnisse von Beratungen, taktischen oder propagandistischen Erwägungen usw. -, und was der Öffentlichkeit und damit auch mir nur zum Zeitpunkt meines Traums noch nicht bekannt war. Der Traum, wenn seine inhaltliche 'Botschaft' nicht ohnehin bloßes Hirngespinst und eine zufällige Übereinstimmung mit den späteren offiziellen Nachrichten enthält, muss also keinen eigentlichen Schauungsaspekt aufweisen - schon weil nicht bewiesen ist, dass Zeit- und andere Angaben irgeneiner deutschen Regierung dann tatsächlich auch so eintreffen, wie irgendwann mal verkündet. Doch zurück zu meinem Eindruck, dass mein Traum "sehr klar" war. Ich hatte dennoch nicht den geringsten Zweifel, dass die Bilder, trotz ihrer Klarheit und obwohl sie reale Verhältnisse (Gebäude, Straßen, Anordnung der "Dinge") vorgaukelten, keiner Realität außerhalb meines Traumes entsprachen. Weder gab / gibt es die Straßen noch die Menschen noch die Gebäude oder sonstwas so in der Realität wie ich sie "klar sah".
In meinem Traum zumindest wimmelt es nur so von Aspekten, die möglicherweise eine tiefere Wahrheit enthalten (auf der privaten Ebene bin ich mir dessen sogar ganz sicher), die aber verschlüsselt, also in symbolhafter Form Gestalt wurden - das "sehr Klare" der Bilder tut dem keinen Abbruch.
Dass Träume mit Symbolen arbeiten, sie in Vorgängen, Gegenständen, handelnden Personen 'etwas' verschlüsselt zum Ausdruck bringen (was manchmal dann von allgemeingültiger Bedeutung sein oder gar zukünftige Ereignisse vorwegnehmen kann) - damit sage ich Dir nichts neues, vielleicht sind Deine Kenntnisse sogar detaillierter als meine. Immerhin schreibst Du ja selber und gehst damit sogar einen Schritt weiter, wenn Du auch für Schauungen in Erinnerung rufst, was mehr als für sie für Träume ein Beinahe-Allgemeingut ist:
Wenn ich Taurecs Äußerungen richtig verstehe, dann hat er aber durch die intensive Beschäftigung mit Hunderten von Gesichten inzwischen den (meines Erachtens!) richtigen Zugang gefunden: er anerkennt, dass Schauungen irreale, phantastische und symbolische Inhalte haben, trotzdem aber eine Wahrheit ausdrücken können.
Beim Traum von trace aber dann doch nicht minder!
Phantastik, Ir- oder Surrealität und Symbolhaftigkeit kennen wir beispielsweise auch bei Filmen - deren Bilder selber können gleichwohl sehr "real" und "echt" auf den Zuseher wirken. Jeder Hollywood-Produzent kann Dir per Attrappe eine mitteldeutsche Kleinstadt im Fachwerkstil aufbauen lassen und dann abfilmen - und Du als Seher hättest keine Chance, diese Stadt im Original hier auf deutschem Boden jemals zu finden, weil es sie nicht gibt, auch wenn sie noch so idealtypisch "echt" im Film Dir vorgegaukelt wird. Warum sollte das Traum-Ich von trace schlechter sein als ein Hollywood-Produzent?
Damit will ich trace nicht runtermachen (im Gegenteil: ich erhebe sie gerne über jeden Hollywood-Produzenten), ich gebe nur zu Bedenken, dass es sein kann (nicht muss), dass trace eine idealtypische Stadt erträumte, sich diese und die Menschen in ihr und die Landschaft darum herum sich idealtypisch ausschmückte, kurz symbolhaft träumte - mit Wahrheitsgehalt...
Gerne würde ich Dir einen Städtenamen sagen können, der eine, der mir einfiel, schon im Januar, kann aufgrund mindestens eines Details aber nicht stimmen... aber ich frage weiter: Was hätten wir gewonnen? Dass der Traum von trace seherische Qualität hat? Ja, vielleicht. Aber würden wir deshalb auch schon all die beschriebenen Vorgänge und Ereignisse in diesem Traum glauben? Du selbst benennst ja "Sachverhalte", die nach Deiner Einschätzung "nicht stimmig" sein können. Würden wir also so oder so nicht daran vorbeikommen, das Beschriebene als eine Ansammlung von Symbolen anzunehmen, als Beimengung oder in Gänze - um zu versuchen, diese, die Symbole, so recht und schlecht wie das auch gehen mag, "aufzudröseln"?
Ich habe da einige Ideen im Kopf, bei Interesse schreibe ich sie, aber wenn, dann nicht mehr heute. Aber dann würde ich mich auf einer anderen Ebene bewegen: Es ginge nicht um das Auffinden der Stadt (und sollten wir sie finden, hätte ich nichts dagegen!), sondern um die Frage, was uns der Traum von trace auf einer Meta-Ebene vielleicht sagt. Mir sagt er einiges - zwar nichts wirklich Neues, aber er bringt in meinen Augen manches zur Anschauung, was sich auch in (anderen) Schauungen wiederfinden lässt und was auch aufgrund unserer Erfahrungen mir plausibel erscheint - unter der Voraussetzung, dass das große Bild, das uns hier im Forum eint, nicht nur eine Fata Morgana ist.
Zuviel geschrieben!
Einen schönen 1. April und Grüße!
Richard