Guten Abend!
Vor sechs Wochen hatte Monsignore eine Diskussion über chinesische Militärpräsenz in Mitteleuropa angeregt. Ich konnte mich damals aus Zeitgründen nicht beteiligen. Deswegen hier zwei Nachträge und ein paar zusammenfassende Gedanken aus meiner Sicht.
Als Schauungsquellen für die Thematik wurden damals erwähnt (1) Waldviertler, (2) Irlmaier sowie (3) ein anonymer LKW-Fahrer, der BB bekannt ist. Aber es gibt, und dies mein erster Nachtrag, auch (4) einige Stellen John XXL, die ich bereits einmal erwähnt habe:
https://schauungen.de/forum/index.php?id=6573
Das Johannes-XXIII-Buch von Pierre Carpi ist 1976 erschienen, und seinerzeit war eine weltgeschichtlichen Rolle Chinas eigentlich noch nicht das Thema der internationalen Politik (wiewohl einige Politikwissenschaftler durchaus schon das Potential Chinas erkannten hatten und im übrigen bereits Kaiser Wilhelm der Letzte neben der "roten" häufig auch von der "gelben" Gefahr sprach).
Nun lief mir in den letzten Tagen ein Link über den Weg, den ich hier ebenfalls nachtragen wollte:
http://www.inhabitat.com/2010/03/15/china-to-connect-its-high-speed-rail-all-the-way-to-europe/
Er beschreibt Pläne der Chinesen, mehrere Hochgeschwindigkeitstrassen von China bis nach Europa zu entwickeln - in Kooperation mit den betreffenden Anrainerstaaten. Für die Bauzeit werden 10 Jahre veranschlagt. Das geringste Problem scheint die Finanzierung zu sein (denn China hat genug Devisen und US-Bonds; die drei größten Banken der Welt sind dem Börsenkapital nach chinesische Banken *). Technisches Know-How ist auch vorhanden, man denke etwa an die sehr beachtliche Leistung beim Bau der Linie nach Tibet über tausende Kilometer Permafrostuntergrund hinweg. Was am meisten beeindruckt bei den chinesischen Planspielen, ist m.E. die Tatsache, dass die Chinesen überhaupt so weitreichend denken, geographisch gesehen, aber auch in wirtschaftlicher und technischer Hinsicht. Und natürlich signalisieren sie damit politische Absichten.
Ich glaube, auf diesem Hintergrund gesehen, sind die Überlegungen zu "Chinesen in Europa" aus Sicht der Schauungen ein zwar nicht zentrales aber doch ein interessantes Detail. Ich würde drei Ebenen unterscheiden, die m.E. allgemein auf die Analyse von Schauungen anzuwenden wären:
(1) Wie stabil sind die Quellen?
Die Hauptquelle für das Thema CHINESEN ist zweifellos der Waldviertler Landwirt. Taurec hat zu Recht bemerkt, dass seine diesbezüglichen Aussagen merkwürdig unklar, andererseits aber sehr zahlreich sind. Ich meine, man sollte beim WV anerkennen, dass ihn irgendetwas Wichtiges hinsichtlich der Chinesen umtreibt. Er muss etwas gesehen haben, das ihn verstört hat und das mit "den Chinesen" zusammenhing - und das er nun selbst zu verstehen suchte. Etwas unklar ist die Situation leider auch mit Irlmaier, der gelbe Menschen sieht, die aber für ihn doch keine Chinesen sind. Und damit, wie in allen übrigen Fällen mit Prophezeiungen, rinnt uns das Wasser am Ende wieder aus den Händen, bevor wir es trinken können. Aber ich finde es bemerkenswert, dass vor 20-25 Jahren, als die Prophezeiuungen zum ersten Mal ernsthaft diskutiert wurden (mein erstes Buch war Schönhammer, PSI und der dritte Weltkrieg, 1978), die Chinesen bereits ein Thema waren.
(2) Haben die Quellen Bezug zur Realität?
A: zur aktuellen Realität
Während für mich ein Angriff Russlands auf Europa zwar denkbar, aber aktuell nicht drohend ist **), finde ich es, wie eben gesagt, erstaunlich, dass uns die Schauungen so ganz nebenbei und unabsichtlich auf China aufmerksam machen (hier denke ich an den WV und an John XXL). Denn diese Schauungen wurden damit dem allgemeinen Trend nach teilweise bestätigt, auch wenn die militärische Konkretisierung mit rollenden chinesischen Panzern in Österreich noch aussteht. Zu letzterem Problem wurden in der Diskussion vor sechs Wochen zahlreiche interessante Vorschläge gemacht. Ungeachtet obiger Eisenbahnlinien klingen für mich Schiffstransporte am plausibelsten. Ich glaube, wenn der politische Wille oder irgendeine andere Notwendigkeit da ist, dann werden Transportlösungen auch gefunden. Und wenn sich in Europa ein "innerer Zusammenbruch" und eine militärische Krisensituation entwickeln und China dabei eine Chance des Eingreifens sehen würde (quasi als militärisches THW ...), dann würde China solch eine Herausforderung garantiert annehmen. Denn das würde allein vom Prestige und Vertrauen her ein immenser Gewinn sein. China als wirtschaftliche, politische und (unerkannte) militärische Macht ist heute bereits die volle Realität.
B: zu einer möglichen künftigen Realität
Einem Angriff "russischer Kräfte" auf Europa **) müßten Vorbereitungen vorausgehen, die längere Zeit in Anspruch nehmen und nicht verborgen bleiben würden. Aus heutiger Sicht einigermaßen denkbar wäre ein solcher Angriff nur, wenn zuvor eine allgemeine, extrem instabile Situation entstünde, die nicht nur den Nahen Osten, den Balkan und Osteuropa erfassen müßte, sondern vor allem auch die innenpolitischen Verhältnisse in den europäischen Kernstaaten. Die Ausbildung einer solchen Situation dürfte sich über mehrere Jahre erstrecken - je nachdem wie schmerzhaft die zugrundeliegenden Störungen im Wirtschaftsleben (etwa eine extreme Rezession) sein würden. In China hätte man damit Zeit, entsprechende Entwicklungen zu beobachten und sich darauf einzurichten. Nicht nur die größten Banken, auch die größten Containerschiffe fahren heute für die Chinesen. Einzelne Personen aus dem Verfassungsschutz glauben zu wissen, dass China in der BRD 30.000 stille Spione habe, die unsere gesamte, vor allem aber die technologische Entwicklung genau beobachteten und auf Anweisung auch mal Patente oder Know-How abgreifen könnten.***)
(3) Welche Relevanz haben die Aussagen überhaupt?
Auf dem Treffen 2001 soll der WV die ABC-Anzüge der Chinesen beschrieben haben (zwei Schläuche links ...). Sofern man an "Prophezeiungen" glaubt, könnte einem das eine Gänsehaut machen. Ansonsten denke ich, dass das Thema Chinesen für das praktische Überleben im Krisenfall überhaupt keine Bedeutung hat. Denn man wird ohnehin versuchen, sich von Kriegshandlungen und -parteien fernzuhalten. Und wer kennt schon das Hoheitskennzeichen der Volksbefreiungsarmee, und wer kann Chinesisch? Aus der nochmaligen Lektüre der betreffenden Texte gewinne ich selbst eher den Eindruck, als wäre dann, wenn die Chinesen hier in Deutschland auftauchen, das große Drama schon vorüber (ihr Erscheinen im Waldviertel oder Südrussland wäre ein anderes Thema, aber ebenfalls belanglos ist, da dorthin ohnehin niemand gehen würde, wenn er ein "Survival" plant).
Aufgrund meiner historisch-zyklischen Forschungen bin ich zufällig darauf gestoßen, dass die chinesische Armee ab der zweiten Hälfte dieses Jahres und bis Mitte 2011 in einen Konflikt verwickelt werden könnte.****) Das wird ganz sicher nicht ein Konflikt in Europa sein, viel naheliegender wäre ein innenpolitischer Konflikt, etwa bei der Unterdrückung von inneren Unruhen. Doch wäre es vielleicht eine Gelegenheit, etwas mehr über die Volksbefreiungsarmee zu erfahren, die als die zahlenmässig "größte" Armee der Welt gilt, aber auch in Fachkreisen völlig unbekannt zu sein scheint.
MfG, Gerhard
Anmerkungen
*) Größte Banken
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,623219,00.html
**) Russian Ground Forces
Einen deutschen Wikipedia-Artikel über die Russische Armee (Bodentruppe) gibt es immer noch nicht.
Die englische Version spricht von:
Main Battle Tanks 22,800 (~6,500 active)
Armoured Infantry Fighting Vehicles 15,000 (~6,000 active)
Armoured Personnel Carriers 9,900 (~6,400 active)
Towed Artillery 12,765 (~7,550 active)
Self Propelled Artillery 6,000 (~3,500 active)
Multiple Rocket Launchers 4,500 (~ 900 active)
Mortars 6,600 (~2,600 active)
***) Chinesische Schläfer und Spione
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/529896/index.do
****)
Ausgehend von der Gründung der Armee im Nanchang-Aufstand (01.08.1927) gibt es einen 20/21-jährigen Zyklus: 1948f Endphase des Bürgerkrieges mit Eroberung der Hauptstadt, danach Ausgreifen nach Tibet; 1969f Grenzkonflikte mit den Russen (Ussuri); 1989 Tiananmen-Massaker.
PS:
Obwohl es nicht zum Thema hier gehört, kann ich es nicht unterlassen anzufügen: wenn kein Russenangriff stattfindet (oder erst in ferner Zukunft), dann sinkt so lange auch die Wahrscheinlichkeit für den "Impakt", für die "Finsternis" und für die "Flut". Denn nach allem, was ich bis jetzt verstanden habe (man möge mich bitte korrigieren!), stehen die ungewöhnlichen Naturereignisse zeitlich in etwa parallel mit dem "Krieg" und mit den "inneren Unruhen".