Wermut (Schauungen & Prophezeiungen)

ITOma, Donnerstag, 10.06.2010, 01:29 (vor 5819 Tagen) @ Monsignore (5375 Aufrufe)

Hallo Monsignore

Die Idee, daß es sich bei dem Stern "Wermut" um Tschernobyl handelt, ist mir seit Tschernobyl bekannt, und ich sehe das ebenso.

Da zuerst jedoch ein Berg mit Feuer brennend ins Meer fährt, dann erst ein
Stern runter fällt, können wir das wohl zu den Akten legen.

Da bin ich allerdings nicht Deiner Meinung. Zugegeben, Tschernobyl war kein "Stern". Aber die Aussage "Wermut" ist wesentlich spezifischer als die Aussage "Stern fällt vom Himmel". Von letzterer gibt es ja mehrere in der Offenbarung, aber "Wermut" gibt es nur einmal, und der Name ist auch so ungewöhnlich, daß er sich nicht durch irgendein x-beliebiges Ereignis erfüllen kann.

Ich gehe deshalb davon aus, daß mit "Wermut" = Tschernobyl der Vers 11 erfüllt ist.

Was ist aber mit dem "Stern" in Vers 10? Der gehört m.E. nicht (mehr) zu Vers 11. Wie er dahin kam, dafür sehe ich mehrere Möglichkeiten:

1. Johannes hat es wirklich so gesehen.
Dann handelt es sich um einen Fall von "Bouvier'scher Unschärfe", d.h. entweder stimmt die Zeit nicht, dann erfüllt sich das Gesehene weitgehend so wie es gesehen wurde, oder aber die Zeit stimmt, dann erfüllt sich das Gesehene in erheblich veränderter Form. Eine dieser beiden Möglichkeiten tritt eigentlich bei jeder Prophezeiung ein.

2. Als Spezialfall von Bouvier'scher Unschärfe würde ich die "Doppelbelichtung" ansehen. Dabei sieht der Seher zwei Ereignisse, die sich überlagern. Sie liegen zwar auf derselben Zeitachse, aber in unterschiedlichem Abstand: das eine fern, das andere nah. Dabei ist eins der Ereignisse (das zeitlich weiter entfernte) wesentlich eindrucksvoller und folgenreicher als das andere, und erscheint aufgrund dieser "Leuchtkraft" als Teil derselben zeitlichen Umgebung wie das nähere, nicht so eindrucksvolle; der Seher sieht also eine Mischung von beiden.

Hier könnte durchaus so eine Doppelbelichtung vorliegen. Dann würde uns der Stern, der das Süßwasser vergiftet, noch bevorstehen, während "Wermut" schon erfüllt ist.

3. Johannes hat es nicht so gesehen. Sondern die Überlieferung hat (wie so oft) geschlampt: Ungenaue mündliche Weitergabe, Abschreibfehler, Übersetzungsfehler, falsch restauriertes Manuskript usw. usw.
Dadurch wurde dann der Stern mit dem Wermut verheiratet, obwohl beide anderweitig gebunden waren ;-)

Meiner Meinung nach liegt im Vers 10-11 einer der drei genannten Fälle vor, daher sehe ich keinen Grund, das Ganze zu den Akten zu legen.

Hoffe, meinerseits zur Erhellung beigetragen zu haben

ITOma


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