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Nationalismus (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Montag, 15.11.2010, 01:44 (vor 5661 Tagen) @ BBouvier (3075 Aufrufe)

Hallo!

Hierzu:

1)
Waren die Deutschen nie jemals (wie viele andere Völker)
nationalistisch. Deutschland hatte nur ein paar Jahre eine
national-sozialistische Regierung.
Selbstvergötzung und Überheblichkeit ist der deutsche Seele
fremd, wie nur was!
Hingegen sind wir fremdenfreundlich, aufbauend, friedlich,
ehrlich, fleissig und nachdenklich.
2)
Ist der Anhang "...istisch" oder "...ismus"
eine Überhöhung und Setzung des Absoluten.

meinen diese Sätze oben dass es wieder zu Vertreibung der

"Anderen" kommen wird.

Nationalismus gab es nur in der Zeitspanne zwischen dem Ende der kulturellen Ordnung (Fixpunkt: französische Revolution) und dem Zeitpunkt, da die innere Kraft der Völker derart erlahmte, daß alle Grenzen hinfällig wurden und allein der technisch-ökonomische Fortschritt als maßgebend übrig blieb.

Nationalismus setzt die Existenz selbstbewußter Völker voraus.
Bis zur französischen Revolution war die Ordnung schlechthin monarchisch. Völker waren Tatsachen, die gefühlt wurden, die Herrschaft jedoch strikt auf Fürsten ausgerichtet. So war "Deutschland" als seelische Form aller Menschen vorhanden, die in den Fürstentümern des heiligen römischen Reiches beheimatet waren. Es war so natürlich, deutsch zu sein, wie man Christ war. Die gesonderte Betonung dessen war nicht nötig.

Das änderte sich im 19. Jahrhundert mit dem Niedergang, was zweierlei Gründe hat: Zum einen mußten sich die bewahrenden Kräfte dem Strome der Zeit beugen und sich gegen die nivellierenden, sozialistischen Ideologien abgrenzen. Das geschah im Grunde parlamentarisch. Auch die Königstreuen sind eine Parteiung. In dem Maße, in dem der Liberalismus und die Arbeiterbewegung fortschritten, mußte sich die Nation, unter deren Begriff sich die Werte der alten Ordnung sammelten, stärker profilieren. Die Hochzeit des Bürgertums war bereits die erste Stufe des Untergangs und die Hochzeit des Nationalismus.
Der Hauptgrund liegt aber im Rationalismus, der seitdem die Grundlage bildet. Viele Menschen befanden sich nun als Entwurzelte in den Großstädten, in einem durchgeistigten Lebensumfeld, das von Aufklärung, Wissenschaft und zunehmend antiklerikal geprägt war. Eine durch und durch skeptische Geisteshaltung. Die zuvor intuitiv gefühlte Selbstsicherheit (z. b. als Deutscher) begann unsicher zu werden. Man begann über das zuvor selbstverständliche nachzudenken. Die Völker wurden sich so in den Weltstädten ihrer selbst bewußt.
Daß man sich als Nationalist als Deutscher betrachtet und rühmt, ist ein deutliches Anzeichen für den Schwund und daß das eigene Deutschsein bereits unsicher geworden ist. Davon ist seit der Wende zum 19. Jahrhundert, seitdem die Sache auf dem Tisch liegt, kein Kopf ausgenommen. Stabilität bei einem unsicher gewordenen Seelengrund findet man in gegenseitiger Bestärkung. Man ruft die Volksgemeinschaft aus. Das ist die Zeit der großen Massenbewegungen des Nationalismus.

Die beiden Weltkriege waren nicht nur die Kriege zwischen Nationen, sondern auch das Ringen um den inneren Bestand der Völker, das Ringen um alte Werte und um die alte Ordnung. Es verlief dabei nicht nur eine Front zwischen Deutschland und Frankreich oder Deutschland und England, sondern zugleich durch jedes dieser Völker zwischen Fortschritt (also Niedergang) und Bewahrung.
Darüber hinaus fiel Deutschland als Nachzügler im Zyklus die Rolle des Bewahrenden zu. Das Preußentum war gegen den Fortschritt gerichtet. Allein deswegen mußte es von England und Frankreich, wo der Schritt zum Niedergang zuerst getan wurde, bekämpft werden. Nach zwei Kriegen war diese Bastion gestürmt.
Die großen Ideen, für die sich Millionen töten ließen, sind verbraucht. Dazu gehört auch die Idee der Nation. Seit dem zweiten Weltkriege sind auch die Formen des Bürgertums, die erste Stufe der Zivilisation im Verfall begriffen. Nachdem zuerst der Adel abgeschafft wurde, wird nun das Bürgertum abgeschafft. Die Demokratie wird hohl und auch der Sozialismus wird zum hohlen Schlagwort. Die Nationalgrenzen verwischen zugunsten technischer und wirtschaftlicher Umwälzungen. Zuletzt verflachen die Nationalcharaktere zugunsten einer fellachoiden, technisierten, hedonistischen Einheitskultur mit globaler Erstreckung, die nur noch durch die Höhe des Einkommens geschichtet ist.

Es läuft in der Phase des Niedergangs alles auf Vereinheitlichung, auf Einebnung der Unterschiede hinaus; auch nach der Brechung der Geldherrschaft. Daher kann es keinen Nationalismus mehr geben, weil dieser auf strenge Abgrenzung gerichtet ist. Was wir also jetzt in Form der EU haben - fehlende Souveränität der Nationen -, ist bereits das künftige Kaiserreich unter verkehrtem Vorzeichen.

Es bleiben gewisse Grundzüge der völkischen Seelen vorhanden, eben jener Rest, der auch dem Zivilisationsmenschen nicht ins Bewußtsein dringt. Das ist das faustische Lebensgefühl des Europäers schlechthin. Das ist das preußische Pflichtgefühl, Fleiß und Gründlichkeit des Deutschen, die so tief in uns sind, daß sie nicht abgeschafft werden können. Spengler bezeichnete das Preußentum als eine beständige Möglichkeit des Deutschen, die jederzeit wieder aufkeimen kann.

Frankreich ist schon lange innerlich verbraucht, das englische Imperium ist untergegangen, sein Erbe, das amerikanische Imperium scheitert soeben. Von den drei bestimmenden europäischen Völkern bleibt allein das deutsche übrig, nicht zuletzt weil wir aufgrund unserer Eigenschaft als Spätzünder am wenigsten verbraucht sind.
Ohne nationalistische Abgrenzung gegen gleichwertige, ähnlich starke Nachbarn bleibt nur die Ausdehnung der deutschen Herrschaft, zumindest auf das restliche Europa. Wir tragen den Sieg davon, weil alle anderen vor uns sterben.

Dem Kaiser wird die Rolle zufallen, den nach zwei Jahrhunderten völlig formlosen Bevölkerungsmassen ein künstliches Rückgrat einzuziehen. Er muß dabei auf die Eigenschaften achten, die in den Völkern ursprünglich vorhanden sind und ihre innere Ordnung vorgeben. Den Deutschen als das stärkste und organisationsfähigste Volk wird dabei eine leitende Rolle zukommen. Unter ihrem Protektorat wird sich das Ursprüngliche, sofern es noch am Leben ist, frei entfalten können.

Insofern ist mit einem europäischen Kaiserreich unter deutscher Vorherrschaft zu rechnen, wobei die fremdenfeindliche Einstellung des Nationalismus nicht mehr vorhanden ist, bzw. sich (anders als heute) nur jene erstreckt, die tatsächlich stören.

Was sich da entwickeln wird, muß aufgrund des schon stattgefundenen Verfalls notwendig an seelischer Höhe (und entsprechender Tiefe) und Strenge der Form hinter der Vergangenheit zurückbleiben, zumindest wenn man sich an Spengler hält. Da er aber nicht allwissend war und wir von unberechenbaren Ereignissen ausgehen, muß man zumindest theoretisch in Betracht ziehen, daß es sich anders verhält, daß irgendeine Änderung der metaphysischen Spielregeln eintritt oder daß die Menschen durch die Katastrophen eine Wandlung durch Läuterung hin zu einer neuen, tieferen Verwurzelung (in der Schöpfung) erfahren. Spengler gibt nur Umrisse einer Morphologie, einen zwar umfassenden, aber groben Verlauf, keine konkreten Inhalte. Er konnte nur mit dem rechnen, was zu seiner Zeit bereits da war.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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