Moderatorstäbe (Schauungen & Prophezeiungen)

WG, Mittwoch, 16.03.2011, 19:45 (vor 5704 Tagen) @ Joe (3063 Aufrufe)

Hallo Joe

Das Abschalten der AKWs bei Erdbeben (ich war schon mal in einem AKW)
geschieht u.a. dadurch dass von oben irgendwelche Stäbe zwischen die
Brennstäbe 'fallengelassen' werden. Diese Stäbe bestehen aus Material was
die Kettenreaktion abbremsen soll. (In Tschernobyl war da wohl Graphit
drin, dummerweise hat es sich wohl entzündet da es zu höheren Temperaturen
wie geplant kam).
Bei alten AKWs werden die Stäbe gegen die Schwerkraft von unten eingeführt
(erfordert Energie), während bei neueren AKWs die Stäbe dank der
Schwerkraft von alleine 'reinfallen' sollen. Mit diesem Stäben wird u.a.
auch die Leistung des AKW gesteuert, je tiefer die Stäbe eindringen desto
mehr wie die Kettenreaktion abgebremst.

Völlig korrekt Joe. Ich saß vor 27 Jahren bei der KWU (Kraftwerkunion) in der Normenkontrollstelle als Hilfskraft technischer Zeichner. Dort zeichnete ich damals die Brennelemente zu Dokumentationszwecken im zusammengebauten Zustand aus hunderten von Einzelteilzeichnungen. Die Stäbe heißen Moderatorstäbe, bestehen hauptsächlich aus Zirkon (soweit ich mich entsinne) und haben die Aufgabe die freien Neutronen der Kettenreaktion zu absorbieren, damit die Reaktion gesteuert werden kann. Die ganze Konstruktion ist an E-Magneten aufgehängt und fällt im Notfall in die Brennelemente hinein. Jeder einzelne Stab ist in einem Rohr geführt. Wie lang die Brennelemente sind weiß ich nicht mehr, es können 6- 10 m gewesen sein. Ich kann mich noch entsinnen, als jemand vom TÜV da war und ein riesiger Streit ausbrach, ob die Dinger auch mit absoluter Sicherheit vollkommen in die Brennelemente fallen oder nicht. Der TÜV war nicht der Meinung. Ich denke jedoch, dass dies schon der Fall ist, weil diese eben in Rohren geführt werden und oben ein großes Gewicht (dicke Metallplatte) auf die Stäbe drückt. Da kann sich normalerweise nichts verkanten. Aber bei einem plötzlichen Erdbeben bei dem schlagartige Seitwärtsbewegungen auftreten, wäre dies durchaus denkbar, weil man schlicht und einfach mit starken Erdbeben hierzulande nicht rechnet. Ferner ist die dann noch notwendige Kühlung, bis die Brennstäbe keine Hitze mehr abgeben, zu gewährleisten und das ist - siehe Japan - immer der technische Knackpunkt im Falle eines Erdbebens.

Da sich der Schaden in Japan von Tag zu Tag ausweitet, rechne ich eher an eine Vollabschaltung sämtlicher AKWs in Deutschland, auch wenn sich die pol. Diskussionen darum noch eine Weile hinziehen werden. Jedenfalls wird dies in Deutschland eher geschehen als in der Tschechei.

Gruß
WG

―
Das was nicht fliegt, kann auch gewaltig abstürzen!


Gesamter Strang: