Hallo!
Oder, Kairo. Was da in Gizeh steht, sprengt natürlich alle Vorstellungen. Aber dass die Porträtkunst der frühen koptischen Klöster und die Ibn-Tulun-Moschee auf eine andere Weise genauso grossartig sind, wird gerne übersehen. Sind die Klöster keine Kultur und die Ibn-Tulun-Moschee auch nicht? Weil ein Raum nur einmal eine Hochkultur haben darf?
Nein, nicht einmal, aber nicht mehrmals dieselbe Hochkultur.
Die ägyptischen Fellachen wurden zunächst durch Griechen besetzt, später durch Araber, die dort ihre Kultur etablierten. Die koptischen Christen sprechen zwar noch eine Sprache, die direkt auf das altägyptische zurückgeht, sind jedoch seelisch und kulturell Araber. Ihre Kunst ist arabisch und daher innerhalb des arabischen Kulturkreises sinnvoll.
Dasselbe geschah in Italien. Die Germanen haben das zusammengebrochene weströmische Reich besetzt, bildeten fortan in Italien die Oberschicht, werteten die italienischen Fellachen kulturell und blutmäßig auf, wodurch sie ihnen zu neuer Kultur verhalfen, aber eben der germanischen. Auch die italienische Renaissance war ein germanisches Erzeugnis, das sich nur gewisser antiker Oberflächenformen bediente.
Darüber hinaus kann auch in der Zivilisation schöne Kunst geschaffen werden.
Der Unterschied ist jedoch, daß in der Kultur alle Kunst einen gemeinsamen Takt in der Seele aller dieser Kultur angehörenden Kunstschaffenden aufweist. Es gibt Stilepochen, die sich von Kunstzentren ausbreiten und den ganzen Kulturraum prägen, bis dieser Stil ausgebrannt ist und von einem neuen ersetzt wird. Die Menschen werden davon innerlich mitgerissen und können gar nicht anders, als diese Kunst zu schaffen, weil sie ihr Allerinnerstes, den gesamten Sinn ihrer Lebenswelt anspricht und zum Ausdruck bringt. Das ganze Volk trägt diese Kunst und schafft sie mit traumwandlerischer Sicherheit in ihren Stilmitteln als Ausdruck des Lebens der Kultur (die von Spengler eben als ein großer Organismus verstanden wurde).
In der Zivilisation ist die Kunst anders geartet. Die Möglichkeiten der Kultur sind verbraucht. Die Kunst wird stillos. Demzufolge kommt es zur Ausbildung vieler verschiedener Richtungen (musikalisch z. B. Rock, Elektro, Rap, Jazz, etc.). Es wird nichts höheres mehr zum Ausdruck gebracht, dem alle innerlich zustimmen können, bzw. wem die Masse zustimmt, ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Menschen. So kommt es, das z. B. Liebe und Sexualität im flachsten emotionalen und biologischen Sinne in heutigen Kunstprodukten aller Sorten eine so große Rolle spielen. Das kennen alle, es fehlt aber jegliche seelische, tragische Tiefe.
Es gibt keine neuen Stile mehr. Zuletzt hat man bei uns wohl architektonisch im Jugendstil etwas Neues zu machen versucht, ohne daß es geglückt wäre. Danach kam nur noch technische Zweckmäßigkeit mit Ornamenten auf Legosteinniveau, innerlich leer und sinnlos, völlig nihilistisch. Es wird nur noch älteres in oberflächlichen Abwandlungen kopiert. Darüber täusche man sich nicht, wenn man meint, daß es heute sehr viele verschiedene Kunstrichtungen gäbe. Sie nutzen oberflächlich verschiedene Techniken und Stilmittel, bringen jedoch die Massenseele mit ihren Allerweltsproblemen zum Ausdruck, die von den Problemen eines aufwärtsstrebenden Kulturmenschen, der etwas über ihm liegendes fassen will, grundverschieden sind. Der Künstler bringt nicht mehr in erster Linie die Seele seiner Kultur zum Ausdruck, sondern nur noch seine eigene, sich selbst, seine Persönlichkeit (mit ihren Problemen)!
(Zudem gibt es wohl noch so etwas wie politische Kunst, wie sie z. B. von Feministen und Holocaustanhängern fabriziert wird und die mehr der Propaganda ähnelt.)
Exkurs: Goethe und Schiller haben um 1800 an einer Abhandlung über den Dilettantismus gearbeitet, nachdem sie feststellten, daß in ihrer Zeit die Erzeugung von Kunstprodukten zur reinen Unterhaltung, aus Zeitvertreib und ohne höheren Sinn stark anzusteigen begann. Darin hat sich der Zusammenbruch der abendländischen Kultur bereits anzukündigen begonnen, was die beiden offenbar geahnt haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, was sie über den Schaden durch Dilettantismus schrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_den_Dilettantismus#Schaden
Der Mensch tätigt mit seiner Kunst also keine allgemeingültige objektive Aussage, sondern eine subjektive, seinem eigenen Charakter entsprechende, wobei er ältere Kunst kopiert. Es ist also das, was ich oben schrieb. Heute sind alle Dilettanten.
Daß man heutige Kunstprodukte subjektiv schön und sinnvoll finden kann, weil sie in einem selbst etwas ansprechen, wohl weil der jeweilige Künstler gewisse seelische Eigenheiten mit einem teilt und man sich geschmacklich zu einer Richtung hingezogen fühlt, ist natürlich nicht ausgeschlossen. Man sollte sich jedoch des Unterschiedes eingedenk sein.
Gruß
Taurec
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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“