nein, er geht nich schlafen. schaem dich!
ja. aber glaubst du wirklich, dass kultur jemals ein die ganze bevoelkerung gleichmaessig durchdringendes phaenomen war?
kultur war immer und ueberall elitaer. elitaer auf dem ruecken der felachischen (spenglers bezeichnung benutzend) bevoelkerung. welche dann nach untergang einer kultur mehr oder weniger unberuehrt uebrig blieb.
kultur braucht muße. muße setzt voraus, von anderen ernaehrt zu werden, zu schmarotzen.
Trifft denn diese Beschreibung auf irgendjemand besser zu als auf die Popstars- und Sternchen der Zivilisation? Man denke nur an Michael Jackson, der sich einen Irrsinn an Reichtum eingefahren hatte, bevor er sich mit diversen Klagen verzettelt hatte.
nee, nich so richtig. jackson und co liefern ja was. die musik, den tratsch und klatsch, die werbung fuer bleichmittel...
das ist irgendwie schlecht zu vergleichen.
damals haben die maechtigen, reichen (die ich mit "schmarotzer" meinte), die elite, die kulturtraeger, sich musiker und andere kuenstler zu ihrer unterhaltung gehalten.
dank moderner technik und hoeherem volkswohlstand entfallen diese maezene heutzutage, die kuenstler(zumindest die musiker) verkaufen (sich) direkt ans volk.
Nun ist Reichtum bzw. Schmarotzertum keinesfalls gleichbedeutend mit künstlerischer Leistung. Aber ich denke, auch heute noch finanzieren sich wahre Künstler oft auf Kosten der vielen "dummen" Konsumenten, die oft die wirkliche Leistung nicht zu schätzen wissen (und dabei will ich mich selbst keinesfalls ausnehmen).
wie gesagt, meinte ich die maezene, nicht die kuenstler.
dass kuenstler werke liefern, die den dummen gefallen, halte ich fuer legitim.
frueher haben sie stettdessen eben werke geliefert, die den maechtigen gefielen.
Dann horch dir mal "Vince" Weber an. der hat klasse. (auch wenns nicht unsere kultur ist)
Vince Weber kenne ich nur oberflächlich. Hatte er nicht mit Otto Waalkes zu tun?
BANAUSE!
vince ist einer der besten weissen bluesmusiker!
das einzige, was er mit waalkes gemeinsam hat(te), ist dass beide in hamburger kneipen fuer bier auftraten, bevor die plattenfirmen die "top szene hamburg" erfanden.
Unabhängig von ihm finde ich aber grundsätzlich, dass ein Künstler nicht deswegen als "kulturfremd" angesehen werden muss, nur weil er fremde Kultureinflüsse in seine Kunst mit aufnimmt. Wenn er einen deutschen Pass hatte und Deutsch gesprochen hat, dann war er Deutscher, Punkt.
er war kein beutegermane, sondern (soweit ich weiss) volksdeutscher, hat aber auf englisch gespielt und gesungen. und zwar gut. und zwar neger-blues. womit seine musik fuer europa in meinen augen zwar schoen, aber kulturfremd war. doppelpunkt.
ja, soifz... - ich hab zwei toechter, die bis zum klavierlehrerdiplom fuer klassik geuebt haben. klassik kann auch auf den geist gehen.
Das kann sie! ;)
besonders, wenn man das ueben hoert... fuenfzehn jahre lang...
ich geh voll mit dieser aussage konform. trotzdem ist das nichts, was als kulturelle leisung fuer europaeer anerkannt werden kann.
Siehe oben: Sie waren sicher keine Europäer, aber doch als Amerikaner Teil der westlichen Welt und ihrer Kultur. Ohne afrikanische Einflüsse hätte es sie nicht gegeben, aber ebensowenig ohne die Einflüsse der europäischen Klassik.
Ohne die europäischen Grundlagen hätte es keinen Jazz gegeben.
nu mal langsam. kultur und nordamerkia sind sich gegenseitig ausschliessende begriffe.
in nordamerika sehe ich nur drei kulturen:
die allgemein indianische in ihren verschiedenen formen,
die der eskimos und
die der afrikanischstaemmigen sklaven.
aber der "mainstream" ist eindeutig zivilisiert, nicht kulturell.
apropos bilder - der impressionismus war wohl so ziemlich der letzte stil, den ich als kultur bezeichnen wuerde. da gab es noch dies gemeinschaftlich draengen und sehnen vieler kuenstler in die selbe richtung.
waehrend all die abstrakten und halbabstrackten danach "nur" kuenstlerische individuen waren.
Die Frage nach dem Individualismus ist sicher ein Knackpunkt. Das kann ich nicht leugnen. Ganz persönlich neige ich der Meinung zu, dass ein gesundes Mittelmaß der goldene Weg ist: Ganz kann man die Uhr nicht zurückdrehen, sollte es auch nicht veruschen, da das nur schlimme Nebenwirkungen hätte. Aber doch finde ich ausufernden Individualismus sehr schädlich.
koennen wir uns das aussuchen? ich glaube nicht.
wir koennen als individuen zwar mehr oder weniger kulturelle angewohnheiten und werte beibehalten, aber wir koennen nicht wieder "kulturell" werden.
der zug ist abgefahren.
wir sind zivilisiert. materielles beeinflusst uns mehr als kulturelles.
wir koennen die entwicklung der zivilisatorischen dekadenz etwas beschleunigen, oder verzoegern, aber wir koennen sie nicht verhindern.
wir koennen zeugen der kultur unserer vorfahren in der glasvitrine aufbewahren, um kultiviert zu wirken, aber kulturell sein? das koennen wir nicht mehr.
wir koennen nur (moeglichst angenehm) den untergang des europaeischen kulturkreises leben.
aber, das ist halb so wild. der prozess, falls er ungestoert ablaeuft, dauert noch jahrhunderte.
falls er ungestoert ablaeuft... - und damit sind wir zurueck hier im forum.
die schauungen weisen darauf hin, dass der prozess nicht ungestoert ablaufen wird, sondern dass einige wenige ueberlebende wieder auf ein niveau wie im spaeten mittelalter zurueckgeworfen werden.
innerhalb einiger generationen landen deren nachfahren dann wohl in einer phase, die dem finstersten teil des mittelalters entsprechen duerfte. mit verliust von furchtbar viel wissen, dafuer mit neuen lokalen keimen fuer neue (hoch)kulturen.
das wort "Europa" wird dann einen aehnlichen klang haben, wie heutzutage der begriff "Atlantis".
dann kommen irgendwelche kerle, die zum arbeiten zu faul sind, und erzaehlen den menschen von der grossen Sündflut, die nur der prophet Detlef und seine familie ueberlebt hat.
und schon haben die wieder ne religion, und die ganze scheisse geht wieder von vorne los.
In Bezug auf die Kultur sehe ich das ähnlich: Wenn die Gesellschaft nicht im Gleichschritt marschiert, wird es auch die Kultur nicht tun. Das hat Nachteile, aber auch Vorteile. Persönlich bin ich für recht freie Entfaltung des Individuums, solange ein lockeres gemeinsames Band noch existiert.
Denkfehler: die Gesellschaft.
in der kultur ist es erst der clan, dann der stamm, dann das volk.
in der zivilisation erst, ist es die gesellschaft.
oh, ja, ich fuehle mich als kulturbanause auch recht wohl in der zivilisation.
allerdings bin ich mir bewusst, dass die lockeren baender, die uns noch zusammenhalten, eher wirtschaftlich und materiell sind, und weniger ideell.
Unabhängig von Spengler habe ich das Zitat von Baha'u'llah, dem Begründer der Bahai-Religion im Ohr: Dass nämlich Zivilisation, ins Übermaß gesteigert, Unheil bringt (Kitab-i-Aqdas). Nun ist die Frage, was "Übermaß" ausmacht. Wie so oft denke ich hier, "ein bisschen kann nicht schaden".
tja, ein bisschen zivilisiert ist wie ein bisschen schwanger. die entwicklung ist nur durch abtreibung aufzuhalten.
Solange Wagner also nicht tausende von minderjährigen Groupie-Mädchen zu Ohnmachtsanfällen bei Freiluftkonzerten verführt, denke ich, ist es noch "im grünen Bereich". ;)
als ich diesen satz las, schoss mir ein bild durch den kopf: Aintschie, im lila abend-hosenanzug kippt in bayreuth vom sessel in der ersten reihe.
wagner groupies duerften alle die maße 90-60-80 haben. und zwar an jedem bein.
grusel,detlef
http://www.google.com.py/search?tbm=vid&hl=es&source=hp&biw=1272&bih=857&q=vince+weber+boogie+man&gbv=2&oq=vince+weber&aq=1L&aqi=g-L3&aql=&gs_l=video-hp....