@BB & @Taurec (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard, Dienstag, 16.04.2013, 22:25 (vor 4943 Tagen) @ Taurec (4691 Aufrufe)

Hallo,

Vielleicht sollte man die umgekehrte Frage stellen: Wie sehr wurde Nostradamus von der > Tradition des "großen Monarchen" beeinflußt und von katholischen Offenbarungen?

Meines Erachtens ist Nostradamus ein seherisches Original. Im voraufgehenden Mittelalter gab es in Frankreich nur Rudimente einer Königssage, wobei Ludwig der Heilige das Vorbild war, in ähnlicher Weise wie Barbarossa bei uns (beide sind auf einem Kreuzzug gestorben). Wenn ich es richtig sehe, setzt auch unmittelbar nach Nostradamus diese intensive "Mythenbildung" noch nicht ein. Wo Nostradamus sich an die Bibel anlehnt, tut er das wohl eher aus Gründen der Vorsicht (Vorwurf der Ketzerei). Seine Orginalität kommt für mich dadurch zum Vorschein, dass er versucht (mindestens aber den Anschein erweckt), sehr spezifische Geschehenszusammenhänge darzustellen, während die alte französische Königssage, die kirchliche (Johannes-Apokalypse) und übrigens auch die spätantik sybillinische Tradition nur sehr pauschale Aussagen macht. Nostradamus erweckt dagegen den Eindruck, konkrete historische Ereignisse zu beschreiben (Orte, Namen, Gestirnskonstellationen etc.). Würde er seine Voraussagen nicht selbst entstellen und verzerren, wäre er von allen französischen Quellen wohl die wertvollste.

Die Fragen sind:
Wie unbeeinflußt, d. h. echt sind Irlmaiers Aussagen zum Kaiser/König?
Wie unbeeinflußt ist der Waldviertler, der offenbar Szenen der Kaiserkrönung, bzw. symbolische Allegorien dazu sah?

Zudem gibt es noch die Frau aus Trier, die den Kaiser vor dem Aachener Dom sah. Hatte die vor der Schau schon von Prophezeiungen und Kaiserprophetien gehört?

..... wäre mir die Quellenbasis für einen Kaiser schon beinahe zu dünn, um mit einem
Imperator zu rechnen.

Ja, so meinte ich es. Wir haben nur ein paar verstreute Hinweise, aber keine eigene "Großer-Monarch-Story". Der Monarch kommt, wenn er kommt, auch nicht aus unseren Reihen, sondern aus dem Westen. Allerdings versteht er es offenbar, bei uns Fuß zu fassen ...

Im Einzelnen: Irlmaiers König in den Lederhosen zählt, alles andere von ihm würde auch ich mit Fragezeichen versehen. Wenn der Waldviertler der Erste war, der "drei Herren in Uniformen" sieht, dann ist das original. Andernfalls (hatte nicht Irlmaier auch schon "drei Kronen" ....???) muss diese Sache beim Waldviertler mit Fragezeichen versehen werden. Ich habe an anderer Stelle (Mord auf dem Balkan) zu zeigen versucht, dass zwischen Irlmaier und dem Waldviertler oft extreme wörtliche Übereinstimmungen existieren. Sie sind entweder Abschreibe - oder aber zwei verlässliche (übersinnliche) Bezeugungen des selben (künftigen) Ereignisses. Wir werden das erst hinterher entscheiden können.

Die Frau aus Trier ist sicherlich original (wegen der ungewöhnlichen Details, die sie beschreibt) und deshalb sehr wertvoll. Es gibt in den oben zitierten französischen Quellen ebenfalls eine Aussage, dass die (bzw. eine) Krönung in Aachen stattfindet.
Fred Feuerstein hat einmal eine Berliner Seherin zitiert, die einen jungen blonden Mann beschrieb. Ich denke, dass er ebenfalls hierher gehört. Ich selbst habe in einer Traumschau seinen Familiensitz (ein Schloss) des gesehen und gehe davon aus, dass er bereits lebt.

Die ganze Königs- und Kaiserkrönerei ist in meinen Augen nicht wichtig. Es handelt sich um Formalien der Weltgeschichte. Entscheidend ist, dass die betreffenden Personen ihre Pflicht tun und die geforderte Leistung erbringen. Dazu gehört u.a. die Befriedung, die Neuordnung und der Wiederaufbau Europas. Als wichtigste Länder/Völker werden in den Prophezeiungen immer wieder Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien genannt. Diese werden vor dem Zusammenbruch natürlich keine "nationalen" Kriege mehr gegeneinander führen. Vielmehr werden sie in politische Fraktionen zerfallen, die sich dann aber auch militärisch rüsten. Und diese politischen Fraktionen werden länderübergreifend zu kooperieren versuchen, wodurch dann Grenzüberschreitungen entstehen. Daneben wird es Räuberbanden und lokale Warlords geben, sowie Reste der regulären Armeen, wie wir sie jetzt kennen, allerdings ebenfalls politisch gespalten. Es wäre naiv anzunehmen, dass die künftige Ordnung Europas dem "wahren Herrscher" einfach in den Schoß fallen würde. Die genannten politischen Fraktionen werden ihre eigenen Ziele, ihre eigene Vision von Europa verfolgen. Die Durchsetzung der von Frankreich ausgehenden monarchischen Idee wird in Deutschland aus verschiedenen Gründen relativ einfach sein, in Spanien ein wenig schwieriger (und in diesem Zusammenhang wird es einen "französisch-spanischen" Konflikt geben), in Italien dagegen wird die Lage am widrigsten sein.

Kann mich aus Zeitgründen an weiterer Diskussion leider nicht beteiligen, danke aber hiermit für Eure Antworten.

Gruss, Gerhard


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