Re: Größtes Verständnis, aber... (Schauungen & Prophezeiungen)

Eyspfeil, Vorort Stuttgart, Freitag, 01.11.2013, 00:52 (vor 4745 Tagen) @ Baldur (3662 Aufrufe)
bearbeitet von Eyspfeil, Freitag, 01.11.2013, 00:58

Hallo Baldur!

"wenn jemand aufgrund einer eigenen Wahrnehmung zu einem bestimmten Glauben findet, habe ich dafür den grösstmöglichen Respekt.

Allerdings sind es eher die berühmt-berüchtigten Evangelisten aus den Unmöglichen Staaten, die blumenreich Erweckungserfahrungen zum Besten geben. Zumindest ist mir kein Fall bekannt, in dem jemand aufgrund eines spirituellen Erlebnisses speziell zum Katholiken wurde (Heilsvermittlung nur durch Kirche/Priester, Sündenvergebung, Dreifaltigkeit, Eucharistie, Heilige und Seelige, Fegefeuer, Vorhölle (wurde durch Herrn Ratzinger geschlossen), Hölle und Co.)."

Ja, Dir persönlich ist kein Fall einer "Erweckung" bekannt, und mir auch nicht.
Aber in diversen Talkshows (BeckMaischIllWillPlasberg-Jauche-mann) ist mir schon
mancheiner 'begegnet', der aufgrund einer schweren/unheilbaren Krankheit ein
Gelübde abgelegt hat oder sich bekehrt hat - zumeist zum katholischen Glauben.

"Der interessante Verweis auf Anneliese Michel hat doch beispielhaft verdeutlicht, was üblicherweise als Nährboden vorangeht (tiefreligiöse Erziehung) und was danach folgen kann (eifernder Wahn)."

Jeder Sektenbeauftragte kann Dir erzählen, wie einfach es durch selbstverstärkende Umstände dazu kommt, sich in einen (religiösen) Wahn zu verstricken, aus dem der Betroffene selbst kaum mehr herausfindet.

Es gibt Leute, die auch ohne katholische Konditionierung Nahtoderlebnisse hatten
(z.b. im Koma aufgrund eines Verkehrsunfalls u.ä.) und die dann religiös werden,
ohne daß dies gleich in Fanatismus ausartet.

"Nochmals, wenn jemand derartiges selbst gesehen hätte, was die Katholische Kirche predigt (Sünder im Flammenmeer der Hölle, von Schreckensgestalten bedrängt), hätte ich absolutes Verständnis dafür, dass diese Person hernach Hilfe bei der Kirche sucht. Ich weiss selbst von einem Fall, in dem eine Patientin während einer Operation ein beängstigendes Erlebnis hatte, das sie als Nahtodeserlebnis empfand: Dunkelheit, Angst, Panik, ein endloses Fallen.
Aber selbst sie sah keine gehörnten Heizer mit Hufen, Schwänzen am Steiss, und stark roter Pigmentierung....."

Letzteres ist der einfachen, jungen Bevölkerung im Mittelalter als Gruselmärchen
am Kamin erzählt worden, also daß der Teufel wie eine Kuh mit Hörner
und Hufen aussehe - selbst in Tieren wurde im MA das Böse gesehen, schwarze
Katzen, Kühe, Ziegen, die haben ja schließlich Hörner, nicht wahr?
Und wieso? Weil Tiere nicht mit Menschen reden können, und die beißen,
wenn sie sich gereizt fühlen. Schwarze Katzen wurden auf dem Scheiterhaufen
verbrannt! Frösche galten als Ausgeburt des Antichristen, weil sie
Massenorgien im Teich abhalten.

"Im Übrigen gibt mir auch die Panzerverladeszene zu denken - was soll denn ein Panzersoldat, der sich nicht nur beruflich mit einem Einmarsch fremder/feindlicher Panzertruppen auseinandersetzen muss, schon anderes gewahren?, als fremde Panzersoldaten hinter seinem Vorgarten - auch das macht Sinn, aber halt nur hinsichtlich der Klassifizierung als Bewältigungseindruck. BB hat ja selbst festgehalten, dass die Szene von Anfang an keinen militärischen Sinn haben konnte.

Aber als Anschauungsobjekt für erwartungskonforme Wahrnehmungen kann sie allemal gut dienen - finde ich."

Die Sache mit den Bogener Fichten hatten wir geklärt, dachte ich: Wir kamen
überein, daß in der Schau verschiedene Ereignisebenen übereinandergelagert
sind, ähnlich transparenten Folien früher in der Schule unter dem Projektor.
Wir sind in Bogen nicht hinter die Fichte geführt worden.

Außerdem könnten wir nach Deiner These keine einzige Schauung mehr als valid
betrachten, bei der Militärs/Soldaten/Wehrdienstleistende "im Spiel" sind,
da sie durch die Materie (also Waffen, Tarnkleidung oder Panzer)
vorkonditioniert sind.

Genausogut könntest Du dann den WV in die Tonne befördern in der Manier,
da er die Fruchtfolge auf seinen Feldern während der Ereignisse sieht,
und den Funkenregen, der seine Felder abfackelt: Alles Voreingenommnheit
und Konditionierung.
Gegenthese: Die Synchronisierung und Transzendierung von Erfahrung und Gegenständen.
Denn Du kannst nichts wahrnehmen und beschreiben, was Du überhaupt nicht kennst,
wovon Du überhaupt keine Ahnung hast.
Irgendwo muß ein Berührungspunkt vorhanden sein.
Obwohl der WV diese Ereignisse (den FR, den Kältesommer) persönlich gar nicht
so erleben wird, also in Generationen nach ihm sieht sozusagen - hat
er dennoch eine Ahnung von der Landwirtschaft, von seinen Feldern, vom Wetter
seiner Heimat. Also mehr Berührungspunkte als ein Stadtmensch, der nur vor
seinem Rechner hockt.

Nehmen wir an, Kugelbeer, der die Schlechtigkeit der Menschen so sehr beklagte, hätte wirklich mal was gesehen - was hätte er 1923, also im historischen Nahbereich der russischen Oktoberrevolution und der Räterepublik im unmittelbar benachbarten Bayern, schon anderes gewahren sollen, als einen Umsturz roter und brauner Gruppen mit einer Hinrichtigungsorgie? 1923, nebenbei, Marsch auf die Feldherrnhalle.
Kugelbeer wurde doch nur für die Nachwelt abgedruckt und erhalten, weil er Pater Ellerhorsts religiöse Vorstellungen durch seine Aussagen quasi als Augenzeuge untermauern sollte. Seine fabulierte Köpfmaschine ist heute, 90 Jahre danach, doch nur noch ein schlechter Witz, aber damals konnte er die Leser beeindrucken, weswegen er zur Mission instrumentalisiert wurde.

Wem nützt es......als Schlüssel zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit......

beste Grüsse vom Baldur

Über Kugelbbeer ist viel zu wenig geforscht worden: Stammt er aus Baden in der
Schweiz oder aus Baden in Österreich? Ehrlich gesagt klingt der Text für mich
auch nur danach, um den Gläubigen in der Messe Angst zu machen vor dem pöhsen
Kommunismus. Was in den 20er Jahren ja usus war. Ich war noch in den 70ern als
Kind öfters in der katholischen Messe auf der Südalb, in der ein besonders
strenger Pfarrer die nahe Endzeit predigte aufgrund der völlig
verkommenen Menschheit...:schief:

P.S.: der US-Nervenarzt, der seine Eindrücke von einem angeblichen Nahtodeserlebnis seit kurzem vermarktet, mag ja in eigener Sache unterwegs sein - aber ich hörte nichts davon, dass er von Petrus und Co. empfangen worden sei.
Wenn jemand Zeit seines Lebens nur an Fleisch und Hirn glaubt, und auf einmal erkennt, da ist noch mehr, und umkehrt und dies bezeugt, spricht das für die Intensität seiner Wahrnehmung, und er hat prinzipiell meine Achtung und Aufmerksamkeit. So herum ist das glaubwürdiger, als ein Bestätigen, ja, WIR haben es ja schon immer gewusst, kommet zu uns.....

Moment Alder, er war ja nicht völlig tot, ohne Rückfahrtkarte!
Er wurde ja zurückgeschickt, von wem auch immer!
Dieser berühmte "Tunnel", von dem die überwiegende Mehrheit
berichtet, das ist inzwischen ein alter Hut.
Danach wurden fast alle wieder zurückgeschickt, "weiter" kam kaum einer.
Aber naja ich würde es nicht riskieren, als absolutes Schwein auf Erden
zu leben, und dann "hinterher" erwarten, im Paradies sanft aufzuwachen mit
unzähligen Jungfrauen.
Das Problem: Was passiert mit denen, die nicht mehr hier aufwachen
und Bericht erstatten? :schief:

"Nachtrag: dazu passt, wie der Klassenkamerad des Sohnes meines Arbeitskollegen weinend heimkam, weil der Religionslehrer in der Schule sagte, seine Eltern kämen nach dem Tod in die Hölle, weil sie beide geschieden seien."

Du lebst wohl sehr abgelegen in der katholischen Pampa und bist der Einzige
im Dorfe, der Zwischennetz hat?
Hat aber auch seine Vorteile, denn bei mir in der Großstadt
hört man die ganze Nacht hindurch Verkehrslärm, das kann
auch nerven, glaube mir.:schief:

LG,
Eyspfeil


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