Dazu (Schauungen & Prophezeiungen)

rauhnacht, Mittwoch, 12.02.2014, 23:19 (vor 4641 Tagen) @ Baldur (1783 Aufrufe)

Hallo Baldur,
Ich kann nicht aufwarten mit Erfahrungen, die dem gleichen könnten, was uns da womöglich erwartet, aber immerhin.
Ich bin in München aufgewachsen, als Kleinkind in Schwabing mit mütterlichen Warnhinweisen zu den „Hippies“und dann in Neuperlach, damals zumindest ein sozialer Brennpunkt mit Bandenkriegen, hoher Kriminalität und Gewalt. Mein Elternhaus war da auch nicht immer nett.
Später dann hab ich ein paar Jahre in Westberlin gelebt, bis ich mich dann zur „Kinderaufzucht“ aufs Land zurück zog.
Da gibt es dann schon etliche Geschichtchen, kein Vergleich zu wirklich heftigerem, aber zumindest habe ich eine Ahnung bekommen, was passieren kann und wie ich reagier.
Berufsmäßig muss und darf ich mit „schwer erziehbaren“ Jugendlichen und Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung einen alltäglichen Weg finden. Glaub mir, da gibt es mitunter schon reichlich heftiges. Mit nur „Love and Peace“ kommt man da nicht weit und nutzt auch niemand.
Schlüsselerlebnis hatte ich auf – Huch – Demos. Ich war auf Demos gegen die Stationierung fremder Waffen in unserem Land und gegen Atomkraft. Die Gewalt, die sich da Bahn brach, und vor allem auch derer, die da für Frieden und eine gesunde Welt demonstrierten, fand ich sehr erschreckend. Gegner war dann nicht mehr das „Politbüro“, sondern der Polizist, der ähnlich mitgerissen in teils unglaublicher Brutalität reagierte. Ich spürte aber hautnah, was da mit manch einem vermeintlichem „Gutmenschen“ passiert und auch mit mir. Wenn Du mittendrin bist in der Panik, der Gewalt der Dich umgebenden Menschen, spürst Du das wie eine Welle, die Dich trifft und droht Dich fort zu reißen in ein rein reaktives Verhalten. Allein dies Spüren reichte bei mir schon, um sofort die Reißleine zu ziehen, ich schwor mir, ich geh auf keine Demo mehr, solange ich nicht auch in solch Situationen bewusst bleiben kann.
Später dann war ich auf noch einer, die es wirklich wert war, die Gewalt und Panik war für mich damals unglaublich, aber ich habe Stand gehalten. Ohne Aggression blieb ich einfach nur stehen, als der entfesselte Polizist die junge Frau neben mir niederprügelte und sah, so unglaublich dies klingt, einfach nur zu. Schwupps, waren es dann neben mir erst einer dann 2 oder 3, die dasselbe taten, ich spürte förmlich, welche Wirkung dies auf den Polizist hatte und gemeinsam kümmerten wir uns dann um die Frau. Vorher, eine energetische Welle der Panik, alles rannte los, Hals über Kopf und blind. Ich blieb, wohlgemerkt am Laternenpfahl, einfach nur stehen und drehte mich um. Schwupps wurden es immer mehr, die um mich herum einfach stehen blieben. Da hatte lediglich irgendwo ein Idiot einen Stein in ein Schaufenster geschmissen. Die Masse weiter entfernt von uns , rannte weiter.
Die Menschen, die meinen sich beweisen zu müssen, aus Selbstwert und verblendeter Ideologie, damals vorrangig auf Seiten der Demonstranten sind am schwersten zu stoppen und am gefährlichsten, aber auch das geht. Manchmal.

Ja, nun hab ich ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert, aber: Das war es mir wert.

Denn: Niemals den eigenen Wert verlieren und sich einfach nur mitreissen lassen, sehr schwer und überaus lohnend.

Viele Grüße, Rauhnacht


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