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Re: Reiche (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Sonntag, 11.10.2009, 15:13 (vor 6060 Tagen) @ Monsignore (3516 Aufrufe)
bearbeitet von Forumsleitung, Sonntag, 11.10.2009, 16:26

Hallo!

Sofern sich nicht alle Konstanten der menschlichen Natur verschieben und die Welt nachher völlig anders funktioniert, wird es danach auch reiche geben.
Das liegt allein schon daran, daß es stets Menschen geben wird, die in manchen Bereichen fähiger und talentierter sind als andere und dementsprechend - aus Überlegenheit - Macht und Reichtum anhäufen können.
Es wird in jeder menschlichen Gesellschaft immer Starke und Schwache geben. Das ist eine Tatsache des Lebens schlechthin.

Sobald es eine Währung, also Geld gibt, gibt es auch reiche. Eine Gesellschaft ohne Geld ist für eine Kultur, bzw. Zivilisation, die sich über die Stufe des stadtlosen Feudalwesens hinausentwickelt hat, unmöglich zu handhaben.
Das mag es in der ersten Zeit danach geben, aber je weiter die Zeit voranschreitet, desto mehr wird sich wieder die gewohnte Konzentration in Städten einstellen, für deren Wirtschaftsleben Geld unerläßlich ist.
Über "feudalistische Stammeswirtschaft" sind wir bereits seit Jahrhunderten hinweg und die Geschichte läßt sich nicht zurückdrehen. Die meisten Menschen heute sind, auch wenn sie auf dem Lande leben, in seelischer Hinsicht entwurzelte Großstädter ohne innere und funktionale Bindung zu dem Land, auf dem sie leben. (Bei 1% in der Landwirtschaft Tätigen kein Wunder.) Das werden sie auch nachher sein. Sie haben einen inneren Drang zu städtischen Lebensweisen, welche sich, sobald es die Umstände zulassen, wieder ausbilden werden. Auch wenn alle Städte entvölkert sind, werden sich rasch an geeigneten Stellen Marktflecken und daraus Städte mit städtischen Berufen und Denkweisen bilden.
Hinzu kommt die Gewohntheit, sich als Nation zu betrachten. Beides wird dazu führen, daß sich danach wieder überregionale Verbindungen bilden, welche die Organisation einer Stammeskultur bei weitem überschreiten.
Das ist zwangsläufig. Wir können von der erreichten Zivilisationsstufe nicht mehr lange oder dauerhaft zurückstürzen. Es sei denn, die Menschheit wird derart dezimiert, daß über Jahrhunderte nur vereinzelte Horden durch die Ruinenfelder ziehen, ohne einander oft zu begegnen, wobei jede Erinnerung an die frühere Kultur und die Fähigkeiten, ihre Überreste zu verstehen, nach wenigen Generationen bereits verschwunden sind. Das wäre ein völliger Neuanfang. Davon künden die Schauungen jedoch nicht.

Auch die Feudalwirtschaft, die Du postulierst, bedingt beiläufig schon, daß es welche gibt, Lehnsherren eben, die als Herrschende mehr haben als andere. Es gibt auch dort einen mit der Macht verbundenen Reichtum und Prunk als Ausdruck der Macht.

Was der Imperator macht, ist das zügellose Denken in Geld, welches das gesamte Leben der Wirtschaft und dem Gewinnmachen unterordnet, wieder unter die Herrschaft der politischen Seite des Lebens zu bringen, nämlich in dem Sinne, daß die Wirtschaft den Eroberungs- und Gestaltungsplänen des Imperators zu Diensten zu sein hat. Der Imperator will Geld nicht um des Geldes willen, sondern um die Welt in seinem Sinne zu ordnen.

Bei den heutigen Machteliten scheint es mir indes so zu sein, daß ihr Machtwille allein dorthin wirkt, selbst mit möglichst wenig Aufwand ein angenehmes Leben zu führen, indem das Vermögen der Mehrheit zugunsten dieser Minderheit nach oben umgeschichtet wird. Nebenbei soll den Menschen durch die durchgeplante Vernichtung aller von den Vorfahren ererbten gewachsenen Strukturen (Volk und Familie) jegliche Möglichkeit genommen werden, sich zu einer Gegenbewegung zu formieren.

Oswald Spengler beschrieb 1922 für die Imperatoren gegenteilige Intentionen (falls es jemand lesen will):

"Durch das Geld vernichtet die Demokratie sich selbst, nachdem das Geld den Geist vernichtet hat. Aber eben weil alle Träume verflogen sind, daß die Wirklichkeit sich jemals durch die Gedanken irgendeines Zenon oder Marx verbessern ließe, und man gelernt hat, daß im Reiche der Wirklichkeit ein Machtwille nur durch einen andern gestürzt werden kann - das ist die große Erfahrung im Zeitalter der kämpfenden Staaten - erwacht endlich eine tiefe Sehnsucht nach allem, was noch von alten, edlen Traditionen lebt. Man ist der Geldwirtschaft müde bis zum Ekel. Man hofft auf eine Erlösung irgendwoher, auf einen echten Ton von Ehre und Ritterlichkeit, von innerem Adel, von Entsagung und Pflicht. Und nun bricht die Zeit an, wo in der Tiefe die formvollen Mächte des Blutes wieder erwachen, die durch den Rationalismus der großen Städte verdrängt worden sind. Alles was sich an dynamischer Tradition, an altem Adel für die Zukunft aufgespart hat, an vornehmer, über das Geld erhabener Sitte, alles was in sich stark genug ist, um nach dem Worte Friedrichs des Großen Diener des Staates zu sein in harter, entsagungsvoller, sorgender Arbeit, gerade im Besitz einer schrankenlosen Gewalt, alles was ich dem Kapitalismus gegenüber als Sozialismus bezeichnet hatte, alles das wird plötzlich zum Sammelpunkt ungeheurer Lebenskräfte. Der Cäsarismus wächst auf dem Boden der Demokratie, aber seine Wurzeln reichen tief in die Untergründe des Blutes und der Tradition hinab. Seine Gewalt verdankt der antike Cäsar dem Tribunat, seine Würde und damit seine Dauer aber besitzt er als Prinzeps. Auch hier erwacht die Seele der frühen Gotik noch einmal: Der Geist der Ritterorden überwindet das beutelustige Wikingertum. Mögen die Machthaber der Zukunft, da die große politische Form der Kultur unwiderruflich zerfallen ist, die Welt als Privatbesitz beherrschen, so enthält diese formlose und grenzenlose Macht doch eine Aufgabe, die der unermüdlichen Sorge um diese Welt, die das Gegenteil aller Interessen im Zeitalter der Geldherrschaft ist und die ein hohes Ehrgefühl und Pflichtbewußtsein fordert. Aber eben deshalb erhebt sich nun der Endkampf zwischen Demokratie und Cäsarismus, zwischen den führenden Mächten einer diktatorischen Geldwirtschaft und dem rein politischen Ordnungswillen der Cäsaren."

Falls der Imperator sich tatsächlich an Spenglers Worte hält und sich statt als rücksichtsloser Schnitter als Gärtner der Völker betätigen will, kann ich seine Herrschaft nur begrüßen.
Die Brechung der Geldherrschaft hängt nicht davon ab, daß alle Grundlagen dafür vernichtet wären, sondern daß jemand an die Macht kommt, der dieses System zutiefst hasst.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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