bälle und ihre bögen (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard, Samstag, 03.04.2010, 08:55 (vor 5886 Tagen) @ RichardS (4188 Aufrufe)

Lieber Richard – herzlichen Dank für Deine ausführliche Replik auf meine „Rätselfrage“!

Keineswegs empfinde ich Dich als Spielverderber: ganz im Gegenteil hast Du meinen Ball ja aufgegriffen und spielst ihn weiter - und nur scheinbar in eine ganz andere Richtung. Doch bevor ich nach dem Trace-Traum-Ball greife, zuerst ein paar Gedanken zu der grundsätzlichen Frage, die Du zu Anfang anschneidest: sind Träume Schauungen?

Meine Antwort ist persönlich und beruht auf eigenem Experimentieren, Lesen und Nachdenken, ich beanspruche keine Allgemeinverbindlichkeit.

Was wir hier im Forum unter „Sehen“ oder unter einer „Schau“ verstehen, ist eine Wahrnehmungsweise, die in doppeltem Sinne gegenüber unserer alltäglichen Wahrnehmung verändert ist.

(1) Zum einen nämlich beruht dieses „Sehen“ auf einer veränderten Physiologie des Gehirns und der Sinnesorgane, wobei man vielleicht sagen könnte, die normalen Wege der Sinneswahrnehmung und –verarbeitung sind abgeschaltet. Nicht ganz allerdings, denn eigenartiger Weise bleibt die Beeindruckbarkeit des Bewusstseins erhalten, überdies sogar die Fähigkeit, das Wahrgenommene aufzubereiten und im Gedächtnis abzuspeichern. Jedenfalls aber ist der gesamte normale Input kurzzeitig ausgeblendet, und statt Licht- und Schallwellen empfangen wir beim „Sehen“ sozusagen auf Infrarot- oder Radarfrequenz. Bildlich gesprochen - denn was m.E. genau passiert, könnte ich hier nicht erklären, ohne sehr weit abzuschweifen.

(2) Die andere Sache, die sich beim Sehen verändert: der Seher nimmt die Dinge nicht mehr so wahr, wie sie normalerweise und „real“ sind. Dies ist unmittelbar einleuchtend und logisch zwingend, dennoch sind wir, auch hier im Forum, uns dessen meist nicht bewusst. Wenn nämlich Irlmaier irgendwelche chinesischen Truppen vom Chiemgau heranziehen sieht, dann ist diese Truppenbewegung räumlich und zeitlich von Irlmaier entfernt, gehört also nicht der „Realität“ an, in der sich Irlmaier „äußerlich“ gesehen zum Zeitpunkt der Schau befindet.
Denn nehmen wir nun mal an, Irlmaiers geschaute Truppenbewegung „bestätigt“ sich. Wir sind dann gleichzeitig gezwungen anzunehmen, dass das, was sich mit der „Bestätigung“ zur gewohnten Alltagsrealität verdichtet (hat), bereits außerhalb/abseits dieser Realität in irgendeiner unerklärlichen Weise schon vorhanden ist (bzw. war). Vorsichtigerweise, um Diskussionen über Determiniertheit abzuwimmeln, könnte ich anfügen: zumindest als Möglichkeit müsste es vorhanden (gewesen) sein. Doch wie auch immer, lange philosophische Umwege würden zu keinem anderen Ergebnis führen: die alltägliche Realität ist nur eine Seite der „Dinge“, nämlich ihre Projektion in die energetisch variable Raum-Zeit-Struktur hinein.

Ich fasse die Punkte (1) und (2) abschließend in einem Bild zusammen: der Film, der im Kino zwei Stunden lang (=Zeit) auf die Leinwand (=Raum) projiziert wird, liegt auch als Filmrolle vor. Auf dieser Filmrolle kann ihn ein verändertes Wahrnehmungsbewußtsein gemäß (1) auch ohne Vorführung und Leinwand direkt betrachten.

Wie nun verändert man das Wahrnehmungsbewusstsein, damit es die Dinge außerhalb der sekundären Leinwandrealität, also direkt auf der primären Filmrolle, betrachten kann? Es gibt hundert Wege, um diese Verschiebung der Wahrnehmung zu bewerkstelligen, kurze und lange Wege, holprige und ebene Wege, verwundene und gerade Wege – und außerdem dazu noch eine ganze Menge Sackgassen.

Einer dieser Wege ist der Traum. Genauer gesagt ist dieser „Traumweg“ ein sehr schmaler Pfad, der sich an der Grenze zwischen dem gewöhnlichen Traum und dem Wachbewusstsein entlang schlängelt. Auf diesem sehr glitschigen Pfad kann unser Bewusstsein, wenn es vom Träumen ins Aufwachen überwechseln will, entgegen der gewohnten täglichen Routine halt auch mal ausrutschen – und landet dann kurzzeitig in einer „Schau“ gemäß (1). Ein Ausrutscher also.

Ich glaube es ist unbestritten, wenigstens für all jene, die das Phänomen Präkognition akzeptieren, dass die meisten Präkognitionen in Verbindung mit dem „Träumen“ stattfinden. Ich gebrauchte mit Bedacht die Formulierung „in Verbindung mit dem Träumen“, sage also nicht „im Traum“.

Es gibt nun ein Merkmal im Traum von Trace, das in mir die Vermutung (wohlgemerkt: Vermutung!) aufkommen liess, dass es sich nicht um einen Traum sondern eine Schau handeln könnte (wohlgemerkt: könnte!): das ist die Wasserflut am Ende ihres Traumes. Auf Rückfrage hat Trace mir bestätigt (nachzulesen in den „Ergänzungen“), dass sie diese Wasserflut, wiewohl als umhüllend, doch nicht als beängstigend empfunden hat. Ganz im Gegensatz zu anderen Flutschauungen, die man in den Quellen des Forums nachlesen kann oder die Taurec neulich wieder zitiert hat **) oder die wir in gewöhnlichen Alpträumen haben mögen, ist die Wasserflut bei Trace offenbar völlig ungefährlich. Warum? Weil es weder eine eingebildete noch eine vorausgeschaute und künftig vielleicht mal reale Wasserflut ist, sondern es ist eine Interpretation für etwas, das das Bewusstsein von Trace nicht „verstanden“ hat, jedoch naheliegenderweise ***) mit einem Wasserschwall assoziiert. Was aber ist es, das Trace nicht verstand?

Wenn man bei alten analogen Radios von einem Sender in den anderen wechseln wollte, dann kam man beim Drehen am Frequenzband meist durch eine Zone mit Rauschen und Knacken hindurch, bevor ein neuer Sender wieder klar zu hören, also die Frequenz richtig eingestellt war. Auf ähnliche Weise erlebt der Seher oft am Beginn und Ende einer Schau, mithin bei der Verschiebung in den veränderten Wahrnehmungszustand (und wieder zurück), merkwürdige Erscheinungen, sei es dass er unnatürliche Lichter sieht oder Schlangen um ihn herum wuseln, oder dass er durch Schwefeldämpfe hindurch muss oder einen Tunnel entlang gejagt wird – oder was immer. Dabei handelt es sich aber (in den meisten Fällen) nur um die letzten Spuren der Transformation des Bewusstseins (von einer „Frequenz“ der Wahrnehmung in eine andere). Ein Meisterseher wie Irlmaier hat diese „Randeffekte“ nicht mehr, obwohl er, da bin ich mir sehr sicher, zumindest in den ersten Jahren seines Sehertums wahrscheinlich eine „Aura“ vor und nach seiner Schau oder auch „um seine Schau herum“ wahrgenommen hat. Doch warum sollte er anderen (verständnislosen) Menschen davon berichten? Trace hat, nach meiner Vermutung (!), den Übergang vom Traum in die Schau nicht bemerkt. Oder aber sie ging vom traumlosen Tiefschlaf direkt in die Schau. Die Schau lag dann bereits im Fokus des Bewusstseins (und damit der späteren Erinnerung), die Verschiebung der Schau ins Wachbewusstsein hinein hat Trace dann als dieses einhüllende Wasser empfunden. Alle diese Vermutungen immer unter der Annahme, dass es eine Schau war.

Ein Meisterseher wie Irlmaier muß natürlich nicht den Umweg über den Traum gehen: er hat angeboren die Fähigkeit, direkt aus dem Alltagsbewusstsein heraus in den veränderten Zustand einzutreten – und sich auf direktem Weg in die Filmrolle aus Zelluloid hineinzubegeben, die gewünschte Bildsequenz herauszusuchen und sie kraft seines Bewusstseins für einen Moment zu beleuchten. Und zwar klar. Nicht verschwommen.

Nach dieser meiner langen und abwegigen Vorrede nun zum eigentlichen Punkt. Ich gebe Dir, Richard, vollkommen Recht: der Traum von Trace kann ein ganz gewöhnlicher Traum sein – oder auch nicht. Und ganz gewöhnliche Träume, wie Du ausführst, können bereits Meisterwerke der Regiekunst und Kulisse sein. Es ist ein absolutes Mysterium, dass unsere Seele, wenn sie gut drauf ist, ganze Filmhandlungen zusammenstellen kann, absolut spannend, mit echten oder unechten Personen, Kostümen, Szenen, in Farbe natürlich und inklusive Filmmusik. Was in der Realität der Traumfabrik Hollywood Millionen Dollar kostet, machen wir nebenbei im Schlaf. Ob es tatsächlich Illusion ist, das steht auf einem anderen Papier. Wirklich ist der Traum in jedem Fall – für das wahrnehmende Bewusstsein zumindest. Und der „Traum“ von Trace, selbst wenn er fiktiv war, kann deshalb, Du deutest es an, trotzdem eine „tiefere Wahrheit“ enthalten – wohlgemerkt: kann! Es könnte aber auch sein, dass Trace direkt an der echten Filmrolle war, und andererseits könnte es sein, dass ihr Bewusstsein sich mit einem anderen Bewusstsein vereinigt hat (communicatio!), das sich ebenfalls an der Filmrolle zu schaffen gemacht hat – oder das, der Wahnsinn, selbst ein Teil der Filmrolle ist? Tausend Dinge sind möglich. Wir kommen nur weiter, einen kleinen Schritt wenigstens, wenn wir die Stadt identifizieren können. Oder wenn es diese Stadt, in unserer Realität, nachweislich nicht gibt. Dieses Universum ist ein MegaMegaEvent, das unsere beschränkte Vorstellungskraft und bescheidenen Möglichkeiten völlig sprengt!

Zum Schluss darf ich unseren Spielball deshalb einmal ganz hoch werfen, indem ich behaupte, aber nicht beweise: die Filmrolle unseres Universums wird in Echtzeit erst im Augenblick der Projektion zusammengesetzt. Wie bei einem Dreh in Hollywood existieren zu einer Szene verschiedene Einspielungen, ja es gibt Szenen, die zwar gedreht, aber dann, im letzten Moment vor der Projektion, doch noch herausgeschnitten werden. Und schlimmer noch: die Bildchen, die sich auf der Filmrolle in Sequenzen aneinanderreihen, und die das Bewusstsein direkt oder via Leinwand betrachten kann, sind nicht aus Zelluloid sondern sie bestehen auch nur aus Bewusstseinstoff. Sie sind nur Bewusstseinsmuster und werden in Echtzeit multipel gedreht, geschnitten, projiziert und betrachtet. Darüber, was am Ende real wird, entscheidet allein die Kraft der Intention. Die das Bewusstsein fixiert. Es ist reine Magie.

Vor etwa 2500 Jahren hat der Mensch diese Zusammenhänge erstmals rational begriffen. Und Männer wie Pythagoras, Sokrates und Platon haben versucht, ihre Erkenntnisse „zur Sprache“ zu bringen. Für mein Verständnis waren ihre Höhlengleichnisse noch viel zu kompliziert. Die Kollegen, die zur gleichen Zeit nackt im indischen Dschungel rumhockten, Upanishaden genannt, oder die, wie Shankara, barfuss von Tempel zu Tempel wanderten, waren wohl etliche Schritte weiter in der Kunst der Schau wie auch in der Kunst der prägnanten rationalen Formulierung. Bei ihnen liest sich das dann so:

Der Seher und das Gesehene, wiewohl getrennt, sind eins.
Schöpfer und Schöpfung, wiewohl verschieden, sind dasselbe.
Die Natur des schaffenden Geistes aber ist Licht.
Wirbelnd fließendes Licht.

Ich glaube, Richard, der Ball fliegt jetzt gerade irgendwo außerhalb des Spielfeldes umher.
Hätte vollstes Verständnis, wenn Taurec „Abseits!“ ruft, und Du mir nun den Vorwurf machst, ich hätte das Spiel verdorben!
Oder möchtest Du den Ball auffangen?

Dein Gerhard

**) der Mann, der mehrfach im Leben immer wieder die gleichen Überflutungsschauen hatte; anfangs, wenn ich mich erinnere, kamen sie aus dem Schlaf/Traum heraus

***) ich vermute (!), dass das interpretierende bzw. assoziierende Bewußtsein zum Bild der "Flut" gegriffen hat, weil kurz zuvor Trace ohnehin schon "Wasserberührung" hatte.


Gesamter Strang: