gute Arbeit ! (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard, Donnerstag, 08.04.2010, 21:01 (vor 5881 Tagen) @ Elfe (3951 Aufrufe)

Liebe Elfe,

vielen Dank für den Link, den ich leider erst heute ganz durchlesen konnte - und deshalb dauerte es so lange, bis meine Antwort kommt.

Bin beeindruckt, mit welch sicherem Gespür Du diesen Text in den Weiten und in der Fülle des Internet gefunden hast. Denn es ist eine wirklich gute Übersicht über den Stand der Traumforschung - vor allem im Hinblick auf PSI - bis zum Jahr 1978. Im Grunde ist man heute nicht viel weiter, denn die umfassende Theorie, die der Autor fordert (um Wachbewußtsein, Traumbewußtsein, PSI-Zustände miteinander in sinnvolle Beziehung zu bringen), konnte bislang nicht entwickelt werden. Wenigstens nicht von der modernen Wissenschaft. In anderen Kulturen ist man m.E. fortgeschrittener, aber die betreffenden Koordinatensysteme, die in jahrtausendlanger Praxis entwickelt wurden, werden von westlichen Wissenschaftlern nicht anerkannt.

Es ärgert mich jetzt etwas, dass ich den Artikel nicht gleich ganz gelesen habe, denn dann hätte ich sofort auf ihn verweisen können, als Detlef behauptete:

"Schauungen sind etwas grundsaetzlich anderes als Traeume. Und sie gehen auch nicht von Traeumen aus."

In dem von Dir verlinkten Artikel steht nämlich:

"These accounts strongly suggest that the dreaming state is the psi-conducive state. Psi correspondences in dreams were found to be more complete and less fragmentary than in reports of waking psi experiences."

(Mit PSI war hier gemeint: Präkognition und Telepathie)

Detlef hat in betreffendem Beitrag nicht ausdrücklich gesagt, dass er daran zweifelt, im Traum könne überhaupt Präkognition stattfinden. Aber ich gewinne fast den Eindruck. Jedenfalls will ich hier nochmals festhalten, dass es Stand der Wissenschaft ist, dass in Träumen oder (falls man die eigentliche PSI-Wahrnehmung vom gewöhnlichen Traum unterscheiden möchte) vom Träumen ausgehend Präkognition möglich ist. Ein beeindruckendes Beispiel, wenn man von der englischen Literatur wegkommen will, ist das Traumtagebuch der Christine Mylius, das von Professor Bender (der auch die Feldpostbriefe untersuchte) herausgegeben worden ist. Von den rund 1300 protokollierten Träumen sind etwa 10% präkognitiv.

Fast also komme ich mir etwas blöde vor, wenn ich solche Binsenweisheiten hier auf diesem Forum verteidigen muss (macht aber nichts ...). Wobei ich andererseits sofort zugestehen kann, dass es Personen gibt, die PSI-Wahrnehmungen im Wachbewußtsein haben können. So war es offensichtlich bei Irlmaier, oder bei der Helmsauer Marie (Bekh), oder auch beim Waldviertler Bauern. Doch gerade letzteren betreffend meine ich einmal gelesen zu haben, dass seine erste "Vision" im Schlaf oder beim Aufwachen zu ihm gekommen sei. Von da ab hatte er das dann immer öfter und auch tagsüber (vorzugsweise aber in entspannten Zuständen). Die Gesichte hätten dann aber irgendwann wieder aufgehört. Als ich auf der Suche nach dem Beleg hierzu die Bayerischen Hellseher von Bekh durchgeblättert habe ***, fiel mir auf, bei wie vielen anderen (Holzhauser, Stockert etc.) der Schlaf bzw. die Nacht bzw. der Traum mit der Schau verbunden waren. Selbst ein Profi wie Croiset bezeichnet seine Schauungen als "traumähnlich". Sehr interessant sind die Seiten über Croiset bei Bekh (vor allem wg. der Rolle der Telepathie). Und auch die folgende Seite zu Croiset ist sehr instruktiv, weil sie in knappen Worten sehr viele wichtige Sachverhalte mit Bezug zur "Seherei" aufführt.

http://www.parasearch.de/mysteria/fw/fw6008.htm

Was kann man positiv aus dieser Diskussion mitnehmen? Bei der Analyse von präkognitivem Material muss unbedingt beachtet werden, ob es aus einer Schau im Wachbewußtsein stammt oder aus einem "Traum". Die Schau vom Tage mag realistischer sein, aber es ergibt sich daraus selbst keine Gewähr, dass sie auch wahr ist oder sich bewahrheitet. Die Präkognition im Traum ist per se nicht besser oder schlechter (in Bezug auf den Wahrheitsgehalt), aber es ist viel schwieriger sie zu analysieren, weil sie durch die bekannten Wirrnise und Tücken des Traumes verzerrt sein kann - nicht notwendigerweise aber verzerrt sein muss. Es zählt am Ende immer die Analyse, Prüfung, Evidenz und Bestätigung.

Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die berühmte Vision des Chemikers Kekule zum Bezolring. Sie kam ihm im Halbschlaf, als er über seiner Arbeit am Schreibtisch einzunicken drohte. Es hat mehrere Jahre gedauert, bis er seine "Idee" dann veröffentlichte, und es hat viele weitere Jahre gedauert, bis man dann durch weitere Experimente und Berechnungen sicher war, dass die Kohlenstoffatome einen Ring bilden können. Heute ist der Benzolring Wirklichkeit, und er war es schon (fast) seit Anbeginn des Universums. Aber erst seit Kekules Traum "wissen" wir es.

Liebe Elfe, ich bitte um Nachsicht, dass ich ausgerechnet an Dich gerichtet alle diese Dinge schreibe! Aber Du verstehst, dass es auch für anderere interessierte Mitleser und Mitleserinnen gemeint ist. Und ganz sicher werde ich beim nächsten Mal alle Deine Links sofort verschlingen. Oder ist das zu viel versprochen?;-)

Herzliche Grüße, Gerhard

***) Hab die Stelle nicht gefunden. Kann auch bei Gann oder (weniger wahrscheinlich) bei Werdenberg gewesen sein. Die habe ich aber nicht zur Hand.


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